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Zur Geschichte der Schrift

Title: Zur Geschichte der Schrift

Lesson Plan , 2003 , 37 Pages

Autor:in: Bernhard Schnelle (Author)

Art - Miscellaneous
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Seit dem 1. August 1998 gibt es denüber 500 Jahre alten Beruf des Schriftsetzers offiziell nicht mehr. Angesichts der technologischen Entwicklung erschien es dem Zentralen Fachausschuß,der vom Bundesverband Druck und der Industrie-Gewerkschaft Medien getragenwird, sinnvoll, diesen Berufszweig in dem neuen Berufsbild »Mediengestalter« aufgehen zu lassen. Verschiedene Unklarheiten haften diesem bis heute an, so z.B. die Frage nach der Dauer der Ausbildung oder die fehlende Klarheit der Lerninhalte; doch dies soll nicht Thema dieser Einführung sein. Hier gehtes vielmehr um den Einsatz von Schrift. Tausende von Fonts sind heute auf eine einzige CD-ROM gebrannt, von Unzialschriften, gotischen Schriften, Schreibschriften der Renaissance bis hin zu den Experimentalschriften der Gegenwart ist so ziemlich alles vertreten, und was dem Gestalter am Bildschirm zur Verfügung steht, wird dann auch hemmungslos angewandt. Da werden häufig abenteuerliche Schriftmischungen vorgenommen, Headlines aus der Fraktur im Versalsatz produziert und die Frage, ob die ausgewählte Schrift eigentlich zum Inhalt des Textes paßt, scheint ein Relikt aus der Vergangenheit zu sein.

Woraus resultiert diese offensichtliche Unkenntnis? Doch wohl auch aus dem Nichtwissen um den Ursprung und die Herkunft jener Schrift, die uns tagtäglich umgibt und mit der wir allzu häufig respektlos umgehen.

Haben unsere Professoren, Ausbilder und Berufsschullehrer in den zurückliegenden Jahren zu viel Technik und zu wenig Theorie vermittelt, oder sind dieDefizite bereits den allgemeinbildenden Schulen anzulasten? Wie auch immer: Schrift bleibt auch im Zeitalter des Internet und des Database publishing unser wichtigster Informationsträger, sie bleibt, wie Hildegard Korger sehr richtig bemerkt, eines der kostbarsten Kulturgüter der Menschheit. Grund genug also, sich mit den Wurzeln unserer Lateinischen Schrift zu befassen.

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Also, auf in die Vergangenheit, genauer gesagt, in das 6. Jahrtausend vor der Zeitwende.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

3 Woher kommt eigentlich unsere Schrift?

Eine kleine Einführung in die Schriftgeschichte

16 Bildbeispiele zur Geschichte der Schrift

25 Zur Geschichte der arabischen Ziffern

29 Geheimnisvolle Zeichen, fast vergessene Alphabete

Zwei Beispiele

32 Tabellen, Karten

Zielsetzung & Themen

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über die historische Entwicklung der Schrift und der arabischen Ziffern zu geben, um ein tieferes Verständnis für den Stellenwert und die ästhetische Gestaltung unserer heutigen Schriftkulturen zu vermitteln.

  • Wurzeln der Schriftentwicklung in Alteuropa und dem Nahen Osten
  • Die Evolution der lateinischen Schrift von der phönikischen Basis bis zur Humanistischen Minuskel
  • Die Entwicklung und Verbreitung der indisch-arabischen Ziffern in Europa
  • Betrachtung isolierter Schriftsysteme als kulturhistorische Phänomene

Auszug aus dem Buch

Die Hypothese der alteuropäischen Wurzeln

Noch vor wenigen Jahren galt es als unbestritten, daß das älteste Schriftsystem der Welt vor etwa 5000 Jahren von den Sumerern im Zweistromland (Mesopotamien) entwickelt wurde und sich dann von dort in die anderen Hochkulturen des Altertums verbreitete. So haben es Generationen von Gutenberg-Jüngern in der Schule gelernt, so kann man es auch in den Lexika nachlesen. In den letzten Jahren hat diese These der Monogenese der Schrift allerdings erhebliche Kratzer bekommen. Seit den Veröffentlichungen der litauischen Archäologin M. Gimbutas in den siebziger und achtziger Jahren wissen wir von einer noch älteren, vor-indogermanischen europäischen Schrift. Die sogenannte Vinča-Kultur besiedelte bereits im 6. Jahrtausend vdZ den Balkanraum zwischen Adria und Karpaten, zwischen dem heutigen Ungarn und dem nördlichen Griechenland. Die hier bei Ausgrabungen gefundenen Zeugnisse einer frühen europäischen Sakralschrift haben Wissenschaftler zu der Annahme gebracht, daß aus ihr die kretische Linear A-Schrift entstanden ist. Harald Haarmann hat in seinem empfehlenswerten Werk Universalgeschichte der Schrift auf die Wahrscheinlichkeit einer frühen Wanderung der Vinča-Kultur in den ägäischen Raum hingewiesen. Földes-Papp hatte bereits 1966 in seinem Werk Vom Felsbild zum Alphabet auf die, wie er es nannte, Kretische Hypothese bei der Entwicklung des Konsonantenalphabets hingewiesen, freilich ohne Kenntnis der erst später gemachten Entdeckungen der Archäologen.

Zusammenfassung der Kapitel

Woher kommt eigentlich unsere Schrift?: Eine einleitende Betrachtung zur Bedeutung der Schrift als Kulturgut sowie eine wissenschaftliche Diskussion über alternative Ursprünge der Schriftentwicklung in Alteuropa.

Bildbeispiele zur Geschichte der Schrift: Eine umfangreiche visuelle Dokumentation verschiedener Schriftformen, von der Capitalis monumentalis bis zur gotischen Kursiv.

Zur Geschichte der arabischen Ziffern: Erläuterung der Herkunft des Stellenwertsystems und der Verbreitung indischer Zahlzeichen über den arabischen Raum nach Europa.

Geheimnisvolle Zeichen, fast vergessene Alphabete: Untersuchung spezieller historischer Fallbeispiele wie dem osmanischen Alphabet in Somalia und den rätselhaften Letteros der kanarischen Guanchen.

Tabellen, Karten: Zusammenfassende Übersichten zur Entwicklung des Alphabets sowie zur geografischen Ausbreitung der Schriftsysteme.

Schlüsselwörter

Schriftgeschichte, Paläographie, Vinča-Kultur, Capitalis monumentalis, Unziale, Karolingische Minuskel, Arabische Ziffern, Epigraphik, Schriftentwicklung, Schriftsysteme, Typografie, Mediengestalter, Sprachhistorie, Antike, lateinisches Alphabet.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die Geschichte der Schrift, beginnend bei den frühen Wurzeln bis hin zur Entwicklung der heute gebräuchlichen lateinischen Buchstaben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung der Schrift im Altertum, die Entwicklung spezifischer Schriftstile wie der Unziale oder der Karolingischen Minuskel sowie die historische Herleitung unserer arabischen Ziffern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das mangelnde Wissen über die Herkunft unserer alltäglichen Schriftzeichen zu adressieren und durch historisches Fachwissen ein tieferes Verständnis für Schrift als kostbares Kulturgut zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf archäologische Forschungsergebnisse, vergleichende Paläographie und die Analyse historischer Schriftzeugnisse und Dokumente.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Entwicklungsstufen von der Capitalis über die Unziale und die mittelalterlichen Regionalschriften bis hin zur Karolingischen Minuskel und den humanistischen Schriften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Schriftgeschichte, Paläographie, lateinische Schrift, arabische Ziffern und die verschiedenen Epochen der Schriftgestaltung.

Welche Bedeutung haben die "alteuropäischen Wurzeln" laut Autor?

Der Autor stellt die klassische Lehrmeinung der mesopotamischen Monogenese in Frage und verweist auf ältere Funde der Vinča-Kultur, die eine eigenständige europäische Entwicklung nahelegen könnten.

Warum wird der Schriftenstreit in Somalia als Fallbeispiel angeführt?

Dieses Beispiel illustriert die Komplexität und den politischen Charakter bei der Einführung oder Wahl eines nationalen Schriftsystems in einem postkolonialen Kontext.

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Details

Title
Zur Geschichte der Schrift
College
Braunschweig Academy of fine arts  (Werkstatt Satztechnik)
Course
Werkstattkurs
Author
Bernhard Schnelle (Author)
Publication Year
2003
Pages
37
Catalog Number
V11529
ISBN (eBook)
9783638176644
Language
German
Tags
Lateinische Schrift
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernhard Schnelle (Author), 2003, Zur Geschichte der Schrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11529
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