In der Stadt Fürth entwickelte sich in der Frühen Neuzeit eine jüdische Gemeinde, die im 18. Jahrhundert zur größten und bedeutendsten im Gebiet des heutigen Bayern anwuchs und der fränkischen Stadt den Beinamen ‚Fränkisches‘ beziehungsweise ‚Bayerisches Jerusalem‘ verlieh. Diese Arbeit widmet sich der kritischen Untersuchung dieses inoffiziellen Titels anhand der Fragen, welches die Interessen der Machthaber für die Ansiedelung von Juden in Fürth waren, wie sich die gesellschaftliche Stellung der Juden im frühneuzeitlichen Fürth gestaltete und was über das Verhältnis zwischen der christlichen Mehrheitsbevölkerung und den Fürther Juden dokumentiert ist. Damit soll der zugrundeliegenden These nachgegangen werden, dass die Bezeichnung des frühneuzeitlichen Fürths als ‚ein Jerusalem‘ historisch verfehlt ist.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Jüdisches Leben im Fürth der Frühen Neuzeit
- Sonderfall durch Dreiherrschaft
- Die Jüdische Gemeinde
- Zum Begriff des „Fränkischen/Bayerischen Jerusalems“
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit widmet sich der kritischen Analyse des inoffiziellen Titels „Fränkisches“ beziehungsweise „Bayerisches Jerusalem“ in Bezug auf die jüdische Gemeinde in Fürth der Frühen Neuzeit. Sie untersucht die Interessen der Machthaber bei der Ansiedlung von Juden in Fürth, die gesellschaftliche Stellung der Juden in der frühneuzeitlichen Stadt und das Verhältnis zwischen christlicher Mehrheitsbevölkerung und jüdischer Gemeinde.
- Die politische und rechtliche Situation der Juden in Fürth im Kontext der Dreiherrschaft.
- Die Entwicklung und Organisation der jüdischen Gemeinde in Fürth.
- Die Genese und historische Entwicklung des Begriffs „Fränkisches/Bayerisches Jerusalem“.
- Der öffentliche Diskurs um den Begriff „Fränkisches/Bayerisches Jerusalem“.
- Die These, dass die Bezeichnung des frühneuzeitlichen Fürths als „ein Jerusalem“ historisch verfehlt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Arbeit beleuchtet die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Fürth, die im 18. Jahrhundert zur größten und bedeutendsten im Gebiet des heutigen Bayern heranwuchs. Dabei soll die Bezeichnung „Fränkisches“ beziehungsweise „Bayerisches Jerusalem“ kritisch untersucht werden. Die Arbeit fokussiert auf die Interessen der Machthaber bei der Ansiedlung von Juden, die gesellschaftliche Stellung der Juden in Fürth und das Verhältnis zwischen christlicher Mehrheitsbevölkerung und jüdischer Gemeinde.
Jüdisches Leben im Fürth der Frühen Neuzeit
Sonderfall durch Dreiherrschaft
Der Abschnitt beleuchtet die komplexe machtpolitische Situation Fürths im ausgehenden Mittelalter, geprägt von der Dreiherrschaft von Nürnberg, Ansbach und Bamberg. Er analysiert, wie die Ansiedlung von Juden durch die protestantischen Markgrafen von Ansbach und die katholischen Domprobst von Bamberg erfolgte und welche Interessen sie dabei verfolgten. Der Abschnitt behandelt auch die rechtliche Situation der Juden in Fürth und ihre Stellung in der Stadtgesellschaft.
Die Jüdische Gemeinde
Dieser Abschnitt stellt das jüdische Leben in Fürth dar, einschließlich der Entwicklung der Gemeinde und dem Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung. Er beleuchtet die Herausforderungen und Besonderheiten des jüdischen Lebens in Fürth im Kontext der Drei-Herrschaft.
Zum Begriff des „Fränkischen/Bayerischen Jerusalems“
Der Abschnitt beleuchtet die Genese und den historischen Wandel des Begriffs „Fränkisches/Bayerisches Jerusalem“ und analysiert den zeitgeschichtlichen Diskurs um diesen Begriff.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem jüdischen Leben in Fürth der Frühen Neuzeit, der Entwicklung der jüdischen Gemeinde, der Dreiherrschaft von Nürnberg, Ansbach und Bamberg, den Interessen der Machthaber bei der Ansiedlung von Juden, der gesellschaftlichen Stellung der Juden in Fürth, dem Verhältnis zwischen christlicher Mehrheitsbevölkerung und jüdischer Gemeinde und dem Begriff „Fränkisches/Bayerisches Jerusalem“.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde Fürth als „Fränkisches Jerusalem“ bezeichnet?
Im 18. Jahrhundert beherbergte Fürth eine der größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden im heutigen Bayern, was der Stadt diesen ehrenvollen Beinamen einbrachte.
Was war die Besonderheit der „Dreiherrschaft“ in Fürth?
Die Stadt wurde gemeinschaftlich von drei Mächten verwaltet: der Reichsstadt Nürnberg, dem Markgrafen von Ansbach und dem Dompropst von Bamberg. Diese Konkurrenzsituation begünstigte die Ansiedlung von Juden.
Welche Interessen hatten die Machthaber an der Ansiedlung von Juden?
Die Ansiedlung diente vor allem wirtschaftlichen und fiskalischen Interessen; die Juden zahlten Schutzgelder und belebten durch Handel den lokalen Markt.
War das Verhältnis zwischen Christen und Juden in Fürth immer friedlich?
Obwohl Fürth als Zentrum jüdischen Lebens galt, war das Verhältnis oft von rechtlichen Beschränkungen und sozialen Spannungen geprägt, was die Bezeichnung „Jerusalem“ historisch hinterfragbar macht.
Ist die Bezeichnung „Jerusalem“ für das frühneuzeitliche Fürth historisch korrekt?
Die These der Untersuchung lautet, dass dieser Titel eher ein Mythos ist, da er die harten Lebensbedingungen und die rechtliche Benachteiligung der jüdischen Bevölkerung oft verklärt.
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- Andreas Raissle (Autor), 2020, Mythos "Fränkisches Jerusalem". Jüdisches Leben im Fürth der Frühen Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153454