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"Ey, hat dich der teufel herein getragen?" Untersuchungen zum Antijudaismus in Hans Folz "Ein spil von dem herzogen von Burgund"

Title: "Ey, hat dich der teufel herein getragen?" Untersuchungen zum Antijudaismus in Hans Folz "Ein spil von dem herzogen von Burgund"

Term Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mate Madunic (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der Juden in einem spätmittelalterlichen Spiel von Hans Folz.
Beginnend bei einem historischen Abriss der jüdischen Gemeinde Nürnbergs um 1500 arbeitet sie heraus, auf welche Arten und Weisen die Juden im "spil von dem herzogen von burgund" des spätmittelalterlichen Meistersängers und Fastnachtspieldichters Hans Folz diffamiert werden. Einige Überlegungen gehen auch der Frage nach, ob es sich bei dem gezeigten Judenhass noch um antijudaistische Ressentiments oder doch schon um rassisch motivierten Antisemitismus handelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gattung Fastnachtspiel

3. Die Situation der Juden im Nürnberg um 1500

4. Textanalyse

4.1. Die „topischen Verbrechen“ und ihre Strafen

4.2. Die Judensau

4.3. Diffamierung in der Aufführungspraxis

5. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die antijüdischen Tendenzen und die judenfeindliche Darstellung in Hans Folz’ Fastnachtspiel „Ein spil von dem herzogen von Burgund“ (auch bekannt als „Der Juden Messias“), welches um das Jahr 1500 in Nürnberg entstand. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Folz religiös begründete Vorurteile und soziale Ängste seiner Zeit nutzt, um Juden im Spiel systematisch zu diffamieren und politisch als Außenseiter zu stigmatisieren.

  • Analyse der Gattung Fastnachtspiel im Nürnberger Kontext
  • Untersuchung des historisch-gesellschaftlichen Hintergrunds der Juden in Nürnberg um 1500
  • Dekonstruktion der „topischen Verbrechen“ als diffamierende Mittel
  • Interpretation des Motivs der „Judensau“ als Instrument der Entwürdigung
  • Einordnung des Werks als politisches Fastnachtspiel im Vorfeld der Vertreibung von 1499

Auszug aus dem Buch

4.1. Die „topischen Verbrechen“ und ihre Strafen

Wie oben schon angesprochen ist ein anderer als der christliche Messias Jesus Christus für die Christen immer der Antichrist, Gegenspieler Christi und spiritueller Untergang für die christliche Gemeinde. Doch seinen eigenen Angaben zufolge bedeutet der Antichrist hier nicht nur den spirituellen Untergang der Christen – er läutet vielmehr das Ende der Christen ein:

Secht, das ist schlecht dauon der sin, Das ich ein endt der cristen bin.

(V. 152-154)

Diese Stelle dient dazu, eine reelle Gefahr im Alltagsleben der Zuschauer zu entwerfen. Die nicht-geistlichen Handwerksgesellen, und niederen und ärmeren Bürger Nürnbergs kannten sich höchstwahrscheinlich in den religiösen Disputationen und Kontroversen zwischen Juden und Christen nicht so gut aus: Die ganzen theologischen Inhalte waren ihnen zu abstrakt; sie verstanden womöglich nur das, was sie für ihr Seelenheil verstehen mussten. Doch die Selbstdenunziation des Messias der Juden als Ende der Christen, zusammen mit dem anfänglichen Auftreten der Juden schafft eine direkte Situation der Anspannung und Bedrohung: Die Christen sehen sich konfrontiert mit einer potentiellen Umkehr ihrer gewohnten sozialen Verhältnisse – selbst innerhalb der schon umgekehrten Verhältnisse in der Fastnacht. Nun ist nicht mehr nur ihre Seele gefährdet, zusätzlich besteht jetzt die Gefahr, dass sie in Zukunft die Unterworfenen sind – sie könnten demnächst in die Rolle der Juden, der gesellschaftlichen Außenseiter gedrängt werden. „Die Juden“, so schreibt Edith Wenzel, „sind nicht nur die Feinde Gottes, weil sie dem Antichrist anhängen, sondern sie sind vor allem die Schädlinge der gesamten Christenheit [...]“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Geschichte des Antijudaismus ein und stellt Hans Folz als einen Autor vor, der gesellschaftliche Krisen und Vorurteile in literarische Formen überführt.

2. Die Gattung Fastnachtspiel: Es wird erläutert, wie das Fastnachtspiel als Medium diente, um Stimmungen in der Bevölkerung zu spiegeln und komplexe soziale Inhalte durch „Sinnreduktion“ drastisch darzustellen.

3. Die Situation der Juden im Nürnberg um 1500: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Kontext der Verfolgung und die zahlreichen haltlosen Anschuldigungen gegen Juden, die zur Zeit der Abfassung des Stücks herrschten.

4. Textanalyse: Die Analyse untersucht die diskursive Strategie des Autors, Juden durch die Verarbeitung von Vorwürfen wie „topischen Verbrechen“, dem Motiv der Judensau und der Aufführungspraxis zu diffamieren.

5. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Hans Folz durch seine literarische Arbeit aktiv zur antijüdischen Stimmung beitrug und das Stück als ein „politisches Fastnachtspiel“ im Vorfeld der Vertreibung von 1499 zu werten ist.

Schlüsselwörter

Hans Folz, Fastnachtspiel, Ein spil von dem herzogen von Burgund, Antijudaismus, Antisemitismus, Nürnberg, Judensau, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Judenfeindlichkeit, Ritualmordvorwurf, Wucher, Antichrist, Literaturwissenschaft, historische Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?

Die Arbeit untersucht das antijüdische Potenzial und die politische Dimension des Fastnachtspiels „Ein spil von dem herzogen von Burgund“ des Nürnberger Meistersängers Hans Folz.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Die zentralen Felder sind die Gattung des Fastnachtspiels, der historische Antijudaismus im spätmittelalterlichen Nürnberg und die literarische Darstellung von Juden als Feindbilder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Hans Folz religiöse Vorurteile und soziale Ängste instrumentalisiert, um Juden in seinem Werk zu diffamieren und politisch zu stigmatisieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Kombination mit historisch-anthropologischen Aspekten durchgeführt, um die soziale Funktion der Inszenierung zu beleuchten.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil analysiert die konkrete Verarbeitung von Vorwürfen wie den „topischen Verbrechen“, das Motiv der „Judensau“ und die Auswirkungen der Aufführungspraxis auf das Publikum.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Antijudaismus, Hans Folz, Judensau, Nürnberg, soziale Diffamierung und politisches Fastnachtspiel.

Welche Rolle spielt die Zahl 7 im Zusammenhang mit dem „siebten Ritter“?

Die Zahl 7 wird als Kombination aus 3 (göttlich) und 4 (weltlich) interpretiert, was den siebten Ritter als „Mischwesen“ kennzeichnet, das durch seine Diffamierung der Juden die gottgegebene Ordnung gegen sie einnimmt.

Wie unterscheidet sich die „Judensau“ von anderen im Stück genannten Strafen?

Während andere Strafen physischen Schmerz und körperliche Pein fokussieren, zielt das Bild der „Judensau“ auf eine tiefgreifende geistige Demütigung und Entwürdigung ab, die durch das Unreinheits-Symbol des Schweins noch verstärkt wird.

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Details

Title
"Ey, hat dich der teufel herein getragen?" Untersuchungen zum Antijudaismus in Hans Folz "Ein spil von dem herzogen von Burgund"
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Theater im Mittelalter - geistliches und weltliches Spiel
Grade
1,0
Author
Mate Madunic (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V115345
ISBN (eBook)
9783640166473
ISBN (Book)
9783640166565
Language
German
Tags
Untersuchungen Antijudaismus Hans Folz Burgund Theater Mittelalter Spiel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mate Madunic (Author), 2005, "Ey, hat dich der teufel herein getragen?" Untersuchungen zum Antijudaismus in Hans Folz "Ein spil von dem herzogen von Burgund", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115345
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