In den Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen wird zumeist die Didaktik
der Mathematik aus der Grundschule adaptiert. Die Richtlinien für den
Förderschwerpunkt Lernen, die in Nordrhein-Westfalen noch Gültigkeit
besitzen, stammen aus dem Jahr 1977. Es sind zwar schon neue Richtlinien
erarbeitet und auch in verschiedenen Gremien vorgestellt worden, aber noch
nicht in Kraft getreten. Aber gerade der Unterricht an einer Förderschule mit
dem Förderschwerpunkt Lernen ist nicht mit dem Unterricht an einer
Grundschule vergleichbar. Denn Schüler/Innen im Förderschwerpunkt Lernen
haben differente Beeinträchtigungen. Deswegen ist es notwendig, differenzierte
Veranschaulichungen und Arbeitsmaterialien zu verwenden.
Da ich durch das Mathematik-Studium schon einige Erfahrungen mit den
Inhalten und Methoden des Projekts Mathe 2000 gemacht habe und ich diese
auch für sinnvoll halte, möchte ich mit dieser Arbeit einerseits den Versuch
unternehmen, zu schauen inwieweit das Projekt Mathe 2000 auch für den
Förderunterricht an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen umsetzbar und sinnvoll ist. Andererseits möchte ich erläutern inwieweit die Aspekte des
Projekts von Dewey/Kilpatrick sich im Projekt Mathe 2000 wiederfinden.
Das folgende zweite Kapitel befasst sich mit historischen Aspekten, die
grundlegend für die weitere Arbeit sind. Dazu gehören die Arbeiten Piagets und
die der russischen Tätigkeitspsychologie. Zu dem geht dieses Kapitel auf die
bildungstheoretischen Hintergründe ein.
Im dritten Kapitel erläutere ich zunächst den Projektbegriff im allgemeinen und
gehe auf seine Theorie und seine Geschichte ein. Wichtige biographische
Gesichtspunkte im Leben von John Dewey und die Projektmethode nach
Dewey und Kilpatrick schließen sich an.
Das vierte Kapitel widmet sich den Merkmalen und Inhalten des alten
Mathematikunterrichtes sowie den aus heutiger Sicht relevanten Kritikpunkten.
Das Projekt Mathe 2000, seine Entwicklung und dessen Ideen und Methoden
finden sich im fünften Kapitel wieder.
Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Konzept Mathe 2000 und dem
Projektbegriff von Dewey und Kilpatrick werden im sechsten Kapitel erläutert.
Im siebten Kapitel findet die Verknüpfung des Konzeptes Mathe 2000 mit dem
Unterricht an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen statt.
Das Resümee fasst die Ergebnisse und Einschätzungen, die sich im Verlauf der
Auseinandersetzung mit der Fragestellung dieser Arbeit ergeben haben
zusammen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende historische Aspekte
2.1 Psychologische Aspekte Piagets und der Tätigkeitspsychologie
2.2 Bildungstheoretischer Hintergrund
3. Das Projekt
3.1 Geschichte und Theorie
3.2 Biographische Aspekte Deweys
3.3 Die Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick
4. Inhalte und Methoden des alten Mathematikunterrichtes
4.1 Kritik am alten Mathematikunterricht
5. Das Projekt Mathe 2000
5.1 Geschichte
5.2 Ideen und Methoden
5.2.1 Neue Typen von Aufgaben
5.2.2 Halbschriftliche Rechenverfahren
5.2.3 Aktiv-entdeckendes Lernen
6. Gemeinsamkeiten des Projektes Mathe 2000 und des Projektes von Dewey und Kilpatrick
7. Das Konzept Mathe 2000 an Förderschulen für Lernen
7.1 Personengruppe und Lernvoraussetzungen der Schülerschaft
7.2 Aspekte des Lehrplans Mathematik
7.3 Umsetzungsmöglichkeiten und Grenzen
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das Projekt "Mathe 2000" auf seine Umsetzbarkeit und seinen Nutzen für den Förderunterricht an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen zu untersuchen, während gleichzeitig Gemeinsamkeiten mit der Projektmethode von Dewey und Kilpatrick aufgezeigt werden.
- Historische Grundlagen der Psychologie und Bildungstheorie
- Entwicklung und Prinzipien der Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick
- Kritische Analyse des traditionellen Mathematikunterrichts
- Methoden und Ansätze des Projekts "Mathe 2000"
- Didaktische Adaptation und Umsetzung für den Förderschwerpunkt Lernen
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichte und Theorie
Der Begriff Projekt stammt vom lateinischen Wort „projicere“ ab und bedeutet voraus werfen, entwerfen, planen, sich vornehmen (vgl. Brockhaus.1956). Projekt bedeutet im Allgemeinen die Planung und Durchführung eines größeren Vorhabens, so wird das Projekt in der Industrie und Wissenschaft verwendet.
In Bezug auf Schule bedeutet Projekt allgemein: Selbsttätigkeit der Schüler bei der Planung, Durchführung und Beurteilung von Unterricht, Abbau der Lehrerdominanz, problemorientiertes Lernen und Handeln, Überbrückung der Unterschiede zwischen schulischem und außerschulischem Lernen. Das Projekt unterscheidet sich von anderen Methoden in vier Punkten:
- es muss eine Aufgabe enthalten
- die Arbeit muss einen größeren wichtigen Arbeitsvorgang umfassen
- Verantwortung des Schülers für die Planung und Durchführung
- Das Projekt muss auf die Lösung einer Aufgabe gerichtete Tätigkeit besitzen
Der Ablauf des Projektverfahrens wird allgemein so beschrieben:
- Zielsetzung (purposing)
- Planung (planning)
- Ausführung (executing)
- Beurteilung (judging)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation, der Relevanz der Thematik für den Förderschwerpunkt Lernen und der Zielsetzung der Arbeit.
2. Grundlegende historische Aspekte: Analyse bildungstheoretischer Hintergründe sowie der psychologischen Einflüsse durch Piaget und die Tätigkeitspsychologie.
3. Das Projekt: Theoretische Herleitung des Projektbegriffs, biographische Einordnung von Dewey sowie Erläuterung der Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick.
4. Inhalte und Methoden des alten Mathematikunterrichtes: Darlegung der historischen Entwicklung mathematischer Lehrweisen und der damit verbundenen kritischen Aspekte.
5. Das Projekt Mathe 2000: Beschreibung der Entstehungsgeschichte, der Leitprinzipien sowie der spezifischen Methoden wie "neue Typen von Aufgaben" und "aktiv-entdeckendes Lernen".
6. Gemeinsamkeiten des Projektes Mathe 2000 und des Projektes von Dewey und Kilpatrick: Synthese der methodischen Prinzipien und Übereinstimmungen beider Konzepte.
7. Das Konzept Mathe 2000 an Förderschulen für Lernen: Konkrete Untersuchung der Lernvoraussetzungen, Lehrplananforderungen sowie der praktischen Umsetzung und Grenzen im Förderschwerpunkt.
8. Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung zur Eignung des Konzepts "Mathe 2000" für den Förderunterricht.
Schlüsselwörter
Mathe 2000, Projektmethode, John Dewey, Kilpatrick, Mathematikunterricht, Förderschule, Förderschwerpunkt Lernen, aktiv-entdeckendes Lernen, halbschriftliche Rechenverfahren, kognitive Entwicklung, Handlungsorientierung, Sonderpädagogik, Lernbehinderung, Unterrichtsgestaltung, Differenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern moderne mathematikdidaktische Konzepte, speziell das Projekt "Mathe 2000", erfolgreich in den Förderunterricht an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen integriert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Projektmethode, die Analyse des traditionellen Mathematikunterrichts sowie die didaktischen Prinzipien des Projekts "Mathe 2000" unter Berücksichtigung sonderpädagogischer Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ansätze des aktiv-entdeckenden Lernens und der handlungsorientierten Didaktik an die besonderen Lernvoraussetzungen von Kindern mit Lernbehinderungen angepasst werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse historischer und didaktischer Quellen sowie der theoretischen Reflexion eigener praktischer Erfahrungen aus dem sonderpädagogischen Studium.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Fundamente, kritisiert den "alten" Mathematikunterricht, erläutert die Methoden von "Mathe 2000" und verknüpft diese mit spezifischen Anforderungen der Förderschularbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mathe 2000, Projektmethode, handlungsorientiertes Lernen, Förderunterricht und aktiv-entdeckendes Lernen.
Wie lässt sich die "Eins-Plus-Eins-Tafel" im Förderunterricht einsetzen?
Die Arbeit zeigt anhand eines Praxisbeispiels, dass die komplexe Tafel für Schüler mit Lernbehinderung durch Reduktion, individuelle Anpassung und handelnde Auseinandersetzung (z.B. Zurechtschneiden von Waben) zugänglich und nutzbar gemacht werden kann.
Welche Rolle spielt der Zufall im Kontext dieser Arbeit?
Das Beispiel des stochastischen Spiels "Wettkönig" dient als Fallbeispiel, um aufzuzeigen, dass selbst komplexe mathematische Bereiche wie Stochastik durch Anpassung des Materials für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen motivierend und lernwirksam gestaltet werden können.
Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich der Umsetzbarkeit?
Das Fazit lautet, dass die Adaption von "Mathe 2000" für Förderschulen sinnvoll ist, wobei der Lehrkraft eine zentrale Rolle bei der Differenzierung und der Schaffung einer lernförderlichen Umgebung zukommt.
- Quote paper
- Boris-Nicolai Mester (Author), 2008, Das Projekt von Dewey/Kilpatrick und das Projekt Mathe 2000 – Inhalte und Methoden und ihre Möglichkeiten und Grenzen im Förderunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115368