Helmut Newton


Seminararbeit, 2001

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Biografie

3 Sein Werk
3.1 Aktfotografie
3.2 Modefotografie
3.3 Portraitfotografie

4 Kritische Positionen

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Helmut Newton wird als einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts gefeiert, der es als Mode -und Aktfotograf, aber auch als Gesellschaftsportraitist zu Weltruhm gebracht hat. Seine Fotos beschäftigen sich bevorzugt mit den Themen: Mode, Reichtum und Erotik und mit 10.000 DM Tagesgage gilt er heute als der teuerste Werbefotograf der Welt. Die Medien überhäufen ihn mit Lobeshymnen und schmeicheln dem „Meister der kühl-erotischen Fotografie“ mit Zitaten wie: „Seine Mode- und Aktfotografien sind Bravourstücke voll von Sinnlichkeit, Lust und Dekadenz.“.[1] Die einseitige Glorifizierung des „Genie“ Newtons und die kritiklose Rezeption seiner Werke haben mich stutzig gemacht und mich dazu bewogen, einmal genauer hinter die Kulissen des „Meisters“ zu blicken. Die Recherche für die „kritischen Positionen“ hat sich erwartungsgemäß als schwierig herausgestellt, denn seitdem das Werk des einstigen „Modegurus“ durch die Öffentlichkeit zu „Kunst“ erklärt wurde, scheint Newton einen Status erreicht zu haben, der ihn gegen jegliche Kritik immunisiert zu haben scheint. Wurden in den in den sechziger und siebziger Jahren noch vereinzelte Protestrufe seitens der feministischen Bewegung laut, herrscht heutzutage nur noch andächtiges Schweigen. Ein Schweigen, dass Newton selbst sehr entgegen zukommen scheint, denn der Fotograf erstickt jeglichen Versuch einer tieferen Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Werk stets im Keim. Mehr als ein schmales Rinnsal stets gleichbleibender und gleichformulierter Auskünfte ist von ihm nicht zu haben. Es gebe keine Botschaft. Hinter seinen Bildern sei nichts! Und mit seiner immer wieder zitierten Behauptung, er sei ja schließlich kein Künstler, scheint er jegliche kritische Annäherung unterbinden zu können. Mit dieser Hausarbeit möchte ich einen ersten Schritt in diese Grauzone wagen. Ich möchte sie denjenigen widmen, die genau wie ich ohne Hintergrundinformationen in eine seiner Ausstellungen gegangen ist und sich aus diffusen Gründen nicht dem Tenor allgemeiner Begeisterung anschließen konnten. Da ich keine Kunsthistorikerin mit dem entsprechenden Hintergrund bin, kann diese Arbeit sicherlich nicht den Anspruch einer wissenschaftlich fundierten Analyse des Werkes Newtons erfüllen, aber sie ist eine erste Annäherung und kann vielleicht den ein oder anderen dazu anregen, die nächste Ausstellung Newtons mit einem wissenderen Blick zu betrachten und die mediale Glorifizierung des „Künstlers“ noch einmal für sich selbst zu hinterfragen.

2 Biografie

Helmut Newton wurde 1920 als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten in Berlin geboren und begann schon in frühester Kindheit, sich für Fotografie zu interessieren. Er träumte davon, einmal als „rasender Reporter“ durch die Welt zu ziehen. Mit zwölf bekam Newton seine erste Kamera geschenkt und jobbte bereits als 14-Jähriger hinter dem Rücken der Eltern in einem Fotostudio. Seine Eltern schickten ihn auf die amerikanische Schule in Berlin, aber er konnte sich für den Lehrbetrieb nur wenig begeistern und verließ im Alter von 16 Jahren die Schule. Er ging für zwei Jahre bei der Berliner Mode- und Werbefotografin Yva in die Lehre, die später im Konzentrationslager Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Im Jahr 1938 musste die jüdische Familie Newton aus Nazi-Deutschland fliehen. Die Eltern und der 10 Jahre ältere Bruder emigrierten nach Südamerika und der 18-jährige Helmut ging nach Singapur, wo er sich zunächst als Pressefotograf versuchte. Damit hatte er aber keinen großen Erfolg, da seine Bilder nicht den fotojournalistischen Vorstellungen der großen Tageszeitungen entsprachen. Die darauf folgenden 17 Jahre verbrachte er in Australien. Er schlug sich dort zunächst als Saisonarbeiter durch und diente fünf Jahre in der australischen Armee. In den darauffolgenden Jahren diente die Fotografie Newton als Broterwerb, wobei sich seine Arbeiten in dieser Zeit auf das Ablichten von Hochzeiten, Kindstaufen, Babyleibchen und Strickwaren beschränkten.

Im Jahr 1947 lernte er seine zukünftige Frau June kennen und heiratete sie ein Jahr später. June Newton ist gelernte Schauspielerin und brachte es später unter dem Pseudonym Alice Springs ebenfalls zu einer beachtlichen Fotografenkarriere.1956 folgte Helmut Newton einem Angebot der „Vogue“ nach London. Da ihm aber das gesellschaftliche Klima Großbritanniens nicht behagte, brach er den Vertrag wieder und arbeitete fortan als freier Fotograf. Erst mit über 40 begann seine Karriere als Modefotograf in Paris. Newton löste in den 60er Jahren mit seinen Mode- und Werbefotos eine Art sexuelle Revolution aus. Seine Fotografien wurden fortan in allen großen Modezeitschriften wie z.B. Vogue, Harpers Queen, Nova, Elle oder Marie-Claire veröffentlicht. Seine Fotoserien für die französische „Vogue" brachen Tabus, irritierten und wurden als Meisterwerke einer neuen radikalen Ästhetik gefeiert. Neben dem wachsenden Ruhm brachte ihm sein „Erfolgsrezept“, Sex in die Mode zu tragen, auch den Ruf des Sexisten und Pornografen ein. Im Sommer 1973 erlitt Helmut Newton bei Modeaufnahmen in New York einen schweren Herzinfarkt und beschloss, künftig mehr Fotos für sich selbst zu machen und den Schwerpunkt seiner Arbeit weg von der Auftragsfotografie hin auf die Verwirklichung seiner eigenen Ideen und Phantasien zu verlegen. Ab 1974 realisierte Newton daraufhin eine Portraitserie der Stars aus der Welt des Films, der Künste und der Mode. Er fotografierte Prominente wie Catherine Deneuve, Andy Warhol oder Karl Lagerfeld. 1975 hatte der „Meister der kühl-erotischen Fotografie“ seine erste Ausstellung in der Nikon-Galerie Paris und ein Jahr später erhält er vom „Art Directors Club Tokyo" einen Preis für die beste Fotografie des Jahres. Sein erstes Nacktfoto schoss Helmut Newton erst in den Achtziger Jahren. Die Foto-Welt erlebte seitdem einen wahren Newton-Boom. Der Fotograf wurde mit Hommagen und Preisen überhäuft und 1992 erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz.

3 Sein Werk

Helmut Newton ist süchtig nach Künstlichkeit und Inszenierung. In Interviews betont er immer wieder, dass er keine natürlichen Bilder möge. Eines seiner Markenzeichen ist, dass er die Models nicht wie üblich im Studio, sondern in einer stilisierter Alltagsumgebung. belichtet. „Eine Frau lebt nun mal nicht vor einem weißen Hintergrund, sondern in einer Wohnung, auf der Straße, im Auto“ konstatierte Newton in einem Interview mit der Zeitschrift „der Spiegel“.[2] Der Fotograf arbeitet am liebsten mit Tageslicht und seine besten Hintergründe finde er in der direkten Umgebung seiner Wohnung in Montecarlo. In der TV-Dokumentation „Der indiskrete Charme des Helmut Newton“ bezeichnet er sich selbst als „altmodischen“ Fotografen, der seinen Filmverbrauch durch die sorgfältige Planung jeder einzelnen Pose limitiert und auf jegliche Nachbearbeitung bzw. Retuschierung der Negative und Abzüge verzichtet („Was auf dem Film ist, ist auch auf dem Print“[3]). Was seine bevorzugten Bildmotive betrifft, hegt Newton eine Affinität zu Schwimmbädern und Hotelzimmern. Das mag darin begründet sein, dass seine Fotos – speziell in den letzten 20 Jahren – auf Erinnerungen aufgebaut seien, wie er selbst sagt. Newton war in seiner Berliner Jugend ein Wettkampfschwimmer und verbrachte viel Zeit in Hotels, wenn er seine Eltern zur Kur begleitete. Die mysteriöse Atmosphäre der anonymen Hotelzimmer bürgte etwas Erotisches in sich. Sie seien beseelt von den Stimmungen und Ereignissen ihrer zahlreichen Vormieter und bewirken beim Betrachter ein Gefühl der Melancholie und Verlassenheit. Genau dieses Versteckte, das Geheime und Abgründige reizt Helmut Newton, der aus diesem Grund „mit dem größten Vergnügen Massenmörder, Verbrecher, Räuber oder Hochstapler fotografieren würde."[4] Bis dieser Wunsch aber in Erfüllung geht, begnügt er sich erst einmal weiter mit dem Ablichten von Fotomodellen. In der kommerziellen Auftragsfotografie arbeitet er ausschließlich mit professionellen Topmodellen, privat jedoch bevorzugt er Amateurinnen, die er in sogenannten „Go-Sees“, die er regelmäßig in den Metropolen der Welt veranstaltet, „sichtet“. Dort können sich die Mädchen vorstellen und ihrem Traum einen Schritt näher kommen, den der amerikanische Filmproduzent Robert Evans so formulierte: „Alle Frauen wollen Helmut Newton kennen lernen. Sie träumen alle davon, dass Helmut sie fotografiert.“

[...]


[1] http://www.zdf.msnbc.de/news/ 26.10.2000

[2] Vgl. J. Kronsbein, P.Stolle, Ich will Sex, nicht Erotik, in: Spiegel 48/1996

[3] A. Maben, [Drehbuch], Der indiskrete Charme des Helmut Newton, Bayerischer Rundfunk 1989

[4] Vgl. I. Hochreither, Augenblick!, in: Stern 43/2000

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Helmut Newton
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation)
Veranstaltung
Atelier-, Galerie- und Museumsbesuche
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V115386
ISBN (eBook)
9783640169610
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helmut, Newton, Atelier-, Galerie-, Museumsbesuche
Arbeit zitieren
Diplom-Kommunikationswirtin Julia Schroeter (Autor), 2001, Helmut Newton, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115386

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