Das Bordbuch des Columbus, erschienen im Horst Erdmann Verlag 1970, ist eine
deutsche Übersetzung des von Christopher Kolumbus geführten Bordbuchs während
seiner ersten Entdeckungsreise im Jahre 1942. Es ist eines der bedeutendsten
Dokumente in der Geschichte der Seefahrt, in dem detailliert Tag für Tag die Ereignisse und Beobachtungen Columbus' niedergeschrieben wurden. Für diese Hausarbeit habe ich mich insbesondere mit den ersten Begegnungen zwischen Columbus und den Ureinwohnern der Inseln auseinandergesetzt. Columbus hatte seinen ersten Kontakt mit amerikanischen Eingeborenen auf den Inseln
des Karibischen Meeres. Seine Mannschaft und er trafen auf den großen Antillen die Taino, die der Völkerfamilie der Arawaken angehörten und vom sudamerikanischen Festland her die Inseln in Besitz genommen hatten. Die Taino lebten auf der Stufe einer primitiven Pflanzerkultur, zeigten aber bereits Ansätze zur Entwicklung einer Hochkultur.
Der Anbau der Baumwolle lieferte ihnen den Rohstoff für die Herstellung von Geweben; Gold verarbeiteten sie zu Schmuckstücken, und aus Stein und Holz schufen sie Kunstwerke. Körperbau und Gesichtszuge der Taino machten auf die Europäer einen angenehmen Eindruck. Kolumbus schildert sie als gut gewachsene, hübsche Menschen und stellt mit Überraschung fest, dass sie kein krauses Haar und keine schwärzliche Hautfarbe haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Bordbuch des Columbus
1.1. Der erste Kontakt mit den Eingeborenen der Insel Guanahani
1.2. Der "Edle Wilde"
1.3. Die Kariben
1.4. Der „Böse Wilde“
2. Shakespeare' s The Tempest
2.1. Zusammenfassung von The Tempest:
2.2. Historischer Hintergrund:
2.3. Was spielen Geister in diesem Stück für eine Rolle?
2.4. Namensgebung:
2.5. Caliban, der betrogene Wilde:
3. Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Parallelen zwischen den kolonialen Wahrnehmungen in Christoph Kolumbus' Bordbuch und der Darstellung des "Anderen" in William Shakespeares "The Tempest", wobei insbesondere die Figur des Caliban als Sinnbild des unterdrückten Eingeborenen analysiert wird.
- Konstruktion des Bildes vom "Edlen" und "Bösen" Wilden
- Historische Hintergründe der Entdeckungsberichte und deren Einfluss auf die Literatur
- Die Rolle der Sprache und der linguistischen Kolonisierung im Identitätsverlust
- Caliban als literarischer Antagonist und Symbol für unterdrückte Kolonisierte
Auszug aus dem Buch
2.4. Namensgebung:
Die Namensgebung Calibans ist ebenso ungeklärt wie der historische Hintergrund zu The Tempest. Jedoch ruft der Name zu viele Assoziierungen hervor, die auf seine Herkunft oder Symbolik anspielen, als dass er gänzlich ohne Bedeutung sein könne. Seit dem Ende des 18 Jh. wird angenommen, dass Caliban ein Anagramm des Wortes „Cannibal“, oder auch des Wortes „Carib“ ist. Diese Annahme kommt daher, dass die Worte „Carib“ und „Cannibal“ seit der Rückkehr Columbus, 1492, in aller Munde waren. „Cannibal“ wurde von dem Zeitpunkt an als Synonym für Menschenfresser verwendet.
„...Diese Einwanderer wurden Karaiben genannt; sie waren Menschenfresser. Als Columbus von diesen menschenfressenden Karaiben erfuhr, fasste er dieses Wort als Kaniben auf, als Völker des Groß-Khans, den das Abendland vor allem aus Marco Polos Reiseberichten kennen gelernt hatte. Auf dieses Wort Kaniben geht die heutige Bezeichnung Kannibalen für Menschenfresser zurück.“
Aber, warum sollte Shakespeare der Figur Caliban den Namen der Menschenfresser geben, wenn er dieses im Stück nicht ausübt?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Bordbuch des Columbus: Einführung in die Bedeutung des Bordbuchs als historische Quelle für die erste Begegnung zwischen Europäern und der indigenen Bevölkerung der Karibik.
1.1. Der erste Kontakt mit den Eingeborenen der Insel Guanahani: Beschreibung des ersten Aufeinandertreffens, das durch gegenseitiges Erstaunen und die Wahrnehmung der Ureinwohner als friedliche Naturmenschen geprägt war.
1.2. Der "Edle Wilde": Analyse der europäischen Konstruktion eines idealisierten Bildes von den Eingeborenen, die als unschuldig und sanftmütig wahrgenommen wurden.
1.3. Die Kariben: Darstellung der historischen und mythologischen Wahrnehmung der Kariben, die fälschlicherweise oft mit Kannibalismus in Verbindung gebracht wurden.
1.4. Der „Böse Wilde“: Untersuchung der diskursiven Abwertung indigener Völker als kriegerisch und "böse", um koloniale Eroberungs- und Versklavungsstrategien zu legitimieren.
2. Shakespeare' s The Tempest: Einleitung in die literarische Analyse des Dramas mit speziellem Fokus auf die Charakterisierung Calibans.
2.1. Zusammenfassung von The Tempest:: Kurzer Überblick über die Handlung um Prospero, die verzauberte Insel und die Unterwerfung Calibans.
2.2. Historischer Hintergrund:: Verknüpfung des Stückinhalts mit zeitgenössischen Berichten über Schiffbrüche, insbesondere auf den Bermudas, als Inspiration für Shakespeare.
2.3. Was spielen Geister in diesem Stück für eine Rolle?: Gegenüberstellung des Luftgeistes Ariel und des Erdgeistes Caliban als gegensätzliche Entitäten im Machtgefüge des Magiers.
2.4. Namensgebung:: Erörterung der Etymologie und Symbolik des Namens "Caliban" im Kontext kolonialer Diskurse des 17. Jahrhunderts.
2.5. Caliban, der betrogene Wilde:: Analyse des Unterdrückungsverhältnisses zwischen Prospero und Caliban, das als Metapher für das koloniale Verhältnis zwischen Europäern und Einheimischen dient.
3. Abschluss: Fazit über die symbolische Rolle Calibans als Antagonist und die Bedeutung der linguistischen Kolonisierung für die Identität der Unterdrückten.
Schlüsselwörter
Kolonialzeit, Christopher Kolumbus, Shakespeare, The Tempest, Caliban, Prospero, Kannibalismus, Edler Wilder, Identität, Sprache, Karibik, Kolonisierung, Unterdrückung, Literaturwissenschaft, Reiseberichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Repräsentation indigener Völker in historischen Dokumenten der Entdeckungszeit und vergleicht diese mit literarischen Charakterisierungen in Shakespeares Stück "The Tempest".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das koloniale Narrativ des "Edlen" versus "Bösen" Wilden, die Machtstrukturen zwischen Kolonisator und Unterworfenen sowie die sprachliche Enteignung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Kolumbus' Reiseberichte und Shakespeares Drama dieselben kolonialen Denkmuster bedienen und wie die Figur des Caliban den unterdrückten Kolonisierten symbolisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Primärquellen (Bordbuch) mit literarischen Analysen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Wahrnehmung der indigenen Bevölkerung durch Kolumbus und eine detaillierte Untersuchung der Machtverhältnisse und Namensgebung in "The Tempest".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kolonialzeit, Caliban, Kannibalismus-Mythos, sprachliche Kolonisierung und die Gegenüberstellung von Natur und Kultur.
Warum wird Caliban in der Arbeit als "betrogener Wilder" bezeichnet?
Die Arbeit argumentiert, dass Caliban als rechtmäßiger Erbe der Insel durch Prospero nicht nur unterdrückt, sondern durch die erzwungene Aneignung der Sprache des Kolonisators kulturell entfremdet wurde.
Welche Bedeutung hat die Namensgebung von Caliban?
Die Namensgebung wird als Anagramm zu "Cannibal" interpretiert, was die Projektion europäischer Ängste und Vorurteile auf die indigene Bevölkerung unterstreicht.
Wie beeinflussten zeitgenössische Reiseberichte das Stück "The Tempest"?
Shakespeare nutzte wahrscheinlich Berichte über Schiffbrüche auf den Bermudas, um die Atmosphäre und die Umstände seiner Zauberinsel authentisch in das koloniale Weltbild seiner Zeit einzubetten.
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- Jennifer Martin (Author), 2005, Shakespeare's "The Tempest" und "Das Bordbuch des Columbus", zwei Dokumente der Kolonialzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115401