Das Bewusstseinssystem als Problematik der pädagogischen Steuerung


Seminararbeit, 2007
22 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Bewusstseinssystem
1.1 Biologische Grundlagen
1.2 Sozial-gesellschaftliche Grundlagen
1.3 Emotionale, mentale und kontextuelle Grundlagen

2 Der pädagogische Steuerungsprozess

3 Interaktionen als Basis des gesellschaftlichen Daseins

4 Reaktionen hervorgerufen durch Interaktion
4.1 Entstehen der Reaktion
4.2 Formen von Reaktionen

5 Das Kommunikationssystem
5.1 Kommunikationsarten
5.2 Voraussetzungen und Bedingungen

6 Lösungsansätze
6.1 Emotionalität
6.2 Mentalität

7 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Das Bewusstseinssystem

1.1 Biologische Grundlagen

Das menschliche Handeln erfolgt entweder bewusst oder unterbewusst. In diesem Zusammenhang muss auch die Aufmerksamkeit betrachtet werden. Sie wird in der Psychologie im visuellen Bereich in reizgesteuerte und zentralgesteuerte Aufmerksamkeit, zweitere wird wiederum in geteilte und gerichtete Aufmerksamkeit differenziert. Was hat die Aufmerksamkeit nun mit dem Bewusstsein und Unterbewusstsein zutun?

Die reizgesteuerte Aufmerksamkeit erfolgt unwillkürlich und daher auch unterbewusst. Befinden wir uns zum Beispiel auf einem Konzert inmitten einer großen Menschenmenge und suchen eine bestimmte Person, die sich uns durch Winken zu erkennen gibt, so erfolgt diese Wahrnehmung durch Sinnesreize unseres Auges, also unterbewusst und automatisch.

Die zentralgesteuerte Aufmerksamkeit wird willentlich, über einen längeren Zeitraum und themenabhängig im Vergleich zur Reizgesteuerten, gelenkt. Das lässt sich wiederum gut an einem Beispiel erläutern: Studenten, die an einem Seminar teilnehmen, konzentrieren sich in der Regel über den gesamten Seminarzeitraum bewusst auf die vom Dozenten dargestellten Sachverhalte und nicht auf den Hausmeister, der am Fenster den Rasen mäht.

Geteilte und gerichtete Aufmerksamkeit erfolgen beide bewusst. Geteilte Aufmerksamkeit liegt bei der Ausführung mehrerer gleichzeitiger Tätigkeiten vor, exemplarisch das Telefonieren während des Autofahrens. Im Gegensatz dazu konzentriert man sich im Fall der gerichteten Aufmerksamkeit auf eine Aufgabe räumlicher, visueller, habitueller oder auditiver Art, beispielhaft das Abschreiben einer PowerPoint-Präsentation als Einzelprozess.

Der Mensch als biologisches System ist dementsprechend in der Lage seine Konzentration bewusst zu lenken. Trotzdem laufen vielerlei menschliche Handlungsprozesse vegetativ und parallel ab.

1.2 Sozial-gesellschaftliche Grundlagen

Die Gesellschaft stellt ein soziales System dar, welches aus vielen Elementarsystemen besteht. Das Gesamtsystem ist ein geschlossenes System. Die Abgrenzung der gesellschaftlichen Teilsysteme erfolgt subjektiv. So kann man einen einzelnen Menschen, eine dreiköpfige Familie, einen Verein mit 100 Mitgliedern, eine Stadt mit allen ihren Einwohnern und vieles mehr als Elementarsysteme definieren. Jedes dieser Elementarsysteme hat ein übergeordnetes Teilsystem. Ein Einzelner ist Teil einer Familie, welche wiederum einen Teil einer Stadtbevölkerung darstellt. Diese Ordnung (Abb. 1) lässt sich unbegrenzt fortsetzen und es entsteht hierarchieartiges System (Vgl. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einzelne Teilsysteme gehen Interaktionen mit anderen übergeordneten oder gleichgestellten Systemen ein. Die Interaktionen basieren immer auf Selbst - und/oder Fremdreferenz (Vgl. 2). Durch Fremdreferenz hat jedes Elementarsystem die Möglichkeit eines re-entry. Dieser setzt voraus, dass zuvor eine Isolierung und Abwendung stattfand, die dann intrinsisch motiviert rückgängig erfolgt. So ist es zum Beispiel praktisch möglich, dass ein Vereinsmitglied mit seiner Vereinigung in einen Streit gerät und diese daraufhin verlässt. Später kommt der Ehemalige zu der Ansicht, dieser Streit war unangemessen und er vermisse die Gesellschaft. Er möchte nun dem Verein wieder beitreten, indem er aus sozialer systemischer Sicht einen re-entry ausführt (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein re-entry ist aber auch im Sinne einer weiteren Entfernung vom ursprünglichen Standpunkt in der Gesellschaft möglich. Deutlich wird dies an einem anderen Exempel. Aufgrund von starken Missstimmigkeiten flieht der Sohn einer Familie zu einem Freund in seiner Stadt (gelber Pfeil Abb. 3) ohne Absichten einer Rückkehr. Nach großen Sorgen und Suchaktionen kann sein Aufenthaltsort ausfindig gemacht werden. Nun flieht der Sohn erneut, um weiter aus dem Einzugsbereich seiner Erzieher zu gelangen (schwarzer Pfeil Abb. 3).

Die angeführten Beispiele zeigen nur einige von vielen sozial-gesellschaftlichen Interaktionsmöglichkeiten auf. Dabei wirken aber jedes Mal kontextuelle, emotionale und mentale Einflüsse zusammen und beeinflussen ein oder mehrere Teilsysteme oder das Gesamtsystem.

1.3 Emotionale, mentale und kontextuelle Grundlagen

Bei der Entscheidung und Ausführung von Reaktionen oder Handlungen spielen mentale, emotionale und kontextuelle Einflüsse auch immer eine entscheidende Rolle. Letztere bezeichnen, das ein System immer aus mehreren Faktoren besteht, die dieses wechselseitig in unterschiedlich starker Form und Kombination beeinflussen. Mentale und emotionale Komponenten korrelieren und beeinflussen sich gegenseitig, wodurch der subjektive Charakter des Menschen geprägt wird. Dieser ist bei verschiedenen Menschen und bezüglich verschiedener Sachverhalte abweichend ausgeprägt. Kritisch wird es daher teilweise in der journalistischen Berichterstattung, weil in diesem Punkt ein möglichst großer Objektivismus gefordert wird. Hier zeigen sich allerdings starke nationale Differenzen, was zwischen amerikanischen und deutschen Redakteuren am deutlichsten hervortritt. Der amerikanische Journalismus ist wesentlich objektiver als es der Deutsche ist (Donsbach 1982). Dies geht auf die allgemeine Tatsache zurück, dass die Menschen, in diesem Beispiel die Journalisten, in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen und Religionen sowie mit abweichender Erziehung und Bildung aufwuchsen. Die ebenda angeführten Einflüsse sind kontextueller Art und wirken auf die Mentalität und Emotionalität. Daraus wird unter anderem auch klar, dass einzelne Einflussarten nicht klar zu trennen sind.

Aus Problematik des Subjektivismus ergibt sich ein häufiger Kritikpunkt, denn für eine heutige Karriere ist in den meisten Branchen eine Beurteilung des Vorgesetzten von hohem Gewicht. Diese Beurteilung ist oft subjektiv und durch das persönliche Verhältnis von Beurteilendem und Beurteiltem geprägt. Trotzdem ist dies von grundlegender Relevanz, denn die heutzutage beruflich geforderten Kompetenzen, wie Personalführung, können nur durch Einschätzung anderer Fachleute auf diesem Gebiet charakterisiert werden.

2 Der pädagogische Steuerungsprozess

Sowohl bei Erziehung als auch bei Bildung ist von Seiten der Erzieher und Lehrenden eine deutliche Unterscheidung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelten zu treffen (Luhmann 2002). Darauf aufbauend basiert der gesamte Vermittlungsprozess. Auch hängt vom Alter entsprechendes Vorwissen und die allgemeine Intelligenz ab, woran sich die Pädagogen mit ihrer Sprache und Präsentationsstruktur anpassen sollten. Um dazu ein aktuelles Beispiel zu nennen: Es besteht eine Unterscheidung zwischen dem Studium des Grundschul-, des Realschul- und des Gymnasiallehramts, da alle Bezugsgruppen unterschiedlichen Alters sind, aber vor allem über unterschiedliche kognitive Voraussetzungen verfügen. Die Voraussetzungen dafür werden bereits frühzeitig im familiären System gelegt, weil da dort der größte Teil der Erziehung erfolgt. Die familiäre Erziehung stellt demnach die Basis für den Schulerfolg dar (Luhmann 2002). So haben Forscher herausgefunden, dass Kinder, die im Säuglingsalter viel Zuwendung erhielten, später durchschnittlich intelligenter sind als solche mit nur geringer Zuwendung. Dafür ist aber nicht bloß die familiäre Erziehung relevant, sondern in vergleichbarem Ausmaß auch das familiäre Umfeld. Findet ein Schüler zu Hause nicht die benötigte Lernatmosphäre, in Form von Ruhe, Ausgeglichenheit und kooperativen, ansprechbaren Eltern, so wird sich ein schulischer Erfolg nur schwieriger realisieren lassen, als bei Vorhandensein dieser Faktoren. Die Erziehung entstand als Folge sozialer Ausdifferenzierung in einem komplexen gesellschaftlichen Gefüge. Diese Ausdifferenzierung beruht auf einer Analysierung von Lebensläufen und Interaktionen während der Lehrunterweisungen (Luhmann 2002). Da dieser Prozess ständig stattfindet, wandelt sich auch der Erziehungs- und Bildungsprozess fortwährend und passt sich der jeweiligen sozialen Gemeinschaft an.

Konkretisiert man die Erziehung, so ist es notwendig die Gesellschaft zu konkretisieren. Die Gesellschaft ist ein soziales Netzwerk, welches sich durch Operationen im Sinne von Interaktionen und speziell Kommunikationen aufrechterhält. Diese Operationen ergeben sich auf Basis der jeweiligen Situation zufällig oder bewusst herbeigeführt. Zweiteres finden wir auch im edukativen Bereich wieder. Die Pädagogen versuchen bei ihren Bezugspersonen ein bestimmtes Verhalten hervorzurufen, in dem Sie bestimmte Handlungen provozieren. Wenn die Beeinflussten beziehungsweise Gesteuerten dieses Verhalten als nützlich und sinnvoll empfinden, so werden sie dies verinnerlichen und durch Einsicht und Erkenntnis einen Lernerfolg bewirken. Diesen rationalistischen Ansatz finden wir in Geschichte schon bei Aristoteles im dritten Jahrhundert vor Christus, Descartes im 17. und Kant im 18. Jahrhundert wieder (Gardner 1989).

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Bewusstseinssystem als Problematik der pädagogischen Steuerung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V115422
ISBN (eBook)
9783640173488
ISBN (Buch)
9783640173747
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die gesellschaftlichen Strukturen der heutigen Zeit befinden sich in einem ständigem Wandel und gestalten sich zunehmend komplexer. Das Anliegen besteht im Aufzeigen derartiger Strukturen für ein grundlegenderes Verständnis.
Schlagworte
Bewusstseinssystem, Problematik, Steuerung
Arbeit zitieren
Etienne Pflücke (Autor), 2007, Das Bewusstseinssystem als Problematik der pädagogischen Steuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115422

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