Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Bedeutung des Homeoffice in der Coronapandemie darzustellen und die psychosozialen Auswirkungen in Bezug mit den Schutzmaßnahmen der Regierung zu setzen. Es gilt herauszufinden, wie sich Chancen und Risiken von Homeoffice abwägen lassen und demzufolge eine gesunde Gestaltung der Telearbeit abgeleitet werden kann. Hierfür müssen Faktoren herausgearbeitet werden, die sich auf das seelische Wohlbefinden der Mitarbeiter im Homeoffice auswirken. Anhand dieser Faktoren können abschließend mögliche Strategien und Maßnahmen angeführt werden, die die Arbeit von zuhause gesundheitsschonend gestalten.
Des Weiteren soll der aktuelle wissenschaftliche Stand zu dem Thema Homeoffice und dessen Bedeutung in der heutigen Arbeitswelt aufgezeigt werden. Dafür wird anhand Byung-Chuls Han Thesen der Müdigkeitsgesellschaft die heutige Leistungsgesellschaft definiert und die Problemfelder der Telearbeit entsprechend eingeordnet. Die zwei spezifischen Forschungsfragen für diese wissenschaftliche Arbeit lauten: Welche psychosozialen Problemfelder entstehen im Homeoffice und wie werden diese durch die Coronapandemie beeinflusst? Und kann Homeoffice in Zukunft gesund gestaltet werden und wenn ja, wie? Die Coronapandemie löst einen Homeoffice-Boom aus. Um eine Infizierung zu vermeiden, arbeiten Beschäftigte teilweise monatelang von zuhause aus. Vor allem die Aspekte der ständigen Erreichbarkeit und der sozialen Isolation verstärken sich zunehmend durch das Arbeiten im Homeoffice.
Beide Phänomene können langfristig psychische Erkrankungen hervorrufen und müssen deshalb als risikohaft eingestuft werden. Zugleich profitieren Beschäftigte von flexibler Arbeitszeit. Bedingt kann zudem eine erhöhte Produktivität bei working from home (WFH) festgestellt werden, die von einer ungestörten Arbeitsatmosphäre abhängig ist. Sowohl die negativen als auch die positiven Aspekte lassen sich anhand der Thesen von Byung-Chul Han begründen: Das Individuum strebt nach mehr Leistung und stetiger Selbstoptimierung. Durch dieses Verhalten beutet sich der Arbeitnehmer freiwillig selbst aus. Studienergebnisse belegen die Hypothese. Im Schnitt werden im Homeoffice mehr Überstunden geleistet und die Fehlzeiten sinken. Es müssen demnach Konzepte entwickelt werden, um Homeoffice in Zukunft gesund zu gestalten und Mitarbeiter in ihrer psychischen Gesundheit nicht zu gefährden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und Problembeschreibung
1.3 Methode
1.4 Aufbau
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Coronapandemie
2.2 Homeoffice
3. Rund um die Telearbeit
3.1 Stationäre, mobile und alternierende Form
3.2 Historie der Telearbeit
3.2.1 Entstehung und Pioniere
3.2.2 Entwicklung von 1980 - 2000
3.2.3 Von der Telearbeit zum Homeoffice
3.3 Homeoffice in Zeiten der Coronapandemie
3.3.1 Aktuelle Zahlen
3.3.2 Bildungsabschluss
3.3.3 Regierungsmaßnahmen
4. Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft
4.1 Über den Autor
4.2 Gesellschaftsansicht von Byung-Chul Han
5. Auswirkungen von Homeoffice
5.1 Erreichbarkeit
5.1.1 Bezug zu Han
5.1.2 Kritik an Han
5.2 Flexibilität
5.2.1 Bezug zu Han
5.2.2 Kritik an Han
5.3 Soziale Isolation
5.3.1 Bezug zu Han
5.3.2 Kritik an Han
5.4 Arbeitsproduktivität
5.4.1 Bezug zu Han
5.4.2 Kritik an Han
5.5 Abwägung der Phänomene
6. Homeoffice gesund gestalten
6.1 Hybrides Arbeitsmodell
6.2 Soziale Interaktion fördern
6.3 Selbstorganisation stärken
6.4 Stigma entgegenwirken
7. Diskussion
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Auswirkungen des Homeoffice auf Beschäftigte während der Coronapandemie zu untersuchen, diese in die Gesellschaftstheorie von Byung-Chul Han einzuordnen und Strategien für eine zukünftige gesunde Arbeitsgestaltung abzuleiten.
- Analyse der psychosozialen Folgen von Homeoffice (Erreichbarkeit, Flexibilität, Isolation, Produktivität).
- Kritische Reflexion der "Leistungsgesellschaft" und "Müdigkeitsgesellschaft" nach Byung-Chul Han.
- Untersuchung des Einflusses staatlicher Regierungsmaßnahmen während der Pandemie auf das Arbeitsumfeld.
- Erforschung der psychischen Belastungen durch ständige Erreichbarkeit und sozialen Rückzug.
- Entwicklung von Empfehlungen für eine gesunde Gestaltung von hybriden Arbeitsmodellen.
Auszug aus dem Buch
5.1 Erreichbarkeit
Homeoffice wird oft durch die Vorstellung des Faulenzens stigmatisiert. Arbeitgeber befürchten, dass ihre Mitarbeiter die Flexibilität bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit ausnutzen könnten (vgl. Rupietta/Beckmann 2016: S. 15). Das begründet Lott (2020) darin, dass die Arbeitsleistung eines Mitarbeiters mit der Erwartung an seine Anwesenheit gekoppelt ist (S. 3).
„Die aus der räumlichen Trennung und eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten resultierende Intransparenz kann dazu führen, dass Homeoffice-Mitarbeitern unterstellt wird, sie würden zu Hause nicht oder weniger arbeiten, als sie vor Ort im Unternehmen leisten.“ (Schuster 2020: S. 364)
Diese Erwartungshaltung sorgt bei vielen Arbeitnehmern für einen Beweisdruck. Daher wollen Mitarbeiter signalisieren, dass sie auch zuhause produktiv arbeiten (vgl. Lott 2020: S. 3). Sie wirken dem Stigma entgegen, indem sie mit einer verstärkten Erreichbarkeit sowie der vermehrten Kommunikation (siehe Abb. 4) beweisen, „dass sie zu Hause tatsächlich arbeiten“ (vgl. Schulze 2020: S. 365).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Ausgangssituation während der Pandemie, Definition der Zielsetzung sowie Darstellung der methodischen Vorgehensweise.
2. Begriffsdefinitionen: Klärung der zentralen Begriffe Coronapandemie und Homeoffice zur Vorbereitung der theoretischen Analyse.
3. Rund um die Telearbeit: Historischer Rückblick und Analyse der Entwicklung verschiedener Telearbeitsformen bis hin zum aktuellen Homeoffice-Boom.
4. Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft: Vorstellung des Autors und Einordnung seiner Thesen zur modernen Leistungsgesellschaft.
5. Auswirkungen von Homeoffice: Detaillierte Analyse der vier zentralen Phänomene Erreichbarkeit, Flexibilität, soziale Isolation und Produktivität unter Bezugnahme auf Han.
6. Homeoffice gesund gestalten: Ableitung konkreter Maßnahmen für ein gesundes, hybrides Arbeitsumfeld und Entstigmatisierung der Telearbeit.
7. Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen hinsichtlich psychosozialer Auswirkungen und gesundheitsförderlicher Gestaltung.
Schlüsselwörter
Homeoffice, Telearbeit, Coronapandemie, Byung-Chul Han, Leistungsgesellschaft, Psychosoziale Gesundheit, Erreichbarkeit, Flexibilität, Soziale Isolation, Produktivität, Selbstausbeutung, Work-Life-Balance, Hybrides Arbeitsmodell, Präsentismus, psychische Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychosozialen Auswirkungen des Homeoffice während der Coronapandemie und reflektiert diese anhand der philosophischen Gesellschaftstheorie von Byung-Chul Han.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Erreichbarkeit, Arbeitsflexibilität, soziale Isolation sowie die Steigerung der Arbeitsproduktivität unter Pandemiebedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Chancen und Risiken des Homeoffice abzuwägen und auf Basis der Analyse wissenschaftlich fundierte Konzepte für ein gesundes Arbeiten von zu Hause aus zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien zur Telearbeit, ergänzt durch eine kritische philosophische Einordnung der Phänomene durch die Konzepte von Byung-Chul Han.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen von Homeoffice auf Individuen, beleuchtet das Phänomen der Selbstausbeutung in der Leistungsgesellschaft und diskutiert, wie Unternehmen hybride Arbeitsmodelle gesund gestalten können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Homeoffice, Leistungsgesellschaft, psychische Gesundheit, Selbstausbeutung, Erreichbarkeit und soziale Isolation.
Wie beeinflusst die Coronapandemie das Erreichbarkeitsgefühl?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Beweisdruck im Homeoffice dazu führt, dass Mitarbeiter durch ständige Erreichbarkeit ihre Arbeitsleistung demonstrieren wollen, was häufig zu Stress und Erschöpfung führt.
Warum ist laut der Arbeit eine Entstigmatisierung des Homeoffice notwendig?
Das noch bestehende Stigma, Homeoffice sei gleichbedeutend mit Faulenzen, erzeugt einen hohen psychischen Druck bei Beschäftigten, weshalb eine Etablierung in der breiten Bevölkerung als normaler Arbeitsmodus entscheidend ist.
- Citar trabajo
- Lisa Born (Autor), 2021, Psychosoziale Problemfelder im Homeoffice zu Zeiten der Pandemie. Eine Diskussion anhand der Thesen von Byung-Chul Han, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154259