Diese Arbeit untersucht Hegels Modalitäten-Kapitel aus seiner "Wissenschaft der Logik". Das Sich-auseinander-Entwickeln der Begriffe innerhalb der "Wissenschaft der Logik", Hegels bedeutendstem Beitrag zu einer Logik dialektischen Stils, geschieht nicht mit Zufälligkeit, sondern mit Notwendigkeit, so die These dieser Untersuchung.
Jedes Etwas ist – so geben es die "Reflexionsbestimmungen" vor – ein Mit-sich-Identisches, aber damit ebenso sehr ein sich von Anderem Unterscheidendes, insofern es aber sowohl ein Mit-sich-Identisches als auch ein Unterschiedenes ist, ein Sich-Widersprechendes und damit Sich-zugrunde-Richtendes. Dies ist die Dialektik, die nachweislich jedem Kapitel der Wesenslogik, angefangen bei dem in seiner Innerlichkeit befangenen Wesen, über seine "Erscheinung", hin zu seiner "Wirklichkeit", als Struktur zugrunde liegt.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Dialektik oder der dialektische Zusammenhang, den die "Reflexionsbestimmungen" bilden, auch dem Kapitel zugrunde liegt, auf das hier ein besonderes Augenmerk geworfen wird, nämlich auf das Kapitel "Die Wirklichkeit", welches in der Reihenfolge der Kapitel des dritten und letzten wesenslogischen Abschnitts "Die Wirklichkeit" an zweiter Stelle steht. Die Verwirklichung der "Wirklichkeit", die das Thema des zweiten Kapitels des dritten wesenslogischen Abschnitts ist, geschieht am Leitfaden der Logik der "Reflexionsbestimmungen".
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: der strukturlogische Ansatz
II. Die Verortung des Modalitäten-Kapitels innerhalb der „Wissenschaft der Logik“
III. Die „Wirklichkeit“ der „Wirklichkeit“. Das Modalitäten-Kapitel vor dem Hintergrund der Logik der „Reflexionsbestimmungen“
III.1 Das „Absolute“ als Grundlage für die Verwirklichung der „Wirklichkeit“
III.2 Die Verwirklichung der „Wirklichkeit“ erfolgt am Leitfaden der Logik der „Reflexionsbestimmungen“
III.2.1 Die formelle Wirklichkeit und die formelle Möglichkeit: „Identität“ und „absoluter Unterschied“
III.2.2 Die reale Notwendigkeit: die „Verschiedenheit“ und der Übergang von der „Verschiedenheit“ in den „Gegensatz“, „Widerspruch“ und „Grund“
III.2.3 Übergang von der „realen Nothwendigkeit“ in die „absolute Nothwendigkeit“
IV. Die „Substanz“ als die nächstfolgende Wahrheit der „absoluten Nothwendigkeit“
V. Übergang in die Begriffslogik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Untersuchung analysiert strukturlogisch, wie Hegels „Reflexionsbestimmungen“ innerhalb der Wesenslogik als notwendige Instanz fungieren, um das Wesen von der reinen Innerlichkeit zur „Wirklichkeit“ und schließlich zum „Begriff“ zu führen. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass die dialektische Bewegung der Modalitäten – von der Wirklichkeit und Möglichkeit über die Zufälligkeit bis zur Notwendigkeit – kein zufälliger Prozess ist, sondern einem immanenten logischen Aufbau folgt.
- Strukturanalytische Herleitung der Modalitäten aus der Logik der Reflexionsbestimmungen.
- Die systematische Verortung des Modalitäten-Kapitels innerhalb der „Wissenschaft der Logik“.
- Übergang von der realen Notwendigkeit zur absoluten Notwendigkeit.
- Transformation der Substanz und der Übergang in die Begriffslogik.
- Verhältnis von Innerlichkeit und Äußerlichkeit in Hegels Wesenslogik.
Auszug aus dem Buch
III.1 Das „Absolute“ als Grundlage für die Verwirklichung der „Wirklichkeit“
Zunächst stellt das „Absolute“ an ihm selbst ein Resultat dar, insofern nämlich als es aus der Bewegung seiner Vorgängerbestimmungen, der Bestimmungen des Inneren und Äußeren, hervorgegangen ist. Indem das Innere sich auf das Äußere als auf ein solches bezieht, das an ihm selbst ein Inneres ist, und das Äußere auf das Innere, das als Inneres zugleich das Äußerliche des Äußeren ist, so haben beide Bestimmungen dadurch, dass sie ineinander übergehen, dieses ihr Übergehen zugleich aufgehoben und sich zu einer Einheit, einer neuen Entität, zusammengezogen. Diese ist, insofern hierin Innerlichkeit und Äußerlichkeit zu einer absoluten Konkordanz gelangt sind, – die Innerlichkeit stellvertretend für die Bestimmungen des ersten wesenslogischen Abschnitts, des „Wesens als Reflexion in ihm selbst“, die Äußerlichkeit stellvertretend für die Bestimmungen des zweiten wesenslogischen Abschnitts „Die Erscheinung“ –, das „Absolute“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: der strukturlogische Ansatz: Die Einleitung legt die These dar, dass die Entwicklung der Begriffe in Hegels Logik einem notwendigen, immanenten Dialektik-Stil folgt, der durch die „Reflexionsbestimmungen“ strukturell vorgezeichnet ist.
II. Die Verortung des Modalitäten-Kapitels innerhalb der „Wissenschaft der Logik“: Dieses Kapitel ordnet das Modalitäten-Kapitel als zweiten Teil des dritten wesenslogischen Abschnitts „Die Wirklichkeit“ innerhalb des Gesamtsystems der Logik ein.
III. Die „Wirklichkeit“ der „Wirklichkeit“. Das Modalitäten-Kapitel vor dem Hintergrund der Logik der „Reflexionsbestimmungen“: Hier wird die zentrale These entwickelt, dass die Verwirklichung der „Wirklichkeit“ am Leitfaden der Logik der „Reflexionsbestimmungen“ geschieht.
IV. Die „Substanz“ als die nächstfolgende Wahrheit der „absoluten Nothwendigkeit“: Das Kapitel erläutert, wie das Wesen mit der Substanz ein Stadium erreicht, in dem Innerlichkeit und Äußerlichkeit zur Deckungsgleichheit gelangen.
V. Übergang in die Begriffslogik: Der abschließende Teil beschreibt, wie die Substanz durch ihre eigene Bewegung und Entgegensetzung in den „Begriff“ als das Reich der Freiheit überführt wird.
Schlüsselwörter
Hegel, Wissenschaft der Logik, Wesenslogik, Reflexionsbestimmungen, Wirklichkeit, Möglichkeit, Notwendigkeit, Substanz, Begriff, Dialektik, Strukturlogik, Innerlichkeit, Äußerlichkeit, Modalität, Absolute.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer strukturanalytischen Untersuchung der Modalitäten-Logik in Hegels „Wissenschaft der Logik“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dialektik von Innerlichkeit und Äußerlichkeit, den Reflexionsbestimmungen sowie dem Übergang von der Wirklichkeit zum Begriff.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Bewegung der Modalitäten mit logischer Notwendigkeit aus der Logik der Reflexionsbestimmungen hervorgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturanalytische Methode angewandt, die Hegels Begriffe innerhalb des logischen Systems auf ihre immanente dialektische Entwicklung hin untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kapitel „Die Wirklichkeit“ und „Substanz“ und verfolgt deren Übergang in die Begriffslogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Reflexionsbestimmungen, Wirklichkeit, Notwendigkeit, Substanz und der Übergang in die Begriffslogik.
Warum spielt das Modalitäten-Kapitel eine so wichtige Rolle am Ende der Wesenslogik?
Es dient als Brücke, um das Wesen aus seiner reinen Innerlichkeit zu befreien und als „Substanz“ für den Übergang zum „Begriff“ vorzubereiten.
Wie unterscheidet sich die „reale“ von der „formellen“ Wirklichkeit bei Hegel?
Die formelle Wirklichkeit basiert auf zufälligen Möglichkeiten, während die reale Wirklichkeit durch vorhandene Bedingungen eine zwingende, notwendige Verwirklichung erfährt.
Was bedeutet die „absolute Notwendigkeit“ im Kontext dieser Untersuchung?
Sie stellt den Endpunkt der Wesenslogik dar, in dem Wirklichkeit und Möglichkeit ihre eigene Voraussetzung bilden und den Übergang zum Begriff ermöglichen.
Wie vollzieht sich der Übergang von der Substanz in den Begriff?
Die Substanz reflektiert sich durch ein Wechselverhältnis von Ursache und Wirkung in sich selbst, verliert dabei ihre Substantialität und geht als Idealität in den Begriff über.
- Arbeit zitieren
- Dr. Larissa Hüllen-Huwe (Autor:in), 2021, Die "Wirklichkeit" der "Wirklichkeit". Eine Strukturanalyse von Hegels Modalitäten-Kapitel aus seiner "Wissenschaft der Logik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154270