In der vorliegenden Arbeit soll - ausgehend von Christine de Pizans „Buch von der Stadt der Frauen“ - versucht werden, einige Aspekte dieses Werks herauszugreifen, in den geschichtlichen Kontext einzuordnen und vor dem Hintergrund der realen Lebenswelten spätmittelalterlicher Städterinnen zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. CHRISTINE DE PIZAN: DAS BUCH VON DER STADT DER FRAUEN
III. DAS FRAUENBILD
1. ...in der Theologie
2. ...in der höfischen Literatur
IV. EHE
V. DIE RECHTSSTELLUNG DER STADTBEWOHNERINNEN
VI. ERZIEHUNG UND BILDUNG
VII. FRAUEN IM ERWERBSLEBEN
1. Die Oberschicht
2. Die Mittelschicht
a. Frauen im Handwerk
b. Frauen in halbamtlichen städtischen Funktionen
c. Weibliche Erwerbstätigkeit im medizinischen Bereich
3. Die Unterschicht
a. Lohnarbeiterinnen und Kleinhändlerinnen
b. Prostituierte
4. Beginen
VIII. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht ausgehend von Christine de Pizans Werk „Das Buch von der Stadt der Frauen“ die realen Lebenswelten von Frauen im Spätmittelalter. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen zeitgenössischen Literatur- und Frauenbildern und der tatsächlichen rechtlichen sowie wirtschaftlichen Situation von Städterinnen aufzuzeigen und die Wandlungsprozesse zu beleuchten, die im Übergang zur Frühen Neuzeit zu einer drastischen Verschlechterung der weiblichen Lebensbedingungen führten.
- Analyse des Frauenbildes in Theologie und höfischer Literatur
- Die eheliche Rechtsstellung und die Ehepraxis im Spätmittelalter
- Rechtliche Teilhabe von Frauen in der städtischen Gesellschaft
- Möglichkeiten und Einschränkungen in Bildung und Erziehung
- Wirtschaftliche Erwerbstätigkeit von Frauen in verschiedenen sozialen Schichten
Auszug aus dem Buch
Die Rechtsstellung der Stadtbewohnerinnen
Christine de Pizan erläutert zwar nicht direkt die Stellung der Frauen in den Gesetzen, doch bringt sie anhand von Beispielen zum Ausdruck, daß Herrscherinnen sehr wohl auch Legislative ausübten. Im Folgenden soll nun überprüft werden, ob spätmittelalterlichen Städterinnen dieselben Möglichkeiten offenstanden und inwiefern sie sich in rechtlicher Hinsicht von den männlichen Stadtbewohnern unterschieden.
Zunächst ist vorauszuschicken, daß es die Rechtsstellung der Frau in Deutschland nicht gibt, denn bereits in kleinsten regionalen Einheiten und über kurze Zeiträume hinweg lassen sich divergierende Rechtsnormen beobachten. Da es keine einheitliche Reichsgesetzgebung gab, entstanden viele regionale und lokale Rechte. Die Rechtspraxis basierte hauptsächlich auf den geltenden Rechtstheorien sowie auf dem Sachsen- und dem Schwabenspiegel. Einmal abgesehen von der unterschiedlichen Anwendung der Gesetze und davon, daß keine völlige Deckungsgleichheit von Gesetz und Realität existierte (wie sie auch in unserer Gegenwart nicht existiert), variierte die rechtliche Stellung der Frauen je nach Familienstand, Zugehörigkeit zu einem Stand, Berufsausbildung, regionalen Gegebenheiten und der Größe einer Stadt.
Doch daneben gab es gesetzliche Einschränkungen von Rechten, die alle Stadtbewohnerinnen betrafen. Denn die wachsende wirtschaftliche und politische Bedeutung der Städte führte zwar seit dem 12. Jahrhundert zur Herausbildung von eigenen städtischen Rechtskreisen, was eine Modifikation der rechtlichen Stellung der Frauen zur Folge hatte, doch grundsätzlich begrenzten auch die Stadtrechte ihre Rechts- und Handlungsfähigkeit. Genauer gesagt wurden die städtischen kommunalen Freiheitsentwicklungen, an denen Frauen zunächst teilhatten, durch gegenläufige Tendenzen gehemmt. Einerseits traf für sie die Formel des 19. Jahrhunderts „Stadtluft macht frei“ zu, da Frauen (und Männer) nach einem Aufenthalt von einem Jahr und einem Tag innerhalb der Stadtmauern insofern „frei“ waren, als es darin keine Leibeigenschaft gab und Frauen auch bis zu einem gewissen Grad durch selbstbestimmte Lebens- und Arbeitsformen davon Gebrauch machen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Hinführung zur Fragestellung, wie das Werk von Christine de Pizan den Kontext der spätmittelalterlichen Lebenswelt von Städterinnen widerspiegelt.
II. CHRISTINE DE PIZAN: DAS BUCH VON DER STADT DER FRAUEN: Biografische Einordnung der Autorin und Vorstellung ihres Werkes als literarische Antwort auf frauenfeindliche Tendenzen.
III. DAS FRAUENBILD: Untersuchung der theologischen Abwertung der Frau durch die Scholastik und des kontrastierenden, jedoch fiktiven Bildes in der höfischen Literatur.
IV. EHE: Darstellung der Ehepraxis, der Einflussnahme der Kirche sowie der rechtlichen und sozialen Realitäten für Ehefrauen.
V. DIE RECHTSSTELLUNG DER STADTBEWOHNERINNEN: Analyse der städtischen Gesetzgebung und deren einschränkende Wirkung auf die rechtliche und politische Partizipation von Frauen.
VI. ERZIEHUNG UND BILDUNG: Untersuchung der Ausbildungschancen für Mädchen verschiedener Schichten und das Wirken von Ausschlussmechanismen an höheren Bildungseinrichtungen.
VII. FRAUEN IM ERWERBSLEBEN: Überblick über die vielfältigen beruflichen Tätigkeiten von Frauen in Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht sowie die zunehmende Verdrängung durch Professionalisierung.
VIII. ZUSAMMENFASSUNG: Fazit über die Verschlechterung der weiblichen Selbstbestimmungsmöglichkeiten im ausgehenden Mittelalter.
Schlüsselwörter
Christine de Pizan, Spätmittelalter, Städterinnen, Frauenbild, Rechtsstellung, Bildung, Erwerbsleben, Zünfte, Beginen, Prostitution, Patriarchat, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Emanzipation, Stadtluft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Lebensrealität von Frauen in spätmittelalterlichen Städten und setzt diese in Bezug zu den Schriften der Autorin Christine de Pizan.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst das zeitgenössische Frauenbild, rechtliche Rahmenbedingungen, Bildungs- und Ausbildungschancen sowie die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie sich die Lebensbedingungen von Frauen in der Stadt im ausgehenden Mittelalter gestalteten und warum diese im Übergang zur Frühen Neuzeit zunehmend eingeschränkt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Quellen und Rechtsgrundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Bereiche Ehe, Recht, Erziehung, die Arbeit in Handwerk und Medizin sowie die soziale Randstellung von Frauen aus der Unterschicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Frauenarbeit, spätmittelalterliche Stadt, rechtliche Benachteiligung, Zunftwesen, Bildungschancen und soziale Ausgrenzung gekennzeichnet.
Welche Rolle spielten Beginen in der städtischen Gesellschaft?
Beginen bildeten eine eigenständige Bewegung, die ein gottgeweihtes Leben führte und sich durch wirtschaftliche Eigenständigkeit in Handwerk und Handel auszeichnete, jedoch häufig dem Verdacht der Häresie ausgesetzt war.
Warum wurden Frauen aus vielen Erwerbszweigen verdrängt?
Die Professionalisierung und Standardisierung von Berufen, der Ausschluss von Universitäten sowie die zunehmende Kontrolle durch Zünfte führten dazu, dass Frauen als Konkurrenz betrachtet und aus lukrativen Arbeitsbereichen ausgeschlossen wurden.
Wie war die rechtliche Situation von Prostituierten?
Obwohl ihre Tätigkeit als sündig galt, wurde sie in sogenannten Frauenhäusern als notwendiges Übel geduldet und reglementiert, bevor eine zunehmende Stigmatisierung und Ausgrenzung einsetzte.
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- Marion Luger (Author), 1998, "Stadt der Frauen". Frauen der Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115447