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Gewalterleben im Schulsport. Eine qualitative Analyse der Erfahrungen von Schülern

Title: Gewalterleben im Schulsport. Eine qualitative Analyse der Erfahrungen von Schülern

Master's Thesis , 2021 , 143 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lina Röttger (Author)

Didactics - Sport, Sport Pedagogy
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In welchen unterrichtlichen Settings und thematischen Zusammenhängen kommt es für Schülerinnen und Schüler im Schulsport zu einem Gewalterleben? Dies ist die zentrale Frage dieser Masterarbeit, welcher eine Datenerhebung in Form einer Umfrage zugrunde liegt.

Für die Beantwortung der Forschungsfragen wird in der vorliegenden Arbeit ein qualitativer Zugang zum Gegenstandsbereich gewählt. Das forschungsmethodische Vorgehen begründet sich dabei auf dem Erhebungs- und Auswertungsverfahren von Hunger und Böhlke (2017). Zur Sichtbarmachung des individuellen Gewalterlebens werden die Teilnehmer:innen mittels schriftlicher Kurznarration dazu angehalten, eine Situation aus dem Schulsport zu schildern, in der es aus ihrer Sicht zur Gewalt gekommen ist. Die hieraus gewonnenen Daten bilden die Basis für die anschließende Auswertung und Interpretation mithilfe der Sequenzanalyse nach Soeffner und Hitzler.

Dem Sportunterricht kommt in der Schule eine sehr bedeutsame pädagogische Aufgabe zu. Das Fach ist – im Vergleich zum übrigen Fächerkanon – in besonderer Weise mit der Lebensführung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen verbunden und erfüllt in Hinblick auf die Identitätsbildung für Schüler:innen eine wesentliche Funktion. Darüber hinaus trägt Sportunterricht auch zum Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes von Schüler:innen bei und ist daher in der Bildungseinrichtung Schule nicht mehr wegzudenken. Im Beschluss der Kultusministerkonferenz ist zu den Zielen des Sportunterrichts festgehalten, dass die Schüler:innen im und durch Sport zu einer umfassenden Handlungskompetenz befähigt werden sollen und mithilfe des Erhalts physischer und psychischer Gesundheit ein wichtiger Betrag zum lebenslangen Lernen geleistet werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegungen zum Gegenstandsbereich „Gewalt“

2.1 Begriffsbestimmung und Wortverwendung

2.2 Entstehungsbedingungen von Gewalt

2.2.1 Innerschulische Faktoren

2.2.2 Soziokulturelle Faktoren

2.2.3 Familiäre Faktoren

2.2.4 Individuelle Faktoren

2.3 Gewalt im Kontext Schule

2.3.1 Aktueller Forschungsstand zur Gewalt im Schulsport

2.3.2 Gewaltpotentiale des Sportunterrichts

3 Zur Anlage der Untersuchung von Gewalterleben im Schulsport

3.1 Qualitativer Zugang zum Forschungsgegenstand

3.2 Grundlegungen zur Erhebungsmethode

3.3 Erhebungssituation und -teilnehmer:innen

3.4 Auswertungsverfahren

4 Phänomene des Gewalterlebens im Schulsport

4.1 Gewalt durch eine Sportlehrkraft

4.1.1 Zwang zum Überschreiten von Leistungsgrenzen: „obwohl ich nicht mehr konnte“

4.1.2 Rassismus und Stigmatisierung: „es wurde immer der Türke fertiggemacht“

4.1.3 Erniedrigung, Bloßstellung, Bagatellisierung: „hat nur gesagt er soll sich nicht so anstellen“

4.1.4 Bewertungsmacht durch Notenvergabe: „gab dann eine sechs in der Benotung“

4.2 Gewalt durch Mitschüler:innen

4.2.1 Soziale Exklusion und Demütigung: „lauf schneller Schwabbel“

4.2.2 Körperlichkeit und unfaires Spiel: „mit Absicht auf den Kopf gezielt … einfach zur Belustigung“

4.2.3 Selbstjustiz und Rache an Mitschüler:innen: „Denkzettel verpassen“

4.3 Mobbing: „wurde im Sportunterricht von vielen sehr gemobbt“

4.4 Sexualisierte Gewalt: „hat mich … an sich gedrückt“

5 Diskussion und Verortung des Gewalterlebens

6 Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist es, individuelle Erlebensmomente von Gewalt aus der Perspektive von Schülerinnen und Schülern im Sportunterricht zu erfassen, um das Phänomen besser zu verstehen und für alltägliche sportunterrichtliche Handlungen zu sensibilisieren, ohne dabei den Sportunterricht pauschal zu problematisieren.

  • Qualitative Analyse von Gewalterfahrungen aus Sicht der Lernenden
  • Untersuchung von Gewalt durch Lehrkräfte und Mitschülerschaft
  • Bedeutung von Machtverhältnissen und Notenvergabe im Schulsport
  • Einfluss von sportlichen Leistungsansprüchen und Körperbildern
  • Rolle von Mobbing, sozialer Exklusion und sexualisierter Gewalt

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Zwang zum Überschreiten von Leistungsgrenzen: „obwohl ich nicht mehr konnte“

Der Sport ist ein bezeichnendes Beispiel für die zahlreichen Möglichkeiten, die eigenen körperlichen Fertigkeiten zu entdecken und Grenzerfahrungen in Bezug auf die individuelle Leistungsfähigkeit zu machen. Der äußere Zwang zum Überschreiten ebendieser Grenzen wird jedoch im Kontext Schule in vielerlei Hinsicht als Gewalt empfunden. So geht für viele Schüler:innen die Teilnahme am Sportunterricht mit einer ungewollten körperlichen Grenzerfahrung einher: „Ich musste also, ob ich wollte oder nicht [...]“ (76.10). Das Ausüben von psychischem Druck durch die Lehrkraft wird von den Schüler:innen in verschiedenen sportlichen Kontexten beschrieben, ein Beispiel hierfür ist unter anderem der Turnunterricht.

„Ich musste einmal weiter am Reck turnen, obwohl ich keine Energie und Kraft mehr hatte. Der Lehrer wollte mehr sehen.“ (12.1 f.)

Auch in Verbindung mit Ausdauersport tritt dieses Gewaltphänomen auf. Eine befragte Person führt dazu an: „Die Lehrer triezten einen zum Weitermachen [...]“ (45.7), auch wenn die individuelle Belastungsgrenze bereits erreicht gewesen ist. Es folgt daraus nicht selten ein Zustand der körperlichen Erschöpfung und Überforderung bis hin zum Kreislaufversagen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Forschungsdefizit bezüglich Gewalterfahrungen im Sportunterricht und definiert das Ziel, subjektive Schülersichten sichtbar zu machen.

2 Grundlegungen zum Gegenstandsbereich „Gewalt“: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, definiert Gewaltbegriffe und beleuchtet innerschulische, soziokulturelle, familiäre sowie individuelle Faktoren für die Gewaltentstehung.

3 Zur Anlage der Untersuchung von Gewalterleben im Schulsport: Hier wird der qualitative Forschungszugang erläutert, die Methode der schriftlichen Kurznarration begründet und das Verfahren der Sequenzanalyse zur Datenauswertung vorgestellt.

4 Phänomene des Gewalterlebens im Schulsport: Dieser Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse, gegliedert in Gewalt durch Lehrkräfte, Gewalt durch Mitschüler:innen, Mobbing und sexualisierte Gewalt.

5 Diskussion und Verortung des Gewalterlebens: Die Ergebnisse werden hier kritisch diskutiert, in den Kontext der subjektiven Wahrnehmung gestellt und mit Mustern der Gewaltentstehung verknüpft.

6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert das methodische Vorgehen und formuliert Anregungen für künftige Forschungsarbeiten zur Gewaltprävention.

Schlüsselwörter

Gewalterleben, Schulsport, Qualitative Analyse, Schüler:innensicht, Sportlehrkraft, Mitschüler:innen, Mobbing, Sexualisierte Gewalt, Leistungsdruck, Körperbild, Sequenzanalyse, Schulalltag, Machtverhältnisse, Grenzerfahrungen, Diskriminierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen von Gewalterleben im Sportunterricht aus der subjektiven Perspektive von Schülerinnen und Schülern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit deckt verschiedene Formen der Gewalt ab, darunter psychischen Druck durch Lehrkräfte, Stigmatisierung, Mobbing unter Mitschülern sowie Grenzverletzungen durch sexualisiertes Verhalten.

Was ist die primäre Zielsetzung der Studie?

Ziel ist es, individuelle Erlebensmomente sichtbar zu machen und Phänomenbereiche der Gewalt im Schulsport herauszuarbeiten, anstatt konkrete Präventionsvorschläge zu generieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem mittels schriftlicher Kurznarrationen Daten erhoben und diese anschließend durch eine Sequenzanalyse nach Soeffner interpretiert wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Gewaltphänomene wie Zwang beim Leistungsturnen, Rassismus, Bewertungsmacht durch Noten sowie soziale Exklusion während Mannschaftswahlen.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Gewalterleben, Schulsport, Stigmatisierung, Machtverhältnisse, Körpererfahrung und soziale Exklusion.

Warum spielt der Schwimmunterricht eine besondere Rolle bei Gewalterfahrungen?

Der Schwimmunterricht wird aufgrund der körperlichen Exponiertheit, der Intimität der Situation und der damit verbundenen Hilflosigkeit der Schüler häufig als Kontext für Grenzverletzungen und Mobbing genannt.

Wie wirkt sich das Benotungssystem auf das Gewalterleben aus?

Viele Schüler empfinden die Bewertungsmacht der Lehrkraft als Druckmittel, wobei die Angst vor schlechten Noten dazu führt, dass Schüler Übungen gegen ihre Belastungsgrenzen oder körperliche Integrität durchführen.

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Details

Title
Gewalterleben im Schulsport. Eine qualitative Analyse der Erfahrungen von Schülern
College
University of Göttingen
Grade
1,0
Author
Lina Röttger (Author)
Publication Year
2021
Pages
143
Catalog Number
V1154548
ISBN (eBook)
9783346550712
ISBN (Book)
9783346550729
Language
German
Tags
gewalterleben schulsport eine analyse erfahrungen schülern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lina Röttger (Author), 2021, Gewalterleben im Schulsport. Eine qualitative Analyse der Erfahrungen von Schülern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154548
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