In dieser Hausarbeit steht der Roman "Malina" von Ingeborg Bachmann, welcher utner dem Aspekt der Andersartigkeit untersucht werden soll, im Mittellpunkt. Das Ich des Romans wird also einer Analyse unterzogen, wobei im weiteren Verlauf auf das ich nicht mit dem neutralen "es", sondern mit dem weiblichen "sie" Bezug genommen wird, um ihr Geschlecht deutlcih zu machen. Zwar war es natürlich die Intention der Autorin durch SEtzung eines Neutrums auf die Negierung des Weiblichen zu verweisen. Trotz dieses Faktums ist es hier wichtig, ihr ein "sie" zu geben, u m Differenzen zwischen den Geschlechtern klarer erscheinen zu lassen. In allen drei Kapiteln wird zuert der Versuch unternommen, in jeweils eine Theorie einzuführen, welche die These des binären Geschlechterverhältnisses und der daraus folgenden Differenz der Geschlechter stützt, anschließend wird diese These am Text, beziehungsweise an spezifischen Textteilen herausgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spiegelsymbolik
2.1 Einführung in die Spiegelsymbolik, nach Freud und Lacan
2.2 Spiegelsymbolik bei Luce Irigaray
2.3 Nachweis und Anwendung der Spiegelsymbolik im Roman „Malina“
3. Differenz und Différance
3.1 Einführung in den Begriff der „Différance“ und zum Raum- Zeit Verhältnis in der Différance
3.2 Raum und Zeit in der sexuellen Differenz bei Luce Irigaray
3.3 Differenz durch „Zeit und Raum“ im Roman „Malina“
4. Kulturelle Differenz oder das Andere
4.1 Das Andere in der kulturellen Differenz
4.2 Das Andere bei L. Irigaray
4.3 Das Andere in Malina
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann unter dem Aspekt der „Andersartigkeit“ der Protagonistin. Ziel ist es, mithilfe der theoretischen Ansätze von Luce Irigaray aufzuzeigen, wie das weibliche Geschlecht als „das Andere“ in einer vom Patriarchat geprägten symbolischen Ordnung konstruiert und unterdrückt wird.
- Analyse der Spiegelsymbolik bei Jacques Lacan und Luce Irigaray.
- Untersuchung des Begriffs der „Différance“ nach Jacques Derrida.
- Erforschung von Zeit- und Raumwahrnehmung als Instrumente der Geschlechterdifferenz.
- Analyse der kulturellen Identitätskonstruktion und der Positionierung der Frau als „das Andere“.
- Interpretation der Identitätssuche der Protagonistin im Kontext der literarischen Utopie.
Auszug aus dem Buch
2.2 Spiegelsymbolik bei Luce Irigaray
Nach Luce Irigaray kann die Frau gar nicht festlegen, die Frau gibt es nicht, es gibt lediglich Frauen oder das Weibliche. Zu der Frau als festgelegtem Subjekt äußert sich die Autorin deutlich in ihrem Buch „Das Geschlecht, das nicht eins ist“23. Die Frau kann sich selbst nicht festlegen und wird so zum Gebrauchsgegenstand des Mannes. Sie kennt ihr Begehren und ihre Wünsche nicht, da sie niemals nur eine ist. Sie existiert eher in Fragmenten, welche sich aber zu einer Einheit auflösen können, stellt man sie in einen größeren Zusammenhang24. Mit der eben erläuterten Feststellung Irigarays: „Ce sexe qui n'en est pas un“ entkräftet sie den Ausspruch Lacans „la femme n'existe pas“, da es ein LA in dieser Weise in Bezug auf das Weibliche nicht gibt.
Luce Irigaray stellt wie Lacan fest, dass die Frauen in wichtigen Teilen unserer Geschichte völlig negiert wurden, zum Beispiel in den Geisteswissenschaften, der Kunst und, für uns hier am wichtigsten, in der Sprache. Durch eben diese kulturhistorische Suppression des Weiblichen eignet sich die Frau so gut als Spiegel für den Mann, welcher im phallogozentrischen Diskurs ein kaum verzerrtes Spiegelbild des Mannes zustande bringt. Da dem Weiblichen die imaginäre Phase der Spiegelökonomie zugeschrieben wird, muss sich also die Frau im Spiegelbild des Mannes verkennen, wie das Kind im Imaginären, während sie dem Mann, dem die symbolische Phase zugeschrieben wird, sein eigenes Bild zurückwirft25. Dies führt dazu, dass nur der Mann sich durch die Reflexion in der Frau konstituieren kann26, umgekehrt ist dies nicht möglich. Die Autorin stellt nun heraus, dass diese Umstände zu zwei Aspekten führen, denen die Frauen in den Diskursen anwesend und abwesend zugleich sind:
1. Aspekt: Da die Frau als Spiegel des Mannes dient und zu seiner Subjektwerdung nötig ist, ist sie der Ursprung aller Spekulation27. Somit ist das Weibliche in Form von 'Natur', 'Unbewusstem' et cetera immer schon in alle Diskurse imaginiert28. Es spiegelt sich zwischen den Zeilen zum Beispiel als das Natürliche wieder.
2. Aspekt: Lacan zu Folge ist jeder Diskurs, also auch der Geschlechter, in der Spiegelökonomie gefangen. Da die Frau hier aber durch Vertretung des Imaginären als Subjekt negiert wird, ist sie nicht in der Lage, Anteil an den Diskursen zu nehmen29.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, den Roman „Malina“ unter dem Aspekt der Andersartigkeit und der „Écriture féminine“ zu untersuchen.
2. Spiegelsymbolik: Dieses Kapitel behandelt die psychoanalytischen Grundlagen der Spiegelphase bei Lacan und kontrastiert diese mit der Sichtweise von Luce Irigaray, um sie anschließend auf die Spiegelszenen im Roman anzuwenden.
3. Differenz und Différance: Hier wird Derridas Konzept der „Différance“ und das Verständnis von Raum und Zeit als strukturgebende Elemente der Geschlechterdifferenz erläutert und im Roman analysiert.
4. Kulturelle Differenz oder das Andere: Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftliche und kulturelle Konstruktion des „Anderen“ sowie dessen theoretische Fundierung bei Irigaray, um die Identitätslosigkeit der Protagonistin in „Malina“ zu verdeutlichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bachmanns Roman eine eigene, weibliche Ausdrucksform des Frauseins findet, diese aber innerhalb einer vom Patriarchat dominierten Ordnung stets in der Gefahr steht, zur Negation zu werden.
Schlüsselwörter
Ingeborg Bachmann, Malina, Luce Irigaray, Jacques Lacan, Jacques Derrida, Spiegelsymbolik, sexuelle Differenz, Différance, das Andere, Écriture féminine, Identitätskonstruktion, Patriarchat, Subjektwerdung, Feminismus, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann unter dem Aspekt der geschlechterspezifischen „Andersartigkeit“ und der Konstruktion weiblicher Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Spiegelsymbolik, das Verständnis von Zeit und Raum als Machtinstrumente der Differenz sowie die philosophische Kategorie des „Anderen“.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie das weibliche Geschlecht im Roman als „das Andere“ konstruiert wird und ob es der Protagonistin gelingt, sich aus der männlich geprägten symbolischen Ordnung zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Theorien von Luce Irigaray, Jacques Lacan und Jacques Derrida.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Spiegelsymbolik, die Analyse der „Différance“ und die Erörterung des kulturellen Begriffs des „Anderen“ in Bezug auf den Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschlechterdifferenz, Spiegelsymbolik, Subjektwerdung, Identität und den feministischen Diskurs der „Écriture féminine“ beschreiben.
Inwiefern spielt das Konzept des „Spiegels“ eine Rolle für die Protagonistin in „Malina“?
Der Spiegel dient als Instrument, durch das sich die Protagonistin im männlichen Begehren verkennt und versucht, ihre durch das Patriarchat unterdrückte Identität zu reflektieren.
Warum spielt der Begriff der „Différance“ für das Verständnis des Romans eine wichtige Rolle?
Er hilft, die zeitliche und räumliche Spaltung der Protagonistin zu erklären, die zwischen ihren Erinnerungen an die Vergangenheit und einer unbestimmten Zukunft innerhalb der symbolischen Ordnung feststeckt.
- Quote paper
- Alescha Abendroth (Author), 2007, Das weibliche Geschlecht als >das Andere< in Ingeborg Bachmanns „Malina“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115456