Diese Hausarbeit stellt die Exegese des Textes 18, 1-8 aus dem Lukasevangelium. Der Text Lk18, 1-8 lässt sich in Rahmenhandlung und Gleichniserzählung gliedern, was insgesamt zu drei großen Textabschnitten führt. Die Einleitung beläuft sich lediglich auf den ersten Vers und bildet den Anfangsrahmen für das darauffolgende Gleichnis. Die Situation beginnt damit, dass Jesus seine Anhänger zum unermüdlichen Beten bewegen möchte. Dies will er durch ein Gleichnis bewirken, welches den zweiten Abschnitt bildet und sich von Vers zwei bis fünf erstreckt. Es handelt von einer Witwe, die nach mehreren Versuchen, dank ihrem Durchhaltevermögen ihr Recht bei einem Richter einfordert. Dieser geht darauf jedoch nur ein, weil er befürchtet sie schlüge im sonst ins Gesicht. Die Handlung spielt sich in einer unbestimmten Stadt ab. Der Richter wird so beschrieben, dass er weder Gott fürchte, noch auf die Menschen achte. Der letzte Textteil beinhaltet Vers sechs bis acht, bei dem Jesus das Wort an seine Zuhörer richtet und sie fragt, ob Gott denen, die ohne Unterlass zu ihm beten helfen oder zögern wird. In Lk 18, 8 beantwortet er die Frage selbst damit, dass Gott ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen wird und beendet den Text mit der Frage, ob der kommende Menschensohn noch Glauben vorfinden wird.
Inhaltsverzeichnis
Literarische Analyse des Textes
Form- und Gattungskritik
Gleichnis
Aussageabsicht
Traditionskritik
Das Beten
Die Witwe
Der Richter
Der Menschensohn
Der historische Ort
Die Rolle der Frau in der Antike
Die Gemeinde um Lukas
Auslegung
Ergebnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das biblische Gleichnis vom ungerechten Richter und der bittenden Witwe (Lukas 18,1-8) einer historisch-kritischen Exegese zu unterziehen, um dessen Bedeutung für die frühe christliche Gemeinde sowie die aktuelle Relevanz der Thematik zu erschließen.
- Literarische und gattungskritische Analyse der Perikope
- Traditionsgeschichtliche Untersuchung zentraler Motive (Gebet, Witwenrolle, Richteramt)
- Historische Einordnung in das Umfeld der lukanischen Gemeinde
- Exegetische Auslegung der Verse unter Berücksichtigung der Parusieerwartung
- Reflexion über Gerechtigkeit und Gottesreich im lukanischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Frau in der Antike
Die Zugehörigkeit zum Geschlecht war, wie es auch heute noch ist, von großer sozialer Bedeutung in der Antike. In der damaligen mediterranen Gesellschaft gab es strikte Unterscheidungen zwischen den Geschlechtern hinsichtlich ihrer Kompetenzbereiche und den dazugehörigen Rollen. Da die stereotypischen Geschlechtsattribute als von gottgegeben betrachtet wurden, war der Druck der Gesellschaft sich an das vorherrschende Rollenmuster zu halten hoch und das Überschreiten jener Rollengrenzen oder gar das Vertauschen der Attribute galt als verpönt. Typisch männliche Eigenschaften waren: stark, tapfer, kontrolliert, rational. Die von der Gesellschaft als weiblich konnotierten Eigenschaften waren deutlich negativer. Frauen galten als schwach, irrational, ängstlich und unkontrolliert – also exakt die gegenteiligen Attribute. Frauen fehlte dementsprechend, was einen Mann ausmachte, Disziplin und Selbstbestimmung.
Zusammenfassung der Kapitel
Literarische Analyse des Textes: Die Einleitung gliedert die Perikope in drei Abschnitte und verortet sie im Kontext der Lehren Jesu über das Reich Gottes.
Form- und Gattungskritik: Dieser Teil definiert den Text als Parabel, die durch ihre Metaphorik den Hörer zu einer Entscheidung und Verhaltensänderung motivieren will.
Traditionskritik: Hier werden die Motive Gebet, Witwe, Richter und Menschensohn im Hinblick auf ihre alttestamentlichen und jüdisch-frühchristlichen Hintergründe untersucht.
Der historische Ort: Dieses Kapitel beleuchtet das soziale Rollenverständnis von Frauen in der Antike sowie die unsichere Lebenswelt der lukasgemeinde nach der Tempelzerstörung.
Auslegung: Eine detaillierte Vers-für-Vers-Interpretation, die den Kontrast zwischen dem ungerechten Richter und Gott sowie die Bedeutung der Beharrlichkeit hervorhebt.
Ergebnis: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Gerechtigkeit und das Reich Gottes bereits gegenwärtig sind und durch beständiges Gebet erfahren werden.
Schlüsselwörter
Lukas 18,1-8, Gleichnis, Parabel, Gebet, Gerechtigkeit, Witwe, Menschensohn, historisch-kritische Exegese, lukanische Gemeinde, Parusie, Widerstand, Rollenmuster, Antike, Gottesreich, Auserwählte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Analyse der Bibelstelle Lukas 18,1-8, in der ein ungerechter Richter durch das unermüdliche Drängen einer Witwe zum Handeln bewegt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen das Motiv des unermüdlichen Gebets, die soziologische Rolle der Frau in der Antike und die eschatologische Erwartung des kommenden Menschensohns.
Welches primäre Ziel verfolgt die Exegese?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Text als Motivationshilfe für die frühe christliche Gemeinde diente, die in einer Zeit der Unsicherheit und ausbleibenden Parusie lebte.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung verwendet, unterteilt in Literarkritik, Gattungskritik und Traditionskritik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Textanalyse, eine Untersuchung der Gattung Parabel sowie eine detaillierte Auslegung der einzelnen Verse im historischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie lukanische Theologie, Gerechtigkeit, Beständigkeit, Patriarchat und Widerstand.
Wie definiert die Autorin die Rolle der Witwe in diesem Kontext?
Die Witwe wird nicht als passives Opfer, sondern als kämpferisches, eigenständiges religiöses Subjekt gesehen, das patriarchalische Normen durch ihre Beharrlichkeit überschreitet.
Welche Funktion hat der Richter in der Parabel?
Der Richter dient als absolute Kontrastfigur zu Gott; sein Handeln illustriert durch seine Ungerechtigkeit die noch größere Zuverlässigkeit Gottes gegenüber den Betenden.
Was bedeutet die Frage nach dem "Glauben" am Ende des Textes?
Sie drückt die Sorge Lukas aus, dass die Gemeinde angesichts der langen Wartezeit auf die Parusie in ihrem Gebetsleben nachlassen und den Glauben verlieren könnte.
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- Anonym (Autor), 2017, Exegese eines Textes aus dem Lukasevangelium (Lk18,1-8). Gattungskritik, Traditionskritik, Historizität und Auslegung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154566