In dieser Arbeit werden der NATO-Doppelbeschluss und seine Folgen für die Ost-West-Abrüstung analysiert. Nach der Einleitung werden in Kapitel zwei die strategischen Überlegungen der Großmächte zu Zeiten des Kalten Krieges als Grundlage für das Verständnis der Handlungsweise von Ost und West und ihre (Re)Aktionen analysiert. Dieses strategische Denken beeinflusste in hohem Maße einerseits die Aufrüstungsbestrebungen andererseits die Abrüstungsverhandlungen. Im Rahmen dieser Arbeit wird ausgehend vom NATO-Doppelbeschluss die Frage geklärt, warum es überhaupt zur massiven Aufrüstung gekommen ist und welche Folgen dies hatte. (Kapitel 3)
Im folgenden Kapitel werden chronologisch die Rüstungskontrollverhandlungen und die daraus resultierenden Verträge thematisiert. Die beiden SALT-Verträge spielten auf dem militärischen und diplomatischen Paket der Weltgeschichte eine bedeutende Rolle, da sie erstmals eine Obergrenze im Bereich der nuklearen Interkontinentalraketen festlegten. Die beleuchteten START-Verträge zeigen den Fortschritt der Abrüstungsinitiativen. Die in Kapitel vier untersuchten START-Verträge stellten einen weiteren Fortschritt der Abrüstungsinitiativen dar. Der START-I-Vertrag legte erstmalig fest, dass Amerika und Sowjetunion bzw. der Nachfolgestaat Russland abrüsten mussten. Ein weiteres Augenmerk soll auf die Funktion vom nuklearen Teststoppvertrag innerhalb der Rüstungsbestrebungen der beiden Großmächte gelegt werden. (Kapitel 5)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Militärische Strategien der Blocksysteme zur Zeit des Kalten Krieges
2.1 Reaktionsformen innerhalb der NATO-Strategie
2.2 Ziel der Strategie
3 Thematik des NATO-Doppelbeschlusses
3.1 Der „Harmel-Bericht“
3.2 Ausgangs- und Bedrohungslage Mitte der 70er Jahre
3.2.1 Geostrategische Asymmetrie
3.2.2 Neue Bedrohungslage
3.3 SALT I
3.3.1 Inhaltliche Bestimmungen
3.3.2 Grauzonenproblematik
3.3.3 Londoner Rede von Bundeskanzler Helmut Schmidt
3.3.4 Breschnew-Offerte
3.4 Konzept des NATO-Doppelbeschlusses
3.4.1 Sowjetische Reaktionen auf den NATO-Doppelbeschluss
3.4.2 Null-Lösung
3.5 Kernwaffenpotentiale der Großmächte
4 Bilaterale Verträge zwischen den beiden Bündnissystemen
4.1 INF-Verhandlungen
4.2 START I
4.2.1 Begrenzung der Nuklearpotentiale
4.2.2 „Downloading“-Problematik
4.3 Abrüstungsinitiativen unter dem Einfluss des Zusammenbruchs der Sowjetunion
4.4 START II
4.4.1 Bestimmungen des START-II-Vertrags
4.4.2 Kernwaffenzerlegung
5 Vollständiger nuklearer Teststopp
5.1 Debatten um die Nukleartests
5.1.1 Amerikanische Verhandlungspositionen zum CTBT
5.1.2 Russische Verhandlungspositionen zum CTBT
5.2 Inhaltliche Bestimmungen des CTBT
5.2.1 Ratifizierungsstopp im US-Senat
5.2.2 Folgen für die Rüstungskontrolle
6 Revolution in Military Affairs
6.1 Umfassende Neuerungen im militärischen Bereich
6.2 „Mini-nuke“ als Beispiel der Vermischung von konventionellen und nuklearen Angriffsstrategien
6.2.1 Folgen für die Strategiekonzepte
6.2.2 Realisierbarkeit der „mini-nuke“
6.3 Neue Nukleardoktrin der USA unter George W. Bush
6.3.1 Der „Quadrennial Defense Review“
6.3.2 Einsatzbereitschaft durch die neue Triade
6.3.3 Einsatzszenarien für Nuklearwaffen
6.3.4 Vereinbarkeit dieser Doktrin mit dem Völkerrecht
7 Raketenabwehr
7.1 Reagans SDI-Programm
7.2 Raketenabwehr unter der Clinton-Administration
7.3 Raketenabwehr im Verhältnis zum ABM-Vertrag
7.4 Umsetzung der Raketenabwehr
7.5 Reaktionen und Folgen des Aufbaus vom Raketenabwehrschirm
8 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert den historischen NATO-Doppelbeschluss und seine weitreichenden Folgen für die Ost-West-Abrüstung, um die Beweggründe für massive Aufrüstungsschritte sowie die daraus resultierenden diplomatischen und militärischen Entwicklungen zu verstehen.
- Strategische Grundlagen und Militärdoktrinen der Blockmächte im Kalten Krieg
- Die Genese und Auswirkungen des NATO-Doppelbeschlusses (1979)
- Analyse bilateraler Rüstungskontrollverträge (SALT, INF, START)
- Technologische Revolution in Military Affairs (RMA) und deren Einfluss auf die Nuklearstrategie
- Herausforderungen durch moderne Raketenabwehrsysteme und deren geopolitische Folgen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der „Harmel-Bericht“
1966 sah sich das Nordatlantische Bündnis einer Reihe von Problemen gegenübergestellt. Im Frühjahr dieses Jahres trat Frankreich aus dem militärischen Bereich der NATO aus und darüber hinaus wurde die Allianz mit der Situation des immer stärker werdenden Ost-West-Konflikts konfrontiert. Angesichts dessen galt es für die NATO eine einheitliche politische Strategie für den Umgang mit den Staaten des Warschauer Paktes zu entwickeln. Die Minister verabschiedeten auf der Nordatlantikratssitzung im Dezember 1966 eine Resolution, die besagte, dass eine Studie über die zukünftigen Aufgaben der Allianz erarbeitet werden sollte. Dieser Studie widmeten sich vier Arbeitsgruppen mit den Themen „East-West Relations“, „Inter Allied Relations“, „General Defense Policy“ und „Relations with Other Countries“. Die erarbeiteten Ergebnisse wurden in dem sogenannten „Harmel-Bericht“ zusammengefasst und im Dezember 1967 veröffentlicht. Er wurde nach seinem Ideengeber, dem damaligen belgischen Außenminister Pierre Harmel, benannt. Der Harmel-Bericht postulierte, dass die westliche Sicherheit auf zwei Säulen ruht.
„Die Atlantische Allianz hat zwei Hauptfunktionen. Die erste besteht darin, eine ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität aufrechtzuerhalten, um gegenüber Aggressionen […] abschreckend zu wirken und das Gebiet der Mitgliedstaaten zu verteidigen.[…] Die zweite Funktion [ist] die weitere Suche nach Fortschritten in Richtung auf dauerhafte Beziehungen, mit deren Hilfe die grundlegenden politischen Fragen gelöst werden können. Militärische Sicherheit und eine Politik der Entspannung stellen keinen Widerspruch, sondern eine gegenseitige Ergänzung dar.“
Die erste Säule beinhaltete die Fähigkeit des Bündnisses auf Abschreckung und Verteidigung, während die zweite die Bereitschaft zur Entspannung beschrieb. Beides sollte sich ergänzen. Es wurde festgelegt, dass die Inhalte beider Säulen miteinander verbunden werden. Resümierend bedeutete der Harmel-Bericht keine grundlegende Reform der Allianz, sondern zeigte die zukünftige Richtung auf, indem eine einheitliche Strategie der Bündnispartner etabliert wurde. Die dadurch eingeforderte politische Geschlossenheit war die Grundlage einer neuen Gestaltung der Beziehungen zur Sowjetunion und zu den osteuropäischen Staaten. Das höchste politische Ziel laut Harmel-Bericht war, eine gerechte und dauerhafte Friedensordnung in Europa mit gegenseitigen Sicherheitsgarantien zu etablieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Rüstungswettlaufs ein, stellt das Thema des NATO-Doppelbeschlusses vor und skizziert den Aufbau der Analyse über die strategischen Hintergründe, Abrüstungsverträge bis hin zur technologischen Entwicklung.
2 Militärische Strategien der Blocksysteme zur Zeit des Kalten Krieges: Dieses Kapitel erläutert den Wandel der NATO-Strategie von der „massiven Vergeltung“ hin zur „flexiblen Antwort“ und definiert die verschiedenen Reaktionsarten der Bündnissysteme.
3 Thematik des NATO-Doppelbeschlusses: Hier werden die historischen Ursprünge, wie der „Harmel-Bericht“, sowie die geostrategische Ausgangslage und die zentralen Elemente des Doppelbeschlusses von 1979 inklusive der sowjetischen Reaktionen detailliert untersucht.
4 Bilaterale Verträge zwischen den beiden Bündnissystemen: Dieses Kapitel behandelt chronologisch die wesentlichen Abrüstungsverträge der Großmächte, von SALT I und INF bis hin zu den START-Abkommen, und analysiert deren inhaltliche Bestimmungen und Verifikationsmethoden.
5 Vollständiger nuklearer Teststopp: Diese Sektion widmet sich der Bedeutung des „Comprehensive Test Ban Treaty“ (CTBT) als Mittel zur Eindämmung waffentechnologischen Fortschritts sowie den politischen Debatten und Hürden bei dessen Ratifizierung.
6 Revolution in Military Affairs: Hier wird der Einfluss technologischer Neuerungen im Militärwesen (RMA) untersucht, insbesondere wie diese die nuklearen Strategiekonzepte durch „Mini-nukes“ und neue Doktrinen der USA verändern und beeinflussen.
7 Raketenabwehr: Dieses Kapitel beleuchtet die Geschichte und Entwicklung der Raketenabwehrsysteme, angefangen bei Reagans SDI-Programm bis hin zu den aktuellen Plänen unter der Bush-Administration, und deren völkerrechtliche Problematiken.
8 Schlussbetrachtungen: Das Schlusskapitel fasst die historische Bedeutung des NATO-Doppelbeschlusses zusammen und reflektiert die aktuelle, angespannte Rüstungssituation im Vergleich zur Ära des Kalten Krieges.
Schlüsselwörter
NATO-Doppelbeschluss, Kalter Krieg, Nukleare Abrüstung, Rüstungskontrolle, Strategie der flexiblen Antwort, SALT, START-Vertrag, INF-Vertrag, Revolution in Military Affairs, Raketenabwehr, Nukleardoktrin, Abschreckung, SS-20, SDI, Rüstungswettlauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Konsequenzen des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 im Kontext des globalen Ost-West-Abrüstungsprozesses bis hin zu aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die militärischen Strategien, die Rüstungskontrollverhandlungen zwischen den Blöcken, die technologische Revolution im Militärwesen (RMA) und die Auswirkungen moderner Raketenabwehrsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die massiven Aufrüstungsschritte während des Kalten Krieges zu klären und zu untersuchen, wie diese die nachfolgenden diplomatischen Abrüstungsbemühungen beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch eine systematische Analyse und chronologische Aufarbeitung sicherheitspolitischer Strategiepapiere, Abrüstungsverträge und themenbezogener Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der militärischen Strategien, die Untersuchung bilateraler Verträge wie SALT und START, sowie die kritische Betrachtung aktueller Trends wie der „Revolution in Military Affairs“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie NATO-Doppelbeschluss, Nukleare Abrüstung, Rüstungskontrolle, Abschreckungsstrategie und Raketenabwehr.
Warum spielt der „Harmel-Bericht“ für das Verständnis des Doppelbeschlusses eine so wichtige Rolle?
Der Harmel-Bericht lieferte bereits 1967 das konzeptionelle Fundament, das den späteren Doppelbeschluss erst ermöglichte: die Verzahnung von militärischer Stärke (Abschreckung) mit der Suche nach politischer Entspannung.
Was versteht die Autorin unter der „Grauzonenproblematik“ bei den SALT-Verhandlungen?
Damit sind Waffensysteme gemeint, wie der sowjetische Backfire-Bomber, die aufgrund ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit (taktisch vs. strategisch) schwer in die formalen Kategorien der Rüstungskontrollverträge einzuordnen waren.
Warum wird die „Revolution in Military Affairs“ als mögliches Hindernis für die Abrüstung gesehen?
Die technologische Überlegenheit durch RMA-Komponenten könnte die Hemmschwelle für einen präzisen, begrenzten Erstschlag senken und somit das Streben nach einer atomaren Bewaffnung bei wirtschaftlich schwächeren Staaten erneut anheizen.
- Citar trabajo
- Tristan Paar (Autor), 2008, NATO-Doppelbeschluss und seine Folgen für die Ost-West-Abrüstung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115528