In den folgenden Kapiteln wird zunächst erläutert, welche Charakteristika typischerweise den Unternehmer:innen zugeschrieben werden, um ein grundlegendes Verständnis von Unternehmertum zu vermitteln. Darüber hinaus wird erklärt was Leidenschaft ist, was Leidenschaft tut und warum Leidenschaft für Unternehmer:innen eine wichtige Rolle spielt. Anschließend wird der aktuelle Forschungsstand in Bezug auf die Entdeckung von Quellen der unternehmerischen Leidenschaft dargestellt. Im Anschluss daran werden Forschungen über die länderspezifischen Unterschiede in Bezug auf das Führen von Unternehmen vorgestellt.
Im weiteren Verlauf werden die Forschungsmethode und das methodische Vorgehen dieser Forschungsarbeit erläutert. Ferner werden in den darauffolgenden Kapiteln die Ergebnisse dieser Untersuchung dargestellt und mit den Ergebnissen der Leitstudie verglichen. Abschließend werden die Ergebnisse diskutiert und die Forschungsfrage beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakteristika im Unternehmertum
3 Unternehmerische Leidenschaft
3.1 Definition
3.2 Konzeptualisierung
3.3 Folgen
3.4 Stiftung von Identität
3.5 Negative Folgen
3.6 Vorstellung der Leitstudie
3.6.1 Studiendurchführung
3.6.2 Ergebnisse der Leitstudie
3.7 Unternehmertum und Kultur
4 Methodik
4.1 Forschungsdesign
4.2 Stichprobenauswahl
4.3 Analytisches Vorgehen
4.4 Auswertung
5 Ergebnisse
5.1 Zusammenfassung der Hauptergebnisse
5.2 Vergleich der Ergebnisse dieser Forschungsarbeit mit der Leitstudie
6 Diskussion
6.1 Zusammenfassung
6.2 Limitationen der Forschung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Quellen unternehmerischer Leidenschaft bei deutschen mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern durch eine Replikation der Leitstudie von Cardon et al. (2017). Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwiefern lassen sich die in den USA entdeckten Quellen der unternehmerischen Leidenschaft auch bei deutschen mittelständischen Unternehmer:innen wiederfinden?“
- Charakteristika und psychologische Profile von Unternehmern
- Konzeptualisierung und Identitätsstiftung durch unternehmerische Leidenschaft
- Methodische Replikation qualitativer Ansätze im deutschen Kontext
- Analyse und Kategorisierung der Quellen von Leidenschaft (u.a. Menschen, Wachstum, Erfinden, Herausforderungen)
- Interkultureller Vergleich und Diskussion der Ergebnisse
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
„Leidenschaft entsteht, wenn man die Freiheit und die Möglichkeit hat, seinen Traum zu verfolgen. Leidenschaft ist intrinsisch. Sie ist in jedem von uns verankert ... die Leidenschaft entsteht dann, wenn man die Freiheit und Möglichkeit hat, seinen Traum zu verfolgen“ (Smilor, 1997, S. 342).
Seinen Ursprung findet der Begriff Leidenschaft in den Schriften von griechischen und westlichen Philosophen. Aristoteles etwa verband Leidenschaft mit Lust und Schmerz und plädierte für ein angemessenes Maß an Leidenschaft. Ein mittleres Maß empfand Aristoteles in Bezug auf Leidenschaft als eine vernünftige Handlungsmaxime (Roberts, 1924 zitiert nach Cardon et al., 2009). Die Philosophen unterschieden sich in ihren Meinungen insofern, als dass es keine Einigung darüber gab, ob Leidenschaft die Vernunft stärkt, oder trübt (Cardon et al., 2009). Die psychologische Literatur im 21 Jahrhundert versteht Leidenschaft als Energie, die dem Individuum das Gefühl von Freude und Versprechen vermittelt. „Aufgaben, die gleichermaßen Hingabe und Selbstverwirklichung ermöglichen, erfüllen uns mit Begeisterung. Sie erzeugen Leidenschaft, die wiederum in Aktivität mündet und uns ein sinnerfülltes und glückliches Leben beschert. Wo sich Leidenschaft mit Talent verbindet, sind Höchstleistungen möglich“ (Lemper-Pychlau, 2015, S.212).
Leidenschaft wird verglichen mit einem Hochgefühl, welches mit den anfallenden Aufgaben und Aktivitäten des unternehmerischen Schaffens verbunden wird (Cardon et al., 2009). Baum & Locke (2004) greifen den Begriff Liebe ebenfalls auf und konzeptualisieren unternehmerische Leidenschaft als die Liebe zur eigenen unternehmerischen Arbeit. Darüber hinaus wird Leidenschaft mit Stolz in Verbindung gebracht (Bierly et al., 2000).
In Bezug auf die Frage, was das Objekt der Leidenschaft sein kann, räumen Forschende ein, dass das Objekt der Leidenschaft eines Individuums auch eine andere Person oder gar ein abstraktes Konzept wie eine Idee, eine Ursache, oder ein Ziel sein kann (Vallerand, 2015). Cardon et al. (2005) postulieren, dass Unternehmer:innen sich selbst in Form von Zeit, Geld und Energie in ihre Unternehmungen investieren und daher neben einer Betrachtung des Individuums auch eine Berücksichtigung der Unternehmung stattfinden muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der unternehmerischen Leidenschaft ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Übertragbarkeit US-amerikanischer Erkenntnisse auf deutsche Mittelständler.
2 Charakteristika im Unternehmertum: Dieses Kapitel stellt das klassische Profil und die Persönlichkeitsmerkmale von Unternehmern dar, wie Risikobereitschaft und Toleranz für Unklarheiten.
3 Unternehmerische Leidenschaft: Hier werden Definitionen, Konzepte und Folgen von Leidenschaft erläutert, die Leitstudie vorgestellt und kulturelle Einflüsse diskutiert.
4 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Stichprobenauswahl der 12 deutschen Unternehmen und das analytische Vorgehen mittels Grounded Theory.
5 Ergebnisse: Hier werden die sieben identifizierten Hauptobjekte der Leidenschaft bei den befragten Unternehmern präsentiert und mit der Leitstudie verglichen.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, die Bedeutung der neu identifizierten „Leidenschaft für Herausforderungen“ hervorgehoben und die Limitationen der Studie dargelegt.
7 Fazit und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer flexiblen Betrachtung der unternehmerischen Leidenschaft in zukünftiger Forschung.
Schlüsselwörter
Unternehmerische Leidenschaft, Entrepreneurship, qualitative Forschung, Identitätstheorie, Unternehmenswachstum, Kundenorientierung, Unternehmertum, Deutschland, Leidenschaft für Menschen, Herausforderungen, psychologische Faktoren, Rollenidentität, Motivation, Selbstbestimmung, Innovationskraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „unternehmerischen Leidenschaft“ und analysiert, welche spezifischen Quellen und Objekte diese Leidenschaft bei deutschen mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern speisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das psychologische Profil des Unternehmertums, die Bedeutung der Identitätsstiftung, die Analyse von Leidenschafts-Kategorien sowie der Einfluss kultureller Kontexte auf unternehmerisches Verhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist die Replikation einer bekannten US-Leitstudie im deutschen Kontext. Die Forschungsfrage prüft, inwiefern die in den USA entdeckten Quellen der unternehmerischen Leidenschaft auch bei deutschen Unternehmern existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt ein qualitatives Forschungsdesign. Es wurden 12 halbstrukturierte Interviews mit Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen geführt, deren Daten mittels phänomenologischer Analyse und der Grounded Theory ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse im Vergleich zur US-amerikanischen Leitstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Forschungsarbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie unternehmerische Leidenschaft, Identitätstheorie, qualitative Analyse, mittelständisches Unternehmertum und interkulturelle Forschung definieren.
Welche neue Erkenntnis liefert diese Arbeit im Vergleich zur Leitstudie?
Die Studie konnte zusätzlich zu den bestehenden Kategorien eine neue Quelle der Leidenschaft identifizieren: die „Leidenschaft für unternehmerische Herausforderungen“, die sich als bedeutender Antreiber erwies.
Welche Rolle spielt das Wachstum für deutsche Unternehmer im Vergleich zur US-Studie?
Im Gegensatz zur US-Leitstudie, in der Wachstum als wichtigste Quelle der Leidenschaft galt, spielt es für die deutschen Befragten eine deutlich untergeordnete Rolle und wird eher als ein Produkt erfolgreichen Wirtschaftens denn als Leidenschaftsobjekt gesehen.
- Citar trabajo
- Bahne Groth (Autor), 2021, Was begeistert deutsche Entrepreneure? Eine Untersuchung von Quellen der Leidenschaft deutscher Unternehmerinnen und Unternehmer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156411