Das Phänomen des "Dark Tourism" am Motiv Graf Dracula


Hausarbeit, 2017

12 Seiten, Note: 0,0


Leseprobe

1 Einleitung

2 Definition „Dark Tourism“ - ein Versuch

3 Dracula - die Person
3.1.1 Die literarische Person - ein Exkurs
3.1.2 Die historische Person - ein Exkurs

4 Graf Dracula-Tourismus - eine Auswahl
4.1.1 Transsilvanien/Rumänien
4.1.1.1 Die Destinationen
4.1.1.1.1 Schloss Dracula - Das neue
4.1.1.1.2 Schloss Dracula - Das alte
4.1.1.2 Bewertung Hotel Castel Dracula
4.1.1.3 Bewertung Castle Bran
4.1.1.4 Gemeinsamkeiten
4.1.2 Deutschland
4.1.2.1 Die Destination
4.1.2.2 Bewertung
4.1.3 Großbritannien
4.1.3.1 Die Destination
4.1.3.2 Bewertung
4.1.4 Irland
4.1.4.1 Die Destination
4.1.4.2 Bewertung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Willkommen in meinem Hause. Kommen Sie frei herein. Gehen Sie gesund wieder, und lassen Sie etwas von der Freude zurück, die Sie mir hereingebracht haben!“1, so begrüßt Graf Dracula seinen Gast. Mit hunderten2 von Verfilmungen, literarischen Adaptionen und anderweitigen Bearbeitungen ist Graf Dracula der bestbekannte Vampir der Weltgeschichte. Nachfolgend dient Graf Dracula als wiederkehrendes Motiv, an welchem das Phänomen des „Dark Tourism“ dargestellt und untersucht werden soll. „Graf Dracula“ bietet sich gerade deswegen besonders an, da es sich nicht nur um ein interdisziplinäres, sondern auch um ein internationales Thema handelt.

Zunächst wird der Frage nachgegangen, was das Phänomen „Dark Tourism“ überhaupt ausmacht, denn erst seit etwa 20 Jahren3 beschäftigt sich die Forschung mit diesem Thema besonders im englisch-sprachigen Raum. 2012 veröffentlichten Heinz-Dieter Quack und Albrecht Steinecke „Dark Tourism. Faszination des Schreckens“, welches u.a. auch als Grundlage dieser Ausarbeitung dient, doch liegt hier der Schwerpunkt in erster Linie auf der Tourismusforschung. Kulturwissenschaftliche oder geschichtliche Herangehensweisen liegen nicht im Fokus der Autoren und werden nur partiell berührt.

Darauffolgend wird der Versuch unternommen das Phänomen „Dark Tourism“ genauer einzugrenzen, um anschließend auf die verschiedenen Verwendungen des Graf Dracula- Motives einzugehen. Hierfür wurden beispielhaft vier Destinationen in vier europäischen Ländern ausgewählt.

Im Folgenden wird der Terminus „Graf Dracula“ verwendet, um zu verdeutlichen, dass es sich um die literarisch geschaffene Kunstfigur und nicht um die historische Person handelt. Sollte der Bezug zur historischen Persönlichkeit notwendig sein, wird explizit darauf hingewiesen (siehe Kapitel 3.1.2).

2 Definition „Dark Tourism“ - ein Versuch

Der deutsche Terminus „Katastrophentourismus“ hat sich nicht gegen den englischen „Dark Tourism“ durchgesetzt. Dies liegt in erster Linie daran, dass der erste Teil dieses Kompositums, „Katastrophe“, sehr eng gewählt ist und damit das zu bezeichnende Phänomen wesentlich einengt. Hinzu kommt noch, dass der Begriff „Katastrophe“ letztendlich auf ein Unglück wie eine Naturkatastrophe hinweist, womit menschenverschuldete Ereignisse geradezu ausgeschlossen werden. Der simple Begriff „Dark“ hingegen ermöglicht es, gerade aufgrund seiner fehlenden Spezifik, eine wesentlich weitere Fassung, so dass Raum für Interpretationen entsteht.

Doch was bezeichnet „Dark Tourism“ jetzt eigentlich genau? Malcolm Foley und John Lennon beschreiben „Dark Tourism“ als „phenomenon which encompasses the presentation and consumption (by visitors) of real and commodified death and disaster sites“4, während für Philipp R. Stone der Akt des Reisens im Vordergrund steht.5 Seaton stellt auch das Reisen in das Zentrum seiner Betrachtung verbindet dieses jedoch mit dem Aspekt der Motivation.6 Hierzu verwendet er allerdings einen anderen Terminus, den des „Thanatourism“, bei welchem es sich um eine Komposition aus „Thanatos“, einem griechischen Totengott, und „Tourism“ handelt.

Fasst man diese Definitionen zusammen, lassen sich folgende Komponenten einer dark touristischen Destination ableiten:

- Der Ort, welcher mit Schrecken assoziiert wird.
- Die Reise an diesen Ort
- Die Motivation der Besucher

Stone, Sharpley und Rudi Hartmann nutzen den Begriff des „Lighter Dark Tourism“7, um Abstufungen zwischen „The Darkest“8 und „The Lightest“9 Form der einzelnen Arten dark touristischer Destinationen aufzuzeigen. Diese Abstufungen ordnet Stone nach acht Faktoren:

- Ist der politische und ideologische Einfluss hoch?
- Steht die Vermittlung im Fokus oder die Unterhaltung der Besucher?
- Dient die Veranstaltung dem Gedenken oder der Romantisierung?
- Wird die Inszenierung als authentische bzw. als unauthentische Interpretation wahrgenommen?
- Ist der Ort authentisch?
- Wie lange liegt das Ereignis zurück? Umso kürzer umso darker.
- Ist die Inszenierung offen oder zielgerichtet?
- Wie gut ist die touristische Infrastruktur ausgebaut? Umso besser umso lighter.10

Dieses Schema ist aus mehreren Gründen bedenklich. Zum einen durch die Einbeziehung des Begriffs „Ideologie“ gekoppelt mit „Politik“ kommt es zu einer sehr negativen Konnotation. Hätte Stone diese beiden Begriffe voneinander getrennt, so dass ein weiteres Unterscheidungsmerkmal entstanden wäre, hätte er diese Klippe umschiffen können.

Des Weiteren wählte er die Unterscheidung in „dark“ und „light“ aufgrund der oberflächlich betrachteten Nähe zum Hauptbegriff „Dark Tourism“. Allerdings sind diese Begriffe äußerst offen für Interpretationen, so dass es hier zu verfänglichen oder auch verfälschenden Auslegungen kommen kann. Indem man „dark“ mit „dunkel - schlecht“ und „light“ mit „hell - gut“ gleichsetzt, kann es schnell zu einer Bewertung des Ereignisses anstatt der Destination kommen. Außerdem lädt es gerade dazu ein, verschiedene Destinationen unter Berücksichtigung ihres Darkness/Lightness-Faktors miteinander zu vergleichen und so eine Wertung zu schaffen.

Um diese Fehlschlüsse zu umgehen, werden die Abstufungsbegriffe „dark-light“ nachfolgend nicht verwendet, stattdessen lediglich acht Faktoren:

- Ist ideologischer Einfluss nachweisbar?
- Ist politischer Einfluss nachweisbar?
- Liegt der Schwerpunkt auf Vermittlung oder auf Unterhaltung?
- Dient die Veranstaltung dem Gedenken oder der Romantisierung?
- Ist der Ort authentisch? Wird mit ihm Schrecken assoziiert?
- Ist die Inszenierung offen oder zielgerichtet?
- Spielt die Reise eine zentrale Rolle?
- Gibt es touristische Infrastruktur?

Die von Hartmann, Stone, Sharpley, Foley und Lennon zusammengefassten Faktoren wurden für diese Arbeit angepasst. Da es sich hierbei um eine theoretische und keine empirische Arbeit handelt und keine Interviews geführt wurden, könnte über Motivation der Besucher oder deren Wahrnehmung von Authentizität nur spekuliert werden. Da dies zu weit führen würde, wurde darauf verzichtet. Ebenso spielt der vergangene Zeitraum nur eine untergeordnete Rolle, da er bei den aufgeführten Beispielen identisch ist.

Stone beschreibt weiterhin sieben Stätten, denen man dark touristische Destinationen zuordnen kann:

- Dark Fun Factories
- Dark Exhibitions
- Dark Dungeons
- Dark Resting Places
- Dark Shrines
- Dark Conflict Sites
- Dark Camps of Genocide11

Die letzten vier können für die nachfolgende Betrachtung ausgeschlossen werden, da sie auf keins der gewählten Beispiele zutreffen. Auch wenn sich in einem oder zwei Beispielen tatsächlich ein Kerker befinden könnte, macht dieser jedoch nicht das Zentrum der Destination aus, so dass auch der dritte Punkt ausgenommen werden kann. Die gewählten Beispiele sind somit alle im Bereich der „Dark Fun Factories“ und der „Dark Exhibitions“ anzusiedeln. Bei „Dark Fun Factories“ steht die Unterhaltung und der Kommerz im Vordergrund. Historische Fakten werden zwar auch dargestellt, jedoch werden diese teils auch mit fiktiven Elementen vermischt. „Dark Exhibitions“ legen Wert auf die Vermittlung von Bildung, allerdings spielt auch der Kommerz eine wichtige Rolle.

3 Dracula - die Person

3.1.1 Die literarische Person - ein Exkurs

Der Ire Bram Stoker veröffentlichte 1897 einen Roman, welcher ihm Weltberühmtheit einbringen sollte: „Dracula. Ein Vampirroman“. Dieser Roman besteht aus mehreren Tagebucheinträgen, Briefen, Journalen und Zeitungsberichten, was ihm den Anschein von Authentizität verleiht. Außerdem weist er nicht nur Attribute einer Schauergeschichte auf, sondern auch Komponenten eines Liebes-, Reise- und Abenteuerromans.

Der englische Rechtsanwalt Jonathan Harker wird von seinem Klienten Graf Dracula nach Transsilvanien beordert, um mehrere Käufe Londoner Immobilien abzuwickeln. Auf dem Weg zu Graf Draculas Schloss trifft Harker abergläubische Dorfbewohner, welche versuchen ihn abzuhalten, Graf Draculas Schloss aufzusuchen und ihm ein Kruzifix aufnötigen. Als Harker erkennt, dass Graf Dracula ein Vampir ist und von dessen Absicht erfährt, nach London überzusiedeln, wird er von Graf Dracula gefangen genommen. Nachdem Graf Dracula keine Verwendung mehr für Harker hat, lässt er ihn in Transsilvanien zurück und reist nach England. Dieser kann jedoch entkommen und macht sich auch auf den Rückweg nach England. Ein führerloses Schiff fährt in den Hafen von Whitby ein und Graf Dracula springt in Gestalt eines schwarzen Hundes von Bord. Da Graf Dracula die beste Freundin von Harkers Verlobter Mina tötet, schließt Mina sich mit anderen und dem heimgekehrten Harker zusammen, um Graf Dracula zu vernichten. Trotz Graf Draculas übernatürlichen Kräften, ist er nicht unbesiegbar, denn heilige Symbole sowie bestimmte abergläubische Praktiken können ihm schaden. Auf diese Weise verjagen die Gefährten Graf Dracula aus England, welcher versucht sich nach Transsilvanien in sein Schloss zurückzuziehen. Dort stellen die Gefährten ihn und vernichten ihn, indem sie ihm ein Messer ins Herz stoßen.

[...]


1 Stoker (1989) S. 22.

2 Die genaue Zahl lässt sich nicht feststellen, da die Bearbeitungen teils sehr weit vom Original entfernt sind, es sich um nicht autorisierte Versionen handelt oder diese mehrfach unter verschiedenen Titeln veröffentlicht wurden.

3 http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-19702 (13.03.2017)

4 Foley/Lennon (1996) S. 198.

5 Stone (2006) S. 164.

6 Seaton (1996) S. 240.

7 Hartmann (2012) S. 14, Sharpley (2009) S. 20 und Stone (2009) S. 168.

8 Hartmann (2012) S. 14.

9 Hartmann (2012) S. 14.

10 Stone (2006) S. 154.

11 Stone (2006) S. 154.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen des "Dark Tourism" am Motiv Graf Dracula
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde)
Note
0,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V1156539
ISBN (Buch)
9783346554994
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dark Tourism, Graf Dracula
Arbeit zitieren
Anna Brauer (Autor:in), 2017, Das Phänomen des "Dark Tourism" am Motiv Graf Dracula, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156539

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