Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und abnehmende Bio-diversität – dies sind nur einige der vielen Themen in den aktuellen wirtschafts- und umweltpolitischen Diskussionen. Es ist mittlerweile allseits bekannt, dass sich das Verhalten der Menschen auf dieser Welt ändern muss, soll die Zukunft für die jetzige aber vor allem für die kommenden Generationen gewahrt werden. Das verantwortungsvolle und vorausschauende Wirtschaften mit unseren begrenzten Ressourcen ist somit fester Bestandteil unserer Gegenwart. Neben der gesellschaftspolitischen Ebene zeichnet sich vor allem auf der Unternehmensebene eine wachsende Tendenz zur Nachhaltigkeitsorientierung ab.1 Auch in der klassischen Betriebswirtschaftslehre hat nachhaltige Entwicklung (engl.: Sustainable Development) das Nischendasein abgelegt und sich zu einem eigenständigen Forschungsgebiet entwickelt.2 Unternehmen nachhaltig zu managen bedeutet den Unternehmenserfolg durch ein langfristiges und qualitatives Wachstum zu realisieren. Im Bereich dieser Managementsysteme gibt es jedoch ein Defizit bei den strategisch ausgerichteten Instrumenten.3 Hier setzt das Konzept einer um den Nachhaltigkeitsgedanken erweiterten Balanced Scorecard (BSC) an. Zu Beginn dieser Hausarbeit wird die Idee der nachhaltigen Entwicklung sowie der BSC in Ihren Grundzügen erläutert. Im Kern werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Balanced Scorecard-Ansatz als strategisches Managementsystem modifiziert werden kann, um dem Ziel einer nachhaltigen Unternehmensführung zu entsprechen. Für ein besseres Verständnis werden nach diesem Überblick zwei Beispiele aus der betrieblichen Praxis kurz dargestellt. Auf typische Kenngrößen wird sowohl bei der Darstellung der Konzeptionen als auch im Rahmen der exemplarischen Beispiele eingegangen.
1 Vgl. Mahammadzadeh 2003, 4.
2 Vgl. Bergius, Susanne 2006, 6.
3 Vgl. Mahammadzadeh 2003, 4.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SUSTAINABLE DEVELOPMENT AUF UNTERNEHMENSEBENE
2.1 DAS LEITBILD DER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG
2.2 UNTERNEHMERISCHE NACHHALTIGKEIT
2.3 WETTBEWERBSVORTEILE DURCH UNTERNEHMERISCHE NACHHALTIGKEIT
3 BALANCED SCORECARD ALS MANAGEMENTSYSTEM
4 NACHHALTIGE BALANCED SCORECARD ALS INSTRUMENT DES NACHHALTIGKEITSMANAGEMENTS
4.1 BSC ALS GRUNDLAGE FÜR DIE INTEGRATION VON NACHHALTIGKEITSASPEKTEN
4.2 INTEGRATIONSFORMEN
4.3 KONZEPTE IM ÜBERBLICK
4.3.1 "Sustainability Balanced Scorecard (SBSC)"
4.3.2 "SBS: Sustainable Balanced Scorecard"
4.3.3 Projekt "NaWiGaTOr"
4.4 GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE DER KONZEPTIONEN
5 NACHHALTIGE BALANCED SCORECARD IN DER PRAXIS
5.1 DIE UMWELT-SBSC IN DER UNAXIS BALZERS AG
5.2 SBSC BEIM AXEL SPRINGER VERLAG – DRUCKHAUS SPANDAU
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Managementinstrument der Balanced Scorecard (BSC) modifiziert werden kann, um ökologische und soziale Aspekte systematisch in die Unternehmensführung zu integrieren und somit eine nachhaltige Unternehmensentwicklung strategisch zu unterstützen.
- Grundlagen des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung auf Unternehmensebene
- Funktionsweise und strategische Bedeutung der klassischen Balanced Scorecard
- Vergleich verschiedener Konzepte zur Erweiterung der BSC (SBSC)
- Analyse von Integrationsformen und methodischen Vorgehensweisen
- Praxisbeispiele für die Anwendung der SBSC
Auszug aus dem Buch
Integrationsformen
Der integrative Ansatz sieht die systematische Erweiterung der bestehenden vier Perspektiven um alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen vor. Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte werden über entsprechende Ziele, Ergebniskennzahlen, Leistungstreiber und Maßnahmen in die klassische BSC integriert. Durch die Bildung von Ursachen-Wirkungsbeziehungen wird gewährleistet, dass nur diejenigen nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte einfließen, die Auswirkungen auf die Finanzperspektive haben und somit strategische Relevanz für das Unternehmen besitzen. Diese Integrationsvariante ist dann geeignet, wenn Umwelt- und Sozialaspekte bereits in das Marktsystem integriert sind. Über den Markmechanismus wirken sie auf das Unternehmen ein und erlangen dadurch Bedeutung. Eine Variation dieses Ansatzes stellt die partielle Integration dar.
Der additive Integrationsansatz hingegen sieht die Erweiterung der BSC um eine zusätzliche (fünfte) Perspektive vor. Diese "Nicht-Marktperspektive" bringt die Relevanz von Umwelt- und Sozialaspekten zum Ausdruck, die nicht über das Marktsystem auf das Unternehmen wirken. Umwelt- und Sozialaspekte können zwar durch Unternehmensaktivitäten verursacht werden. Ihre Wirkung zeigt sich jedoch zunächst im nicht-marktlichen, z. B. im gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld. Über gesellschaftlichen oder rechtlichen Druck verschiedener Anspruchsgruppen (Stakeholder) können daher auch diese Aspekte strategische und somit finanzielle Relevanz für das Unternehmen erlangen. Diese Integrationsform eignet sich daher besonders für umwelt- und sozialsensible Branchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Relevanz nachhaltiger Unternehmensführung und Einführung in das Ziel, die Balanced Scorecard als Instrument hierfür zu adaptieren.
2 SUSTAINABLE DEVELOPMENT AUF UNTERNEHMENSEBENE: Erläuterung der normativen Grundlagen nachhaltiger Entwicklung und deren Übertragung auf unternehmerische Herausforderungen.
3 BALANCED SCORECARD ALS MANAGEMENTSYSTEM: Beschreibung der BSC als Instrument zur Strategieumsetzung und Leistungsmessung über vier Perspektiven hinweg.
4 NACHHALTIGE BALANCED SCORECARD ALS INSTRUMENT DES NACHHALTIGKEITSMANAGEMENTS: Analyse verschiedener Ansätze, wie Nachhaltigkeitsaspekte konzeptionell in die BSC integriert und angewendet werden können.
5 NACHHALTIGE BALANCED SCORECARD IN DER PRAXIS: Darstellung der praktischen Umsetzung und Erprobung von SBSC-Konzepten anhand von zwei ausgewählten Unternehmensbeispielen.
6 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Eignung der SBSC als Instrument für eine nachhaltige Unternehmensführung und Betonung der unternehmensindividuellen Anpassungsnotwendigkeit.
Schlüsselwörter
Nachhaltige Entwicklung, Balanced Scorecard, SBSC, Nachhaltigkeitsmanagement, Strategieumsetzung, Unternehmensführung, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Nachhaltigkeit, ökonomische Nachhaltigkeit, Integrationsformen, Leistungstreiber, Ergebniskennzahlen, Stakeholder, Nachhaltigkeitsstrategie, Unternehmenspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das strategische Management mittels der Balanced Scorecard.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Nachhaltigkeitsleitbild, der BSC-Methodik, verschiedenen SBSC-Konzeptionen und deren praktischer Anwendung in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Balanced Scorecard-Ansatz so modifiziert werden kann, dass er eine nachhaltige Unternehmensführung effektiv unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die theoretische Konzepte mit Praxisbeispielen verknüpft und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten der Integration ökologischer und sozialer Ziele in die BSC sowie spezifische Konzepte wie SBSC, SBS und NaWiGaTOr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nachhaltige Balanced Scorecard (SBSC), Nachhaltigkeitsmanagement, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und strategische Unternehmensführung.
Was unterscheidet den integrativen vom additiven Ansatz?
Der integrative Ansatz erweitert die bestehenden vier Perspektiven um Nachhaltigkeitsaspekte, während der additive Ansatz eine fünfte, separate Perspektive (z.B. Nicht-Marktperspektive) ergänzt.
Wie unterscheidet sich das Lüneburger vom St. Galler Konzept?
Das Lüneburger Konzept integriert strategierelevante Aspekte direkt in die BSC-Grundstruktur, während das St. Galler Konzept zunächst eine SBSC zur Umsetzungsplanung erstellt und diese erst später in die klassische BSC integriert.
- Citar trabajo
- Dirk Fehse (Autor), 2008, Ergänzung des Balanced Scorecard-Ansatzes um eine Sustainable Development-Komponente, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115660