Country Music ist zu einem gewissen Grade ein Spiegelbild des US-amerikanischen Wertesystems, diese Grundannahme wurde von dem Titel unseres Seminars bereits konturiert. Das Kernstück der US-Gesellschaft, ist das Leitbild vom „American Way of Life“, jenem identitätsstiftenden Glaubenssatz, der die ethnisch durchmischte Bevölkerung solidarisiert. Die Werte und Normen des „American Way of Li-fe“, so die Überlegung, werden thematisch auf verschiedene Weise von den Texten zeitgenössischer Country Music zitiert. Neben den klassischen Idealen wie Freiheit, Gleichheit, Liberalismus usw. impli-ziert das Wertesystem der amerikanischen Gesellschaft auch ideologische Grundhaltungen, wie Patrio-tismus oder Konservativismus. Besonders in Zeiten militärischer Konflikte und der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, hat die Verteidigung der uramerikanischen Werte in der Country Music Konjunktur. Der 11.September 2001 steht dabei lediglich am Ende einer Folge von historischen Ereignissen, die jeweils einen merkli-chen Anstieg politischer Statements in Country-Songs induziert haben. Das Fachbuch mit dem pro-grammatischen Titel „Country Music Goes To War“2 etwa, folgt der Verbindung von Konfliktsituationen und Veröffentlichungen im Country Bereich vom amerikanischen Bürgerkrieg bis zum aktuellen Konflikt im Irak. Dass die Künstler textlich bisweilen sehr drastisch Position beziehen, soll im Folgenden an aus-gewählten Songs, u.a. zu den Terroranschlägen des 11.Septembers aufgezeigt, werden. Für ein tiefgreifenderes Verständnis der Rolle von Country Music in den USA gilt es zunächst die ge-sellschaftspolitischen und historischen Rahmenbedingungen abzustecken. Gerade im europäischen Raum, schreibt man der amerikanischen Lebenswelt oftmals eine Simplizität zu, die viele kulturelle Ei-genheiten unberücksichtigt läßt. So wird z.B. ausgeblendet, dass im „Land der unbegrenzten Möglich-keiten“ ganz unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander prallen. Und zwar nicht im Sinne offensichtli-cher Gleichberechtigungsdefizite, wie der ethnischen Barriere zwischen schwarzen und weißen Ameri-kanern.Die Gegensätze zwischen anderen Gesellschaftsgruppen sind mitunter deutlich subtiler, z.B.: 1. Die soziale Kluft zwischen der Unter- und Oberschicht 2. Die geschichtlich bedingte Distanzierung zwischen Nord- und Südstaatlern 3. Die Ablehnung der ländlichen Bevölkerung gegenüber der urbanen Lebensart.
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Country Music als Spiegel der US-Gesellschaft
1.1 Kulturgeschichtliche und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen
1.2 Country Music und ihr Publikum
1.3 “Thank God I’m a country boy”: Themen und Motive in Country Music
1.3.1 Die Verteidigung der amerikanischen Werte und Normen als Reaktion auf den 11. September
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Inhalte und Motive der Country Music als kulturelles Abbild der US-amerikanischen Gesellschaft und ihrer Wertesysteme fungieren. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie gesellschaftspolitische Spannungen, nationale Identität und konservative Ideale in populären Country-Songs aufgegriffen und medial vermittelt werden.
- Die Rolle der Country Music als identitätsstiftendes Medium für die US-Arbeiterklasse und Mittelschicht.
- Analyse des "American Way of Life" und seiner Bedeutung in der Country-Kultur.
- Untersuchung der Reaktion der Country-Szene auf nationale Krisen, insbesondere die Terroranschläge vom 11. September 2001.
- Die Darstellung ländlicher versus urbaner Lebensweisen und die damit verbundenen soziokulturellen Klischees.
- Die Vermarktung von Authentizität und die Inszenierung des Country-Künstlers als Projektionsfläche für Fans.
Auszug aus dem Buch
Die Verteidigung der amerikanischen Werte und Normen als Reaktion auf den 11. September
Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 haben die Weltöffentlichkeit nachhaltig erschüttert und die USA bis in das Mark paralysiert. Es war nicht nur die Zahl der Opfer, die die Amerikaner traumatisierte, sondern mehr noch die „kalkulierte Demontage und Destabilisierung ihrer Identität“. Der Zustand lähmender Ohnmacht mündete allerdings recht bald in einen „starken, emotional eingefärbten Patriotismus“ wie es der Politikwissenschaftler Peter Lösche so treffend formuliert hat. Polizisten, Bauarbeiter, Soldaten und vor allem Feuerwehrmänner wurden in den Heldenstatus erhoben und fungierten fortan als Patronen des widererstarkten Nationalgefühls. Die überzeichnete Heroisierung der einfachen Arbeiter, so scheint es, folgte vor allem dem Zweck der Selbstaufrichtung.
Ermutigung suchten die Amerikaner auch in der Musik. Dabei fühlte sich insbesondere das Country-Lager verpflichtet Stellung zu beziehen, wie die Musikwissenschaftlerin Carola Schormann bestätigt: „Es ist auffällig, dass sich kein Genre der US-amerikanischen Popularmusik inhaltlich so intensiv und – was die Anzahl der Produktionen angeht – dermaßen umfangreich mit diesem Thema beschäftigt wie die Country-Szene.“ Die Folgezeit von 9/11 brachte eine regelrechte Schwemme von Veröffentlichungen, meist Themenalben oder Singles mit Bezug zu den Ereignissen des 11.Septembers. Die amerikanische Flagge, seit jeher Symbolträger des amerikanischen Nationalstolzes, war fortan von kaum einem Country-Plattencover mehr wegzudenken.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Grundannahme, dass Country Music ein Spiegel des US-amerikanischen Wertesystems ist und den "American Way of Life" thematisiert.
1. Country Music als Spiegel der US-Gesellschaft: Theoretische Herleitung der gesellschaftspolitischen und historischen Rahmenbedingungen, unter denen Country Music als populäres Genre gedeiht.
1.1 Kulturgeschichtliche und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen: Erörterung puritanischer Einflüsse, des "American Dream" und der Bedeutung der Südstaatenmentalität für die US-Identität.
1.2 Country Music und ihr Publikum: Soziologische Einordnung der Country-Hörerschaft, insbesondere hinsichtlich Bildungsstand, Einkommen und Berufsstruktur.
1.3 “Thank God I’m a country boy”: Themen und Motive in Country Music: Untersuchung der musikalisch-inhaltlichen Ebene und der Funktion der "Symbolic World" als Identifikationsangebot für die Hörer.
1.3.1 Die Verteidigung der amerikanischen Werte und Normen als Reaktion auf den 11. September: Analyse der patriotischen Welle im Country-Genre nach den Terroranschlägen und die damit verbundene politische Instrumentalisierung.
Schlüsselwörter
Country Music, US-Gesellschaft, American Way of Life, Patriotismus, 11. September, Identifikation, Südstaatenmentalität, Redneck, Symbolic World, Konservativismus, Arbeiterschicht, Nationale Identität, Songanalyse, Musikethnologie, Populärkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Wechselwirkung zwischen Country Music und der US-Gesellschaft, wobei die Musik als Ausdrucksform nationaler Identität und gesellschaftlicher Wertvorstellungen betrachtet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Identifikationspotenziale für die Arbeiterschicht, die Bedeutung traditioneller Rollenbilder und der Einfluss politischer Ereignisse, wie etwa des 11. Septembers, auf die Liedinhalte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Country Music durch die Stilisierung einer "Symbolic World" gesellschaftliche Widersprüche überblendet und als Reservoir für konservative Werte dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung soziologischer Fachliteratur in Kombination mit einer qualitativen Analyse ausgewählter Country-Songtexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung soziokultureller Rahmenbedingungen, die Profilierung des Publikums und eine detaillierte Textanalyse politisch motivierter Songs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "American Way of Life", "Symbolic World", "Patriotismus" sowie die soziologische Verortung innerhalb der amerikanischen "working class" sind für das Verständnis essenziell.
Welche Rolle spielt der Begriff "Redneck" in der Untersuchung?
Der Autor zeigt auf, wie das ursprünglich negativ konnotierte Bild des "Redneck" in der Country-Szene eine Aufwertung zu einem Symbol für Bodenständigkeit und Widerstand gegen eine als elitär wahrgenommene Mehrheitskultur erfahren hat.
Wie reagierten Country-Künstler auf den 11. September 2001?
Viele Künstler reagierten mit einer massiven Produktion patriotischer Lieder, die von emotionaler Anteilnahme bis hin zu martialischen Vergeltungsforderungen reichten, um den nationalen Zusammenhalt zu stärken.
Was besagt die Theorie der "Symbolic World"?
Sie beschreibt Country Music als eine durch Texte konstruierte "Kunstwelt", die den Hörern ein vertrautes Refugium bietet, um den realweltlichen Problemen und Unsicherheiten des Alltags zu entfliehen.
Warum wird die politische Haltung einiger Country-Stars als "dilettantisch" bezeichnet?
Der Autor führt aus, dass einige Künstler ihre apolitische Haltung betonen und komplexe geopolitische Themen stark vereinfachen, was den Identifikationswunsch eines Publikums bedient, das sich selbst als arglos und distanziert vom politischen Weltgeschehen sieht.
- Citation du texte
- Jens Frieling (Auteur), 2007, Themen und Motive in der Country Music als Spiegel der US-Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115710