Analyse eines Musikfilms am Beispiel "Beat Street"


Seminararbeit, 2006

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Vorwort

„Jeder, der sich wirklich für HipHop interessiert, sollte sich Beat Street angucken. Wenn ich mich in eine Frau verliebe, will ich ja auch wissen was in ihrer Kindheit passiert ist. Sonst würde ich sie ja garnicht kennen lernen, geschweige denn verstehen können.“[1]

Diese Äußerung des deutschen Rapkünstlers „Rasputin“ macht deutlich, mit welcher Nachhaltigkeit die Rezeptionsgeschichte des Films Beat Street verbunden ist. Initialfilm, Kultstreifen und Gesellschaftsportrait: Beat Street ist heute mehr denn je ein wichtiges Zeitdokument der aufkommenden HipHop- Kultur.

Wie aus zahlreichen Rezensionen hervorgeht, scheint es mittlerweile geradezu Schick zu sein, sich mit diesem Film zu identifizieren.[2] Viele Künstler und Zeitzeugen empfinden Beat Street als besonders authentische Abbildung des sogenannten „Oldschool HipHops“, also jener Frühphase der Bewegung, die sich Anfang der 80’er Jahre herausgebildet hatte. Inwiefern die historische Konstellation und die szenische Interpretation des Films tatsächlich miteinander korrespondieren, soll im Fortgang dieser Arbeit hinterfragt werden. Überdies wird eine Analyse der Filmstruktur unter Berücksichtigung der im Seminar diskutierten Kriterien im Mittelpunkt der Untersuchung stehen.

1. Inhalt

Beat Street schildert das (Ghetto)leben jugendlicher Hip Hopper in der New Yorker Bronx.

Der Plot des Films lässt sich in drei Handlungsstränge unterteilen, durch die jeweils eine Erscheinungsform der HipHop-Kultur (Rap, Breakdance, Graffiti) in Szene gesetzt wird.

Kenny ist afroamerikanischer Herkunft und lebt zusammen mit seinem Bruder Lee in relativ gesicherten Verhältnissen. Als aufstrebender MC[3] steht er auf jeder Block Party an den Plattentellern und bekommt schließlich die große Chance im „Roxy“[4] aufzulegen, dem angesagtesten Club der Gegend. Dort lernt er die hübsche Tracy kennen, eine besser situierte Musical-Komponistin, mit der er eine Romanze eingeht.

Kennys jüngerer Bruder Lee ist als ehrgeiziger Breakdancer Mitglied der „Beat Street Breakers“[5], die sich in sogenannten „Battles“ tänzerisch mit den rivalisierenden „Bronx Rockers“ messen.

Die kreativen Graffitis des Puerto Ricaners Ramon sind in der ganzen Bronx bekannt, allerdings wird er seit einiger Zeit von einem Unbekannten Sprayer „gecrosst“[6]. Als er einen weißen U-Bahnzug besprüht, erwischt er den Unbekannten Sprayer auf frischer Tat. Der dramatische Höhepunkt des Films ist die anschließende Verfolgung, bei der Ramon tödlich verunglückt.

Geschockt vom Tod seines Freundes organisiert Kenny eine Gedenkfeier im Roxy, für die er die angesagtesten HipHop-Künstler wie „The Furious Five“ oder „Afrika Bambaataa“ gewinnen kann.

2. Musik-/Strukturanalyse

Anders als vorangehende Produktionen wie „Wild Style“ (1982) oder „Style Wars“ (1983), ist Beat Street nicht als Dokumentation angelegt, sondern als Spielfilm. Es handelt sich nach dem Analysemodell von Jon Radwan um klassisches Hollywood Erzählkino, das sich durch konventionelle Verlaufsmuster, wie einem dramatischen Höhepunkt (Ramons Tod) sowie einem großen Finale (Gedenkfeier im Roxy) kennzeichnet.[7]

Für die musikalische Konzeption des Films ergeben sich daraus die genretypischen Gestaltungstechniken zur funktionellen Untermalung der Handlung. So wird der dramatische Grundstoff von Beat Street, etwa die Liebesgeschichte zwischen Kenny und Tracy, durch betont manierierte und klischeehafte Balladen wie dem Titel „Strangers In A Strange World“[8] akzentuiert. Dabei sind Bildaussage und Songbotschaft oftmals identisch: Während Kenny und Tracy flirtend durch die verschneiten Straßen New Yorks flanieren, verdeutlichen die Zeilen „Coming from different directions, carrying different dreams [...] Roads that come together, somehow we have found a bridge across our different selfs […]”[9], dass die beiden, obwohl sie in verschiedenen sozialen Milieus verkehren, zueinander finden werden.

Insgesamt wurden in die Story von Beat Street binnen[10]5min Spielzeit sechs Musikund Tanzsequenzen integriert. Bei einer durchschnittlichen Dauer von acht Minuten pro Sequenz, machen diese etwa die Hälfte der Gesamtspielzeit aus. Die Filmstruktur lässt sich wie folgt skizzieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Interview “Rasputin” aus: Backspin – Hip Hop Magazin, Heft 5/2003, S: 23

[2] Grundlage der Einschätzung sind die Onlinerezensionen und Interviews unter: www.ahoj.info, www.amazon.de sowie www.imdb.com (Direktlinks, Autoren und Abfragedaten finden sich im Sekundärquellenverzeichnis)

[3] Master of Ceremonies: Im HipHop die Bezeichnung für einen DJ, der auch durch Sprechgesang das Publikum animiert (ähnlich dem Toasting der jamaikanischen Soundsystems).

[4] Real existierende Diskothek in New York, Hauptschauplatz des Films.

[5] Filmisches Pseudonym für die bekannte New Yorker Breakdancegruppe „New York City Breakers“. „Bronx Rockers“ ist das Pseudonym für die “Rock Steady Crew“.

[6] Umgangssprachliche Bezeichnung für das unschöpferische Übersprühen von Graffitis anderer.

[7] Vgl. 2.3 Kategorisierungen nach Jon Radwan, in: Reader „Popmusik & Kino“, S.11

[8] Jenny Burton, Patrick Jude: Strangers In A Strange World, Beat Street OST, Atlantic Records 1984

[9] Strangers In A Strange World, s.o.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Analyse eines Musikfilms am Beispiel "Beat Street"
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
7
Katalognummer
V115714
ISBN (eBook)
9783640170913
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Musikfilms, Beispiel, Beat, Street
Arbeit zitieren
Jens Frieling (Autor), 2006, Analyse eines Musikfilms am Beispiel "Beat Street", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115714

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