Die Karikatur und ihr Einsatz im Geschichtsunterricht


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 2,3

Katrin Hugo (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A. Übersicht der Arbeit

B. Die Karikatur und ihr Einsatz im Geschichtsunterricht
1. Allgemeines zum Thema Karikatur
a) Begriffsbestimmung
b) Typen der Karikatur
c) Die Geschichte der Karikatur
2. Die Karikatur im Unterricht
a) Gründe für den Einsatz der Karikatur im Unterricht
b) Einsatzmöglichkeiten der Karikatur
c) Leitfragen für die Interpretation einer Karikatur
3. Stundenentwurf zum Thema Karikatur
a) Begründung des Unterrichtsthemas und Zielperspektive
b) Unterrichtsplanung und Unterrichtsmodell

C. Abschließende Betrachtungen

Literaturverzeichnis

Schulbücher und Lehrpläne

Abbildungsverzeichnis

A. Übersicht der Arbeit

Meine Arbeit beschäftigt sich mit Karikaturen und ihren Einsatzmöglichkeiten im Unterricht, speziell am Geschichtsunterricht im Gymnasium. Ich werde dabei sowohl allgemeine Informationen zu Karikaturen geben, als auch speziell auf ihre Verwendung als Quelle im Unterricht eingehen. Bei der Bearbeitung des Themas wird der Forschungsstand in der Didaktik zu dieser Thematik wiedergespiegelt, ebenso sollen aber auch eigenständige Ideen eingebracht werden. Auch auf die kontroversen Meinungen innerhalb der Didaktik wird eingegangen werden.

Die Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte. Im ersten Teil wird Allgemeines zu der Thematik ausgeführt werden. An erster Stelle steht eine Begriffsbestimmung. Aus der Forschungsliteratur wird dann ein mögliches Klassifizierungsschema für die Analyse von Karikaturen gegeben werden. Daran soll sich ein Überblick über die Geschichte der Karikatur anschließen, da diese erstens sehr interessant ist und zweitens dazu beiträgt, das Medium Karikatur besser zu verstehen. Es werden auch zwei sehr berühmte Karikaturen abgebildet.

Der zweite Absatz wird dann spezieller auf die Karikatur im Unterricht eingehen. Zuerst werden einige Gründe aufgeführt, die für den Einsatz der Karikatur im Unterricht sprechen. Hierbei gibt es Gründe, die sich auf den Unterricht selbst und seine Anschaulichkeit beziehen und Gründe, die sich durch die Vorbereitung der Schüler auf ein Leben in der Gesellschaft ergeben. Schließlich werden die Einsatzmöglichkeiten der Karikatur dargestellt. Hierbei wird sowohl nach dem Einsatz in den verschiedenen Phasen des Unterrichts unterschieden, als auch darauf eingegangen, dass Schüler selbstständig Karikaturen entwerfen können. Außerdem werde ich untersuchen, für welche Jahrgangsstufen sich die Arbeit mit Karikaturen eignet. Anschließend soll versucht werden, aus der Forschungsliteratur ein Fragenkanon zu entwickeln, mit dem die Schüler Karikaturen eigenständig erschließen können.

Im letzten Teil der Arbeit werde ich schließlich einen möglichen Stundenentwurf für eine Unterrichtsstunde vorstellen, bei der die Arbeit mit Karikaturen im Mittelpunkt steht. Hierzu möchte ich mich mit zwei Karikaturen beschäftigen, die den Mauerbau aus ostdeutscher und westdeutscher Sicht darstellen. Zunächst möchte ich das Unterrichtsthema aus dem Lehrplan heraus entwickeln und die angestrebten Lernziele festhalten. Daran anschließend soll die Stunde geplant werden und mit Hilfe eines Unterrichtsschemas dargestellt und erläutert werden.

Am Ende meiner Arbeit sollen dann noch abschließende Betrachtungen stehen. Es soll auch ein Ausblick auf andere interessante Themenkomplexe gegeben werden, deren Erarbeitung zu der Thematik „Karikaturen“ noch möglich wäre.

B. Die Karikatur und ihr Einsatz im Geschichtsunterricht

1. Allgemeines zum Thema Karikatur

a) Begriffsbestimmung

Das Wort „Karikatur“ leitet sich von dem italienischen Wort „caricare“ ab, was übersetzt „überladen, beladen“ bedeutet. Das erste Mal tritt die Bezeichnung im Zusammenhang mit den Bildern der italienischen Künstlerbrüdern Carracci[1] auf, die im späten 16. Jahrhundert ihre verzerrten Porträts als „caricature“ bezeichneten.[2] Im Deutschen wurde der Ausdruck „Karikatur“ erst sehr spät verwendet, noch im 1854 von den Gebrüdern Grimm[3] herausgegebenen „Deutschen Wörterbuch“ findet er sich nicht. Das Deutsche kannte stattdessen die beiden Begriffe „Zerrbild“ und „Spottbild“. Das Zerrbild stellte eher Einzelpersonen verzerrt dar, während das Spottbild vor allem auf ganze Gruppen oder Institutionen abzielte und sie überspitzt darstellte. Heute sind diese beiden Begriffe in der Wendung „Karikatur“ zusammengeflossen.[4]

Das Fremdwörterbuch des Duden definiert den Begriff „Karikatur“ folgendermaßen[5]:

(1) „komisch, übertreibende Zeichnung o.Ä., die eine Person, eine Sache od. ein Ereignis durch humoristische od. satirische Hervorhebung u. Überbetonung bestimmter charakteristischer Merkmale der Lächerlichkeit preisgibt“
(2) „Zerr-, Spottbild“

Wie Michael Sauer betont, zielt die Karikatur zwar tatsächlich meistens darauf ab, Gelächter nach sich zu ziehen, dennoch gibt es aber auch Karikaturen, die sehr bösartig, manchmal auch hoffnungslos sind. Generell lässt sich wohl sagen, dass es sich bei Karikaturen normalerweise um Zeichnungen handelt, meist um einzelne Bilder, die einen bestimmten politischen Sachverhalt, eine Person oder gesellschaftliche, kulturelle oder wirtschaftliche Ereignisse kritisch und zugespitzt darstellen.[6] Eine Karikatur spricht das zeitgenössische Publikum an und ist für einen Außenstehenden oder zu einem späteren Zeitpunkt meist nur noch schwer verständlich. Um Karikaturen zu verstehen, ist zumeist fundiertes Wissen über das aktuelle Geschehen von Nöten, viele der Zeichnungen lassen sich nicht ohne Hintergrundwissen erschließen.

Eine Begriffsbestimmung ist nicht einfach, da tatsächlich sehr viele unterschiedliche Typen von Karikaturen existieren. Anschließend soll also der Versuch gemacht werden, eine Typologie zu entwickeln.

b) Typen der Karikatur

Wolfgang Marienfeld hat in seinem Aufsatz über politische Karikaturen eine Typologie entwickelt[7], die in der späteren Literatur großen Anklang gefunden hat und häufig aufgegriffen wurde. Hierbei vollzieht er seine Einteilung zunächst nach formalen Kriterien, bevor er dann ihre inhaltliche Struktur betrachtet und schließlich ein Schema entwickelt, das beide Kriterien in Einklang bringt.

Als formale Unterscheidung entwickelt er die Begriffe Sachkarikatur, personale Typenkarikatur und personale Individualkarikatur. Bei der Sachkarikatur wird die Aussage der Zeichnung durch bestimmte Gegenstände dargestellt und auf die Abbildung von Menschen verzichtet. Ein Beispiel hierfür wäre etwa, eine ungerechte Begebenheit durch eine schief hängende Waage zu demonstrieren. Die personale Typenkarikatur bemüht sich darum, bestimmte zusammenhängende Gruppierungen durch eine einzelne Figur zu repräsentieren, die dann jeder Betrachter mit dieser Gruppierung in Verbindung bringt. Ein Beispiel hierfür wäre die Figur des deutschen Michels, der Deutschland beziehungsweise die Deutschen verkörpert oder auch die Abbildung eines Löwen um Bayern zu karikieren. Dieser Typ der Karikatur, der früher sehr häufig war, ist inzwischen weniger verbreitet, da der Karikaturist davon ausgehen kann, dass dem Betrachter der Zeichnung die Gesichter der Karikierten durch deren ständige Medienpräsenz bekannt ist. Hieraus erklärt sich der Aufstieg der personalen Individualkarikatur. Bei dieser Art der Karikatur werden einzelne, dem Betrachter bekannte Personen des öffentlichen Lebens dargestellt, indem individuelle Gesichtszüge, Kleidungsmerkmale, Frisuren oder ähnliches überzeichnet werden.[8]

Bei der Unterscheidung nach inhaltlichen Kriterien, unterscheidet Marienfeld zwischen Ereigniskarikatur, Prozesskarikatur und Zustandskarikatur. Bei der Ereigniskarikatur geht der Zeichner auf das aktuelle Tagesgeschehen ein. Typische Anlässe sind etwa momentane Skandale, das Ergebnis einer Wahl oder der Sturz einer Regierung. Will der Karikaturist eine längerfristig andauernde Entwicklung darstellen, so geschieht das am besten durch eine Prozesskarikatur. Sie eignet sich um etwa geschichtliche Verläufe darzustellen und dabei Wendepunkte und den Zustand davor und danach aufzuzeigen. Hierbei werden oft auch Bildfolgen verwendet. Der dritte Typus ist die sogenannte Zustandskarikatur. Sie verdeutlicht eine dauerhafte Ordnung, wie etwa die Wirtschaftslage, das politische System, einen kulturellen Zustand oder ähnliches.[9]

Marienfeld hat versucht, die beiden Kriterien in einem Schema zusammenzufassen um Karikaturen besser einordnen zu können. Er hält dieses Schema auch für den Unterricht für geeignet, da es den Schülern den Umgang mit Karikaturen erleichtern kann, wenn sie sie klassifizieren können.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Einteilung darf jedoch nicht als starres Muster verstanden werden, die Grenzen zwischen den einzelnen Typen der Karikatur sind oft fließend. Natürlich ist diese Kategorisierung von der restlichen Forschung nicht durchgehend akzeptiert, sondern auch kritisiert und abgewandelt worden. So sind natürlich auch andere Kriterien der Einteilung denkbar.[11]

c) Geschichte der Karikatur

Schon im Altertum und Mittelalter gibt es überspitzte Darstellungen, die als Karikaturen verstanden werden können. Beispielsweise werden Könige auf Vasen oder Fresken als Tierfiguren dargestellt, denen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. An Kirchenportalen finden sich bereits im Mittelalter verzerrte Abbildungen, die die Tradition der kirchlichen Karikaturen begründen.

Eine erste Hochphase der Karikatur bildet die Zeit der Reformation beziehungsweise Gegenreformation[12]. Hier werden im Zuge des Religionskampfes gezielt parteiliche Hassbilder in der Bevölkerung verbreitet. Der große Erfolg der Karikatur in dieser Zeit liegt zum einen an der Brisanz der Zeit und der großen gesellschaftlichen Diskussion, zum anderen aber auch an der Erfindung des Buchdrucks. Wie Herbert Uppendahl betont, kann die Karikatur ihre Wirksamkeit nur dann entfalten, wenn geeignete Vervielfältigungs- und Verbreitungsmöglichkeiten existieren.[13] In der frühen Neuzeit werden Karikaturen vor allem dazu verwendet, Analphabeten bestimmte Inhalte deutlich zu machen. Deswegen werden die Zeichnungen oft auf Flugblättern verbreitet.[14]

In Italien schaffen die bereits erwähnten Brüder Carracci im späten 16. Jahrhundert Porträts von Zeitgenossen, die in der Tradition des Zerrbildes stehen.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zeit der politischen Karikatur, die sich auch als Medium der Kritik und des Protests begreift, hat ihren Ursprung im Eng-land des 18. Jahr-hunderts. Zeichner setzen hier ihren Eindruck der Fran-zösischen Revolu-tion um und be-nutzen die Karikatur dann auch als Pro-pagandamittel ge-gen Napoleon[16]. Da große Teile Europas von der Eroberungspolitik Napoleons betroffen sind, finden die Karikaturen auch überall Interesse. Die Zeichnungen von Napoleon verbreiten sich schnell und werden zum Vorbild für die Zeichner auf dem Kontinent.[17]

[...]


[1] Meyers Grosses Personenlexikon: Carracci, Agostino + Annibale, S. 254.

[2] Wolfgang Marienfeld: Politische Karikaturen, in: Geschichte lernen 3 (1990) H. 18, S. 13 - 21, hier: S. 14.

[3] Lothar Bluhm: Grimm, Jacob + Wilhelm, in: DBE 4 (1996), S. 169 f.

[4] Marienfeld: Politische Karikaturen, S. 13 f.

[5] Duden Band 5: Fremdwörterbuch. 7., neu bearb. u. erw. Auflage Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2001, S. 491.

[6] Michael Sauer: Bilder im Geschichtsunterricht. 2., überarb. u. akt. Aufl. Leipzig 2003, S. 100.

[7] Marienfeld: Politische Karikaturen, S. 16 - 18.

[8] Ebd. S. 16.

[9] Ebd. S. 16 - 18.

[10] Ebd. S. 18.

[11] Siehe etwa: Hans-Jürgen Pandel: Karikaturen. Gezeichnete Kommentare und visuelle Leitartikel, in: Hans-Jürgen Pandel/Gerhard Schneider: Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 1999, S. 255 - 276, hier S. 267 - 270. Pandel schlägt eine Typologie der Karikatur nach historischen, ästhetischen und rhetorischen Gesichtspunkten vor. Hier findet sich auch eine Übersicht über die verschiedenen Positionen in der Fachdidaktik zur dieser Frage.

[12] Sauer: Bilder im Geschichtsunterricht, S. 100 f.

[13] Herbert Uppendahl: Die Karikatur im historisch-politischen Unterricht. Eine Einführung mit Unterrichtsbeispielen. Freiburg, Würzburg 1978, S. 459.

[14] Dietrich Grünewald: Karikatur im Unterricht. Geschichte – Analysen – Schulpraxis. Weinheim, Basel 1979, S. 21 - 24.

[15] Marienfeld: Politische Karikaturen, S. 14.

[16] Meyers Grosses Personenlexikon: Napoleon Bonaparte, S. 935 f.

[17] Ebd. S. 15; Sauer: Bilder im Geschichtsunterricht, S. 101.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Karikatur und ihr Einsatz im Geschichtsunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar, Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Fachdidaktik: Medien im Geschichtsunterricht
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V115734
ISBN (eBook)
9783640182138
ISBN (Buch)
9783640182336
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karikatur, Einsatz, Geschichtsunterricht, Einführung, Fachdidaktik, Medien
Arbeit zitieren
Katrin Hugo (Autor), 2005, Die Karikatur und ihr Einsatz im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115734

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