Die vorliegende Hausarbeit widmet sich dem Thema des professionellen Umgangs mit Geschlechterstereotypen im Unterricht. Die der Arbeit zugrundeliegende Fragestellung lautet: Wie gestaltet sich der professionelle Umgang der Lehrperson mit Geschlechterstereotypen im Unterricht?
Geschlechterstereotype entstehen bereits in den ersten Lebensjahren. Auf differenzierten Informationskanälen gelangen bereits Kinder zu Wissen um Geschlechterrollen, die sie bis ins Erwachsenenalter prägen. Auch über Sprache werden Stereotype unbewusst bekräftigt. Gedanken zu Rollenbildern entstehen über Texte und mündlichen Konversationen, die im Laufe der Jahre weiter ausgebaut werden. Dabei treffen Kinder auch im sozialen und medialen Umfeld auf Informationen und Verhalten, die Geschlechterstereotype erzeugen und verstärken. Kindern werden bereits in jungen Jahren seitens der Gesellschaft Rollen zugewiesen, in die sie eventuell gar nicht passen. Es werden z.T. Selbstbilder entwickelt, mit denen man sich nur fälschlicherweise identifiziert. Oft wird versucht, sich den vorgefertigten Rollen anzupassen. Dieses Bedürfnis zur Anpassung grenzt die Kinder in der Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit ein. Geschlechterstereotype stehen der Individualität und der Vielfalt damit entgegen.
Es ist daher Verantwortung der Lehrperson, in ihrem Unterricht professionell mit Geschlechterstereotypen umzugehen. Um der individuellen Persönlichkeitsbildung der Schüler*innen und der damit einhergehenden geschlechtlichen Vielfalt Raum zu schaffen, müsste starren und vereinfachten Rollenbildern entgegengewirkt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSKLÄRUNG: GESCHLECHTERSTEREOTYPEN
3. GESCHLECHTERSTEREOTYPEN IM UNTERRICHT MIT BLICK AUF DIE LEHRPERSON
4. ZUM PROFESSIONELLEN UMGANG MIT GESCHLECHTERSTEREOTYPEN IM UNTERRICHT
4.1. DRAMATISIERUNG VS. ENTDRAMATISIERUNG
4.2. ZU ERGREIFENDE MAßNAHMEN DER LEHRER*IN BEZGL. GESCHLECHTERSTEREOTYPEN
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Lehrpersonen im schulischen Kontext professionell mit Geschlechterstereotypen umgehen können, um eine individuelle Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler zu fördern und geschlechtliche Vielfalt zu unterstützen.
- Entstehung und Wirkung von Geschlechterstereotypen
- Der Einfluss der Lehrperson auf die Verstärkung von Stereotypen im Unterricht
- Vergleich der Konzepte Dramatisierung und Entdramatisierung
- Konkrete Handlungsoptionen und Maßnahmen zur Förderung von Geschlechtersensibilität
- Bedeutung der Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation im Lehrberuf
Auszug aus dem Buch
4.1. Dramatisierung vs. Entdramatisierung
In der geschlechterreflektierten Kommunikation liegt die Aufgabe darin, gesellschaftlich konstruierte Kategorien des Geschlechts aufzulösen, um der individuellen Geschlechtsentfaltung Raum zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen werden zwei Möglichkeiten zum Umgang mit Geschlechterunterschieden präsentiert.
Bei der Dramatisierung werden Genderaspekte konkret angesprochen. Zentrales Problem an dieser Stelle ist, dass eine Geschlechterrolle zunächst konstruiert werden muss, um sie zu dekonstruieren. Während der Konstruktion wird stark generalisiert und vereinfacht, was zur stärkeren Einprägung von Geschlechterstereotypen führen kann (vgl. Debus 2012). Daher wird einer Dramatisierung erst geraten, wenn es zu einer geschlechtlichen Diskriminierung oder der Unterbindung der Entfaltung individueller Geschlechtervielfalt kommt (vgl. Froh & Süßenbach 2012). So können Schüler*innen bewusst zum Nachdenken bezüglich Geschlechterverhältnissen animiert werden.
Im Gegensatz zur Dramatisierung werden geschlechtsbezogene Zuschreibungen in der Entdramatisierung gänzlich vermieden. Zentrales Kennzeichen der Entdramatisierung ist die Bemerkung, dass es abgesehen vom Geschlecht auch weitere Kategorien gibt, die Menschen voneinander unterscheiden (vgl. Debus 2012). Die Entdramatisierung wird in geschlechterdramatisierenden Situationen geraten, in denen Geschlechterunterschiede immer wieder als hauptsächlichen Grund zur Unterscheidung von Menschen genannt wird (vgl. Froh & Süßenbach 2012).
Sowohl die Dramatisierung als auch die Entdramatisierung gelten situationsspezifisch als vorteilhaft und nicht vorteilhalt. Daher wird der Lehrer*in in ihrem Handeln eine hohe Relevanz zugesprochen. An dieser Stelle ist auf die Genderkompetenz von Lehrpersonen zu verweisen, die als Schlüsselqualifikation bezeichnet werden kann (Herwartz-Emden 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Problematik von Geschlechterstereotypen bei Kindern ein und definiert die zentrale Fragestellung nach einem professionellen Umgang durch Lehrkräfte.
2. BEGRIFFSKLÄRUNG: GESCHLECHTERSTEREOTYPEN: Hier werden Geschlechterstereotype theoretisch als assoziativ-semantische Konzepte und kognitive Schemata eingeordnet, die das Denken und Handeln unbewusst steuern.
3. GESCHLECHTERSTEREOTYPEN IM UNTERRICHT MIT BLICK AUF DIE LEHRPERSON: Das Kapitel analysiert, wie das eigene Verhalten von Lehrkräften – etwa durch unbewusste Bevorzugung oder selektive Aufmerksamkeit – Stereotype im Unterrichtsalltag festigen kann.
4. ZUM PROFESSIONELLEN UMGANG MIT GESCHLECHTERSTEREOTYPEN IM UNTERRICHT: Dieses Kapitel erörtert mit der Dramatisierung und Entdramatisierung zwei methodische Ansätze und leitet konkrete pädagogische Handlungsmaßnahmen ab.
5. FAZIT: Das Fazit fasst die Relevanz der Genderkompetenz für Lehrkräfte zusammen und betont die Notwendigkeit, durch geschlechterreflektierte Kommunikation starre Rollenbilder aufzubrechen.
Schlüsselwörter
Geschlechterstereotype, Lehrperson, Unterricht, Geschlechterrollen, Professionalität, Dramatisierung, Entdramatisierung, Genderkompetenz, Persönlichkeitsbildung, geschlechtliche Vielfalt, kognitive Schemata, schulische Kommunikation, Diskriminierung, Rollenbilder, Schulentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Geschlechterstereotypen auf den Unterricht und thematisiert, wie Lehrkräfte professionell damit umgehen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Einordnung von Stereotypen, der Analyse des Lehrerverhaltens und der Vorstellung pädagogischer Strategien wie Dramatisierung und Entdramatisierung.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Unterrichtsgestaltung geschlechtliche Vielfalt gefördert und die einengende Wirkung starrer Rollenbilder vermieden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur, empirischen Studien zum Lehrerhandeln und der Analyse pädagogischer Handlungskonzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Reflexion des eigenen Lehrerhandelns sowie die praktische Anwendung von Ansätzen zur geschlechtersensiblen Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Geschlechterstereotype, Genderkompetenz, Dramatisierung, Entdramatisierung und die professionelle Identität von Lehrpersonen.
Wie unterscheidet sich der Ansatz der "Dramatisierung" von der "Entdramatisierung"?
Bei der Dramatisierung werden Geschlechteraspekte explizit thematisiert, um sie dekonstruierbar zu machen, während die Entdramatisierung versucht, das Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal gänzlich auszublenden.
Warum ist die Genderkompetenz für Lehrkräfte so bedeutend?
Sie gilt als Schlüsselqualifikation, da sie Lehrpersonen befähigt, die Auswirkungen eigener unbewusster Stereotype kritisch zu reflektieren und aktiv zu einem diskriminierungsfreien Lernumfeld beizutragen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2021, Professioneller Umgang mit Geschlechterstereotypen im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157676