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Eugen Drewermann: Deutung der Erzählung über den Besessenen von Gerasa (Mk 5, 1-20)

Der Versuch einer Bewertung

Title: Eugen Drewermann: Deutung der Erzählung über den Besessenen von Gerasa (Mk 5, 1-20)

Essay , 2008 , 19 Pages , Grade: "-"

Autor:in: Dr. Eick Sternhagen (Author)

Theology - Biblical Theology
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Summary Excerpt Details

Einleitung: Drewermanns Ausgangsposition

Drewermann versucht u. a., die Erzählung über den „Besessenen von Gerasa“2 in seinem Buch ‘Tiefenpsychologie und Exegese’3 tiefenpsychologisch zu deuten. Die daraus resultierenden Unebenheiten in Drewermanns Argumentationsstruktur können durch eine exemplarische Analyse seiner Auslegung am Beispiel der oben bezeichneten Erzählung aufgedeckt werden. Grundlagen für tiefenpsychologische Überlegungen finden sich in Drewermanns Buch ‘Glauben in Freiheit’4. Sein Anliegen besteht darin, dass er seinen Glauben unabhängig von den Richtlinien der etablierten (katholischen) Kirche leben will und dass er das Religiöse als solches für sich und andere definiert. Drewermann will sich frei machen von dem Diktat eines dogmatischen Überbaus und der damit einhergehenden Gesetzlichkeit.
Dazu schafft er den allgemeinen Rahmen. Im Prinzip schließt er an die Symbolschau Paul Tillichs an.5 Dabei geht er über das „Bedingte des Unbedingten“ bei Tillich hinaus6, indem er über die geläufige Textforschung hinaus die biblische Symbolik aus ihrem historischen Kontext heraus nicht nur in die Bedeutung für dieGegenwart hebt, sondern auch im Rahmen psychologischer Deutung zeigen will, dass Ängste ein zeitloses durch die Kulturen und Glaubensbezeugungen geisterndes Phänomen sind.

2 Vgl. Mt, 5,1-20.
3 Vgl. EUGEN DREWERMANN: Tiefenpsychologie und Exegese. Band II: Die Wahrheit der Werke und der Worte. Wunder, Weissagung, Apokalypse, Geschichte, Gleichnis. 5. Auflage. Olten / Freiburg1989 Vgl., S. 247-277.
4 EUGEN DREWERMANN: Glauben in Freiheit oder Tiefenpsychologie und Dogmatik, Band 1: Dogma, Symbolismus, Solothurn – Düsseldorf 1993.
5 Vgl. PAUL TILLICH, Symbol und Wirklichkeit, Göttingen 1986, S. 3-11.
6 Vgl. Derselbe, Recht und Bedeutung religiöser Symbole, in: PAUL TILLICH, Gesammelte Werke V: Die Frage nach dem Unbedingten, Stuttgart2 1978, S. 237-244. Tillich vertritt die Auffassung, dass das biblische Wort in seinem historischen und kulturellen Kontext in seiner Symbolkraft erkannt werden müsse. Diese Auffassung beschränkt die Auffassung von der buchstäblichen Auffassung des biblischen Wortes, des Unbedingten. Zur Problematik siehe J. RINGLEBEN, Symbol und göttliches Sein, in: G. HUMMEL (Hg.), Gott und Sein. Das Problem der Ontologie in der philosophischen Theologie Paul Tillichs. Beiträge des II. Internationalen Paul-Tillich-Symposions in Frankfurt 1988, Berlin/New York 1989, S. 165-181, hier S. 166, 181.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Drewermanns Ausgangsposition

2. Die Grundlage der Deutung, die Quelle: Markus 5,1-20: Heilung eines besessenen Geraseners (Mt 8,28-34; Lk 8,26-39)

2.1. Die Sünde und das Böse

2.2. Epilepsie statt Dämonen

2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline

3. Drewermann nimmt die Erzählung über Jona hinzu

3.1. Das Buch Jona, Kapitel 1-4,11

3.2. Jona und der Gerasener: ein Vergleich

4. Die fehlende Diagnose

5. Die Antwort auf Drewermanns Tiefenpsychologie

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die tiefenpsychologische Auslegung biblischer Erzählungen durch Eugen Drewermann, insbesondere am Beispiel der Heilung des Besessenen von Gerasa (Mk 5,1-20). Ziel ist es, methodische Unstimmigkeiten in Drewermanns Argumentation aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob seine psychoanalytische Deutung – die den Fokus stark auf universelle Ängste und Symbole legt – der spezifischen klinischen Natur der biblischen Berichte gerecht wird.

  • Kritische Analyse von Drewermanns Auslegungsmethode
  • Vergleich zwischen der Erzählung vom Besessenen von Gerasa und dem Buch Jona
  • Diskussion über das Borderline-Syndrom in biblischen Kontexten
  • Auseinandersetzung mit den Begriffen „Sünde“ und „das Böse“
  • Reflexion über das Verhältnis von Individuum und gesellschaftlicher Norm

Auszug aus dem Buch

2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline

Woran kann man die Borderline-Persönlichkeits-Störung (BPS) ablesen? Borderline bedeutet zunächst „Grenzlinie“. Früher hat man diese Störung in neurotische und psychotische Störungen eingeordnet. Das Symptombild zählt man zu den komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen. Die spezifische Einordnung von Verhaltensgestörten in das Krankheitsbild der BPS ist schwierig, da es verschiedene Formen von Borderline gibt. Borderline gilt als die am häufigsten diagnostizierte psychische Störung. Gefühle, das Denken und das Handeln sind in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Faktor äußert sich in einem negativen und zum Teil paradoxen Verhalten gegenüber anderen Menschen sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst. Dissoziative Störungen und Depressionen sind u. a. prinzipielle Begleiterscheinungen der Borderline-Persönlichkeits-Störung. Kennzeichen der BPS sind Wechsel vom einen Extrem zum anderen.

Ein Versuch der Einordnung der Verhaltensstörung des Geraseners in die BPS könnte, wie folgt, erfolgen: Der Hilfesuchende mit diesem Symptom lehnt die Hilfe, die ihm zuteil werden kann bzw. könnte, nicht ab, um dann doch bewusst Heilung zu erfahren – Drewermann lässt das auch durchblicken –, sondern vielmehr verhält er sich ambivalent, indem er tatsächlich mit aller Nachhaltigkeit die Hilfe des Helfers ablehnt, also ein klares „Nein“ vermittelt, u n d z u g l e i c h den Versuch zur Hilfe befürwortet. Das bedeutet, die Ablehnung der Hilfe als Axiom oder als final geführter Gedankensatz (damit, um zu) als Wunsch nach Hilfe entfällt. An die Stelle der Prämisse des „Nein“ für das „Ja“ tritt in diesem spezifischen Fall die Ambitendenz, also die affektive Gleichstellung von „Nein“ und „Ja“ und somit die Paradoxie.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Drewermanns Ausgangsposition: Einführung in die tiefenpsychologische Deutung Drewermanns und Darstellung der Absicht, seine Argumentationsstruktur kritisch zu prüfen.

2. Die Grundlage der Deutung, die Quelle: Markus 5,1-20: Heilung eines besessenen Geraseners (Mt 8,28-34; Lk 8,26-39): Wiedergabe des biblischen Quelltextes und Beginn der kritischen psychologischen Einordnung durch Drewermann.

2.1. Die Sünde und das Böse: Analyse von Drewermanns Begriffen von Sünde und Bösem, basierend auf Kierkegaard, im Kontext gesellschaftlicher Konformität.

2.2. Epilepsie statt Dämonen: Diskussion der medizinischen Deutung von Symptomen in den Evangelien als Epilepsie anstelle einer dämonischen Besessenheit.

2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline: Versuch einer klinischen Einordnung des Geraseners unter dem Aspekt des Borderline-Syndroms.

3. Drewermann nimmt die Erzählung über Jona hinzu: Einbeziehung der Jona-Geschichte in den Deutungskontext und Gegenüberstellung zum Gerasener.

3.1. Das Buch Jona, Kapitel 1-4,11: Wiedergabe des alttestamentlichen Quelltextes zum Buch Jona.

3.2. Jona und der Gerasener: ein Vergleich: Kontrastierung der beiden Erzählungen bezüglich ihrer theologischen und psychologischen Aussagekraft.

4. Die fehlende Diagnose: Kritik an der Allgemeinheit von Drewermanns psychologischer Deutung und Forderung nach präziserer Diagnose.

5. Die Antwort auf Drewermanns Tiefenpsychologie: Eigene Reflexion des Autors über das Spannungsfeld zwischen Freiheit, psychischer Gesundheit und gesellschaftlichen Zwängen.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der tiefenpsychologischen Methodik Drewermanns und Würdigung seiner Ansätze trotz methodischer Kritik.

Schlüsselwörter

Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie, Exegese, Besessener von Gerasa, Borderline-Syndrom, Jona, Sünde, das Böse, Epilepsie, Symbolik, Kierkegaard, Religion, Heilung, Angst, psychische Störung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht und kritisiert die tiefenpsychologische Exegese von Eugen Drewermann am Beispiel der biblischen Erzählung über die Heilung des Besessenen von Gerasa.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von Tiefenpsychologie und Theologie, die Interpretation biblischer Wunderberichte, die Einordnung von psychischen Symptomen sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Aufdeckung von Unebenheiten in Drewermanns Argumentation und die kritische Prüfung, ob seine psychoanalytische Deutung dem spezifischen biblischen Text und seinem historischen Kontext gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine exemplarische und kritische Analyse angewandt, die den Exegese-Ansatz Drewermanns mit psychologischen Fachbegriffen und philosophischen Positionen (insbesondere Kierkegaard) konfrontiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Drewermanns Begriffsverständnis von Sünde und Bösem, hinterfragt die Deutung der Besessenheit (Epilepsie vs. Borderline) und vergleicht die Gerasener-Erzählung mit der Geschichte von Jona.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Tiefenpsychologie, Exegese, Borderline-Syndrom, Freiheit, Symbolik und die spezifische Perikope der Heilung des Besessenen von Gerasa.

Warum kritisiert der Autor die Verbindung von Jona und dem Gerasener?

Der Autor argumentiert, dass die Erzählungen theologisch und inhaltlich unterschiedlich gelagert sind – Jona erfährt eine Erkenntnisreise, während beim Gerasener ein Wunder durch Heilung im Zentrum steht – und daher nicht unkritisch zur Untermauerung einer einheitlichen Psychoanalyse herangezogen werden sollten.

Was ist die Kernkritik an Drewermanns „fehlender Diagnose“?

Der Autor kritisiert, dass Drewermann oft bei einer verallgemeinernden Symboldidaktik bleibt, anstatt das spezifische Krankheitsbild des Geraseners (heute als Borderline-Symptom interpretierbar) präzise zu rekonstruieren.

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Details

Title
Eugen Drewermann: Deutung der Erzählung über den Besessenen von Gerasa (Mk 5, 1-20)
Subtitle
Der Versuch einer Bewertung
Grade
"-"
Author
Dr. Eick Sternhagen (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V115785
ISBN (eBook)
9783640173204
ISBN (Book)
9783640173310
Language
German
Tags
Eugen Drewermann Deutung Erzählung Besessenen Gerasa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Eick Sternhagen (Author), 2008, Eugen Drewermann: Deutung der Erzählung über den Besessenen von Gerasa (Mk 5, 1-20), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115785
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