Rap als Kampf um Integration. Von der Zerrissenheit Deutschlands zu einer neuen Leitkultur


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DEFINITIONEN
2.1 MUSIKALISCHE SOZIALISATION
2.2 IDENTITÄTSBILDUNG ALS REPRÄSENTATIONSHANDLUNG
2.3 TRANSKULTURALITÄT UND IDENTITÄT
2.4 GLOKALITÄT,PLURALITÄT UND KOLLEKTIVITÄT IM RAP

3. GESCHICHTE DES RAP
3.1 ENTSTEHUNG IN AMERIKA
3.2 ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND

4. MIT RAP ZUR NEUEN LEITKULTUR
4.1 ABGRENZUNG VON DER DEUTSCHEN LEITKULTUR
4.2BEREICHERUNG DEUTSCHLANDS

5. LEGITIMATION DER MARGINALISIERTEN IDENTITÄTEN
5.1 RAP ALS AUSWEG VON DER SEGREGATION
5.2 RAP ALS KULTURELLES KAPITAL FÜR DIE IDENTITÄTSBILDUNG

6. ZUSAMMENLEBEN VON DEUTSCHEN UND MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND IM RAPTEXT „ABER“ VON EKO FRESH

7. FAZIT

8. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Rap und die Entwicklung eines transkulturellen Deutschlands. Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Rap und der transkulturellen Entwicklung in Deutschland wird die Basis der Überlegungen sein. Dazu werden im ersten Teil Begriffe wie Identität und Transkulturalität erläutert und auf Rap bezogen. Darauf aufbauend wird im zweiten Teil die Entstehungsgeschichte des Rap und die Entwicklung in Deutschland dargestellt. Anschließend wird die Sicht der Migranten im Rap in Bezug auf die Integration und die Frage nach der deutschen Leitkultur geklärt. Auf der Grundlage von diesen Ergebnissen wird das Lied „Aber“ von Eko Fresh thematisiert, welches das Zusammenleben der Deutschen und Migranten behandelt, und mit den aufgeführten Ergebnissen verglichen.

Rap als (jugendkulturelles) Identifikationsangebot und die Multikulturalität in Deutschland ist gegenwärtig ein umstrittenes Thema. Daraus ergibt sich die vorliegende Arbeit zur Überprüfung des Zusammenhanges zwischen Rap als Kunst, Kritik und Identitätsarbeit mit dem Zustand der deutschen Leitkultur und inwieweit diese möglich ist.

2. Definitionen

2.1 Musikalische Sozialisation

Zu der Identitätsbildung in der Jugendphase trägt die musikalische Sozialisation mit großen Einflüssen bei, denn die Selbstsozialisation findet als Prozess des Mitgliedwerdens in selbstgewählten sozialen Kontexten, wie beispielsweise in musikalischen Jugendkulturen, statt. Die Zugehörigkeit bestimmen die Jugendliche durch die Sympathie mit bestimmten Kulturen, auf die sie von sozialen Kontakten aufmerksam gemacht werden. Der Lebensstil, welches in der interessierten musikalischen Jugendkultur besteht, geht in unterschiedlichen Ausmaßen in das eigene Identitätskonstrukt über und wird mit dem eigenen Lebensstil verbunden. Das ist wichtig als Zeichen für die Zugehörigkeit zu der Jugendkultur, aber auch als Abgrenzung gegenüber anderen Jugendkulturen. Dafür steht Musik als ein großes Symbolsystem, mit der man seine kulturelle Zugehörigkeit und Distinktion sichtbar machen kann (vgl. Müller 1998, S. 57f.). Der Grund der Identifikation mit musikalischen Jugendkulturen wird also durch „sozialstrukturelle[n] Bedingungen“ (Müller 1998, S. 59) beeinflusst, doch auch das Selbstbild des Jugendlichen entscheidet mit, zu welcher Subkultur er angehören möchte. Dabei kann es sich um ein negatives Selbstbild handeln, wobei der Jugendliche bewusst zu einer Jugendkultur mit hohen Risiko- und Grenzerfahrungen (des eigenen Körpers) tendiert. Wenn ein Jugendlicher mit positivem Selbstbild ebenso zu dieser Jugendkultur angehört, dann kann dies auch daran liegen, dass diese musikalische Jugendkultur einen hohen Platz in den Charts einnimmt und die Jugendlichen deswegen zu dieser populären Jugendkultur angehören möchten (vgl. Müller 1998, S. 59f.).

2.2 Identitätsbildung als Repräsentationshandlung

In der künstlerischen Praxis kristallisiert sich die Persönlichkeit der einzelnen Rapper. Mit den Entscheidungen darüber, was man sein möchte und wovon man sich distinguiert, bilden sie ihre Identitäten aus (vgl. Van Treeck 2003, S. 103). Die Bildung der Identität ist ein dynamischer Prozess, wobei die „dargebotenen künstlerischen Inszenierungen der persönlichen Styles“ (Menrath 2003, S. 218) wiederholt werden. Mit dem eigenen Stil schaffen sie sich einen besonderen Platz in der Gruppe. Dabei ist im HipHop der eigene Stil eine Neuinterpretation anderer HipHop-Stile aus unterschiedlichen Zeiten und Künstlern, doch die eigene Identität gibt diesen Stilen einen „neuen Flavor“ (ebd.). In dieser Praxis ist das Individuum also an Historizität und Gemeinschaftlichkeit gebunden. Dies stellt auch die Entstehungsbedingung des HipHop dar, wobei die ursprünglichen Bedeutungen nicht den Repräsentationen entsprechen. Als zentrale Kulturtechnik im HipHop müssen Jugendliche mit neuen „Skills“ und Geschichtsbewusstsein neue Stile entwickeln und bilden somit auch ein kritisches Bewusstsein in Hinblick auf Identitätsprozesse (vgl. Menrath 2003, S. 219). Bevor Jugendliche einen neuen Stil repräsentieren, müssen sie dem Ursprung eine Bedeutung geben, denn sie präsentieren sich selbst durch andere. Die eigene sowie die Identität und Stile des anderen werden im Prozess des Repräsentierens konstruiert. Dabei sind die Individuen produktiv und stellen Effekte der Repräsentationshandlungen dar. Hierbei sind sie nicht nur eine Darstellung von anderen HipHoppern, sondern vertreten diese auch, wie etwa im politischen Sinne (vgl. Menrath 2003, S. 220).

2.3 Transkulturalität und Identität

Der Begriff der Transkulturalität wurde von Wolfgang Welsch entwickelt und möchte hiermit auf die Grenzen der Begriffe der „Multikulturalität“ und „Interkulturalität“ hinweisen, die sich gegen das traditionelle Kulturverständnis richten. Multikulturalität bedeutet, dass es von einer „homogenen Monokultur“ (Aicher-Jakob 2010, S. 42) zu einer Vervielfachung von homogenen gleichberechtigten Kulturen in einer Gesellschaft kommt. Darüber hinaus besteht in dem Begriff der Interkulturalität zwar der „Dialog zwischen den Kulturen“ (ebd.), doch eine Kultur beharrt auf die Einheit der gesamten Kulturen und separiert damit andere Kulturen. Welsch fügt hinzu, dass es früher Konflikte zwischen den Gesellschaften herrschten doch je mehr Kulturen es innerhalb einer Gesellschaft gibt, desto mehr gäbe es Konflikte innerhalb einer Gesellschaft. Die Vorsilbe „Trans“ von Transkulturalität kommt von dem Wort transversal, was bedeutet, dass die sich voneinander unterscheidenden Kulturgrenzen nun durch Kulturen hindurchgehend, also transversal verlaufen. Dabei gibt es keinen traditionellen Blick mehr von Kultur als Kugel nach Hegel. Ein besonderes Kennzeichen von Transkulturalität ist also die Vernetzung der Kulturen und ihre Hybridisierung. Dies bedeutet für ein Individuum, dass es die Möglichkeit hat „an mehreren Kulturen zu partizipieren“ (Aicher-Jakob 2010, S. 42), da es im transkulturellen Verständnis keine homogenen Kulturgruppen bestehen. Das geht mit einem individuellen Einfluss der Kulturen auf die Menschen einher. Kulturelle Unterschiede gibt es zunehmend innerhalb einer Gesellschaft und weniger zwischen den Gesellschaften, denn die Gesellschaft besteht heutzutage nicht mehr aus nur einer Kultur. „Welsch spricht von einer ,vertikalen Differenzierung'“ (Aicher-Jakob 2010, S. 43). Dies versucht er mit den gegensätzlichen Differenzen in der Bevölkerung einer Stadt zu verdeutlichen, welche meist aus einem „Arbeitermilieu, einer Villengegend und der Alternativszene“ besteht. Dieses Beispiel zeigt, dass sogar innerhalb einer Stadt kaum ein gemeinsamer kultureller Nenner zu finden ist. Daher sollte man nicht mehr von kulturellen Identitäten, sondern von hybriden Identitäten sprechen und auch nicht die Denkweise der „Eigen- und Fremdkultur“ fortsetzen, „da Identitäten durch interne Lokalisierungen ebenso wie durch externe grenzüberschreitende Konturen gekennzeichnet sind“ (ebd.). Diese unterschiedlichen kulturellen Einflüsse werden in der Identitätsbildung verbunden. Hier hat das Individuum die Identitätsaufgabe eine sinnvolle Verbindung der unterschiedlichen Kulturen herzustellen, wobei es das Risiko gibt, dass wenn diese integrative Verknüpfung nicht gelingt, das Individuum sich zwischen zwei Kulturen fühlt (vgl. Aicher-Jakob 2010, S. 43). Dabei ist der Begriff der Integration mit einer „negativen Diagnose“ (Seeliger/Dietrich 2017, S. 22;Zitat nach Terkessidis 2010) verbunden, welches dadurch entsteht, dass bestimmte Personen mit Migrationshintergrund Probleme durch ihre Defizite verursachen und diese Personen wiederum zu bestimmten Gruppen angehören. Dadurch entsteht der stereotypische Blick auf Kulturen. Diese Sichtweise auf Integration soll durch den Begriff der Transkulturalität verworfen werden, da er unterschiedliche kulturelle Gruppen nicht durch den Kulturaspekt unterscheidet, sondern gemeinsame Charakteristika findet und somit die Kulturen zu verbinden versucht, sodass man nicht mehr eine Kultur von der anderen abgrenzt, sondern eine Verbindung und Durchdringung dieser Kulturen schafft und daraus etwas Neues gewinnt (vgl. Welsch 1997, S. 67ff.). Daher wäre der Begriff der Integration nicht mehr notwendig, da es wie oben beschrieben keine einheitlichen Kulturen mehr geben würde.

2.4 Glokalität, Pluralität und Kollektivität im Rap

HipHop ist eine glokale und hybride Kultur. Er entsteht durch ständige lokale Neukontextualisierungen in einem aktiven Aneignungsprozesses globaler Kulturangebote. Sie entwickelt sich stetig durch neue, lokalspezifische Interpretationsformen von HipHop (vgl. Gruber 2017, S. 59). Daraus ergibt sich, dass die HipHop-Kultur hybride ist, das heißt je nach Identität wird die Bedeutung verändert und HipHop bekommt einen „transkulturelle[n] Charakter infolge des Austauschprozesses zwischen global und lokal verfügbaren Ressourcen“ (Gruber 2017, S. 60). Dadurch werden neue Stile im HipHop geschaffen, die durch multikulturelle Sprachen beeinflusst werden, was ein Beweis der Hybridität darstellt (vgl. ebd.)

HipHop ist auch pluralistisch und gemeinschaftsstiftend. Er wird immer wieder durch die Neukontextualisierungen in der performativen Anwendung kulturell angereichert und diversifiziert und entwickelt sich weiter. So entstehen neue Stile, Ästhetiken und damit auch normative Systeme in dieser Jugendkultur (vgl. ebd.). Die Zugehörigkeit zu einer Jugendkultur stiftet Gemeinschaft und bildet damit eine Kollektivität, aber auch die Individualität, denn nach außen hin grenzen Jugendliche sich durch ihre individuelle aber gleichzeitig auch kollektive Performanz ab und nehmen aktiv an den Voraussetzungen der Jugendkultur teil (vgl. Gruber 2017, S. 69). Sie schaffen sich einen Platz in der Subkultur auch durch Distinktion innerhalb der Gruppe, denn es herrschen nicht nur Unterschiede zwischen den Ländern, sondern auch zwischen Regionen und Städten oder auch innerhalb einer Stadt können unterschiedliche Stile des HipHop repräsentiert werden (vgl. Androutsopoulos 2003, S. 111).

3. Geschichte des Rap

3.1 Entstehung in Amerika

HipHop ist eine Subkultur, die eine Verknüpfung von Musik (Breakbeat-DJing und später Rap), Kunst (Graffiti) und Tanz (Breakdance) kennzeichnet (Szillus 2012, S. 42). Der Rap stammt aus afrikanischen Sprachtraditionen (vgl. Peschke 2009, S. 64). Die partyorientierte Bewegung der Hispano- und Afroamerikaner, die eigene Partys organisierten aufgrund des Ausschlusses von anderen offiziellen Tanzabenden, ist in den siebziger Jahren in Amerika zu einer künstlerischen Kultur geworden. Durch die neue Bewegung als Reaktion auf die Diskriminierung hatte HipHop eine ambivalente Beziehung zu der nationalen Kultur. HipHop entwickelte sich allmählich zu einer Lebensart und zu einer transnationalen Kultur globalen Ausmaßes.

3.2 Entwicklung in Deutschland

In den achtziger Jahren kam der Rap nach Deutsch. Anfangs rappten die Jugendlichen auf Englisch, wobei die Texte nicht viel mit der deutschen Kultur zu tun hatte. Nach der Wiedervereinigung wurde der Rap von den Jugendlichen, die sich zwischen mehreren Kulturen befinden, nationalisiert (vgl. Chemeta 2013, S. 38). Das kann etwa nach Güngör und Loh (2017) die Inkubationsphase sein, die um das Jahr 1990 bis 2000 anhielt. Hier wurden kalifornische Gangsta-Rapper und ihre Streetgang zu sozialen und ökonomischen Identifikationsfiguren, doch vereinzelt wurde diese Kultur auch künstlerisch umgesetzt, wobei ein neues Lebensgefühl entstand (vgl. Güngör/Loh 2017, S. 214). Vor allem Jugendlichen mit türkischer Herkunft partizipierten in dieser Jugendkultur (vgl. Chemeta 2013, S. 38). So entstand die transnationale HipHop-Kultur, insbesondere der Rap, in Deutschland. Diese Kultur differenzierte sich wiederum in weitere Subkulturen, so entwickelte sich zum Beispiel der türkische Oriental­HipHop. Dies ist der Beginn des Raps als Nutzung als eine öffentliche Stimme der Migranten in Deutschland (vgl. Chemeta 2013, S. 38). In den Jahren von 2001 bis 2008 ist die Phase der Gestaltung und Kommerzialisierung. In dieser Zeit entstanden ästhetische Leitlinien im deutschen Rap (vgl. Güngör/Loh 2017, S 214). Daraufhin folgt die „Phase des Umbruchs, der Regionalisierung und der künstlerischen Erneuerung (2009-2017)“ (Güngör/Loh 2017, S. 214). Vielfalt und Kunst beweisen viele Straßenrapper. Von den deutschen Medien wurde vermittelt, dass es in Deutschland keine Ghettos gibt und dadurch der Deutschrap nicht glaubwürdig ist, doch als Rapper wie Sido und Bushido über die sozialen Brennpunkte in Deutschland rappen, wird der Rap immer populärer (vgl. Güngör/Loh 2017, S. 216). Die Medien interessieren sich spätestens seit 2015 immer mehr für die künstlerischen Ideen der Rapper (vgl. Güngör/Loh 2017, S. 214). Der Rap hat heute die soziodemographische Besonderheit, dass er in Nordrhein­Westfalen doppelt so verbreitet ist wie in Sachsen-Anhalt (Göttlich/Müller/Rhein/Calmbach 2007, S. 110).

4. Mit Rap zur neuen Leitkultur

4.1 Abgrenzung von der deutschen Leitkultur

Seit 1960 gibt es in Deutschland immer mehr Deutsche mit ausländischer Herkunft, was zur Wichtigkeit der Nebenkulturen beiträgt und damit den politischen Blick auf diese wirft. Die Multikulturalität wird immer mehr zum Thema, da die Grenzen im Land offen sind, sodass unterschiedliche Kulturen in das Land kommen. Trotz dieser kulturellen Entwicklung fordert der CDU-Abgeordnete Friedrich Merz eine deutsche Leitkultur und die Anpassung an die deutschen Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten. Hier wird nicht darauf eingegangen, wie sich die Deutschen mit Migrationshintergrund fühlen. Daher finden Jugendliche, die auf solche Aussagen reagieren möchten, in der Rapmusik eine Chance in die Öffentlichkeit zu kommen und ihre Sicht zu präsentieren (vgl. Chemeta 2013, S. 37). Mit dem neuen, lässigen Kleidungsstil mit „baggy“ (Jogginghosen) und großen T-Shirts stellen sie ebenfalls ihre Präsenz als Teil der HipHop-Kultur dar (vgl. Menrath 2003, S. 218) und vor allem die Sprache im Rap ist ein besonderes Distinktionsmerkmal. Für diese Jugendkultur ist die Sprache nicht ein einfaches Kommunikationsmittel, sondern auch ein Machtinstrument, womit sie auch politische Aussagen in die Öffentlichkeit bringen können. Aus diesem Grund kann man sagen, dass die Sprache einen großen Teil in dieser Jugendkultur einnimmt, wodurch Rapper versuchen, ein bestimmtes Identitätsgefühl zu vermitteln (vgl. Chemeta 2013, S. 40).

Nach der Wiedervereinigung herrschte wachsender Rassismus, was dazu führte, dass viele Rapper antirassistische Lieder sangen. Viele fühlten sich nach jahrelangem Leben in Deutschland immer noch nicht integriert. Anfangs machten deutsche Jugendliche den amerikanischen Rappern, die gegen soziale Ungerechtigkeiten kämpften, nach und rappten auf Englisch, da diese Sprache eine politische Rolle in dieser Gemeinschaft hatte, aber auch, weil die HipHop-Kultur mit der englischen Sprache eng verknüpft ist. Dabei kam die eigene deutsche Identität in Zweifel. Außerdem kann die Nutzung der englischen Sprache in Deutschland durch nicht ausreichende Sprachkenntnisse nur oberflächlich angewandt werden und deswegen die eigene Ausdrucksfähigkeit und somit auch die Performanz begrenzt werden. Daher wurden zum größten Teil nur Rap-Klischees benutzt. Hierdurch kann man feststellen, dass die deutsche Sprache einen viel größeren Erprobungsraum darstellt und den deutschen Rappern vielfache Ausdrucksweisen bietet und sie dadurch intelligenter wirken lässt und ein größeres Aufsehen erregen. So können Rapper ihre eigene Gesellschaftskritik, die mit dem individuellen Leben und den eigenen Erfahrungen verbunden ist, vermitteln, wodurch sie gleichzeitig authentischer wirken (vgl. Chemeta 2013, S. 41f.). Auf den immer weiter steigenden Rassismus reagierten türkischstämmige Jugendliche mit Distinktion und hoben die türkische Gemeinschaft von der deutschen ab, da sie ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit nicht gaben, was sie wiederum in der türkischen Gemeinschaft suchten. Durch die Abgrenzung von der deutschen Kultur und die Zugehörigkeit zu der türkischen Gemeinschaft unterstrichen sie zugleich die türkische Identität und verkündeten damit eine nationalistische Botschaft. Damit möchten sie auf die Ausländerfeindlichkeit reagieren und konnten diese nicht vermindern. Man kann hier zwei Typen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unterscheiden, der erste Typus wären die, die sich mit der deutschen Kultur identifizieren und der zweite Typus sind die, die es nicht tun (vgl. Chemeta 2013, S. 43f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Rap als Kampf um Integration. Von der Zerrissenheit Deutschlands zu einer neuen Leitkultur
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V1157890
ISBN (Buch)
9783346553645
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rap, Kultur, Pop, Sozialisation, Heterogenität, Pluralität, Geschichte des Rap, Leitkultur, marginalisierte Identitäten, Migration und Rap
Arbeit zitieren
Nazile Karagöz (Autor:in), 2018, Rap als Kampf um Integration. Von der Zerrissenheit Deutschlands zu einer neuen Leitkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157890

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