Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Rap und die Entwicklung eines transkulturellen Deutschlands. Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Rap und der transkulturellen Entwicklung in Deutschland wird die Basis der Überlegungen sein. Dazu werden im ersten Teil Begriffe wie Identität und Transkulturalität erläutert und auf Rap bezogen. Darauf aufbauend wird im zweiten Teil die Entstehungsgeschichte des Rap und die Entwicklung in Deutschland dargestellt.
Anschließend wird die Sicht der Migranten im Rap in Bezug auf die Integration und die Frage nach der deutschen Leitkultur geklärt. Auf der Grundlage von diesen Ergebnissen wird das Lied "Aber" von Eko Fresh thematisiert, welches das Zusammenleben der Deutschen und Migranten behandelt, und mit den aufgeführten Ergebnissen verglichen. Rap als (jugendkulturelles) Identifikationsangebot und die Multikulturalität in Deutschland ist gegenwärtig ein umstrittenes Thema. Daraus ergibt sich die vorliegende Arbeit zur Überprüfung des Zusammenhanges zwischen Rap als Kunst, Kritik und Identitätsarbeit mit dem Zustand der deutschen Leitkultur und inwieweit diese möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITIONEN
2.1 MUSIKALISCHE SOZIALISATION
2.2 IDENTITÄTSBILDUNG ALS REPRÄSENTATIONSHANDLUNG
2.3 TRANSKULTURALITÄT UND IDENTITÄT
2.4 GLOKALITÄT, PLURALITÄT UND KOLLEKTIVITÄT IM RAP
3. GESCHICHTE DES RAP
3.1 ENTSTEHUNG IN AMERIKA
3.2 ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND
4. MIT RAP ZUR NEUEN LEITKULTUR
4.1 ABGRENZUNG VON DER DEUTSCHEN LEITKULTUR
4.2 BEREICHERUNG DEUTSCHLANDS
5. LEGITIMATION DER MARGINALISIERTEN IDENTITÄTEN
5.1 RAP ALS AUSWEG VON DER SEGREGATION
5.2 RAP ALS KULTURELLES KAPITAL FÜR DIE IDENTITÄTSBILDUNG
6. ZUSAMMENLEBEN VON DEUTSCHEN UND MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND IM RAPTEXT „ABER“ VON EKO FRESH
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Rapmusik und der transkulturellen Entwicklung in Deutschland. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Rap als Kunstform, Medium der Gesellschaftskritik und Werkzeug der Identitätsarbeit dazu beitragen kann, das Verständnis von Integration und deutscher Leitkultur kritisch zu hinterfragen und neu zu definieren.
- Musikalische Sozialisation und Identitätsbildungsprozesse Jugendlicher
- Transkulturalität und das Überwinden starrer kultureller Zuschreibungen
- Die Entwicklung und gesellschaftliche Bedeutung von HipHop in Deutschland
- Rap als Instrument zur Legitimation marginalisierter Identitäten
- Analytische Betrachtung gesellschaftlicher Spannungsfelder anhand des Eko-Fresh-Liedes „Aber“
Auszug aus dem Buch
2.2 Identitätsbildung als Repräsentationshandlung
In der künstlerischen Praxis kristallisiert sich die Persönlichkeit der einzelnen Rapper. Mit den Entscheidungen darüber, was man sein möchte und wovon man sich distinguiert, bilden sie ihre Identitäten aus (vgl. Van Treeck 2003, S. 103). Die Bildung der Identität ist ein dynamischer Prozess, wobei die „dargebotenen künstlerischen Inszenierungen der persönlichen Styles“ (Menrath 2003, S. 218) wiederholt werden. Mit dem eigenen Stil schaffen sie sich einen besonderen Platz in der Gruppe. Dabei ist im HipHop der eigene Stil eine Neuinterpretation anderer HipHop-Stile aus unterschiedlichen Zeiten und Künstlern, doch die eigene Identität gibt diesen Stilen einen „neuen Flavor“ (ebd.). In dieser Praxis ist das Individuum also an Historizität und Gemeinschaftlichkeit gebunden. Dies stellt auch die Entstehungsbedingung des HipHop dar, wobei die ursprünglichen Bedeutungen nicht den Repräsentationen entsprechen.
Als zentrale Kulturtechnik im HipHop müssen Jugendliche mit neuen „Skills“ und Geschichtsbewusstsein neue Stile entwickeln und bilden somit auch ein kritisches Bewusstsein in Hinblick auf Identitätsprozesse (vgl. Menrath 2003, S. 219). Bevor Jugendliche einen neuen Stil repräsentieren, müssen sie dem Ursprung eine Bedeutung geben, denn sie präsentieren sich selbst durch andere. Die eigene sowie die Identität und Stile des anderen werden im Prozess des Repräsentierens konstruiert. Dabei sind die Individuen produktiv und stellen Effekte der Repräsentationshandlungen dar. Hierbei sind sie nicht nur eine Darstellung von anderen HipHoppern, sondern vertreten diese auch, wie etwa im politischen Sinne (vgl. Menrath 2003, S. 220).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit erläutert die Relevanz von Rap im Kontext eines sich wandelnden, transkulturellen Deutschlands und skizziert den methodischen Aufbau zur Untersuchung dieses Zusammenhanges.
2. DEFINITIONEN: Dieser Teil legt die theoretischen Grundlagen durch die Betrachtung von musikalisch-sozialisatorischen Prozessen, Repräsentationshandlungen bei der Identitätsbildung sowie den Konzepten von Transkulturalität und Glokalität im HipHop.
3. GESCHICHTE DES RAP: Hier wird der Ursprung der Subkultur in den USA sowie die spezifische Entwicklung und Anpassung von Rap als öffentlicher Stimme von Migranten in Deutschland nachgezeichnet.
4. MIT RAP ZUR NEUEN LEITKULTUR: Das Kapitel analysiert, wie Rap als Medium zur Artikulation gegen eine exkludierende Leitkultur dient und gleichzeitig eine Bereicherung für das Verständnis einer transkulturellen Nation darstellt.
5. LEGITIMATION DER MARGINALISIERTEN IDENTITÄTEN: Hier wird untersucht, wie Rap als kulturelles Kapital und Ausweg aus Segregationserfahrungen fungiert, indem er marginalisierte Identitäten positiv besetzt und verarbeitet.
6. ZUSAMMENLEBEN VON DEUTSCHEN UND MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND IM RAPTEXT „ABER“ VON EKO FRESH: Eine praktische Anwendung der Theorie anhand einer detaillierten Analyse der unterschiedlichen Rollenperspektiven in Eko Freshs Lied hinsichtlich der Integration in Deutschland.
7. FAZIT: Die Arbeit resümiert, dass Rap ein wesentliches Instrument für Jugendliche ist, um eigene Identitäten zu stabilisieren und starre, einheitliche Kulturvorstellungen durch ein transkulturelles Verständnis von Deutschland zu ersetzen.
Schlüsselwörter
Rap, HipHop, Identitätsbildung, Transkulturalität, Integration, Leitkultur, Musikalische Sozialisation, Migration, Deutschland, Repräsentation, Marginalisierung, Glokalität, Identitätsarbeit, Subkultur, Eko Fresh
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Rapmusik als Ausdrucksform für eine transkulturelle Entwicklung in Deutschland und untersucht, wie dieses Medium zur Identitätsbildung und Gesellschaftskritik beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der musikalischen Sozialisation, der Bedeutung von Transkulturalität für Identitätsprozesse sowie der Funktion des Raps als Sprachrohr für Migranten in einem von Debatten um Leitkultur geprägten Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen Rap als Kunst und Instrument der Identitätsarbeit im Kontext des Zustands der deutschen Leitkultur.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch soziologische und kulturwissenschaftliche Ansätze, die auf die Untersuchung von Rap-Texten und die Identitätskonstruktion übertragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der historischen Einordnung des Raps werden die Konzepte von Transkulturalität und Identität erörtert, die Rolle des Raps als legitimes Mittel für marginalisierte Gruppen diskutiert und das Lied „Aber“ von Eko Fresh als Fallbeispiel analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rap, Identitätsbildung, Transkulturalität, Integration, Leitkultur sowie Migration und kulturelle Hybridität.
Welche Bedeutung kommt der „Transkulturalität“ in dieser Arbeit zu?
Der Begriff dient dazu, die Vorstellung einheitlicher, getrennter Kulturen zu widerlegen und aufzuzeigen, dass Identität in einer globalisierten, hybriden Gesellschaft fließend und transkulturell vernetzt ist.
Wie analysiert die Autorin das Lied „Aber“ von Eko Fresh?
Die Analyse erfolgt durch die Trennung der drei verschiedenen Rollenperspektiven im Text (der Deutsche, der Türke, der Rapper), um die gegensätzlichen Sichtweisen auf Rassismus, Integration und nationale Identität gegenüberzustellen.
- Arbeit zitieren
- Nazile Karagöz (Autor:in), 2018, Rap als Kampf um Integration. Von der Zerrissenheit Deutschlands zu einer neuen Leitkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157890