Die folgende Hausarbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die obige Definition des Begriffes "Geschichtsbewusstsein", mit Leben zu erfüllen. Ausgewählt wird dazu der Bauernkrieg im deutschen Sprachraum, der sich 2025 zum fünfhundertsten Mal jährt. Als erste Frage ergibt sich für mich: Was ist davon noch im Bewusstsein der Menschen?
Schwerpunkt liegt auf der Darstellung in Schulbüchern. Da es von 1949 bis 1990 zwei Staaten auf deutschem Boden gab, nämlich die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR), ergibt sich für diese Hausarbeit folgende Fragestellung: Wie wurde der Bauernkrieg in der Schulbuchliteratur der DDR im Vergleich zur BRD dargestellt und welche Hintergründe gab es?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.0 Darstellung des Bauernkriegs in der BRD
2.1 Wissenschaftliche Literatur in der BRD
2.2 Ausgewählte Lehrpläne in der BRD
2.3 Ausgewählte Schulbücher in der BRD
2.4 Darstellung von Thomas Müntzer in ausgewählten Schulbüchern der BRD von 1949-1990
3.0 Darstellung des Bauernkriegs in der DDR
3.1 Wissenschaftliche Literatur in der DDR
3.2 Ausgewählte Lehrpläne in der DDR
3.3 Ausgewählte Schulbücher in der DDR
3.4 Darstellung von Thomas Müntzer in ausgewählten Schulbüchern der DDR von 1949-1990
4 Vergleich
5 Ergebnisse einer Befragung
6 Lehrbuchstand in der BRD von 2021
7 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Bauernkrieg in der Schulbuchliteratur der BRD und der DDR zwischen 1949 und 1990 dargestellt wurde, um Unterschiede in der geschichtspolitischen Instrumentalisierung aufzuzeigen und die Hintergründe für diese Differenzen zu beleuchten.
- Historische Forschungsperspektiven zum Bauernkrieg in Ost und West
- Vergleich von Lehrplänen und Schulbuchinhalten
- Die Rolle von Thomas Müntzer als Identifikationsfigur
- Ideologische Unterschiede in der Geschichtsdarstellung
- Wirkung auf das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
2.0 Darstellung des Bauernkrieges in der BRD
Für die bäuerlichen Zeitgenossen hatte der Bauernkrieg von 1524/25 eine hohe Bedeutung. Dies zeigt sich daran, dass dieser noch Jahrzehnte nach seiner Beendigung von denen, die ihn miterlebt hatten, zur Bestimmung ihres eigenen Lebensalters genutzt wurde.
In der Forschungsliteratur der BRD hat der Bauernkrieg keine so hohe Bedeutung, jedoch wird dieser von zwei Autoren ausführlich gewürdigt.
Zum einen ist dies Günther Franz, Beiname „Bauern-Franz“, dessen Hauptwerk „Der deutsche Bauernkrieg 1525“ bereits 1933 erschien. Franz geht dabei davon aus, dass der Bauernkrieg vor allem als Aufstand gegen die Landesherren zu sehen ist. Die Forschung über den Bauernkrieg wurde lange als abgeschlossen betrachtet. Erst in den 70er Jahren wurden Lücken in der Forschung aufgedeckt, die sich vor allem auf die Programme des Bauernkrieges und seine Folgen bezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Geschichtsbewusstsein und Vorstellung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2.0 Darstellung des Bauernkriegs in der BRD: Analyse der wissenschaftlichen Literatur, Lehrpläne und Schulbücher zur Behandlung des Bauernkriegs im Westen.
2.1 Wissenschaftliche Literatur in der BRD: Überblick über die westdeutsche Forschungssicht auf den Bauernkrieg, insbesondere die Positionen von Günther Franz und Peter Blickle.
2.2 Ausgewählte Lehrpläne in der BRD: Untersuchung eines bayerischen Lehrplans zur Einordnung des Bauernkrieges im Geschichtsunterricht.
2.3 Ausgewählte Schulbücher in der BRD: Analyse der inhaltlichen Vermittlung des Bauernkrieges am Beispiel des Schulbuchs "Erlebnis Geschichte 7".
2.4 Darstellung von Thomas Müntzer in ausgewählten Schulbüchern der BRD von 1949-1990: Betrachtung der Wandlung der Müntzer-Darstellung im Kontext des Kalten Krieges und der Entspannungspolitik.
3.0 Darstellung des Bauernkriegs in der DDR: Darstellung der ideologischen Einflüsse und der Forschungskontexte in der ostdeutschen Geschichtswissenschaft.
3.1 Wissenschaftliche Literatur in der DDR: Analyse der marxistisch-leninistischen Deutung des Bauernkrieges als "frühbürgerliche Revolution".
3.2 Ausgewählte Lehrpläne in der DDR: Untersuchung der zentral gelenkten Lehrpläne und deren ideologischer Zielsetzung für den Unterricht.
3.3 Ausgewählte Schulbücher in der DDR: Untersuchung der Umsetzung der Lehrpläne in ostdeutschen Geschichtsbüchern am Beispiel von "Geschichte 6".
3.4 Darstellung von Thomas Müntzer in ausgewählten Schulbüchern der DDR von 1949-1990: Analyse der Stilisierung Müntzers zur sozialistischen Identifikationsfigur.
4 Vergleich: Gegenüberstellung der Darstellungen in BRD und DDR anhand von Umfang und Inhalt.
5 Ergebnisse einer Befragung: Auswertung einer Umfrage zum historischen Bezug der Bevölkerung zu Thomas Müntzer.
6 Lehrbuchstand in der BRD von 2021: Blick auf die aktuelle Behandlung des Themas in modernen kompetenzorientierten Lehrplänen.
7 Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle von Museen und Gedenkstätten für das Geschichtsbewusstsein.
Schlüsselwörter
Bauernkrieg, DDR, BRD, Thomas Müntzer, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsdidaktik, Schulbücher, frühbürgerliche Revolution, historischer Materialismus, Ideologie, Lehrpläne, Reformation, Kalter Krieg, Geschichtsunterricht, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Vergleich der Darstellung des Bauernkrieges in den Schulbüchern der beiden deutschen Staaten DDR und BRD im Zeitraum von 1949 bis 1990.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die wissenschaftlichen Forschungsperspektiven, Lehrpläne, konkrete Schulbuchinhalte sowie die Rolle von Thomas Müntzer als historische Figur in beiden Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die ideologische Instrumentalisierung des Bauernkrieges zu analysieren und aufzuzeigen, wie Geschichte in den beiden deutschen Staaten unterschiedliche Formen des Bewusstseins prägte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autor wendet einen komparativen Ansatz an, bei dem Forschungsliteratur, Lehrpläne und ausgewählte Schulbücher systematisch analysiert und gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Darstellung in BRD und DDR, unterteilt in wissenschaftliche Hintergründe, Lehrpläne und die spezifische Figur des Thomas Müntzer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bauernkrieg, Thomas Müntzer, Geschichtsdidaktik, ideologische Instrumentalisierung, DDR-Geschichtsbild, BRD-Lehrpläne.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Thomas Müntzer in der DDR von der in der BRD?
In der DDR wurde Müntzer stark als frühbürgerlicher Revolutionär und Identifikationsfigur für den Sozialismus stilisiert, während er in der BRD zeitweise als einer unter mehreren Akteuren oder später zunehmend in seiner theologischen Funktion betrachtet wurde.
Warum wurde für den Vergleich der Zeitraum 1949 bis 1990 gewählt?
Dieser Zeitraum markiert die Existenz der beiden deutschen Staaten, was einen direkten Vergleich der jeweiligen staatlich beeinflussten Bildungssysteme und Geschichtsdeutungen ermöglicht.
Welche Rolle spielt die "frühbürgerliche Revolution" in der DDR-Geschichtsschreibung?
Dieser von Friedrich Engels geprägte Begriff diente in der DDR dazu, den Bauernkrieg in eine teleologische Traditionslinie einzuordnen, die zur Gründung der sozialistischen DDR führte.
- Citation du texte
- Michael Ledwig (Auteur), 2021, Darstellung des Bauernkrieges in der Schulbuchliteratur. Vergleich DDR und BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158064