Plinius: ep. V, 8, 1-4

Übersetzung, Analyse und Erläuterung


Seminararbeit, 2005

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Allgemeines zu Plinius

3. Textauszug (Plinius ep. V, 8, 1-4)

4. Übersetzung

5. Kurze inhaltliche Zusammenfassung des gesamten Briefes V, 8

6. Erläuterung und Analyse des Textauszuges
6. 1. Überschrift
6. 2. Abschnitt 1
6. 3. Abschnitt 2
6. 4. Abschnitt 3
6. 5. Abschnitt 4

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

1. Vormerkungen

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Übersetzung, Analyse und Erläuterung des Textauszuges Plinius Epistulae V, 8, 1 – 4. Abschließend gehe ich kurz auf Plinius’ Absichten ein, die er mit diesem Brief verfolgt.

In meinen Erläuterungen habe ich die Bezugnahme auf die maßgeblichen Kommentatoren Döring und Sherwin-White immer gekennzeichnet, bei letzterem jedoch nicht unterschieden, ob ich die Informationen seinem ausführlichen Kommentar oder seiner Kurzfassung entnommen habe.

Auf Quellen und Parallelstellen anderer Autoren wird teilweise der Kürze halber nur verwiesen, wenn sie mir jedoch besonders wichtig erschienen, habe ich den lateinischen Text in meinen Kommentar aufgenommen.

Zu Beginn eines neuen Abschnittes habe ich kurz den jeweiligen Inhalt zusammengefasst.

Lateinische Wörter sind kursiv gesetzt, wenn sie kommentiert werden, sind sie zusätzlich fett gedruckt.

Die Bezeichnungen der Handschriften habe ich in Analogie zu den Siglen des Oxford-Textes von Mynors verwendet.

2. Allgemeines zu Plinius

Gaius Plinius Caecilius Secundus (im Folgenden stets ‚Plinius’) lebte in der frühen Kaiserzeit (ca. 61 – 113). Da sein Vater früh verstorben war, wurde er von seinem Onkel mütterlicherseits (Plinius maior) adoptiert und aufgezogen[1]. Plinius verehrte seinen Onkel auf Grund seines unermüdlichen Eifers sehr, da er neben seinen umfangreichen beruflichen Pflichten noch Zeit fand, sich Studien zu widmen und Bücher zu schreiben.[2]

Plinius’ literarisches Hauptwerk umfasst eine Sammlung von 247 „wohlstilisierten und glänzend durchkomponierten“[3] Briefen, die an verschiedene Adressaten gerichtet sind und eine Vielzahl von Themen aufweisen. Nach heutiger Ansicht handelt es sich bei diesen Briefen nicht um fiktive, sondern um wirklich abgeschickte Briefe, die aber von vornherein zur Veröffentlichung gedacht waren. Daher liegt es nahe, dass Plinius mehrere Ziele mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit verband[4]: Zum einen nutzte er die Briefe für den Informationsaustausch mit dem jeweiligen Adressaten, zum anderen wollte er damit der Nachwelt wichtige Ereignisse überliefern[5] und vermittelt damit gleichzeitig auch einen Einblick in den Lebensstil und die Denkweise der damaligen Zeit[6]. Darüber hinaus boten ihm diese Briefe eine günstige Gelegenheit zur Selbstdarstellung[7].

3. Textauszug: Plinius Epistula V, 8, 1-4

C. Plinius Titinio Capitoni Suo S.

1 Suades ut historiam scribam, et suades non solus: multi hoc me saepe monuerunt et ego volo, non quia commode facturum esse confidam (id enim temere credas nisi expertus), sed quia mihi pulchrum in primis videtur non pati occidere, quibus aeternitas debeatur, aliorumque famam cum sua extendere.

2 Me autem nihil aeque ac diuturnitatis amor et cupido sollicitat, res homine dignissima, eo praesertim qui nullius sibi conscius culpae posteritatis memoriam non reformidet.

3 Itaque diebus ac noctibus cogito, si ‘qua me quoque possim tollere humo’; id enim voto meo sufficit, illud supra votum ‘victorque virum volitare per ora’; ‘quamquam o--’: sed hoc satis est, quod prope sola historia polliceri videtur.

4 Orationi enim et carmini parva gratia, nisi eloquentia est summa: historia quoquo modo scripta delectat. Sunt enim homines natura curiosi, et quamlibet nuda rerum cognitione capiuntur, ut qui sermunculis etiam fabellisque ducantur. Me vero ad hoc studium impellit domesticum quoque exemplum. [...]

4. Übersetzung

Gaius Plinius grüßt seinen Titinius Capito

1 Du rätst mir, Geschichte zu schreiben und nicht du allein gibst mir den Rat: Viele haben mich oft dazu aufgefordert und ich will es auch, nicht weil ich glaube, dass ich es zufrie- denstellend machen werde (denn dies könnte man blindlings glauben, wenn man es nicht versucht hätte), sondern, weil es mir besonders schön erscheint, diejenigen, denen Unsterb- lichkeit gebührt, nicht untergehen zu lassen und den Ruhm anderer mit seinem zu verbrei- ten.
2 Mich aber reizt nichts so sehr wie die Begierde und das Verlangen nach einem andauern- den Fortleben, eine für einen Menschen äußerst würdige Sache, besonders für den, der sich keiner Schuld bewusst [ist und] das Andenken der Nachwelt nicht zu fürchten braucht.
3 Daher denke ich Tage und Nächte darüber nach, ob „ich mich irgendwie vom Boden erhe- ben könnte“; denn das genügt meinem Wunsch, das Folgende ginge über meinen Wunsch hinaus: „siegreich auch durch den Mund der Menschen umherzufliegen [siegreich auch in aller Munde zu sein]“; „freilich, oh, wenn doch…“: Aber das ist genug, was die Geschichtsschreibung fast allein zu versprechen scheint.
4 Denn Rede und Dichtung finden wenig Dank, wenn sie nicht höchste Ausdrucksfähigkeit besitzen: Geschichte erfreut, wie auch immer sie nur geschrieben worden ist. Denn die Menschen sind von Natur aus neugierig und werden durch noch so eine schmucklose Dar- stellung der Ereignisse gefesselt, so dass sie auch durch Anekdoten und Märchen angezo- gen werden. Mich treibt aber auch ein privates Beispiel zu dieser wissenschaftlichen Be- schäftigung an. […]

5. Kurze inhaltliche Zusammenfassung des gesamten Briefes V, 8

Der achte Brief des fünften Buches ist an Titinius Capito gerichtet, der Plinius aufgefordert hat, Geschichte zu schreiben. Plinius steht dem sehr aufgeschlossen gegenüber, denn er hält es für eine schöne Aufgabe, in einem historischen Werk die Taten berühmter Persönlichkeiten darzustellen, um so auch selbst durch literarischen Ruhm Unsterblichkeit zu erlangen (Abschnitte 1 - 3). Er fährt mit verschiedenen Gründen fort, die für oder gegen die Beschäftigung mit der Geschichtsschreibung sprechen (4 – 7), illustriert anhand von Beispielen aus seinem privaten Leben. Im Anschluss daran zeigt er die Unterschiede zwischen Redekunst und der Geschichtsschreibung auf und vermittelt dabei auch einen Eindruck von seiner Bedeutung als Gerichtsredner. Ferner macht er deutlich, dass eine gleichzeitige Beschäftigung mit der Überarbeitung seiner Prozessreden und der Verfassung von Geschichte für ihn nicht in Frage käme (8 – 11). Plinius schließt seinen Brief, indem er Titinius Capito auffordert, schon einmal nach einem geeigneten Thema für seine Geschichtsschreibung zu suchen, damit ihn nicht später „wieder ein anderer triftiger Grund“ vom Schreiben abhält (12 – 14).

6. Erklärung und Analyse des Textauszuges

6.1 Überschrift:

Der vorliegende Brief ist an Titinius Capito gerichtet. Obwohl weder die Handschrift M noch der Codex γ über dessen Nomen Gentile Auskunft geben, wird er in der Ausgabe von Mynors erwähnt. Sidonius Apollinaris[8] gibt in seinem Ep. 4, 22, 2 Tacitus als Empfänger dieses Briefes an. Da er aber laut Mommsen[9] ‚Plinius minor’ und ‚Plinius maior’ auf Grund des gemeinsamen Cognomens Secundus in Ep. 4, 3, 1 verwechselt, braucht Tacitus als Empfänger des Briefes nicht mehr in Betracht gezogen zu werden. Der Hinweis Ad Titinium Caepionem im Inhaltsverzeichnis der Handschrift B lässt jedoch den Schluss zu, dass tatsächlich Titinius gemeint und somit Mynors Version richtig ist.

[...]


[1] Vgl.: Plinius ep.V,8,5: avunculus meus idemque per adoptionem pater […]

[2] Vgl.: Plinius ep. III, 5

[3] Vgl.: Metzlers Lexikon Antiker Autoren, S.556

[4] Vgl.: ebd., S. 556 - 558

[5] z.B. der Vesuvausbruch in Ep. VI, 16 und 20 oder die Christenverfolgung in Ep. X, 96

[6] z.B. Plinius Villen in Ep. IX, 7 oder sein Verhältnis zu Sklaven in Ep. VIII, 16

[7] z.B. Schilderung seines Tagesablaufs in Ep. IX, 36

[8] „C. Sidonius Apollinaris war der bedeutendste lateinische Schriftsteller Galliens in der zweiten Hälfte des 5. Jhd. n. Chr.. Seine insgesamt 147 Briefe hat er auf neun Bücher verteilt, dies ausdrücklich nach dem Vorbild des Plinius.“ (Vgl.: RE)

[9] Vgl.: Sherwin-White, der in seinem Kommentar auf dessen Meinung Bezug nimmt

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Plinius: ep. V, 8, 1-4
Untertitel
Übersetzung, Analyse und Erläuterung
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Plinius, Briefe
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V115862
ISBN (eBook)
9783640171323
ISBN (Buch)
9783640173143
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plinius, Briefe
Arbeit zitieren
Karolin Büttner (Autor:in), 2005, Plinius: ep. V, 8, 1-4, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115862

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