Diese Arbeit beschäftigt sich mit institutioneller Gewalt am Beispiel von Pflegeeinrichtungen. Spezieller wird auf die pflegerische Beziehung und deren gewaltfördernde Wirkung eingegangen. Gewaltdelikte in der Pflege werden immer mehr in Öffentlichkeit und
Presse diskutiert. Für viele pflegebedürftige Individuen gehören Gewalterfahrungen zum Alltag. Die Hausarbeit versucht, ein allgemeines Bewusstsein für die Rolle von Gewalt und Machtmissbrauch im Pflegekontext zu schaffen. Sie soll dazu anregen, pflegerische Maßnahmen zu hinterfragen und zielt darauf ab, Individuen für die Position von Pflegebedürftigen in Einrichtungen und Gesellschaft zu sensibilisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gewalt und Pflege
2.1. Gewalt in Pflegeeinrichtungen
2.2. Formen von Gewalt im Pflegekontext
2.3. Herausforderungen des Pflegeberufs & gewaltbegünstigende Faktoren
3. Die asymmetrische Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten
4. Die Auswirkungen der pflegerischen Beziehung auf Gewaltanwendungen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen institutioneller Gewalt in Altenpflegeeinrichtungen, wobei der Fokus auf der spezifischen Dynamik der pflegerischen Beziehung und deren gewaltfördernden Potenzial liegt. Ziel ist es, ein tieferes Bewusstsein für Machtmissbrauch und die Abhängigkeitssituation von Pflegebedürftigen zu schaffen, um pflegerische Maßnahmen kritisch zu hinterfragen und die Sensibilität für die Bedürfnisse und Schutzlosigkeit alter Menschen zu erhöhen.
- Theoretische Fundierung des Gewalt- und Aggressionsbegriffs im Pflegekontext
- Analyse der Herausforderungen des Pflegeberufs und struktureller Risikofaktoren
- Untersuchung der asymmetrischen Machtverhältnisse in der Interaktion zwischen Pflegenden und Gepflegten
- Identifikation der Auswirkungen der Pflegebeziehung auf die Entstehung von Gewalt
Auszug aus dem Buch
Die asymmetrische Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten
Das pflegerische Verhältnis zeichnet sich aus durch eine Beziehung zwischen der beruflich pflegenden und der pflegebedürftigen Person. (vgl. Osterbrink / Andratsch 2015, S. 27). Wesentlich hierbei ist die „Beziehungsarbeit.“ (vgl. ebd.). Laut Osterbrink und Andratsch (2015) kann diese mitunter sehr anspruchsvoll für die Pflegenden sein. (Osterbrink / Andratsch 2015, S. 27). Es kann zwischen drei Beziehungsarten bzw. Gestaltungsarten unterschieden werden.
Die „persönliche Beziehung“ hat ihren Kern in der „zwischenmenschliche[n] persönliche[n]“ Ebene. (vgl. ebd.). Pflegende versuchen, „unter Berufung [ihres] Fachwissen[s] und Fähigkeiten“ individuell und situativ auf die zu pflegenden Personen einzugehen. (vgl. ebd.). Neben dem professionalen Aspekt wirken sich auch „Sympathie und Mitleid“ auf die Beziehung aus. (vgl. ebd.). Jedoch sei hier zu beachten, dass Pflegende trotzdem handlungsfähig bleiben und „gegenüber der pflegebedürftigen Person emotionale Distanz wahren“ sollen. (vgl. ebd.). Pflegende machen sich unter Umständen im Pflegeprozess selbst „verwundbar,“ je nachdem, wie sie die Beziehung zur Gepflegten Person gestalten. (vgl. ebd.).
Neben dem persönlichen Aspekt kann die „Pflegebeziehung“ auch als „kongruente Beziehung“ betrachtet werden. (vgl. ebd., S. 27). Das heißt, die Beziehung ist auf „die Erreichung eines Zieles gerichtet ist, nämlich das gemeinsame Pflegeziel.“ (vgl. ebd.). Gepflegte bringen ihren Pflegern und Pflegerinnen „Vertrauen“ entgegen, was zur „Genesung beitragen“ kann. (vgl. ebd., S. 28). Andererseits können Pflegende „im Gegenzug mit der Adhärenz (Mitwirkung) des [bzw. der] Pflegebedürftigen rechnen.“ (vgl. ebd.). Diese Mitwirkung kann entscheidend dafür sein, dass sich Pflegende in ihrer „Arbeit akzeptiert und durch den Pflegebedürftigen angenommen“ fühlen. (vgl. ebd.). Laut Autor und Autorin hat die Pflegebeziehung in diesem Falle die Problemlösung als Schwerpunkt. Die Pflege orientiert sich hier „am täglichen Leben des [Gepflegten] (Modell des Lebens).“ (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Gewalt in deutschen Altenpflegeeinrichtungen ein und benennt das Ziel der Arbeit, ein Bewusstsein für Machtmissbrauch und die pflegerische Beziehung zu schaffen.
2. Gewalt und Pflege: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung der Begriffe Gewalt und Aggression sowie eine differenzierte Betrachtung verschiedener Gewaltformen im institutionellen Alltag der Altenpflege.
3. Die asymmetrische Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten: Dieses Kapitel erläutert die ungleichen Machtverhältnisse zwischen professionellen Pflegenden und Pflegebedürftigen sowie die daraus resultierenden Abhängigkeiten.
4. Die Auswirkungen der pflegerischen Beziehung auf Gewaltanwendungen: Hier werden sechs spezifische Auswirkungen der Pflegebeziehung identifiziert, die gewaltfördernd auf die Interaktion wirken können.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert zukünftige Entwicklungen im Hinblick auf den Fachkräftemangel und eine steigende gesellschaftliche Transparenz.
Schlüsselwörter
Altenpflege, Institutionelle Gewalt, Pflegebeziehung, Machtmissbrauch, Struktur, Abhängigkeit, Gewaltprävention, Aggression, Pflegeethik, Machtasymmetrie, Pflegequalität, Menschenwürde, Fachkräftemangel, Interaktion, Bewohnerautonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema institutioneller Gewalt in Altenpflegeheimen und untersucht insbesondere, wie die Beziehungsgestaltung zwischen Pflegekräften und Pflegebedürftigen zur Entstehung von Gewalt beiträgt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die theoretische Definition von Gewalt, strukturelle Faktoren in Pflegeheimen, die asymmetrische Machtverteilung zwischen den Beteiligten sowie die Auswirkungen dieser Dynamiken auf das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für Machtmissbrauch zu wecken und dazu anzuregen, pflegerische Maßnahmen kritisch auf ihre Verhältnismäßigkeit und die Würde der Gepflegten hin zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Konzepte und aktuelle Forschungsergebnisse zur Gewalt in der Pflege zusammenführt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Gewalt und Aggression definiert, die verschiedenen Herausforderungen des Pflegeberufs analysiert und schließlich die asymmetrische Beziehung und deren gewaltfördernde Auswirkungen auf die Praxis beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Institutionelle Gewalt, Pflegebeziehung, Machtmissymmetrie, Bewohnerautonomie und die kritische Reflektion der Pflegepraxis.
Welche Bedeutung hat das Konzept der „totalen Institution“ für diese Arbeit?
Das Konzept beschreibt, wie stark strukturierte Institutionen die Individualität und Eigenständigkeit der Bewohner einschränken, was einen Nährboden für Machtmissbrauch und Gewaltanwendungen schaffen kann.
Warum wird die „Pflegebeziehung“ als zentrales Risiko für Gewalt genannt?
Da sie durch ein systemisches Machtungleichgewicht geprägt ist, in dem Pflegebedürftige von Entscheidungen des Pflegepersonals abhängig sind, entstehen schnell Hierarchien, die von Täterseite als rechtsfreier Raum für Übergriffe genutzt werden können.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Schary (Autor:in), 2021, Institutionelle Gewalt am Beispiel von Altenpflegeheimen. Wirkt sich die Art der Beziehung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen begünstigend auf die Entstehung von Gewalt aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158785