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Ein altes Argument im Mantel moderner Wissenschaft

Wie funktioniert "Intelligent Design"?

Title: Ein altes Argument im Mantel moderner Wissenschaft

Term Paper , 2008 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Philipp Stute (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit möchte ich die Faktoren darlegen, die meiner Meinung
nach als Hauptursachen für eine Wahrnehmung von „Intelligent Design“
als plausible und glaubwürdige „Wissenschaft“ zu verstehen sind. Dies
sind:
(a) Der falsche Eindruck, die Argumente des „Intelligent Design“ seien
neuartig. Ich werde die historischen Varianten des teleologischen
Argumentes aufzeigen und erläutern, dass dieses auch
die Grundlage der wichtigsten Konzepte des „ID“, „specified
complexity“ und „irreducible complexity“ bildet, die dadurch einen
zirkulären Charakter erhalten.
(b) Die Sprache der Biowissenschaften. Ich werde darstellen, wie
geschickt die „ID“-Vertreter an epistemologisch fragwürdige
Sprachregelungen, Metaphern und Modelle der „konventionellen“
Biowissenschaften anknüpfen und welch entscheidenden Beitrag
diese zur Zirkularität der „ID“-Argumente liefern.
Die Konzentration auf die beiden zentralen Konzepte des „Intelligent
Design“ und dessen wichtigste Apologeten ist sinnvoll, da fast alle
nachfolgenden Arbeiten von „ID“-Theoretikern, die in diesem Jahrzehnt
mit einem publizistischen Dauerfeuer den Markt überschwemmen, sich auf die Koryphäen ihrer Zunft berufen und sich größtenteils mit der
Multiplikation ihrer Argumenten zufriedengeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Bedingungen des „Intelligent Design“

2.1 Die Entstehung des „Intelligent Design“-Konzeptes

2.2 Das teleologische Argument

2.3 „Design“ in der Sprache der Wissenschaft

2.3.1 Metaphern der Evolutionstheorie

2.3.2 Metaphern der Molekularbiologie

3. Eine Kritik der zentralen Argumente des „Intelligent Design“

3.1 „Specified complexity”

3.1.1 Funktion und Probleme

3.1.2 Implikationen

3.2 „Irreducible complexity”

3.2.1 Funktion und Probleme

3.2.2 Implikationen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, warum „Intelligent Design“ trotz fehlender wissenschaftlicher Basis als plausibel wahrgenommen wird. Dabei wird die These vertreten, dass die Bewegung geschickt an teleologische Metaphern und mechanistische Modelle der Biowissenschaften anknüpft, um ihre zirkuläre Argumentation zu kaschieren.

  • Historische Herleitung des teleologischen Arguments
  • Analyse der Sprachregeln und Metaphern in der Biologie
  • Kritische Untersuchung von „Specified complexity“
  • Kritische Untersuchung von „Irreducible complexity“
  • Aufdeckung der zirkulären Logik der „ID“-Bewegung

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Implikationen

Das Konzept der „specified complexity“

P: Das komplexe Spezifität in einem naturalistischen Sinne spontan aus dem Nichts entsteht, ist nach mathematischen Berechnungen nahezu unmöglich.

K: Komplexe Spezifität ist durch einen Designer entstanden.

ist nur unter Berücksichtigung der impliziten Prämisse

P1: Komplexe Spezifität kann nur im naturalistischen Sinne spontan aus dem Nichts oder durch einen Designer entstanden sein.

gültig und unterliegt somit dem Fehlschluss einer falschen Dichotomie, da die Möglichkeit einer spontanen Entstehung komplex-spezifischer Strukturen nicht die einzige und bei weitem nicht die verbreitetste Erklärung ihrer Entstehung ist und die Alternative einer nichtspontanen Entstehung schlicht ignoriert wird.

Aus Dembskis verfeinertem Konzept der „complex specified information“ ergibt sich nun aber ein anderes logisches Problem. Das Argument lautet:

P: In genetischen Informationen sind komplexe Muster enthalten, die spezifische Funktionen bedingen, welche sich unabhängig vom System, in dem sie enthalten sind, identifizieren lassen.

K: Komplexe spezifische Information kann nur durch einen intelligenten Designer entstanden sein.

Es erlangt seine Gültigkeit nur durch den Einsatz der impliziten Prämisse

P1: Spezifische Funktionen in der Natur sind offenkundig durch Intelligenz geplant.

Das Argument ist zirkulär, man kann die Konklusion eines intelligenten Designers nur dann für wahr halten, wenn man ohnehin schon von dessen Existenz anhand der Sinnhaftigkeit der Natur überzeugt ist. Es handelt sich lediglich um das alte teleologische Argument in neuem Gewand.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkungen: Einführung in das Thema „Intelligent Design“, dessen Verbreitung in den USA und dessen Status als Herausforderung für ein säkulares Wissenschaftsverständnis.

2. Bedingungen des „Intelligent Design“: Skizzierung der Geschichte des Konzepts, des teleologischen Arguments sowie der Bedeutung von Metaphern in den Biowissenschaften.

3. Eine Kritik der zentralen Argumente des „Intelligent Design“: Kritische Analyse der Kernkonzepte „specified complexity“ und „irreducible complexity“ hinsichtlich ihrer logischen Struktur und der Ausnutzung biowissenschaftlicher Sprachregelungen.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der „ID“-Bewegung als zirkuläre Argumentation, die bestehende metawissenschaftliche Metaphern nutzt, um einen wissenschaftlichen Anschein zu erwecken.

Schlüsselwörter

Intelligent Design, Kreationismus, Teleologie, Specified complexity, Irreducible complexity, Evolutionstheorie, Molekularbiologie, Wissenschaftskritik, Metaphern, Genetische Information, William A. Dembski, Michael J. Behe, Teleologisches Argument, Wissenschaftstheorie, Säkularisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen „Intelligent Design“ und untersucht, warum es trotz wissenschaftlicher Unhaltbarkeit von vielen Menschen als plausible Theorie angesehen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die historische Einordnung teleologischer Argumente, der Einfluss sprachlicher Metaphern in der Biologie sowie eine logische Dekonstruktion der Argumente von Vertretern wie William A. Dembski und Michael J. Behe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass „Intelligent Design“ lediglich das klassische teleologische Argument in einem modernen, molekularbiologischen Gewand wiedergibt und auf Zirkelschlüssen basiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische und wissenschaftstheoretische Analyse, die Argumentationsmuster identifiziert, kritisch hinterfragt und auf ihre impliziten Voraussetzungen hin prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Kritik der Konzepte „specified complexity“ und „irreducible complexity“ unter Einbezug linguistischer Analysen und evolutionsbiologischer Fakten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Intelligent Design, Teleologie, Metaphern, Zirkelschluss, specified complexity und irreducible complexity.

Welche Rolle spielen Metaphern für den Erfolg von Intelligent Design?

Metaphern wie „genetischer Code“ oder „Zellmaschine“ suggerieren ein zielgerichtetes Design. Die Arbeit argumentiert, dass ID-Vertreter diese Metaphern wörtlich nehmen und dadurch ihre pseudowissenschaftlichen Thesen plausibel erscheinen lassen.

Warum wird das Argument der „irreducible complexity“ als zirkulär bezeichnet?

Das Argument setzt bereits voraus, dass eine Struktur konstruiert ist (als Maschine), um daraus zu folgern, dass sie einen Konstrukteur benötigt, womit die Schlussfolgerung bereits in der Prämisse enthalten ist.

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Details

Title
Ein altes Argument im Mantel moderner Wissenschaft
Subtitle
Wie funktioniert "Intelligent Design"?
College
Bielefeld University
Course
Seminar "Gott und Evolution"
Grade
1,0
Author
Philipp Stute (Author)
Publication Year
2008
Pages
32
Catalog Number
V115894
ISBN (eBook)
9783640176205
ISBN (Book)
9783640176229
Language
German
Tags
Argument Mantel Wissenschaft Seminar Gott Evolution Kreationismus Intelligent Design Evolutionstheorie Darwinismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Stute (Author), 2008, Ein altes Argument im Mantel moderner Wissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115894
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