Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich in einen theoretischen und in einen empirischen Teil. Zu Beginn beschäftige ich mich mit den theoretischen Fundamenten von Rassismus, welche eine essentielle Unabdingbarkeit sowie eine bessere Nachvollziehbarkeit meiner Forschungsfrage implizieren. Des Weiteren folgt eine Darlegung der vielschichtigen und facettenreichen Erscheinungsformen von Rassismus und wird mit dem bittersüßen Rassismus abgeschlossen, der die zentrale Rolle in meiner Bachelorarbeit einnimmt.
Im darauffolgenden Kapitel widme ich mich der Begrifflichkeit der Mehrheitsgesellschaft. Da sich meine Sozialisation und Lebensführung auf Deutschland zurückzuführen lässt, beziehe ich mich auf die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland und greife im anschließenden Gliederungspunkt den Zusammenhang zwischen Rassismus und
Deutschland auf. Diesbezüglich nehme ich in Anlehnung an die Autorin Tupoka Ogette Bezug auf das Ausblenden beziehungsweise das Nicht-Eingestehen rassistischer Denkstrukturen in der Eigen- sowie Fremdwahrnehmung.
Auf dieser Grundlage, erörtere ich welche Normvorstellungen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft wie der deutschen verankert und immer noch gegenwärtig vorzufinden sind. Essentiell dafür ist für mich die thematische Auseinandersetzung mit dem kritischem Weiß-Sein, der einen bedeutungsvollen Aspekt in der Critical Whiteness Studie
einnimmt. Das Ziel, welches damit verfolgt wird, betrifft die reflexive Beschäftigung mit der weißen Norm sowie der eigenen weißen Identität, welche von der Mehrheit einer Bevölkerung nur unzureichend hinterfragt wird.
Im darauffolgenden Kapitel werde ich daher die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen und People of Color in Deutschland näher beleuchten. Es soll darüber Aufschluss geboten werden, wie problematisch der Alltag von rassialisierten Menschen im sozialen Miteinander ist und mit welchen Schwierigkeiten sie sich tagtäglich konfrontiert sehen.
Im Anschluss folgen erste Hypothesen, welche auf Basis der von mir verwendeten Literatur gebildet wurden. Ferner folgt eine Darstellung der ausgewählten Methodik – das Leitfadeninterview. Die von mir durchgeführten Interviews sollen zu einer Beantwortung meiner Fragestellung verhelfen und auf Grundlage der ausgewählten Theorie ausgewertet werden. Anschließend erfolgt ein Zusammentragen der Untersuchungsergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
I THEORETISCHER TEIL
2 BEGRIFFLICHE DEFINITION
2.1 DER BEGRIFF PEOPLE OF COLOR
2.2 DER RASSENBEGRIFF
2.3 RASSISMUS
2.3.1 Die Facetten von Rassismus
2.3.2 Der strukturelle Rassismus
2.3.3 Der institutionelle Rassismus
2.3.4 Der Alltagsrassismus
2.3.5 Der bittersüße Rassismus
2.4 DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN RASSISMUS UND SPRACHE
2.4.1 Die Auswirkungen von rassistischer Sprache auf People of Color
2.4.2 Der erstrebenswerte Umgang mit rassistischer Sprache
3. DIE GESELLSCHAFT (IN DEUTSCHLAND)
3.1. MEHRHEITSGESELLSCHAFT GLEICH DOMINANZGESELLSCHAFT
3.2 DEUTSCHLAND UND RASSISMUS
3.3 HAPPYLAND – EINE WELT OHNE RASSISMUS
3.4 DIE WEIßE NORM ALS MEHRHEITSGESELLSCHAFT
3.5 DIE KRITISCHE BETRACHTUNGSWEISE DER WEIßEN NORM – CRITICAL WHITENESS
3.6 DIE LEBENSREALITÄTEN VON PEOPLE OF COLOR IN DEUTSCHLAND
II METHODISCHER TEIL
4 FRAGESTELLUNG UND FORSCHUNGSINTERESSE
4.1 FORSCHUNGSSTAND
4.1.1 Studie zu Rassismus und Schwarze Menschen/People of Color in Deutschland
4.1.2 Auszüge aus einer Fachtagung
4.2 KOMMENTAR ZUM FORSCHUNGSSTAND
4.3 REFLEXION UNTER (FORSCHUNGS‐) ETHISCHEN GRUNDSÄTZEN
5 METHODOLOGISCHE POSITIONIERUNG
5.1 FORSCHUNGSFELD
5.2 DIE ERHEBUNGSMETHODE
5.2.1 Das Leitfadeninterview
5.2.2 Begründung für den Leitfaden
5.2.3 Der Leitfragebogen
6 DIE UNTERSUCHUNG, AUFBEREITUNG UND AUSWERTUNG
6.1 DIE STICHPROBE
6.2 DIE VORBEREITUNG DER UNTERSUCHUNG
6.3 DIE DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNGSSITUATION
6.4 DIE AUFBEREITUNGSMETHODE
6.5 DIE AUSWERTUNGSMETHODE
7 ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG UND RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich bittersüßer Rassismus durch Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft auf People of Color auswirkt und welche emotionalen sowie lebensweltlichen Konsequenzen daraus resultieren. Ziel ist es, ein Bewusstsein für diese subtilen, vermeintlich positiven Rassismusformen zu schaffen und die Perspektiven betroffener Personen sichtbar zu machen.
- Bittersüßer Rassismus und seine Auswirkungen auf People of Color
- Die weiße Norm und Critical Whiteness in der deutschen Gesellschaft
- Rassistische Sprachmuster und deren subtile Gewalt
- Qualitative Analyse von Rassismuserfahrungen im Alltag
- Empowerment und Bewältigungsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.3.5 Der bittersüße Rassismus
Hingegen der bereits beschriebenen Dimensionen von Rassismus, welche eindeutig die Markierung und die Unterscheidungen fokussieren, beschreibt folgende Form eine skurrile Kontroverse im Rassismus. Zunächst verwende ich in Anlehnung an Noah Sow, eine deutsche Theoretikerin und Autorin, beabsichtigt die Begrifflichkeit Positivrassismus. Dies begründe ich mit der in Deutschland unzureichend ausgereiften Etablierung des Begriffs bittersüßer Rassismus. Jedoch ist festzuhalten, dass diese Begrifflichkeit gleichzusetzen mit Positivrassismus ist. Im Folgenden nehme ich Bezug auf die Erklärung der Begrifflichkeit bittersüßer Rassismus, welche ich selbst in meiner Bachelorarbeit verwende, da ich der Meinung bin, dass bittersüßer Rassismus den vorliegenden Zustand adäquater beschreibt.
Noah Sow verweist in ihrem Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ darauf, dass positiver Rassismus so gesehen nicht existiert. Sie begründet ihre Aussage damit, dass Menschen, welche Rassismus erfahren, eine rassistische Handlung nie mit einer positiven Konnotierung bewerten würden. Rassismus nimmt eine dominierende Einteilung vor, indem Menschen Eigenschaften zugeordnet werden, die nichts mit der Persönlichkeit gemein haben, sondern auf die vermeintliche Abstammung hinweisen (vgl. Sow 2018, S. 90). Diese Zuschreibungen von Eigenschaften, sollten unterbunden werden, gleichwohl welche Motivation sich dahinter verbirgt.
Der Begriff Positivrassismus wird beispielsweise dann verwendet, wenn man pauschal davon ausgeht, dass alle Schwarze Menschen und People of Color hervorragende Tänzer*innen und Sänger*innen seien, da ihnen das musikalische Talent im „Blut“ liegt und ihnen das in die „Wiege“ gelegt wurde (vgl. ebd., S. 91). Wenn dann zusätzlich noch die Aufforderung folgt, etwas vor einem Publikum vorzutragen, stellt das für viele betroffene Personen eine prekäre Situation dar. So wird fälschlicher Weise Positivrassismus aus Sicht der weißen Bevölkerung als vermeintlich „nett“ und als Kompliment verstanden (vgl. Sow 2018, S. 91). Die Annahme, dass diese Assoziation nichts mit den anderen Formen von Rassismus gemein hat ist schlichtweg falsch, denn eine Form von Rassismus kann nicht separiert von anderen Formen von Rassismus betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Relevanz von Rassismus im 21. Jahrhundert ein, definiert bittersüßen Rassismus als unterschwellige Form der Diskriminierung und erläutert die Motivation der Arbeit.
2 BEGRIFFLICHE DEFINITION: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie People of Color, Rassismus, strukturellen, institutionellen und Alltagsrassismus, um ein fundiertes Verständnis der Rassismusthematik zu schaffen.
3. DIE GESELLSCHAFT (IN DEUTSCHLAND): Hier werden die gesellschaftlichen Normen, die Rolle der weißen Dominanzgesellschaft und das Konzept des "Happyland" sowie Critical Whiteness diskutiert.
4 FRAGESTELLUNG UND FORSCHUNGSINTERESSE: Das Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, die Forschungsfrage sowie den aktuellen Forschungsstand und ethische Grundlagen für die qualitative Untersuchung.
5 METHODOLOGISCHE POSITIONIERUNG: Es wird die Entscheidung für qualitative Leitfadeninterviews begründet, um die subjektiven Lebensrealitäten und Erfahrungen der Zielgruppe präzise zu erfassen.
6 DIE UNTERSUCHUNG, AUFBEREITUNG UND AUSWERTUNG: Die methodische Durchführung, Auswahl der Stichprobe, Transkription und die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring werden beschrieben.
7 ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG UND RESÜMEE: Die Ergebnisse aus den geführten Interviews werden zusammengetragen, kritisch reflektiert und in einem Resümee bewertet.
Schlüsselwörter
Bittersüßer Rassismus, People of Color, Positivrassismus, Alltagsrassismus, Weiße Norm, Critical Whiteness, Empowerment, Diskriminierung, Qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, Rassismusforschung, Rassismuskritik, Sozialisation, Identität, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit bittersüßem Rassismus auseinander, einer Form von Rassismus, die durch vermeintlich positive Zuschreibungen gegenüber People of Color durch die weiße Mehrheitsgesellschaft in Deutschland ausgeübt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Fundamente von Rassismus, die Rolle der weißen Norm, die Auswirkungen rassistischer Sprache sowie die Analyse von persönlichen Rassismuserfahrungen in qualitativen Interviews.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: "Welche Auswirkungen hat der bittersüße Rassismus auf People of Color in Deutschland?" Ziel ist es, die emotionalen und lebensweltlichen Konsequenzen dieser Form der Diskriminierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsstrategie gewählt. Die Datenerhebung erfolgt über Leitfadeninterviews, die Auswertung wird mittels qualitativer Inhaltsanalyse vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, der Definitionen und gesellschaftliche Konzepte wie Critical Whiteness behandelt, sowie einen empirischen Teil, der die Durchführung, Aufbereitung und Auswertung der Interviews umfasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bittersüßer Rassismus, People of Color, Alltagsrassismus, Critical Whiteness und qualitative Inhaltsanalyse charakterisieren.
Was unterscheidet bittersüßen Rassismus vom klassischen Rassismus?
Im Gegensatz zum offen diskriminierenden "Negativrassismus" tarnt sich der bittersüße Rassismus als Kompliment oder vermeintlich positive Eigenschaft. Er reduziert Menschen auf körperliche Merkmale oder Stereotype und ist daher für Außenstehende oft schwieriger als rassistisch zu entlarven.
Warum bezieht sich die Arbeit auf den Begriff "Happyland"?
Der Begriff "Happyland" nach Tupoka Ogette beschreibt einen Zustand der weißen Mehrheitsgesellschaft, in dem Rassismus negiert oder als unbewusste Verfehlung abgetan wird, um sich der reflexiven Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien zu entziehen.
- Quote paper
- Marthe Gujamo (Author), 2019, Bittersüßer Rassismus durch Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft und die Auswirkungen auf People of Color, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1159210