Ursprünge und Gründe für die Entstehung des griechischen Münzwesens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Vorläufer und Ursprünge der Münzentwicklung
2.1 Prämonetäre Objekte mit Geldfunktionen
2.2 Ursprung und Verbreitung des Münzgeldes
2.3 Gründe für die Einführung des Münzgeldes in Griechenland
2.3.1 Handel
2.3.2 Die polis als Ursprung der Münze

3 Fazit

4 Bibliographie
Sekundärliteratur

Quellen

1 Einführung

Als mit der Einführung des Euros als gemeinsame Währung für die Eurozone im Jahre 2002 gleichzeitig die 2700-jährige Geschichte der ältesten Währung Europas, der Drachme, endete, entschloss sich Griechenland bei der Ausgestaltung seiner 1€-Münze für ein Münzbild, welches diese Tradition jedoch fortführt. Mit der attischen Eule kehrt ein Münzbild in den europäischen Zahlungsverkehr zurück, welches schon vor mehr als 2000 Jahren den Mittelmeerraum verband und somit schon einmal Sinnbild des damaligen geeinten Europas war.

Diese bis in das fünfte bis vierte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückreichende Tradition der athenischen Eule als Münzbild soll als Anlass dienen, im Rahmen der Gesamtbetrachtung der antiken Wirtschaftsgeschichte, der Problematik der Entstehung des Münzgeldes im antiken Griechenland nachzugehen.

Im ersten Abschnitt der Hausarbeit sollen die prämonetären Geldformen und der damit verbundene Tauschhandel thematisiert werden. Die so erarbeiteten Grundlagen zum Tauschhandel sollen in der Folge als Basis dienen, um die Innovation bei der Prägung von Münzen zu verdeutlichen.

Ausgehend von diesen Betrachtungen wird im dritten Teil der Hausarbeit der zentralen Frage nachgegangen, worin die Motive lagen, die letztendlich zur Einführung des Münzgeldes im Griechenland der Antike führten. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Ausbreitung des Münzgeldes im Mittelmeerraum in der Antike eingegangen werden. Unter Einbeziehung der Werke klassischer Autoren wie Herodot oder Aristoteles geht die Hausarbeit dabei den möglichen Gründen für die Einführung und Nutzung von Münzgeld innerhalb der antiken griechischen Polis nach.

Innerhalb der genutzten Forschungsliteratur lassen sich dabei drei verschiedene Erklärungsansätze ausmachen. Die ältere Theorie zum Ursprung des Münzgeldes geht dabei gestützt auf die Aufzeichnungen von Aristoteles oder auch Herodot sowie nach Auswertung der Hordenfunde davon aus, dass die Einführung des Münzgeldes vergleichbar mit seiner heutigen Verwendung im rein wirtschaftlichen Bereich zu verorten ist. Als Beispiel seien hierfür die Werke von Hirmer, Göbl oder auch Christ aus der Mitte des letzten Jahrhunderts angeführt. Etwa zur gleichen Zeit beginnt sich die historische Forschung kritisch mit der Handelstheorie auseinanderzusetzen und sieht die Ursprünge für das Aufkommen des Münzgeldes im antiken Griechenland vielmehr in einem engen Zusammenhang mit der fortschreitenden Entwicklung der polis mit ihren politischen und sozialen Eigenschaften. Die Prägung von Münzen wird nunmehr als ein Instrument innerhalb der Urbanisierung der griechischen Stadtstaaten gesehen, welches dazu diente, die neuen Herausforderungen im Verwaltungsbereich zu bewältigen. Entscheidend im Hinblick auf die Kritik an der Handelstheorie war dabei die vor allem die, durch Moses I. Finleys Werk „The Ancient Economy“ von 1973 ausgelöste, Diskussion bezüglich des Wesens der antiken Wirtschaft. Hierbei wendet er sich gegen die damalig existierende, seiner Meinung nach zu modernistische Betrachtung der antiken Wirtschaft. Innerhalb der „modernist/primitivst controversy“ kritisierte er den Ansatz, bei der Analyse der Wirtschaft und damit verbunden der Geldwirtschaft auf die heute herrschenden Verhältnisse als Vergleichspunkt zurückzugreifen. Denn die Dynamik der antiken Wirtschaft würde nicht durch rein ökonomische Interessen bestimmt, sondern viel eher von gesellschaftlichen Interessen, da die Wirtschaft nur als eine andere Form von sozialen Beziehungen bewertet wurde.

Zusätzlich vertreten Forscher wie Will, Seaford oder auch Martin die Ansicht, dass vor allem die auf Gleichheit innerhalb den gegenseitigen Beziehungen der Bürger untereinander fußende interne Struktur der polis durch die Geldstücke bewahrt werden sollte. Diese eher geistesgeschichtliche orientierte Erklärung findet auch Bezugspunkte zur dritten Hypothese, welche jedoch innerhalb der neueren Literatur weniger beachtet wird.

Dabei handelt es sich um die von Bernhard Laum 1924 veröffentliche Schrift mit dem Titel „Heiliges Geld“, welche die Ursprünge des Geldes im sakralen Bereich ansiedelt.

Beide Theorien, sowohl die auf den Handel rekurrierende als auch die sich auf die polis stützende Hypothese, existieren seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts parallel.

Angesichts der großen Menge an möglichen Einflussfaktoren und der Größe des zu untersuchenden Gebietes wird in den Werken von Seaford, Schaps und Kim, welche gegen Ende des 20 Jahrhunderts erscheinen, davon abgegangen, dass eine allgemeingültige Theorie für die Entstehung der Münze überhaupt zu erarbeiten ist.

2 Vorläufer und Ursprünge der Münzentwicklung

In den folgenden Abschnitten sollen im Hinblick auf die anschließende Fragestellung bezüglich der Gründe für die Einführung von Münzprägungen innerhalb des griechischen Mittelmeerraumes sowohl die prämonetären Geldobjekte betrachtet werden als auch der Ursprung der ersten Münzprägung im Mittelmeerraum aufgezeigt werden.

2.1 Prämonetäre Objekte mit Geldfunktionen

„[…] für jedes Besitzstück gibt es eine doppelte Verwendung. Jede ist Verwendung des Dings als solchen, aber nicht der nicht in derselben Weise, sondern die eine ist dem Ding eigentümlich , die andere nicht, so etwa beim Schuh das Anziehen und die Verwendung zum Tausch. Beides ist Verwendung des Schuhs.“[1]

Dieses Zitat aus der „Politik“ des Aristoteles gibt Auskunft über die Entwicklung innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen im antiken Griechenland, die sich vor der Einführung der Münzen in den griechischen Stadtstaaten in der zweiten Hälfte des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts vollzogen hat. Gibt es hinsichtlich des Zeitpunktes der Einführung von Münzen und bei der Frage über mögliche Beweggründe für deren Einführung zahlreiche Erklärungsansätze innerhalb der Forschung, so scheinen die Erkenntnisse über den Ablauf dieser Entwicklung gesichert. Dabei ist natürlich zu beachten, dass man nicht von einer allgemeingültigen geradlinigen Stufenentwicklung ausgehen kann, sondern es sich vielmehr um eine ungefähre Abfolge handelt, welche jeweils regionale Unterschiede hinsichtlich der zeitlichen Abläufe aufweisen kann. Eines der ersten Objekte, welches nach dem reinen Tauschhandel als ein prämonetäres Zahlungsmittel bestimmt werden kann, ist das Vieh[2], welches unter anderem neben dem Getreide von Göbl zum Naturalgeld gezählt wird.[3] Ein Beleg für die Funktion des Rindes als vergleichender Wertmesser findet sich bereits bei Homer sowohl in der Odyssee[4] als auch in der Ilias:

„ Doch den Glaukos erregte Zeus, daß er ohne Besinnung gegen den Held Diomedes die Rüstungen, goldne mit ehrnen, wechselte, hundert Farren sie wert, neun Farren die andern.“[5]

Daneben findet man in der Ilias auch Beispiele für seine Rolle als Zahlungsmittel:

„Mit Rindern und Häuten bezahlte man unter anderem den Wein. Den Agamemnon und Menelaos an die Griechen verkauften.“[6]

Somit kann man das Vieh als eine Vorstufe innerhalb der Entwicklung des Geldes bestimmen, übernimmt es doch innerhalb dieser Beschreibung die Funktionen als „unit of value measure“ und als „unit of account“ ein, welche unter anderem bei Davies[7] als einige der Grundcharakteristika von Geld anzusehen sind. Zusätzlich erscheint bereits im neunten Gesang der Ilias eine Wertbeschreibung, in der schon die Rede von Metallgerätschaften ist, welche als Gerätegeld[8] als eine weitere Entwicklungsphase angesehen werden.

„Allen umher nun will ich die herrlichen Gaben benennen: Zehn Talente des Goldes, dazu dreifüßiger Kessel sieben vom Feuer noch rein, und zwanzig schimmernde Becken; Auch zwölf mächtige Rosse, gekrönt mit Preisen des Wettlaufs. Wohl nicht dürftig wäre der Mann, dem so vieles geworden, und nicht arm an Schätzen des hochgepriesenen Goldes“ [9]

Neben der Verwendung von Kesseln als Zahlungsmitteln findet sich auch der Gebrauch von Äxten und Spaten als Tauschmittel. Dabei zahlte man zunächst noch mit Rohformen, welche nutzbar gemacht werden konnten und in einem weiteren Schritt griff man nur noch auf symbolische Formen zurück[10]. Dazu gehören auch die häufig als mögliche Vorläufer des Münzgeldes diskutieren obeloi, welche unter anderem von Storm als solche angesehen werden.[11] Ein großer Vorteil dieser Wertformen gegenüber Vieh ist es, das sie eine größere Haltbarkeit haben, sehr viel leichter zu transportieren sind und zudem über einen längeren Zeitraum hinweg die Möglichkeit bieten „of storing wealth“[12], da ihre Qualität relativ konstant bleibt.[13] Im Zuge des zunehmenden Verzichts auf die Gebrauchsformen dieser Gegenstände[14] ging man dazu über, Metalle in Barren oder ähnlich Formen standardisiert abzuwiegen, welche dann im Handel eingesetzt wurden. Vor allem Kim sieht die Barren als wichtige Grundvoraussetzung für die später erfolgende Prägung von Münzen seitens der poleis. Denn durch die vorherige Verwendung von Silberbarren für deren Gewicht garantiert wurde, bestanden bereits Wertstandards welche eine wichtige Basis für die bildete die rasche Verbreitung der Münze darstellten. Denn: „Coinage should be seen not so much as a radically new invention, but as a formalisation of the use of silver bullion.”[15]

Die Einführung dieser Silberbarren[16] hob sich im Rahmen der Entwicklung des Geldes von der Tauschwirtschaft hin zur Geldwirtschaft maßgeblich von den vorherigen prämonetären Geldformen ab, lässt man die erwähnten Symbolformen des Gerätegeldes außen vor. Denn während eine Kuh, so wie der bei Aristoteles eingangs angeführte Schuh, über zwei Verwendungen verfügt, ist dies bei Silberbarren, wie auch bei Münzen oder Geldscheinen heutzutage, nicht länger der Fall. Dadurch kommt es dazu, dass der innere Wert nicht dem äußeren Wert entspricht[17]. Vielmehr besteht jetzt der Wert des Tauschmittels nicht länger in seiner Fähigkeit ein bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen oder einen Gebrauchswert aufzuweisen, sondern in „for its power to meet social obligation“, eine der grundlegenden Eigenschaften für Geld.[18]

2.2 Ursprung und Verbreitung des Münzgeldes

Obgleich Kim, wie angeführt, die Einführung von Münzen im antiken Griechenland als konsequente Weiterentwicklung auf der Grundlage der bestehenden Werte und Maße durch die Verwendung der Silberbarren sieht, erwächst allein aus der Betrachtung der Entstehung der Münzen im Mittelmeerraum erneut die Frage nach den Gründen.

Denn auch wenn zahlreiche Forscher für die Griechen innerhalb der Geldgeschichte einen besonderen Rang beanspruchen[19], sind sie nicht die Erfinder des Münzgeldes. Schon antike Quellen wie Herodot verweisen auf das Reich der Lyder als Ursprung der ersten Münzen. So findet sich in den Historien der berühmte Satz, wonach:

„Als die ersten der Menschen, von denen wir wissen, haben die Lyder Münzen aus Gold und Silber geprägt.“[20]

Auch archäologische Funde im Tempel der Artemis von Ephesos bestätigen die Existenz von Münzen mit dem Siegel des Stifters, dem lydischen König.[21] Im Gegensatz zu den Silbermünzen, waren diese Prägungen jedoch noch aus Elektron.[22] Hierbei handelte es sich um eine Legierung aus Gold und Silber, welche vor allem im kleinasiatischen Raum zu finden war. Die daraus gefertigten lydischen Münzen waren kleine bildlose Klümpchen, auf denen siegelbildähnliche Bilder der lydischen Könige sowie der großen griechischen poleis an der Westküste Kleinasiens zu finden waren.[23] Wie bereits bei den Silberbarren garantierte der Stempel der staatlichen Autorität für den Wert der Münze.[24] Diese Prägegarantie war umso wichtiger, da der Goldgehalt der einzelnen Münzen stark schwanken konnte[25] und somit nur eine Wertgarantie die Akzeptanz der Münze sichern konnte.

[...]


[1] Aristot. Pol. 1257 a 5-10

[2] Carradice, S. 20 ; Schönert-Geiss S. 406

[3] Göbl, S. 142

[4] Hom. Od. I,430ff.

[5] Hom. Il.; VI, 235

[6] Hom. Il. VII, 474

[7] Davies, S.29

[8] Christ, S.215

[9] Hom. Il. IX, 120 ff.

[10] Göbl,S.142

[11] Størm, S. 50

[12] Seaford, S.18

[13] Göbl. S 143

[14] Schönert-Geiss, S.413; Christ, S.125

[15] Kim, S.18ff.

[16] Schönert-Geiss, S.408

[17] Göbl, S.145 und Carradice, S. 20

[18] Seaford, S. 16

[19] Balmuth, S.293; Christ, S.214

[20] Herodot, I, 94

[21] Högemann, S.5

[22] Strøm, S.41

[23] Christ, S.216

[24] Seaford, S. 132

[25] Der Goldanteil konnte zwischen 40% und 70% liegen.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ursprünge und Gründe für die Entstehung des griechischen Münzwesens
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V115928
ISBN (eBook)
9783640174065
ISBN (Buch)
9783640174256
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursprünge, Gründe, Entstehung, Münzwesens
Arbeit zitieren
Lars Degen (Autor:in), 2005, Ursprünge und Gründe für die Entstehung des griechischen Münzwesens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115928

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