Die vorliegende Arbeit ist eine Annäherung an die Aufführung des Theaterstückes "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia" vom Regisseur Rene Pollesch, ; eine Annäherung an den Aspekt seines speziellen Einsatzes der Sprache in der Inszenierung.
Das Theaterstück wurde an der Volksbühne Berlin am 18.01.2012 uraufgeführt. "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia" ist charakteristisch für das postdramatische Theater. Die Sprache wird vom Regisseur als wichtiges Bühnenelement gesehen. Indem er die traditionelle Einheit der Bühnenfigur bricht, schafft Pollesch ein Schauspiel in dem die Schauspieler_innen einerseits als reine "talking heads" auf der Bühne agieren, andererseits eine davon getrennte Körperlichkeit ausleben. Als Sprachcollage strukturiert, welche durch unterschiedliche Sprachstile zu einem fast ununterbrochenen Monolog zusammengefügt wird, als Widerspruch zum Bühnengeschehen, verursacht die Sprache einen Bruch.
Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, werde ich mich nur auf den Aspekt des Widerspruchs zwischen der Sprache und dem Bühnengeschehen, der implizit auch die Theatersituation problematisiert, konzentrieren.
Dabei möchte ich die leitende Frage, wie die Theatersituation durch den ästhetischen Einsatz der Sprache infrage gestellt wird, behandeln sowie die daraus folgenden Fragen nach der Thematisierung der Produktionsbedingungen im Theater.
In den folgenden Kapiteln werden der Gegenstand und methodisches Vorgehen der Forschung untersucht, eine Teilanalyse der Aufführung, mit Schwerpunkt auf dem Gebrauch der Sprache als ästhetisches Mittel in der Anfangsszene, unternommen und zum Schluss erfolgt ein Ver- such die Aufführung und den Prozess der Analyse zu reflektieren und zu kontextualisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Was bleibt? Überlegungen zur Aufführung
2.1 Ein paradoxes Ereignis
2.2 Methodische Anmerkungen zur Aufführungsanalyse
3. Bruchstücke
3.1 Das Spiel mit der Sprache
3.2 Eine ästhetische Erfahrung
4. Über das eigene Leben denken
4.1 Reflexionen über die Auseinandersetzung mit dem Theater Polleschs
4.2 Das Theater neu denken
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Theaterstück "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia" von René Pollesch auseinander, mit dem primären Ziel, den spezifischen Einsatz von Sprache als ästhetisches Mittel zu untersuchen und die Infragestellung der Theatersituation zu analysieren.
- Postdramatisches Theater und dessen Inszenierungspraktiken
- Sprache als autonomes Bühnenelement und Sprachcollage
- Ko-Präsenz von Akteur_innen und Publikum im Theaterraum
- Widerspruch zwischen fiktiver Bühnenwelt und Realität
- Analyse der Aufführungspraxis unter semiotischen Gesichtspunkten
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Spiel mit der Sprache
Wenn Hinrichs auf der Bühne in ein Mikrophon singt, „Wo sind wir hier? Was ist das hier? Ich weiß es nicht. Was ist.“ könnte man annehmen, dass es sich um Aussagen handelt, die mit der zu erzählenden Geschichte zu tun hat. Gleichzeitig rufen die Sätze eine andere Bedeutung hervor. „Wo“ und „Was“ weisen auf ein Ort hin, der auch der Ort des Theaters ist. Seine gespielte Ahnungslosigkeit verstärkt die Ambivalenz der gebrauchten Sprache. Formal stellen die Sätze eine theatrale Situation dar, inhaltlich hinterfragen sie sie. Der Bruch, der in dem Moment der Wahrnehmung entsteht, verweist auf die Grenzen der Wahrnehmung und auf die Erwartungshaltung des Zuschauers.
Das „jetzt hier“ thematisiert deutlich Raum und Zeit als Parameter des Theaters. So wird die Repräsentation offensichtlich unterbrochen und der konkrete Raum des Sprechens, und mit ihm der Raum des Theaters allgemein, verhandelt.
Diese auf reale Orte und auf die reale Zeit genommenen Bezüge, den Theaterraum als solchen thematisieren, sind typische Merkmale des postdramatischen Theaters. Das „hier“ schwingt zwischen dem Ort der Fiktion, also den Straßen von Berladelphia, und dem Ort des Theaters. Das „jetzt“ dagegen zwischen der Zeit des Bühnenspektakels und der Zeit des Alltags.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, den speziellen Spracheinsatz in René Polleschs "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia" zu untersuchen und die Theatersituation zu reflektieren.
2. Was bleibt? Überlegungen zur Aufführung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen und definiert den Begriff des paradoxen Ereignisses im Kontext der Aufführungsanalyse.
3. Bruchstücke: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Aufführung, wobei insbesondere das Spiel mit der Sprache und die resultierende ästhetische Erfahrung im Fokus stehen.
4. Über das eigene Leben denken: Dieses Kapitel bietet Raum für subjektive Reflexionen über die Auseinandersetzung mit Polleschs Theater und diskutiert das Potenzial, Theater als Form der Lebensreflexion neu zu denken.
5. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Sprache als ästhetisches Thetermittel und die Bedeutung der Theatersituation zusammen.
Schlüsselwörter
René Pollesch, Kill Your Darlings, Postdramatisches Theater, Aufführungsanalyse, Sprache, Sprachcollage, Theatersituation, Ko-Präsenz, Bühnenelement, Zuschauer, Performativität, Ästhetik, Repräsentation, Theaterraum, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer detaillierten Analyse des Theaterstücks "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia" des Regisseurs René Pollesch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Verwendung von Sprache als ästhetisches Bühnenelement, die Infragestellung der traditionellen Theatersituation sowie die Beziehung zwischen Akteuren und Publikum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie durch den gezielten Spracheinsatz widersprüchliche Momente erzeugt werden und welche Auswirkungen dies auf die Wahrnehmung der Theatersituation hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Aufführungsanalyse, Diskursanalyse von Rezensionen und Interviews sowie die Einbindung theaterwissenschaftlicher Theorien zum postdramatischen Theater.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anfangsszene unter semiotischen und ästhetischen Aspekten und untersucht, wie Sprache Raum und Zeit als Theaterparameter thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Postdramatisches Theater, Sprachcollage, Ko-Präsenz, Performativität und die kritische Hinterfragung von Repräsentationsordnungen.
Inwiefern spielt der Begriff der "Sprachcollage" eine Rolle?
Die Arbeit versteht die Sprache bei Pollesch nicht als linearen Sinnproduzenten, sondern als strukturiertes, fragmentiertes Element, das den traditionellen Charakter der Bühnenfigur bricht.
Wie reflektiert die Autorin ihre eigene Rolle als Zuschauerin?
Die Autorin bezieht ihre persönliche Erfahrung und ihre Auseinandersetzung mit dem Gesehenen aktiv in die Analyse mit ein, um die subjektive Dimension der Aufführungsrezeption zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Roxana Rotaru (Author), 2015, Bruchstücke. Spracherfahrung in René Polleschs "Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1159380