Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau


Seminararbeit, 2007

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Eine Frau ist eine Frau

2 Weibliche Schönheit

3 Männer

4 Sexualität
4.1 Sexuelle Gewalt
4.2 Kinder, Kinder

5 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Eine Frau ist eine Frau

Seit der Jahrhundertwende gibt es sie nun: die Trennung zwischen heimischer Reproduktionsarbeit und außerhäuslicher Erwerbsarbeit. Die Hausarbeit wurde von diesem Zeitpunkt an den Frauen zugewiesen. Unter Hausarbeit wird dabei die materielle und emotionale Versorgung aller Familienmitglieder, die Kinderbetreuung, die Pflege alter und kranker Angehöriger, die Wiederherstellung der Arbeitskraft, die Aufrechterhaltung außerfamiliärer sozialer Kontakte, die Repräsentation des sozialen Status in der Öffentlichkeit, die sexuelle Befriedigung des Ehemannes einschließlich der Sicherstellung der Fortpflanzung und natürlich auch die Organisation des Haushalts verstanden. Ein echter Full-Time-Job, den, mit geringen Abweichungen, jede Frau jeder Schicht zu verrichten hat.

Um diese Arbeitsteilung zu legitimieren wurde der weibliche Geschlechtscharakter geschaffen: Die Aufgabe wurde zur natürlichen Bestimmung der Frau, zu etwas, das jede Frau aus Liebe zu ihrem Mann machen würde. Jede Frau würde für die Liebe, für ihren Mann leben und nur mit ihm zusammen glücklich werden können. Sie nimmt den Namen des Mannes an und würde damit sein Eigentum werden, da sie zu einem eigenständigen Leben nicht fähig und auch nicht bestimmt wäre.

Aus dieser Perspektive konnte alles, was außerhalb dieses Aufgabenbereiches liegt, als naturwidrig erklärt werden.

Mit der Zeit verfestigte sich diese Haltung in den Köpfen der Menschen, die Frauen begannen selbst daran zu glauben und danach zu leben. Die Folgen dieser Sichtweise sind bis heute wirksam: die gesamte Regenerationsarbeit wurde in den familiären Raum gedrängt und verlor ihren Charakter als Arbeit, wurde unsichtbar und selbstverständlich. Da die Arbeit nur aus Liebe verrichtet werden sollte, gab es natürlich keinen Lohn. Das führte indirekt zu einer noch größeren Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern.

Es lässt sich also feststellen, dass das heutige Frauenbild kein weibliches ist, sondern ein ideologisch und kulturell geschaffenes, zum weiblichen erklärtes Modell ist. (vgl. Ehrig 1996, S. 15) Trotzdem ist unser Frauenbild, bis auf einige kleine Veränderungen, immer noch dasselbe. Eine Frau muss schön sein, Kinder kriegen uns den Haushalt führen. Eigenschaften wie Passivität, Schwäche, Aufopferungsbereitschaft, Bescheidenheit... werden bis heute der Frau zugeschrieben und von ihr erwartet. Als Sexualobjekt, das, statt eigene Interessen zu verfolgen, sich unterordnet, wird sie bis heute gesehen. Jeden Tag lebt jede Frau mit den Folgen dieses Klischees.

Dass unsere Gesellschaft ein Patriarchat ist, in dem Frauen diskriminiert werden, wird inzwischen als Tatsache gesehen. Sie sind nicht die einzigen, die diskriminiert werden. Auch andere Randgruppen, wie beispielsweise Behinderte werde von der westlichen Gesellschaft diskriminiert. Es gibt ebenso ganz bestimmte Klischees über sie: Behinderte sind schwach und abhängig und entsprechen nicht dem heutigen Standard von Fitness und Gut-Aussehen.

Das alles führt dazu, dass behinderte Frauen doppelt diskriminiert werden. Sie sind nicht ´nur´ Frau, sondern auch behindert und gehören damit gleich zwei mal diskriminierten Gruppen an. Inzwischen wurde dafür der Begriff ´Double Handicap´ geprägt, auf deutsch ´doppelte Diskriminierung´. Behinderte Frauen werden also nicht ´nur´, wie behinderte Männer, wegen ihrer Behinderung diskriminiert, sondern zusätzlich auch noch aufgrund ihres Geschlechts. Deshalb haben es behinderte Frauen noch schwerer im Leben als behinderte Männer.

Psychologische Untersuchungen haben ergeben, dass behinderte Männer sich in erster Linie als ´Männer´ erleben, behinderte Frauen hingegen zuallererst als ´behindert´. Während behinderte Männer die Möglichkeit haben, sich Anerkennung zu verschaffen durch eine Betonung ihrer Männlichkeit, ist das den behinderten Frauen unmöglich. Da die Rolle der Frau an sich keine Anerkennung bringt, würde eine solche Betonung nichts bringen.

Würde man eine Hierarchie erstellen, würde sie wohl so aussehen: Mann – Frau – behinderter Mann – behinderte Frau. (vgl. Köbsell 1993, S. 34)

Behinderte Männer haben laut Statistiken bessere Ausbildungs- und Berufschancen, und auch bessere Aussichten auf Verwirklichung ihrer partnerschaftlichen und sexuellen Wünsche. Partnerschaften zwischen einer Frau und einem behindertem Mann werden eher toleriert als ein Mann mit einer behinderten Frau, da das Helfen und Pflegen eher mit der weiblichen Person in Verbindung gebracht wird. Viele behinderten Frauen fühlen sich nicht ´gebraucht´, sie sind abhängig von anderen Personen, was sie viel mehr belastet als männliche Behinderte. Für sie ist es selbstverständlicher um Hilfe zu bitten und sich umsorgen zu lassen, da das der Rolle des Mannes mehr entspricht. Behinderte Männer erleben deshalb mehr gesundheitliche Krisen als Problem, da sie dann nicht mehr so aktiv und leistungsfähig sind, wie von der Gesellschaft erwartet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Selbstbestimmung und Emanzipation: der Paradigmenwechsel als Herausforderung in der psychosozialen Arbeit
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V115959
ISBN (eBook)
9783640177554
ISBN (Buch)
9783640177615
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlecht, Besonderes, Merkmal, Frau, Selbstbestimmung, Emanzipation, Paradigmenwechsel, Herausforderung, Arbeit
Arbeit zitieren
Sigrid Lang (Autor:in), 2007, Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115959

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