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Iphigenie-Variationen - Iphigenie-Prätexte und deren Variationen in der Gegenwartsliteratur

Title: Iphigenie-Variationen - Iphigenie-Prätexte und deren Variationen in der Gegenwartsliteratur

Master's Thesis , 2008 , 111 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: M.A. Yvonne Hoock (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Mythos von Iphigenie, als Götterglaube zuerst lediglich mündlich überliefert, ist spätestens seit Benjamin Hedrichs Gründlichem mythologischem Lexikon aus dem Jahre 1770 im kulturellen Gedächtnis verankert und somit in all seinen Variationen allgemein zugänglich. Seitdem ist eine Vielzahl literarischer Adaptionen dieses Stoffes entstanden, von denen nur wenige überzeitliche Bedeutung beanspruchen können. Speziell die Iphigenie-Dramen der Gegenwartsliteratur sind in hohem Maß auf ihren Entstehungskontext bezogen, doch auch sie finden als Teil einer literarischen Traditionskette immer einen „Kanon von Werken und ein Inventar an Gattungen, Formen und Stilen vor, […] zu dem sie sich verhalten und gegen das sie sich behaupten müssen, das sie aber unmöglich ignorieren können.“
So fällt bei einer synchronen Betrachtung auf, dass die intertextuelle Bezugnahme auf zwei Texte besonders groß ist: Iphigenie im Taurerlande von Euripides und Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang Goethe, die somit als Prätexte bezeichnet werden können. Bei Euripides ergibt sich dieser Rückbezug aus der großen zeitlichen und inhaltlichen Nähe zum Ursprung des Mythos, bei Goethe aus der Modellhaftigkeit der Behandlung sowie der deutungsoffenen und dadurch zeitunabhängigen Bearbeitung der Geschichte im Hinblick auf die Grund-probleme der Menschheit . Während der Analyse dieser Prätexte wird sich trotz aller Differenzen zeigen, dass Goethe Euripides keineswegs revidiert, sondern vielmehr dessen Grundgedanken weiter ausarbeitet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Methodik

2 Die Prätexte

2.1 Euripides: Iphigenie im Taurerlande

2.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

2.1.2 Konfliktlösung durch den «Deus ex machina»

2.2 Goethe: Iphigenie auf Tauris

2.2.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

2.2.1.1 Prozess der Mündigwerdung

2.2.1.2 Kommunikatives Talent

2.2.2 Konfliktlösung durch ein positives Welt- und Götterbild

2.2.3 Der Schatten der Humanität: Thoas’ Opfer

3 Die Variationen in der Gegenwartsliteratur

3.1 Rainer Werner Fassbinder: Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang von Goethe (1968)

3.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

3.1.1.1 Iphigenie als Sexsklavin

3.1.1.2 Keine Charaktere, kein Dialog, keine Handlung

3.1.2 Aufrechterhaltung der alten Machtstrukturen

3.2 Ilse Langner: Iphigenie und Orest (1977)

3.2.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

3.2.1.1 Vom Hochzeitskleid zum Mörderkleid

3.2.1.2 Gewalt als Maske

3.2.2 „Die Nacht ist jetzt ganz dunkel.“

3.3 Jochen Berg: Im Taurerland (1978)

3.3.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

3.3.2 Konfliktlösung durch den kollektiven Widerstand des Volkes

3.4 Volker Braun: Iphigenie in Freiheit (1992)

3.4.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

3.4.1.1 Aspekte der Zitatmontage

3.4.1.2 Iphigenie als stummes Opfer

3.4.1.3 Problematisierung der Utopie

3.4.2 „Materie, die lieben lernt im Winter“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Dramen den Iphigenie-Mythos variieren, um ihn mit zeitgeschichtlichen, soziologischen und politischen Fragestellungen zu verknüpfen. Dabei wird analysiert, wie diese Transformationen bestehende Machtstrukturen hinterfragen und inwieweit sie das bei Goethe etablierte humanistische Ideal dekonstruieren.

  • Intertextuelle Analyse des Iphigenie-Stoffes von Euripides über Goethe bis zur Gegenwartsliteratur.
  • Untersuchung der Machtdynamiken und Unterdrückungsmechanismen in den verschiedenen Bearbeitungen.
  • Erforschung der Rolle der Frau und deren Emanzipationsversuche innerhalb der dramatischen Handlungsrahmen.
  • Analyse der Funktion von Gewalt und Sprache als Instrumente der gesellschaftlichen und persönlichen Selbstbehauptung.
  • Bewertung der Transformation des Götterbildes und der utopischen Konzepte bei Autoren wie Fassbinder, Langner, Berg und Braun.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption

Euripides korrigiert Aischylos’ Agamemnon, indem er Artemis auf das Menschenopfer Iphigenie verzichten lässt, um so das weitere Geschehen durch deren Entrückung nach Tauris zu ermöglichen. Die Gestaltung des Handlungsverlaufs in Euripides’ Iphigenie im Taurerlande erfolgt nach den strengen Vorgaben des griechischen Dramas: Die Formelemente Wendepunkt (Peripetie), Wiedererkennung (Anagnorisis), Intrige (Mechanema), Leid und Auflösung (Lusis) werden durch den Prolog, einen Wechsel von Chorlied und Episode (mit Rhesis oder Stichomythie) und den Exodos, bzw. Epilog realisiert.

Auf den Prolog (E, Vers 1-122), bestehend aus einem monologischen Bericht der Titelheldin und der Ankunft der Griechen, folgt der Parodos (E, Vers 123-235), eine Wechselrede zwischen Chor und Iphigenie, der die Heldin und ihre seelische Situation eindringlich beschreibt. Der Bericht des Hirten und die darauf folgende Unterhaltung zwischen ihm und Iphigenie bildet das erste Epeisodion (E, Vers 236-391). Der anschließende Auftritt des Chors (E, Vers 392-466) ist das erste Stasimon, dem das zweite Epeisodion – aufgeteilt in zwei Teile – folgt (Teil 1: Vers 467-642; Teil 2: Vers 657-1088). Hier findet die Anagnorisis-Szene statt und der Plan zur Flucht wird entwickelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Tradition des Iphigenie-Mythos und definiert die Problemstellung sowie die methodische Herangehensweise der Untersuchung.

2 Die Prätexte: Dieses Kapitel analysiert die antiken und klassischen Grundlagen der Iphigenie-Dramen bei Euripides und Goethe als Ausgangspunkt für spätere Transformationen.

3 Die Variationen in der Gegenwartsliteratur: Hier werden die dramatischen Bearbeitungen von Fassbinder, Langner, Berg und Braun eingehend untersucht und auf ihre zeitgeschichtliche Bedeutung hin befragt.

Schlüsselwörter

Iphigenie, Mythos, Transformation, Gegenwartsliteratur, Intertextualität, Drama, Humanität, Machtstrukturen, Autonomie, Gattung, Euripides, Goethe, Fassbinder, Ilse Langner, Volker Braun.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Dramatiker den kanonischen Mythos der Iphigenie aufgreifen und durch ihre Transformationen auf die spezifischen gesellschaftlichen und politischen Kontexte ihrer Zeit reagieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Fremdbestimmung, die Machtausübung, die Rolle der Frau und die Funktion des Humanitätsideals im Wandel der Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Transformation des Stoffes zwischen 1968 und 1992 zu dokumentieren und zu zeigen, wie die Autoren die utopischen Aspekte des Mythos dekonstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparatistische Textanalyse auf Basis der Intertextualitätstheorie (insbesondere unter Berücksichtigung von Genette und Pfister) angewendet, um die Bezüge zwischen Prätext und Variation offen zu legen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der antiken und klassischen Prätexte sowie die detaillierte Betrachtung von vier ausgewählten zeitgenössischen Dramen, unterteilt in Handlungsführung, Figurenkonzeption und Konfliktbewältigung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Iphigenie, Mythos-Transformation, Machtstrukturen, Intertextualität und Autonomie.

Wie unterscheidet sich Fassbinders Bearbeitung von anderen?

Fassbinder radikalisiert die Darstellung der Machtverhältnisse und entlarvt das humanistische Ideal bei Goethe als Wirklichkeitsfremd, indem er seine Inszenierung in ein "Theater der Grausamkeit" einbettet.

Was macht die Bearbeitung von Volker Braun besonders?

Volker Braun zerstört die Form des klassischen Dramas durch radikale Zitatmontagen und Spiegelungen, um die "Subjektdissoziation" und das Scheitern des utopischen Sozialismus reflektierbar zu machen.

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Details

Title
Iphigenie-Variationen - Iphigenie-Prätexte und deren Variationen in der Gegenwartsliteratur
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Grade
1,5
Author
M.A. Yvonne Hoock (Author)
Publication Year
2008
Pages
111
Catalog Number
V115977
ISBN (eBook)
9783640175598
ISBN (Book)
9783640175802
Language
German
Tags
Iphigenie-Variationen Iphigenie-Prätexte Variationen Gegenwartsliteratur Thema Iphigenie auf Tauris Thema Parzenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Yvonne Hoock (Author), 2008, Iphigenie-Variationen - Iphigenie-Prätexte und deren Variationen in der Gegenwartsliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115977
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