Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Übersetzungen von standardsprachlichen Ausgangstexten in Varietäten des Deutschen, im Besonderen des Bairischen. Zunächst wird die Frage geklärt, ob es sich dabei grundsätzlich um Übersetzungen oder Übertragungen handelt. Grundlage dieser Überlegung sind verschiedene Definitionen aus der Übersetzungswissenschaft. Im Rahmen der Übersetzungsanalyse zweier bairischer Übersetzungen von Max und Moritz durch KLAUS SCHWARZFISCHER und HANS GÖTTLER wird die Äquivalenztheorie von KOLLER dargelegt. Besondere Beachtung finden die in den Übersetzungen verwendete Transkription und Stilmittel, sowie die sprachwissenschaftliche Untersuchung der zielsprachigen Elemente und deren Zugehörigkeit zu bestimmten Subvarietäten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemgegenstand und Zielsetzung
1.2 Aufbau
1.3 Aktueller Forschungsstand
2 Autor und Übersetzer unter bayerischem Einfluss
2.1 Wilhelm Busch und Max und Moritz
2.2 Klaus Schwarzfischer
2.3 Hans Göttler
3 Übersetzung oder Übertragung?
3.1 Bairisch als Variation des Deutschen
3.2 Übersetzungsdefinitionen
3.3 Besondere Probleme bei der Varietätenübersetzung
3.4 Differenziertes Fazit
4 Äquivalenztheorie nach Koller
5 Analyse und Vergleich der bairischen Übersetzungen
5.1 Transkription / Orthografie des Bairischen
5.2 Diphthonge
5.3 Reimschema
5.4 Lexik und Etymologie
6 Fazit
7 „Schmankerl“-Glossar
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übersetzung von standardsprachlichen Ausgangstexten in Varietäten des Deutschen am Beispiel zweier bairischer Übertragungen von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ durch Klaus Schwarzfischer und Hans Göttler. Ziel ist es, die translatorische Einordnung dieser Werke zu klären, einen Beitrag zur Verknüpfung von Translationswissenschaft, Varietätenlinguistik und Dialektologie zu leisten sowie die Rolle der Dialektübersetzung als kulturelle Identitätsstiftung zu beleuchten.
- Sprachwissenschaftliche Analyse von Dialektübertragungen
- Anwendung der Äquivalenztheorie nach Werner Koller auf Varietäten
- Vergleich von Transkriptionsmethoden und orthografischen Ansätzen
- Untersuchung der bairischen Phonetik (Diphthonge) und Lexik
- Evaluation der translatorischen Kompetenz und der kulturellen Anpassung
Auszug aus dem Buch
3.3 Besondere Probleme bei der Varietätenübersetzung
„Eine Mundart ist kein vollkommen einheitliches Gebilde, sondern vielmehr eine Gesamtheit von Sprechweisen, die mehr oder weniger voneinander differieren“ (GOOSSENS 1977: 30). Es gibt also keine einheitliche bairische Grammatik oder Schreibweise, beides obliegt den persönlichen Sprachgewohnheiten und der Region des jeweiligen Übersetzers und kann unter Umständen für andere Bairisch-Muttersprachler unverständlich sein. Es muss beim Übersetzen also darauf geachtet werden, dass zielsprachliche Elemente verwendet werden, die zumindest den meisten Sprechern der jeweiligen Varietät bekannt sind.
ALFONS SCHWEIGGERT, deutscher Schriftsteller und Illustrator, rät den Übersetzern, bei der Transkription nicht zu nah an der Schriftsprache hängen zu bleiben, „das wirkt steif und gequält.“ Erst die hinterkünftigen Veränderungen verliehen dem Stück neuen Reiz. (SZ.de/1.3933794) Ein hochdeutscher Ausgangstext kann nicht einfach Wort-für-Wort in eine Varietät übersetzt werden. Die Leser der Zielkultur würden dies sofort als Übersetzung und unauthentisch wahrnehmen. Vielmehr sollte der Übersetzer den Inhalt des Ausgangstextes herausfiltern und so wiedergeben, wie es ein „echter Bayer“ tun würde, auch wenn dadurch beispielsweise Kürzungen vorgenommen werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Problemgegenstand der Varietätenübersetzung ein, definiert das Ziel der Arbeit und gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand.
2 Autor und Übersetzer unter bayerischem Einfluss: Hier werden Wilhelm Busch sowie die beiden Übersetzer Klaus Schwarzfischer und Hans Göttler biographisch porträtiert und in ihren Kontext eingeordnet.
3 Übersetzung oder Übertragung?: Das Kapitel diskutiert die theoretische Abgrenzung zwischen „Übersetzung“ und „Übertragung“ im Kontext bairischer Dialekte und thematisiert Herausforderungen bei der Varietätenübersetzung.
4 Äquivalenztheorie nach Koller: Die theoretischen Grundlagen von Werner Koller zur Äquivalenz in der Übersetzungswissenschaft werden dargelegt und für die Analyse operationalisiert.
5 Analyse und Vergleich der bairischen Übersetzungen: Der praktische Teil der Arbeit untersucht kontrastiv die Transkription, Phonetik, Reimstruktur sowie Lexik der beiden Übersetzungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die translatorische Leistung unter Berücksichtigung der Äquivalenztheorie und gibt Anstöße für weitere Forschung.
7 „Schmankerl“-Glossar: Dieses Kapitel bietet ein Glossar bairischer Ausdrücke mit hochdeutschen Entsprechungen, wie sie in den analysierten Werken vorkommen.
Schlüsselwörter
Bairisch, Max und Moritz, Varietätenübersetzung, Dialektologie, Äquivalenztheorie, Werner Koller, Wilhelm Busch, Klaus Schwarzfischer, Hans Göttler, Transkription, Phonetik, Diphthonge, Lexik, Translation, Kulturtransfer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Analyse der Übersetzung von literarischen Standardwerken in regionale Varietäten, spezifisch anhand des Werks „Max und Moritz“ im Bairischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Übersetzungstheorie nach Koller, die Dialektologie des Bairischen, die kontrastive Analyse von Übersetzungsmethoden sowie die soziokulturelle Bedeutung von Dialekten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen Übersetzungswissenschaft und Dialektologie zu überbrücken und zu klären, ob es sich bei diesen Dialektübertragungen primär um Übersetzungen oder kreative Übertragungen handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kontrastiv-linguistische Analyse, um die beiden Übersetzungen von Schwarzfischer und Göttler sowohl untereinander als auch im Vergleich zum Ausgangstext zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert transkriptionsspezifische Entscheidungen, phonetische Besonderheiten (insbesondere Diphthonge), das Reimschema sowie lexikalische und etymologische Nuancen in den beiden untersuchten Werken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bairisch, Varietätenübersetzung, Äquivalenztheorie, Transkription, Translation und Kulturtransfer geprägt.
Wie begründet die Autorin die begriffliche Unschärfe von „Übersetzung“ und „Übertragung“?
Da es in der Translationswissenschaft bisher keine einheitlichen Richtlinien für Varietätenübersetzungen gibt, verwendet die Autorin die Begriffe in dieser Arbeit aus pragmatischen Gründen weitgehend synonym.
Warum verwendet Hans Göttler zusätzliche Zeilen in seiner Übersetzung?
Göttler hat seine Übersetzung mit dem Ziel verfasst, dass sie von Schulklassen als Theaterstück aufgeführt werden kann; die Zusätze dienen der besseren szenischen Darstellbarkeit und Beschreibung.
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- Katharina Landfried (Author), 2021, Übersetzung von standardsprachlichen Werken in Varietäten des Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1159888