Hus, der Protestant – Hus, der Tscheche – Hus, der Sozialist: in diesem Dreiklang fasst der Hus – Forscher Ferdinand Seibt die drei Bereiche zusammen, in denen Jan Hus im Verlauf der Geschichte eine Bedeutung erlangt hat. Über die reformatorische Leistung hinaus besitzt er eine große Bedeutung für das tschechische Volk und dessen nationales Bewusstsein, was nicht zuletzt dadurch ausgedrückt wird, dass Hussens Todestag zum nationalen Feiertag in der Tschechischen Republik erklärt wurde.
Ging es Jan Hus ausschließlich um einen religiösen Wandel der vielkritisierten Struktur der Kirche am Übergang vom vierzehnten zum fünfzehnten Jahrhundert, oder standen wirklich darüber hinaus nationale Motive hinter seinem Handeln? Diese Fragestellung wird in dieser Arbeit anhand des Kuttenberger Dekrets erörtert, das aufgrund seines Inhaltes ein Potenzial zur Erlangung eines Status als symbolischer Akt der Aufwertung des tschechischen Volkes besitzt. Da eine entscheidende Mitwirkung Hussens am Erlass dieses Dekrets eine mögliche Erklärung für seine nationale Bedeutung darstellen würde, wird zunächst der Versuch unternommen, ebenjenen Grad der Beteiligung Hussens hieran zu ermitteln.
Hieran anschließend wird das Augenmerk zurück auf Jan Hus und die Frage nach möglicherweise vorhandenen national gefärbten Denkstrukturen gerichtet. Anhand der überlieferten Quellen sowie unter Einbeziehung der gesellschaftlichen sowie theologischen und akademischen Spannungen seiner Zeit wird der Versuch unternommen, Hinweise auf nationales Denken oder auch das genaue Gegenteil wie beispielsweise klare Ablehnungen solchen Denkens bei Jan Hus zu ergründen und diese zu deuten.
Abschließend werden die Resultate der Fragen nach dem Anteil Hussens am Entstehen des Kuttenberger Dekrets sowie des Ausmaßes der nationales Motive seines Handelns zusammengefügt, um seine Aktionen im Rahmen des Prager Universitätsstreites in die Gedankenwelt des böhmischen Reformators einzufügen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Jan Hussens Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets
- Jan von Jesnices Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets
- Hieronymus von Prags Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets
- National motivierte Denkstrukturen bei Jan Hus
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rolle von Jan Hus beim Erlass des Kuttenberger Dekrets und beleuchtet, ob nationale Motive sein Handeln beeinflusst haben. Das Dekret, welches das Stimmenverhältnis in den Gremien der Universität Prag zugunsten der tschechischen Nation veränderte, besitzt eine symbolische Bedeutung für die Entwicklung des tschechischen Nationalbewusstseins.
- Die Beteiligung von Jan Hus am Erlass des Kuttenberger Dekrets
- Die Rolle anderer wichtiger Persönlichkeiten, wie Jan von Jesnice und Hieronymus von Prag, bei der Entstehung des Dekrets
- Die Analyse von Denkstrukturen bei Jan Hus im Hinblick auf nationale Motive
- Die Einordnung des Kuttenberger Dekrets in die Denkweise des böhmischen Reformators Jan Hus
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik ein und stellt Jan Hus im Kontext seiner Bedeutung für die Geschichte als Kirchenreformer, tschechischer Nationalheld und Sozialist vor. Es werden die unterschiedlichen Perspektiven auf Hus' Handeln beleuchtet und die Frage nach der Relevanz nationaler Motive im Zusammenhang mit dem Kuttenberger Dekret aufgeworfen.
- Jan Hussens Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: Dieses Kapitel untersucht die Rolle von Jan Hus bei der Entstehung des Dekrets, welches das Stimmenverhältnis in der Universität Prag zugunsten der Tschechen veränderte. Es werden verschiedene Perspektiven und Interpretationen, sowie die Einordnung des Dekrets in die politische Landschaft der Zeit, betrachtet.
- Jan von Jesnices Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rolle von Jan von Jesnice, einem weiteren wichtigen Akteur bei der Entstehung des Dekrets. Es beleuchtet die Beiträge und den Einfluss dieses Magisters auf den Verlauf des Universitätsstreits und das Kuttenberger Dekret.
- Hieronymus von Prags Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: In diesem Kapitel wird die Mitwirkung des Magisters Hieronymus von Prag, ebenfalls ein bedeutender Akteur im Universitätsstreit, beim Erlass des Kuttenberger Dekrets untersucht. Es wird erörtert, inwiefern er an den politischen Ereignissen beteiligt war und welche Rolle er beim Zustandekommen des Dekrets spielte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse des Kuttenberger Dekrets und beleuchtet die Bedeutung des Dekrets für die Entwicklung des tschechischen Nationalbewusstseins. Sie untersucht die Rolle von Jan Hus und anderen Persönlichkeiten im Universitätsstreit und fokussiert auf die Frage nach nationalen Motiven im Denken und Handeln von Jan Hus.
- Quote paper
- Michael Treichler (Author), 2002, Das von nationalen Motiven geleitete Handeln und Denken des Jan Hus am Beispiel des Kuttenberger Dekrets, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11600