Das "Leib-Seele-Problem": „Der Substanz-Dualismus" - Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele“

Erläutert anhand von Ansgar Beckermanns "Analytischer Einführung in die Philosophie des Geistes"


Seminararbeit, 2008
11 Seiten, Note: 2,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Das platonische ´Leib- Seele- Problem´

2. Der Substanz- Dualismus

3. Die platonische Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele

4. Kritische Reflektion der platonischen Argumentation nach A. Beckermann

Epilog

Literaturverzeichnis

Prolog

Die „Philosophie of mind“[1] untersucht Ursachen der Natur und Wirkungen mentaler und geistiger Zustände. Ihr Kern ist das ´Leib- Seele- Problem´. Bis heute unterliegt das Verhältnis des Geistes zu anderen Seinsarten wie Materie und Substanz verschiedensten Mutmaßungen. Geht man bspw. von einem radikalen Materialismus oder Behaviorismus aus, so ist der Geist bloßer Schein und die Substanz bzw. Materie das einzig Reale. Eine andere Extremposition geht vom Idealismus aus, der den Geist als wirklich und die Körperlichkeit als bloße, vom Geist abgeleitete Erscheinungsform betrachtet.[2] Philosophische Dualismen bewegen zwischen beiden Extrempositionen. Diese Hausarbeit soll sich mit dem Substanzdualismus und den platonischen Argumenten für die Existenz einer Seele, vor dem Hintergrund des Leib- Seele- Problems, auseinandersetzen. Es ist mir wichtig die platonischen Argumente innerhalb ihres Kontextes darzulegen, also innerhalb eines vergangenen philosophischen Systems. Außerdem werde ich damalige wie heutige Gegenposition anbringen. Das problematische Verhältnis von Geist und Materie wird dabei im Vordergrund stehen. Bei meinen Ausarbeitungen werde ich mich auf die „Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes“, von Ansgar Beckermann stützen. Es dient, laut Autor, der Einführung in die verschiedenen Disziplinen der Philosophie und behandelt somit auch deren Kernfragen. Meiner Meinung nach, ein sehr fundiertes und aufschlussreiches philosophisches Werk. Ich habe mich der Frage: „Gibt es eine vom Körper unabhängige Seele?“ und den auf diese Fragestellung eingehenden Kapiteln[3] gewidmet. Auf meine Primärliteratur habe ich natürlich zusätzlich einige Sekundärliteratur angewendet. An dieser Stelle möchte ich meinen Prolog abschließen und meine folgenden Erläuterungen mit einem Zitat des Euripides[4] einleiten:

„Den Geist muß man schauen. Denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt?“[5]

1. Das platonische Leib- Seele- Problem

Das ´Leib- Seele- Problem´ ist die prioritäre Problematik der „Philosophie of mind“. Wie bereits erwähnt, unterliegt das Geist- Materie- Verhältnis verschiedensten philosophischen Interpretationsversuchen. Diese entstehen aus der Frage nach dem mentalen Zustand im Verhältnis zum Physischen. Philosophen sind sich uneins, ob es sich bei Leib und Seele um unterschiedliche Substanzen oder letztendlich ein und dasselbe Prinzip handelt, wobei der Körper als Simulacrum[6] der Seele und umgekehrt fungieren kann. Ansätze dieser „Body- Mind“ - Problematik lassen sich bis in das antike Griechenland der Philosophie zurückverfolgen und werfen auch heute neue Fragen auf. Platon gilt als Begründer des Dualismus und hat diesen explizit über das körperlich- geistige Verhältnis des Menschen begründet.[7] Nach Platon ist die Seele das Prinzip des Lebens selbst und kann somit nicht vergehen, dabei unterscheidet er zwischen einer Einzelseele und einer alles vereinenden Weltseele[8], beide sind unsterblich. Die menschliche Wesenheit hat ihren Sitz in der Seele. Das belebende Prinzip des Körpers ist die Seele und der Körper wird als ihr Gefängnis betrachtet. Aus ihrer Unsterblichkeit folgert der Philosoph, eine Prä-[9] und eine Postexistenz[10] der Seele und, dass jegliches Wissen bloße Erinnerung (anamnêsis) sein muss. Die seelische Postexistenz ist dem Menschen verliehen um Körper zu durchwandern.[11] Da sich die Einzelseele von der Weltseele ableitet, ist sie Platon zu folge verwandt mit den Ideen des Wahren, Guten und Schönen. Der Körper dient der bloßen Abbildung dieser Ideen. Platon definiert drei Seelenteile, die in angemessener Ordnung und entsprechendem Zusammenwirken, ein harmonisches Verhältnis erschaffen. Das „Seelenheil“ hängt also weniger vom Verhältnis zu Substanzen als zu sich selbst ab. Die Auflösung dieses harmonischen Zusammenwirkens wäre gleichbedeutend mit Selbstzerstörung. Dennoch, die Seele muss zunächst an den Körper gebunden bleiben, was der Philosoph dahingehend erklärt, dass die niederen Seelenteile (bspw. Begierde, Furcht, Ungerechtigkeit etc.) überwiegen. Gebunden an den Körper erfahren sie Läuterung in einer Abfolge von Wiedergeburten. Letztendlich erfolgt die Vereinigung der Seele mit dem Göttlichen, der Welt der Ideen, dem Sitz des Schönen und Guten und der Vernunft, dem Ort ihrer einstigen Herkunft. Das ´Leib- Seele- Problem´ Platons ist somit darin zu ergründen, dass der Körper bestenfalls als Abbildung bzw. als Simulacrum einer höheren Ideenwelt fungiert, schlimmstenfalls sogar zum Verfall der Seele führen kann, denn er dient ihr lediglich als Gefängnis oder gar Grab, er ist der erfahrbaren empirischen Materie zugewandt, die immaterielle Welt der Ideen bleibt ihm im Wesentlichen verborgen. Das Überleben der Seele nach dem Tod ist in ihrer Verschiedenheit von der körperlichen Substanz zu ergründen. Aus dieser Ansicht Platons schlussfolgere ich zwar die duale Existenz von Leib und Seele, jedoch auch ein Missverhältnis innerhalb der Verbindung beider Substanzen. Denn was der Seele nach dem Vergehen des Körperlichen widerfährt, ist abhängig vom Verhalten des Menschen zu dessen Lebzeiten. Glaubt man den Ausführungen des von Platon konstruierten Sokrates, so wird die Seele vor ein unterirdisches Gericht gestellt, vor dem sie sich rechtfertigen muss. Scheitert die Einzelseele vor diesem Gericht, so wird sie in einen Körper wiedergeboren, der Abbildung des Lasters ist, welches sie scheitern ließ.

2. Der Substanz- Dualismus

Die Begrifflichkeit des Substanz- Dualismus leitet sich aus dem lat. „dualis“[12] ab. Der Dualismus der Philosophie geht von zwei einander ausschließenden und voneinander unabhängigen Arten von Entitäten aus, die sich nicht aufeinander reduzieren lassen. Diese Entitäten werden unter den Gesichtspunkten der Ontologie, Epistemologie Semantik und Methodologie untersucht. Die traditionelle Philosophie unterteilt dabei in eine materielle bzw. physische (bei Platon Körper) und eine immaterielle bzw. mentale (bei Platon die Seele) Entität. Monismus[13] und Pluralismus[14] sind philosophische Gegenpositionen. Die platonische Gegenüberstellung von Ideenwelt und materieller Welt und die Argumentation für die Unsterblichkeit der menschlichen Seele, ist die erste bekannte und vollständig ausgearbeitete Version einer philosophisch dualistischen Problematik. Platon war Substanz- Dualist! Nach A. Beckermann gilt für Substanz- Dualisten, dass nicht physische, sondern immaterielle Dinge, Träger mentaler Eigenschaften sind. Über das Verhältnis von Physis und Psyche gibt es verschieden philosophische Theorien wie; den Epiphänomenalismus[15], den Parallelismus[16], den Okkasionalismus[17] und den Interaktionismus. Letztere wird von den beiden Substanz- Dualisten Platon und René Descartes vertreten. Der Interaktionismus geht davon aus, dass physische und psychische Substanzen voneinander vollkommen verschieden sind, sich aber dennoch innerhalb einer Kausalitätsbeziehung gegenseitig beeinflussen. Bezieht man den Substanz- Dualismus auf das fokussierte ´Leib- Seele- Problem´, so löst er den Antagonismus von mentalem Innenleben und körperlicher Realität indem er von verschiedenen Entitäten ausgeht; mentalen und physischen Phänomenen. Die Argumentation Platons, ist pro Substanz- dualistisch, wie er auch mit den Ausführungen Sokrates´ im Phaidon belegt. Denn das eigentliche Selbst des Menschen, die Seele sei unsterblich und werde den Tod des Körpers überdauern, denn sie ist auf keine Körperlichkeit angewiesen.[18]

[...]


[1] Dt. Philosophie des Geistes

[2] Vgl. Weier, W.: „Das Phänomen Geist. Auseinandersetzung mit Psychoanalyse, Logistik, Verhaltensforschung.“, S. 10 ff

[3] Kap. 2: „Argumente für den Substanz- Dualismus“, und Kap. 2.1: „Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele“

[4] Euripides (griech. Εὐριπίδης) (* 480 v. Chr. oder 485/484 v. Chr. in Salamis; † 406 v. Chr. in Pella; begraben in Makedonien) ist einer der großen klassischen griechischen Dichter.

[5] Vgl. http://zitate.net/zitate/seele/zitate_2.html

[6] Simulacrum; wirkliches od. vorgestelltes Ding, das mit etwas oder jmd. anderem verwandt ist od. ihm ähnlich ist. Lat. simulacrum leitet sich über simulo („Bild, Abbild, Spiegelbild, Traumbild, Götzenbild, Trugbild“) von simul („ähnlich, gleich“) ab.

[7] Vgl. Die großen platonischen Dialoge: „Phaidon“

[8] Weltseele: nach Platon; der reinen Vernunft, sich selbst gleichbleibende Substanz der Ideenwelt, körperliche Welt als bloße Abbildung, Ursache aller Erkenntnis

[9] „Präexistenz“: früheres Dasein, Existenz der (menschlichen) Seele schon vor dem irdischen Dasein in einer anderen Form, sei es als Potenz, sei es als reine Seele, sei es in einer andern individuellen Verleiblichung.(Vgl. http://www.textlog.de/4896.html)

[10] „Postexistenz“ die; - <zu → post...>: das Fortbestehen der Seele nach dem Tod (Philos.); Ggs. → Präexistenz (Vgl.http://www.duden.de/duden-suche/werke/dgfw/000/051/Postexistenz.51801.html)

[11] Vgl. Seelenwanderung!

[12] Lat. „dualis“ =zwei enthaltend, Vgl. Pluder V. und Spahn, A.:„Großes Wörterbuch der

Philosophie“, S. 77, „Dualismus“

[13] aus dem Griech. „monos“ =einzig, allein. Philosophie die genau ein letztes Prinzip bzw. Bauelement der Wirklichkeit annimmt. Bezieht damit Gegenposition zum Dualismus und Pluralismus, diese nehmen zwei oder viele Grundprinzipien an. Vgl. Pluder V. und Spahn, A.:„Großes Wörterbuch der Philosophie“, S. 183

[14] Pluralismus; phil. Position die eine Vielzahl grundlegender und irreduzibler Ebenen in der Welt annimmt. Vgl. Ebd. S. 187

[15] Epiphänomenalismus: Bezeichnet mentale Zustände einer Person, die durch ihre Physis verursacht sein können, jedoch niemals eine Wirkung auf diese haben. Vgl. Ebd. S. 92

[16] Parallelismus: Geistige und körperliche Phänomene laufen voneinander unabhängig ab, dennoch

existiert ein systematischer Zusammenhang beider Entitäten. Vgl. Ebd. S. 179

[17] Okkasionalismus: Gott schafft entsprechend reaktionäre geistige Zustände auf körperliche.

Vgl. Ebd. S. 175

[18] Vgl. Beckermann, A. : „Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.“, S. 19 f

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das "Leib-Seele-Problem": „Der Substanz-Dualismus" - Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele“
Untertitel
Erläutert anhand von Ansgar Beckermanns "Analytischer Einführung in die Philosophie des Geistes"
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
BA-Philosophie, Proseminar: Einführung in das "Leib-Seele-Problem"
Note
2,00
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V116093
ISBN (eBook)
9783640182411
ISBN (Buch)
9783640182510
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leib-Seele-Problem, Substanz-Dualismus, Platons, Argumente, Unsterblichkeit, Seele“, BA-Philosophie, Proseminar, Einführung
Arbeit zitieren
Julia Kulewatz (Autor), 2008, Das "Leib-Seele-Problem": „Der Substanz-Dualismus" - Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116093

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