„Den Geist muß man schauen. Denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt?“ (Euripides)
Die „Philosophie of mind“ untersucht Ursachen der Natur und Wirkungen mentaler und geistiger Zustände. Ihr Kern ist das ´Leib- Seele- Problem´. Bis heute unterliegt das Verhältnis des Geistes zu anderen Seinsarten wie Materie und Substanz verschiedensten Mutmaßungen. Geht man bspw. von einem radikalen Materialismus oder Behaviorismus aus, so ist der Geist bloßer Schein und die Substanz bzw. Materie das einzig Reale. Eine andere Extremposition geht vom Idealismus aus, der den Geist als wirklich und die Körperlichkeit als bloße, vom Geist abgeleitete Erscheinungsform betrachtet. Philosophische Dualismen bewegen zwischen beiden Extrempositionen. Diese Hausarbeit soll sich mit dem Substanzdualismus und den platonischen Argumenten für die Existenz einer Seele, vor dem Hintergrund des Leib- Seele- Problems, auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
Prolog
1. Das platonische ´Leib- Seele- Problem´
2. Der Substanz- Dualismus
3. Die platonische Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele
4. Kritische Reflektion der platonischen Argumentation nach A. Beckermann
Epilog
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Substanz-Dualismus und die platonischen Argumente für die Unsterblichkeit der Seele vor dem Hintergrund des Leib-Seele-Problems. Ziel ist es, Platons Position mithilfe von Ansgar Beckermanns „Analytischer Einführung in die Philosophie des Geistes“ kritisch zu beleuchten und in ihren historischen Kontext einzuordnen.
- Grundlagen des Leib-Seele-Problems in der Philosophie des Geistes.
- Einführung in die Kerngedanken des Substanz-Dualismus.
- Detaillierte Analyse der vier platonischen Hauptargumente für die Unsterblichkeit der Seele.
- Kritische Auseinandersetzung mit Platons Thesen aus moderner analytischer Sicht.
Auszug aus dem Buch
3. Die platonische Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele
Zunächst, so bemerkt Beckermann, sollte geklärt werden, in welchen philosophischen Kontext die Seele zu Platons Zeiten gesetzt werden muss. Denn für den antiken Philosophen war die Seele weitaus mehr als der Sitz des Denkens und Fühlens, sie verkörperte das Prinzip des Lebens selbst. Somit war es für Platon selbstverständlich, dass die Seele den Tod überdaure und das Verscheiden rein körperlich war. Die Seele macht den Leib erst lebendig. Somit argumentiert Platon v. a. für die Annahme einer unsterblichen Seele. Ansgar Beckermann veranschaulicht die 4 Hauptargumente Platons um diese Annahme evident zu untermauern und darzulegen. Zuerst führt er das zyklische Argument auf, dieses Argument erläutert, dass es zu jedem Prozess auch einen gegenteiligen, einen reaktionären Prozess geben muss, da sonst jeder Entwicklung ein Ende gesetzt würde. Platon benutzt die Metaphorik des Schlafens und dem darauf folgenden Wachen, denn ohne das Wachen könnte kein Schlaf folgen, ohne Schlaf kein Wachen. Wachen und Schlaf werden allegorisch mit Leben und Sterben gleichgesetzt. Die Übergangsphase des Erwachens ist somit die Geburt. Mit dem Sterben erfolgt die Trennung des Leib- Seele- Verhältnisses. Das Wiederaufleben bestünde im erneuten Eintreten einer Seele in einen Körper.
Das zweite Argument Platons für die Unsterblichkeit der Seele, ist das Argument der Erinnerung. Es soll belegen, dass jeder Mensch über ein Wissen verfügen muss, welches er bereits vor der Geburt, durch „Schau der Ideen“, in einem anderen Leben erworben haben muss. So kann z. B. die Idee des Gleichen nicht aus Erfahrung gewonnen sein. Platon klärt anhand eines eigenen Argumentes für das Gleiche, dass der Mensch das Wissen um dieses bereits vor der Geburt erworben haben muss. Um die Begrifflichkeit von der Idee des Gleichen erfahren zu könne, muss Erinnerung vorhanden sein, mit der die empirische Wahrnehmung abgeglichen werden kann. Was wiederum zum dritten platonischen Argument für die Unsterblichkeit der Seele führt; nämlich die Verwandtschaft der Seele mit den Ideen.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in das Leib-Seele-Problem sowie Vorstellung der gewählten Primärliteratur von Ansgar Beckermann.
1. Das platonische ´Leib- Seele- Problem´: Darstellung der platonischen Auffassung, in der der Körper als Gefängnis der Seele fungiert und Wissen als bloße Erinnerung definiert wird.
2. Der Substanz- Dualismus: Definition des Substanz-Dualismus als Lehre von zwei voneinander unabhängigen Entitäten und Einordnung Platons in dieses philosophische Spektrum.
3. Die platonische Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele: Erläuterung der vier zentralen Argumente Platons (zyklisches Argument, Erinnerung, Verwandtschaft mit den Ideen und Seele als Lebensprinzip).
4. Kritische Reflektion der platonischen Argumentation nach A. Beckermann: Analyse der Schwachstellen in Platons Beweisführung durch Ansgar Beckermann und Bewertung der Übertragbarkeit auf heutige Weltbilder.
Epilog: Resümee über die Aktualität des Leib-Seele-Problems und abschließende kritische Einschätzung zur Frage der Existenz der Seele.
Schlüsselwörter
Leib-Seele-Problem, Substanz-Dualismus, Platon, Seele, Unsterblichkeit, Philosophie des Geistes, Ansgar Beckermann, Ideenlehre, Phaidon, Ontologie, Interaktionismus, Materialismus, Anamnesis, Körperlichkeit, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem klassischen Leib-Seele-Problem und konzentriert sich dabei spezifisch auf den Substanz-Dualismus bei Platon.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die metaphysische Trennung von Geist und Materie sowie die Argumentation für die Unsterblichkeit der menschlichen Seele.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung und kritische Würdigung der platonischen Argumentation anhand der fachlichen Analysen von Ansgar Beckermann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Auswertung und philosophische Analyse von Primär- und Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition des Substanz-Dualismus, die spezifisch platonischen Beweisgänge für die Unsterblichkeit der Seele und deren anschließende kritische Bewertung durch Beckermann diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Die wesentlichen Begriffe umfassen Leib-Seele-Problem, Dualismus, Platon, Unsterblichkeit und Philosophie des Geistes.
Welche vier Hauptargumente führt Platon für die Unsterblichkeit an?
Platon führt das zyklische Argument, das Argument der Erinnerung, die Verwandtschaft der Seele mit den Ideen sowie die Seele als Lebensprinzip an.
Warum kritisiert Beckermann das zyklische Argument?
Beckermann kritisiert, dass das Argument eine bereits bestehende Anzahl unsterblicher Seelen voraussetzt und die platonische These eines reaktionären Prozesses logisch nicht zwingend überzeugend ist.
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- Julia Kulewatz (Author), 2008, Das "Leib-Seele-Problem": „Der Substanz-Dualismus" - Platons Argumente für die Unsterblichkeit der Seele“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116093