Diese Hausarbeit untersucht die Darstellung von Kaiser Friedrich I. – genannt ‚Barbarossa’ – in Otto von Freisings und Rahewins Gesta Friderici. Im Folgenden wird anhand der Königserhebung Friedrichs gezeigt werden, dass die Gesta Friderici für den Historiker nicht ausnahmslos als zuverlässige Quelle über Friedrich I. gelten kann. Ziel ist jedoch keineswegs, die Gesta hinsichtlich aller möglichen Ungereimtheiten oder Abweichungen anderer zeitgenössischen Autoren zu untersuchen, dies würde den Rahmen dieser Arbeit schlicht sprengen.
Als Hauptquelle dient die Gesta Friderici, herangezogen werden auch Ottos vorheriges Werk die Chronica sive Historia de duabus civitatibus sowie Giselbert von Mons’ Gisleberti Chronicon Hanoniense. Des Weiteren werden Veröffentlichungen aus dem Bereich der Sekundärliteratur herangezogen. Eine zentrale Bedeutung nehmen hierbei die Werke von Stefanie Dick1, Roman Deutinger2 und Franz-Josef Schmale3
Die heutige Forschung hat zwar auf die prostaufische Tendenz in Ottos und Rahewins Werk verwiesen, jedoch wurde die Erkenntnis, die aus dieser Tendenz gewonnen wurde, bislang nicht ausgiebig untersucht. Ältere Forschungen, beispielsweise von Robert Holtzmann ein.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Otto von Freising
3. Friedrich I. Barbarossa
4. Die Gesta Friderici
4.1 Entstehung und Intention
4.2 Die Problematik beim Umgang mit der Gesta Friderici
4.3. Unstimmigkeiten bei der Königserhebung Barbarossas
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa in den Gesta Friderici von Otto von Freising und Rahewin, mit einem besonderen Fokus auf der Königserhebung von 1152, um zu prüfen, inwieweit das Werk als historisch verlässliche und objektive Quelle dienen kann.
- Analyse der Intentionen hinter der Entstehung der Gesta Friderici
- Untersuchung der prostaufischen Tendenz in der Geschichtsschreibung
- Kritische Beleuchtung der Königserhebung Friedrichs I.
- Vergleich der Gesta Friderici mit anderen zeitgenössischen Quellen
- Bewertung des Einflusses der kaiserlichen Hofkultur auf die Darstellung
Auszug aus dem Buch
4.3. Unstimmigkeiten bei der Königserhebung Barbarossas
Als im Jahre 1152 König Konrad III. starb, folgte ihm nicht dessen Sohn, Friedrich von Rothenburg, sondern sein Neffe, der damalige Herzog Friedrich I. von Schwaben, auf den Königsthron. Otto von Freising führt dafür in seiner Gesta Friderici mehrere Erklärungen an. Zum einen habe König Konrad III. kurz vor seinem Tode erkannt, dass sein Sohn Friedrich – aufgrund seines Alters von nur 6 Jahren – keine allzu großen Chancen auf die Thronfolge habe. Daher habe Konrad III. seinen Sohn in die Obhut Friedrich I. gegeben, dem er auch die Reichsinsignien (als Legitimation der Nachfolge) übergab31. Einen Beweis dafür, dass die Minderjährigkeit Friedrichs von Rothenburg alleine jedoch noch kein Ausschlusskriterium für den Königsthron war, sieht Stefanie Dick in der Praxis der Mitkönigserhebungen minderjähriger Königssöhne. Im Falle des plötzlichen Todes des Königs, beispielsweise bei Kreuzzügen oder anderen Heerzügen, wurde so für einen Thronfolger gesorgt. Diese Mitkönigserhebungen waren im Mittelalter durchaus üblich, wie die Fälle Ottos III. oder Heinrichs IV. beweisen32.
Die allgemeine Zustimmung der Fürsten zu der Erhebung Friedrich Barbarossa statt Friedrich von Rothenburg, so Otto weiter, ergab sich schließlich aus der „…Zugehörigkeit Friedrichs zu den beiden großen Fürstenfamilien, una Heinricorum de Gueibelinga, alia Gwelforum de Aldorfo, durch deren Rivalität die Ruhe des Reiches schon oft gestört worden sei“33. Otto hebt besonders hervor, dass der Königstitel nicht durch die Blutsverwandtschaft vererbt, sondern der König durch die Wahl der Fürsten bestimmt werde34. Stefanie Dick bemerkte hierzu, wieso es einer gesonderten Erklärung bedurfte, wenn dies doch selbstverständlich war35. Auch dass ein solcher Gegensatz zwischen Staufern und Welfen nach dem Verständnis der Zeitgenossen nicht vorhanden war, da man in den Dynastien keine politisch handelnden Einheiten sah und deren Angehörigen man kaum gemeinsame Interessen nachsagen konnte, hat Werner Hechberger erfolgreich nachgewiesen36.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Darstellung Friedrich Barbarossas in den Gesta Friderici kritisch zu hinterfragen und die Verlässlichkeit dieser Quelle zu prüfen.
2. Otto von Freising: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben und Wirken von Otto von Freising sowie seine Rolle als bedeutender Geschichtsschreiber des Mittelalters.
3. Friedrich I. Barbarossa: Hier werden die zentralen biografischen Eckpunkte und politischen Ereignisse der Regierungszeit Friedrich I. Barbarossas zusammengefasst.
4. Die Gesta Friderici: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und analysiert Entstehung, Intention, die methodischen Probleme im Umgang mit der Quelle sowie die Unstimmigkeiten bei der Königserhebung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Gesta Friderici aufgrund ihrer einseitigen, prostaufischen Tendenz kritisch hinterfragt werden muss.
Schlüsselwörter
Friedrich I. Barbarossa, Gesta Friderici, Otto von Freising, Rahewin, Staufer, Königserhebung, Hofhistoriographie, Mittelalterliche Geschichte, Quellenkritik, Chronica, Reichsinsignien, Konrad III., Fürstenwahl, Politische Tendenz, Geschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa in dem historischen Werk Gesta Friderici, das von Otto von Freising und seinem Schüler Rahewin verfasst wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte des Werkes, die Rolle von Otto von Freising als Chronist, die politische Tendenz des Textes sowie die Umstände der Königserhebung Friedrichs im Jahr 1152.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Gesta Friderici trotz ihrer Bedeutung nicht unkritisch als objektive Quelle für die Herrschaft Friedrich Barbarossas verwendet werden darf.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der die Gesta Friderici mit anderen zeitgenössischen Werken, wie denen von Gislebert von Mons, verglichen und im Kontext der damaligen Hofgeschichtsschreibung betrachtet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Intention des Werkes, die Problematik der Quellenarbeit unter Einfluss des kaiserlichen Hofes sowie eine detaillierte Analyse der Unstimmigkeiten bei der Königserhebung 1152.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Friedrich Barbarossa, Gesta Friderici, Quellenkritik, Otto von Freising und Staufische Hofhistoriographie charakterisiert.
Warum wird die Königserhebung von 1152 als Fallbeispiel gewählt?
Die Königserhebung ist ein zentraler Wendepunkt, bei dem die Gesta Friderici bestimmte Ereignisse auslässt oder beschönigt, was sie zu einem idealen Beispiel für die prostaufische Tendenz des Textes macht.
Welchen Einfluss hatte der kaiserliche Hof auf die Chronik?
Der Hof wählte aus, welche Dokumente Otto und Rahewin zur Verfügung standen, was zu einer einseitigen und politisch gefärbten Darstellung der Herrschaft des Kaisers führte.
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- Thomas Müller (Author), 2008, Die Darstellung Friedrich Barbarossas in den "Gesta Friderici", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116102