In dieser Fallstudie soll das Forschungsdesign zu folgender Forschungsfrage konstruiert werden: „Wie reflektieren Eltern von Kindern mit Förderbedarf nach Ende der Schullaufbahn ihre Entscheidung, sich gegen inklusive Beschulung entschieden zu haben?" Dabei soll herausgearbeitet werden, warum die Entscheidung für ein Förderzentrum getroffen wurde und wie die Entscheidung sich auf die Lernbereitschaft und die Inklusion in anderen Lebensbereichen ausgewirkt hat.
Im Fallbeispiel „Schulische Inklusion in Beispielshausen“ wird ein heterogenes Bild der Wahrnehmung und Akzeptanz der schulischen Inklusion in Deutschland dargestellt. Auch die Verteilung der Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland, sowie die Auffassungen der Eltern, scheint ungleich verteilt. In manchen Bundesländern (Bayern oder Hessen) werden trotz der 2009 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention noch rund drei Viertel der betroffenen Schüler in Förderschulen beschult. Im Vergleich dazu sind es nur rund ein Drittel in anderen Bundesländern (Schleswig-Holstein oder Bremen).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodologische Positionierung
2.1 Quantitative Forschungsmethoden
2.2 Qualitative Forschungsmethoden
2.3 Gütekriterien
3. Exkurs
4. Grundlagentheoretische Einbettung
5. Forschungsfeld
6. Sampling
7. Erhebungsverfahren
8. Transkription
9. Auswertungsverfahren
9.1 Qualitative Inhaltsanalyse
9.2 Strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
10. Fazit
Zielsetzung und Themen der Forschungsarbeit
Die Arbeit untersucht die Entscheidungsprozesse und Reflexionen von Eltern, deren Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Förderschule besuchten, und beleuchtet deren bewusste Entscheidung gegen eine inklusive Beschulung im deutschen Schulsystem.
- Analyse der Wahrnehmung und Akzeptanz von Inklusion im deutschen Bildungswesen
- Methodische Begründung der qualitativen Forschung zur Erfassung subjektiver Erfahrungen
- Untersuchung von Entscheidungskriterien für den Besuch eines Förderzentrums
- Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der Interviews
- Reflexion der Rolle der Forschenden bei der Datenerhebung im familiären Kontext
Auszug aus dem Buch
2.2 Qualitative Forschungsmethoden
In der Qualitativen Forschung steht die Interpretation und das Verstehen der gewonnenen Erkenntnisse im Vordergrund.
Hier werden Sinn und subjektive Sichtweisen konstruierbar. Der Mensch dient sowohl als Untersuchungsobjekt als auch als erkennendes Subjekt (vgl. Lamnek, 2010).
Um der Forschungsfrage nachgehen zu können ist es dienlich, wenn die befragten Personen in der Lage sind, ihre Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren, wie es von Lamnek beschrieben wird.
Da die qualitativen Forschungsmethoden auch den Anspruch haben möglichst nah an die Lebenssituationen der befragten Personen heranzukommen und den Befragten möglichst viel Raum anzubieten, um ihre eigene Deutung zu entfalten (vgl. Helfferich, 2004) ist diese methodologische Positionierung eine Konsequenz aus der Frage nach einer persönlichen Reflexion.
Eine der Säulen der qualitativen Forschung nach Mayring (vgl. 2016) ist die Einzelfallbezogenheit. Diese ist in dieser Fallstudie gegeben, da es sich um eine Gruppe von Eltern handelt, die dieselbe Entscheidung für ihre Kinder getroffen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Fallbeispiel „Schulische Inklusion in Beispielshausen“ vor und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Entscheidung gegen inklusive Beschulung.
2. Methodologische Positionierung: Begründet die Wahl qualitativer Methoden gegenüber quantitativen Ansätzen und definiert die angewandten Gütekriterien.
3. Exkurs: Reflektiert die persönliche Rolle der Forschenden als Pflegemutter und die damit verbundenen Anforderungen an Offenheit und Objektivität.
4. Grundlagentheoretische Einbettung: Diskutiert den Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention und den aktuellen Forschungsstand zur Inklusion.
5. Forschungsfeld: Beschreibt die sozialen Felder der Untersuchung und die Vorgehensweise zur Gewinnung von Interviewpartnern.
6. Sampling: Erläutert die Auswahl der Stichprobe von Eltern, deren Kinder Förderzentren für körperliche und motorische Entwicklung besucht haben.
7. Erhebungsverfahren: Beschreibt das Leitfadeninterview als Methode zur Erhebung subjektiver Reflexionen.
8. Transkription: Erklärt die Regeln für die buchstabentreue Verschriftlichung der Interviews unter Berücksichtigung emotionaler Äußerungen.
9. Auswertungsverfahren: Detailliert die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring sowie die strukturierende Inhaltsanalyse.
10. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und gibt Ausblicke auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Sonderpädagogischer Förderbedarf, Inklusive Beschulung, Förderzentrum, Qualitative Forschung, Elternperspektive, Leitfadeninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Mayring, Schulwahl, Bildungswesen, Reflexion, Behinderung, Förderschule, Inklusion, Entscheidungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Reflexion von Eltern, die sich bewusst dafür entschieden haben, ihre Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht inklusiv zu beschulen, sondern an einem Förderzentrum unterrichten zu lassen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Wahrnehmung von Inklusion, die Kriterien bei der Schulwahl für Kinder mit Beeinträchtigungen sowie die subjektive Bewertung der getroffenen Entscheidung durch die betroffenen Eltern.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie reflektieren Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nach Ende der Schullaufbahn ihre Entscheidung, sich gegen inklusive Beschulung entschieden zu haben?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, basierend auf Leitfadeninterviews, die im Anschluss durch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodologische Begründung, die theoretische Einbettung, die Beschreibung des Forschungsfeldes, das Sampling der Interviewpartner, die Erhebung sowie die systematische Inhaltsanalyse der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sonderpädagogischer Förderbedarf, Inklusion, Förderzentrum, Elternperspektive und qualitative Inhaltsanalyse charakterisieren.
Welche Rolle nimmt die Forschende in der Studie ein?
Als Pflegemutter von Kindern mit Förderbedarf reflektiert die Autorin ihre eigene Rolle kritisch, um sicherzustellen, dass ihre persönlichen Erfahrungen die Objektivität der Studie nicht beeinträchtigen.
Wie wurde die Auswahl der Interviewteilnehmer getroffen?
Das Sampling konzentrierte sich gezielt auf Eltern von Kindern zweier Förderzentren im städtischen Raum Schleswig-Holsteins, um eine spezifische Vergleichbarkeit der Erfahrungen zu ermöglichen.
Warum wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring genutzt?
Dieses Verfahren wurde gewählt, um das erhobene Material systematisch, regelgeleitet und theoriegeleitet zu bearbeiten und so die subjektiven Aspekte der Entscheidungsfindung präzise herauszuarbeiten.
Was ist das zentrale Fazit der Untersuchung?
Die Entscheidung für eine Förderschule ist ein komplexer Prozess, der von vielen Faktoren wie der Art der Behinderung und familiären Gegebenheiten abhängt und für die betroffenen Eltern eine bedeutende Reflexionsleistung darstellt.
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- Kelly Bieck (Author), 2021, Schulische Inklusion bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Auswirkungen auf die Lernbereitschaft und die Inklusion in anderen Lebensbereichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1161408