In diesem Essay sollen nun zunächst Grabepigramm und Rede verglichen werden und im Anschluss herausgestellt werden, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede die Schlachten an den Thermopylen und in Stalingrad aufweisen, um zu überprüfen, ob ein Vergleich überhaupt gerechtfertigt ist. Im Anschluss soll im Hinblick auf den vorangegangenen Vergleich, das von Göring dargestellte Spartabild analysiert werden, um schließlich die Rolle Spartas in der nationalsozialistischen Propaganda aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Rede und des Grabepigramms
3. Vergleich der Schlachten: Thermopylen und Stalingrad
4. Funktion des Spartabildes in der nationalsozialistischen Propaganda
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Instrumentalisierung des antiken Spartabildes durch den Nationalsozialismus am Beispiel einer Rede Hermann Görings vom 30. Januar 1943, die anlässlich der Niederlage in Stalingrad gehalten wurde. Dabei wird analysiert, wie die nationalsozialistische Führung antike Mythen zur Legitimation des Krieges und zur Überhöhung des Soldatentodes einsetzte.
- Vergleich von Görings Rede mit dem herodotischen Grabepigramm
- Analyse der rhetorischen Umdeutung von Gebot zu Gesetz
- Historische Einordnung der Schlacht bei den Thermopylen versus Stalingrad
- Untersuchung der nationalsozialistischen Propaganda-Mechanismen
- Bewertung der Sinnstiftung für den Soldatentod
Auszug aus dem Buch
Die Instrumentalisierung des Spartabildes in der Rede von Hermann Göring
Vergleicht man nun beide Zitate, wird deutlich, dass zunächst zwei grundlegende und eine eher unscheinbare Veränderung vorgenommen wurden. Offensichtlich sind das Austauschen Spartas durch Deutschland und die Präzisierung des Ortes, indem bei Göring Stalingrad explizit genannt wird. Weniger augenscheinlich ist, dass Göring, im Gegensatz zum Original, von einem Gesetz und nicht von einem Gebot spricht. Was ist nun der Unterschied zwischen den beiden Begriffen im Kontext ihrer historischen Situation? Das im Grabepigramm genannte Gebot bezieht sich auf die Einstellung der Spartaner zum Kampf. Es weist, da es kein kodifiziertes Gesetz ist, eine metaphorische Tragweite auf, die die Kampfmoral und das Selbstverständnis des bis zum äußersten kämpfenden Spartaners einschließt. Der Gesetzesbegriff bei Göring hingegen bezieht sich auf zwei Ebenen. Zum Einen ist dies die reale Gesetzgebung und Befehlshaltung Hitlers und des Oberkommandos der Wehrmacht. Durch die immer wieder ausgesprochenen Haltebefehle und das Verbot eines Rückzuges wurde die 6. Armee in eine ausweglose Lage manövriert. Auch wenn Göring zum Anderen dem Gesetzesbegriff durch die Ausführungen „das Gesetz der Sicherheit unseres Volkes“ und „dieses Gesetz trägt jeder von euch in der Brust, das Gesetz, für Deutschland zu sterben“ im Nachhinein eine weitere Bedeutungsebene zuschreibt und von dem menschlichen Versagen der Wehrmachtführung abzulenken versucht, bleibt dieses jedoch in der heutigen Betrachtung das zentrale Element der Niederlage bei Stalingrad.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema des Essays vor, erläutert den Anlass der Rede Görings und benennt die Forschungsfrage hinsichtlich der Verwendung des Spartabildes in der NS-Propaganda.
2. Analyse der Rede und des Grabepigramms: Dieses Kapitel vergleicht den Wortlaut des antiken Grabepigramms mit Görings Abwandlung und arbeitet den inhaltlichen Bedeutungswandel der Begriffe "Gebot" und "Gesetz" heraus.
3. Vergleich der Schlachten: Thermopylen und Stalingrad: Es erfolgt eine historische Gegenüberstellung beider Schlachten, bei der die fundamentalen Unterschiede hinsichtlich der Ausgangslage und der militärischen Realität aufgezeigt werden.
4. Funktion des Spartabildes in der nationalsozialistischen Propaganda: Dieses Kapitel analysiert, wie die nationalsozialistische Führung das Bild der Spartaner nutzte, um den Tod der Soldaten ideologisch zu überhöhen und legitimieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle des Spartabildes als wesentliches Element der nationalsozialistischen Kriegspropaganda.
Schlüsselwörter
Sparta, Nationalsozialismus, Hermann Göring, Stalingrad, Grabepigramm, Thermopylen, Propaganda, Kriegführung, Soldatentod, Ideologie, 6. Armee, Legitimation, Herodot, Antikenrezeption, Heldenmythos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie das Bild der antiken Spartaner im Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde, um militärische Niederlagen propagandistisch umzudeuten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Rezeption antiker Geschichte durch die NS-Führung, der Vergleich zwischen der Schlacht bei den Thermopylen und der Schlacht von Stalingrad sowie die Rhetorik der NS-Propaganda.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Göring durch die Verknüpfung der antiken Geschichte mit der aktuellen Kriegssituation den Tod deutscher Soldaten als heroisches Opfer legitimieren wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Textanalyse von Quellen (Reden und Epigramme) sowie eine historische Einordnung der dargestellten Ereignisse im Kontext der NS-Ideologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Wortlaut des Grabepigramms und Görings Rede verglichen, der Unterschied zwischen "Gesetz" und "Gebot" analysiert und die historische Diskrepanz der Schlachtvergleiche aufgearbeitet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spartabild, Nationalsozialismus, Propagandafunktionalisierung und historische Mythenbildung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Begriff "Gesetz" bei Göring von dem antiken "Gebot"?
Während das "Gebot" im Epigramm eine innere moralische Haltung der Spartaner beschreibt, nutzt Göring den "Gesetzesbegriff" auf einer politischen und militärischen Ebene, um Befehlshörigkeit und Zwang zu legitimieren.
Warum war der Vergleich mit Stalingrad historisch gesehen problematisch?
Der Vergleich war problematisch, da die Spartaner in einer aktiven Verteidigung ihres eigenen Landes kämpften, während die deutsche Wehrmacht in besetztem Gebiet agierte und die Soldaten in Stalingrad zudem unter Hunger und Kälte litten, statt nur im ehrenvollen Kampf zu fallen.
- Quote paper
- Philipp Prinz (Author), 2008, Das Spartabild im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116195