Diese Hausarbeit setzt sich mit dem Thema „Soziale Arbeit im Nationalsozialismus“ auseinander. Der Fokus darauf ist der Themenkomplex, inwieweit und inwiefern der Arbeitsbereich, der Stellenwert und die Organisationen der Sozialen Arbeit zur Zeit des Nationalsozialismus im Zusammenhang der nationalsozialistischen Ideologie ausgelebt wurde.
In der Hausarbeit wird daher die Bedeutung des ‚nationalsozialistischen Wohlfahrtsstaats’ und der Sozialstaatlichkeit des Nationalsozialismus beleuchtet und abschließend die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV) als Handlungsfeldbeispiel und Wohlfahrtsträger nationalsozialistischer Sozialer Arbeit vorgestellt und in den Zusammenhang der Ideologie des Nationalsozialismus gesetzt. Zum Schluss folgt eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „nationalsozialistischer Wohlfahrt- bzw. Sozialstaat“ und gleichzeitig Fazit darüber gezogen, ob und wie ‚sozial‘ die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus (wirklich) waren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff des Wohlfahrtsstaats
3 Grundgedanken nationalsozialistischer Sozialpolitik
4 Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt): Beispiel eines Sozialen Trägers im Nationalsozialismus
5 Fazit: Wie sozial war der Nationalsozialismus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Sozialen Arbeit während des Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf der Instrumentalisierung wohlfahrtspflegerischer Strukturen durch die nationalsozialistische Ideologie liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Bedeutung des Wohlfahrtsstaats im NS-Regime und dem Wandel der Sozialen Arbeit hin zur sogenannten „Volkspflege“, exemplifiziert durch die Analyse der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).
- Konzeptualisierung des Wohlfahrtsstaats und nationalsozialistischer Sozialpolitik
- Die Transformation der Wohlfahrtspflege zur rassenpolitisch motivierten Volkspflege
- Die Rolle der NSV als zentraler Akteur und Instrument der NS-Ideologie
- Ausgrenzungsmechanismen und die Einbindung der Sozialen Arbeit in das NS-Herrschaftssystem
- Ethische Reflexion über die Verantwortung sozialer Berufsgruppen im Nationalsozialismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Von der Wohlfahrtspflege zur Volkspflege
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen kam es zur Umstrukturierung sozialarbeiterischer Wohlfahrtspflege. Im Zusammenhang der nationalsozialistischen Ideologie wurden Soziale Träger gemäß der Ideologie der „Rassenlehre“ instrumentalisiert. Demnach seien „Nordische Rassen“, das „Herrenvolk“ zu stärken und Minderwertige zu vernichten. Die Wohlfahrtspflege im Nationalsozialismus baute auf drei Ziele auf:
1. Reduzierung von privater Fürsorge zugunsten nationalsozialistischer Vorherrschaft
2. Ausschluss alles Fremdrassigen, krank und erblich Belasteten aus dem „Volkskörper“ bzw. der „Volksgemeinschaft“.
3. Gezielte Unterstützung und verstärkte Sorge für den „gesunden Volkskörper“ 9
Die traditionelle Wohlfahrtspflege und Fürsorge hatte im nationalsozialistischen Kontext die Bedeutung der Gestaltung und „Volkspflege“ des „Volkskörpers“. Dies impliziert den Ausschluss bestimmter und nicht zum Volk gehörender. Nicht die individuelle Wohlfahrt des Einzelnen war von Interesse, sondern die „Volkswohlfahrt“. So zielte die national-sozialistische Volkswohlfahrt an, die Ursachen der Hilfsbedürftigkeit dadurch zu bekämpfen, indem man auf der Grundlage der erbbiologischen und rassenhygienischen Maßnahmen eine Versorgung „Minderwertiger“ auf ein Minimum reduziert bzw. ganz ablehnt. Wohlfahrtspflege im Nationalsozialismus stand unter der Vorrangstellung der Volksgemeinschaft. „Wertvolle“ waren zu fördern, „Gestrauchelte“ zu bessern und einzugliedern, "Abweichende", "Unbrauchbare", "Untüchtige" und „Nicht-Besserungsfähige“ wurden ausgesondert, isoliert, ausgegrenzt, diszipliniert und an die Orte der Vernichtung überwiesen. (Hilfe-)Leistung wurde nur „arisch Unbedenklichen“ gewährt.
„Nationalsozialistische Sozialpolitik wurde vorrangig als Bevölkerungs- und Rassenpolitik definiert. Sozialpolitik wurde verstanden als Instrument der Produktion des ‚gesunden Volkskörpers‘“ anstelle der Unterstützung benachteiligter Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus ein und umreißt die Untersuchung der NSV als Handlungsfeldbeispiel sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialstaatlichkeit im NS-Regime.
2 Begriff des Wohlfahrtsstaats: In diesem Kapitel wird der Wohlfahrtsstaat definiert und seine zentralen Funktionen, wie Schutz, Umverteilung, Produktivität sowie Integration und Legitimation, erläutert.
3 Grundgedanken nationalsozialistischer Sozialpolitik: Das Kapitel analysiert, wie Sozialpolitik ideologisch instrumentalisiert und zur „Volkspflege“ umgestaltet wurde, um den „gesunden Volkskörper“ zu fördern und „Ungeeignete“ auszuschließen.
4 Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt): Beispiel eines Sozialen Trägers im Nationalsozialismus: Hier wird die NSV als NS-Organisation dargestellt, ihre Gründung, Organisationsstruktur und ihre Funktion als Instrument der Propaganda und Ausgrenzung untersucht.
5 Fazit: Wie sozial war der Nationalsozialismus?: Das Fazit resümiert die ethische Diskrepanz zwischen Sozialer Arbeit und nationalsozialistischer Ideologie und bewertet die Mitverantwortung sozialer Berufe bei der Umsetzung von Selektion und Ausmerze.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Soziale Arbeit, NSV, Wohlfahrtsstaat, Volkspflege, Volksgemeinschaft, Rassenpolitik, Instrumentalisierung, Ausgrenzung, Eugenik, Fürsorge, NS-Ideologie, Sozialpolitik, NS-Herrschaftssystem, Selektion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Sozialen Arbeit sowie die Rolle wohlfahrtspflegerischer Organisationen, insbesondere der NSV, während des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Umdeutung von Sozialpolitik zur rassenbiologischen „Volkspflege“, die Instrumentalisierung von Wohlfahrtseinrichtungen und die Mechanismen der Inklusion und Exklusion im „Dritten Reich“.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu beleuchten, wie die nationalsozialistische Ideologie die Soziale Arbeit beeinflusst und zweckentfremdet hat, um den „gesunden Volkskörper“ zu produzieren und „Minderwertige“ auszugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der historische Quellen und Forschungsliteratur zur Geschichte der Sozialen Arbeit und des Wohlfahrtsstaats im Nationalsozialismus ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den ideologischen Grundlagen der NS-Sozialpolitik, der Transformation zur Volkspflege, dem Sozialen Rassismus und einer detaillierten Analyse der Struktur, Aufgaben und Bedeutung der NSV.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Soziale Arbeit, NSV, Volksgemeinschaft, Volkspflege und Rassenpolitik charakterisiert.
Welche Rolle spielte die NSV konkret bei der Ausgrenzung?
Die NSV fungierte als Instrument, das Hilfe nur „erbgesunden“ Volksgenossen zukommen ließ, während sie „Minderwertige“ diskreditierte, ausschloss und deren Vernichtung im Rahmen der NS-Politik unterstützte.
Welche ethische Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der SozialarbeiterInnen?
Der Autor hinterfragt kritisch, inwieweit SozialarbeiterInnen durch ihr Handeln – etwa bei der Datenerfassung für eugenische Maßnahmen – eine Mitverantwortung an den menschenverachtenden Zielen des NS-Regimes trugen.
- Citation du texte
- Lola Victoria (Auteur), 2017, Der nationalsozialistische Wohlfahrtsstaat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1162592