In dieser Arbeit geht es um entwicklungsförderliche Spielgestaltungsmöglichkeiten in Regelkindergärten, inklusiven Kindergärten sowie Förderkindergärten. Während in Förderkindergärten ausdifferenziert wird, um eine optimierte, förderbedarfsspezifische Förderung zu erreichen, sind sowohl in Regelkindergärten, als auch in inklusiven Kindergärten, bei unterschiedlichen Rahmenbedingen Kinder mit und ohne Förderbedarf zu finden. Die Arbeit untersucht heilpädagogische Gestaltungsmöglichkeiten von inklusiven Spielsituationen in Regelkindergärten und inklusiven Kindergärten. Dabei soll dargestellt werden, welche Methodik in der inklusiven Spielgestaltung eine entwicklungsförderliche Auswirkung gleichermaßen für Kinder mit und ohne Förderbedarf darstellt. Dabei soll in dieser Arbeit in besonderem Masse die Gruppe der Kinder mit „geistigen Behinderungen“ berücksichtigt werden.
Der inklusive Leitgedanke gemäß Behindertenrechtskonvention kennt keine separierten Gruppen, dies bedeutet in der Konsequenz, dass nicht nur eine Ausgrenzung aufgrund eines Förderbedarfs zu vermeiden ist, sondern letztlich jegliche denkbare, z.B. auch durch Ethnizität oder Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen. Im Gegensatz zu vielen Regelkindergärten werden in inklusiven Kitas Abweichungen von der Norm nicht nur im positiven Sinne angenommen, sondern diese als Vielfalt ausdrücklich willkommen geheißen. Ein anderer kultureller Hintergrund wird hier z.B. eher als Vorteil interpretiert. Eine solche Kita ist als ein Ort des Lebens und Lernen für alle zu verstehen. Während der inklusive Leitgedanke in Regelkindergärten durch Zuteilung von Unterstützungsressourcen entsprechend den jeweiligen Bedarfen erfolgt, ist das Potenzial und Know-How in inklusiven Kindergärten systemimmanent. Erforderliche Veränderungen in konzeptioneller, personeller und baulicher Hinsicht sind hier im Idealfall gegeben bzw. abgeschlossen.
Neben dem Abbau von Barrieren auf allen Ebenen ist es eine Kernaufgabe, Lern- und Spielsituationen so zu gestalten, dass alle Kinder uneingeschränkt an den Angeboten teilnehmen können und diese Spielsituationen zum gemeinsamen Spiel aller Kinder miteinander einladen und sich hier keine homogenen Gruppen bilden. Die besondere Herausforderung ist hier, dass diese inklusiven Spielsituationen nicht nur von allen gleichermaßen nutzbar sind, sondern auch für alle Kinder eine entwicklungsförderliche Wirkung beinhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Gestaltung des inklusiven Spiels in der Kita
1.2 Umsetzung des inklusiven Leitgedankens
1.3 Besonderheiten des inklusiven Spiels in der Kita
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Inklusive Lern- und Spielsituationen
2.1 Methodik und Didaktik einer entwicklungsförderlichen Gestaltung
2.1.1. Bedeutung des kindlichen Spiels für die pädagogische Arbeit
2.1.2. Lern- und Spielsituationen in Kitas aus heilpädagogischer Perspektive
2.2 Gestaltung eines entwicklungsförderlichen Spielumfelds
2.2.1. Umsetzung der inklusiven Spielgestaltung in der Kita
2.2.2. Kinder mit geistiger Behinderung in der Kita
2.2.3. Optionen der Spielgestaltung für Kinder mit geistiger Behinderung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten der heilpädagogischen Entwicklungsförderung durch die Gestaltung inklusiver Spielsituationen in Kindertagesstätten. Ziel ist es, methodische Ansätze und didaktische Konzepte aufzuzeigen, die gleichermaßen für Kinder mit und ohne Förderbedarf entwicklungsförderlich wirken, wobei der Fokus besonders auf Kindern mit geistiger Behinderung liegt.
- Gestaltung inklusiver Spielumgebungen und Lernsettings
- Methodik der heilpädagogischen Spielbegleitung
- Bedeutung des kindlichen Spiels für die Inklusion
- Förderung sozialer Kompetenzen in gemischten Gruppen
- Ansätze zur Vermeidung von Ausgrenzung im Kita-Alltag
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Bedeutung des kindlichen Spiels für die pädagogische Arbeit
Hellmut Becker hat eine sehr treffende Leitidee zum Verhältnis von Spiel und Wirklichkeit bzw. Spiel und Lebenswelt verfasst. Er definiert das Spiel als ein Probehandeln, welches die Realität vorwegnimmt, aber doch nicht Realität ist. Ein Probehandeln, welches die Fähigkeit zur Utopie vermittelt und für welches man nicht zur Rechenschaft gezogen wird (vgl. Heimlich, 2015, S. 18). Dabei hat sich in der Fachlichkeit der Erziehungswissenschaft ein Konsens ergeben, dass die Förderung des kindlichen Spielens durch die Pädagogik notwendig ist, dies insbesondere angesichts sich verändernder Lebenssituationen von Kindern.
Heimlich versteht hier den Begriff der Spielpädagogik als zusammenfassende Bezeichnung für Interventionen von Erwachsenen in das kindliche Spiel mit dem Ziel der Förderung der Fähigkeit des Kindes zu einer selbstbestimmteren Spieltätigkeit (vgl. Heimlich, 2015, S. 14-15). Wenngleich sich Parallelen zum menschlichen Spiel auch in der Tierwelt finden, so ist doch das Spiel in ganz besonderem Maße eine Eigenschaft der menschlichen Kultur. Hier ist das Spiel von größter Bedeutung für die kognitive Entwicklung sowie ein Schlüssel zur Erschließung der Umwelt. Dabei finden sich im Spiel immer auch Elemente bzw. Bezüge zur jeweiligen Erwachsenenwelt. Damit können Kinder sich Teile ihrer sozialen Umwelt aneignen und Handlungen in Bereichen ausprobieren, in denen sie aufgrund ihres Alters normalerweise keinen Zugang hätten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Rahmen der Arbeit, führt in die Problematik der inklusiven Spielgestaltung in deutschen Kitas ein und benennt die Zielsetzung sowie den Aufbau der Untersuchung.
2. Inklusive Lern- und Spielsituationen: Dieses Hauptkapitel erläutert theoretische Grundlagen sowie praktische Methoden zur Gestaltung inklusiver Lernumgebungen, Spielbeobachtung und gezielter Fördermaßnahmen unter heilpädagogischen Aspekten.
Schlüsselwörter
Inklusion, Kindertagesstätte, Heilpädagogik, Spielpädagogik, Entwicklungsförderung, Geistige Behinderung, Spielgestaltung, Lernsituationen, Sozialkompetenz, Inklusive Bildung, Spielbeobachtung, Frühförderung, Teilhabe, Elementarpädagogik, Behindertenrechtskonvention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung inklusiver Spielsituationen in Kindertagesstätten und den Möglichkeiten der heilpädagogischen Entwicklungsförderung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die methodische Gestaltung von Spielumgebungen, die Bedeutung des Spiels für die inklusive Bildung, die Rolle der pädagogischen Fachkräfte sowie spezifische Ansätze für Kinder mit geistiger Behinderung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Methoden für eine entwicklungsförderliche Spielgestaltung aufzuzeigen, die allen Kindern – unabhängig von Förderbedarfen – Teilhabe ermöglicht und Ausgrenzung vermeidet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Analyse erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur sowie die Anwendung heilpädagogischer Beobachtungs- und Förderkonzepte im Kita-Alltag.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung inklusiver Spielsituationen sowie die praktische Umsetzung, inklusive Beobachtung, Raumgestaltung und Intervention bei Kindern mit geistiger Behinderung.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inklusion, Heilpädagogik, Spielgestaltung, Entwicklungsförderung und Teilhabe in der Kita beschreiben.
Wie sollten Spielangebote für Kinder mit geistiger Behinderung gestaltet sein?
Es werden Angebote empfohlen, die durch einfache Formen, wenig Reize, klare Strukturen, Wiederholungen und eine motivierende Anleitung Überforderung vermeiden und Erfolgserlebnisse fördern.
Welche Rolle spielt die Gruppenzusammensetzung für den Inklusionsprozess?
Eine bewusst gemischte Gruppe wird als essenziell betrachtet, da Kinder mit Unterstützungsbedarf von anderen profitieren und Kinder ohne Förderbedarf soziale Kompetenzen durch Helfen und Unterstützen stärken.
Warum ist das Thema "Spielbeobachtung" für Heilpädagogen wichtig?
Die Spielbeobachtung dient der diagnostischen Voreinschätzung von Entwicklungsständen sowie dem frühzeitigen Erkennen von Beeinträchtigungen, um gezielte Fördermaßnahmen einleiten zu können.
- Arbeit zitieren
- Michael Hubig (Autor:in), 2021, Inklusives Spiel in der Kita. Möglichkeiten der heilpädagogischen Entwicklungsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1163089