Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Klosterreform des ausgehenden 15. Jahrhunderts auf die Schriftkultur in Nonnenklöstern. Es stellt sich die Frage, ob in diesem Zusammenhang eine Veränderung der Schriftproduktion in Nonnenkonventen festzustellen ist. Es ist zu vermuten, dass sich ausgehend von der Frömmigkeitsbewegung Devotio moderna und der Klosterreform, welche einer neuen Frömmigkeit und Innerlichkeit den Weg bereiteten, der Produktionsumfang und auch die Inhalte von geistigen Handschriften veränderten. Diese Überlegung soll unter Hinzuziehung einer Handschrift aus dem Zisterzienserkloster Medingen, dem Propsthandbuch des Propstes Tilemann von Bavenstedt, untersucht werden. Aus Kloster Medingen sind etwa fünfzig Handschriften überliefert, darunter das Propsthandbuch, welches die Medinger Nonnen erstmals 1467 anlässlich des Amtsantritts von Tilemann von Bavenstedt zusammenstellten. Nach der Klosterreform 1479 wurde das Buch von den Nonnen umfassend umgeschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung/Forschungsstand
2 Kloster Medingen
2.1 Das Propsthandbuch
2.2 Propst Tilemann von Bavenstedt
3 Bildung und Erziehung
3.1 Frauenbildung im späten Mittelalter
3.2 Nonnenbildung im späten Mittelalter
4 Erneuerung und monastische Reform
4.1 Die Laienbewegung Devotio moderna und ihre Schriftlichkeit
4.2 Die Klosterreform im späten Mittelalter in Kloster Medingen
5 Musikhandschriften aus Kloster Medingen. Notation im Propsthandbuch und in den Medinger Andachtsbüchern.
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Klosterreform des ausgehenden 15. Jahrhunderts auf die Schriftkultur und die Produktion geistlicher Handschriften in Nonnenklöstern, wobei das Zisterzienserkloster Medingen und dessen Propsthandbuch als zentrale Fallbeispiele dienen.
- Analyse der Zusammenhänge zwischen monastischer Reform und veränderter Schriftkultur.
- Untersuchung von Bildung und Erziehung von Frauen und Nonnen im Spätmittelalter.
- Einfluss der Laienbewegung "Devotio moderna" auf die religiöse Praxis und Schriftlichkeit.
- Bedeutung von Liturgie und Meditation für die Handschriftenproduktion.
- Funktionsweise und Notation von Musikhandschriften im Propsthandbuch und in Andachtsbüchern.
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Propsthandbuch
Zu den Medinger Handschriften gehört auch das Propsthandbuch des Propstes Tilemann von Bavenstedt, welches als ein „moderat großer“
(…) Quartband (…), der (…) als persönliche Ausgabe gottesdienstlicher Texte an der Schwelle zwischen repräsentativer Liturgica und den Gebrauchshandschriften liegt (…).12
beschrieben wird. Die Medinger Nonnen stellten den Codex 1476 anlässlich seines Amtsantrittes zusammen und strukturierten ihn 1479 radikal um, da die Liturgie im Zuge der Klosterreform einschneidenden Änderungen unterworfen war.13 Die Handschrift diente Propst Tileman von Bavenstedt und weiteren Benutzern des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts als
(…) Handhabe, das Kloster Medingen mit seinem Klerus, den Nonnen, Konversen und der laikalen Gemeinde effektiv zu leiten, in der Liturgie ebenso wie in der Organisation des Klosterlebens (…).14
Der Ursprungskodex aus den 1470er Jahren ist unter der vorhandenen Handschrift in Konturen vorhanden. Hascher-Burger/Lähnemann sprechen hier von zwei distinkten Handschriften, die sich zwischen den Buchdeckeln befinden.15
Der Einband besteht aus zwei mit Leder überzogenen Holzdeckeln im Format 21,5x16 cm, verstärkt und geschlossen durch Metallbeschläge und weist einen guten Erhaltungszustand auf.16 Die Handschrift wird in der Bodleian Library Oxford aufbewahrt. Der komplette Codex ist fotografisch auf der von Henrike Lähnemann betreuten Internetseite Medingen manuscripts17 abgebildet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung/Forschungsstand: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie die Klosterreform des 15. Jahrhunderts die Schriftproduktion in Nonnenkonventen beeinflusste, und diskutiert den aktuellen Forschungsstand dazu.
2 Kloster Medingen: Es werden die historische Einordnung des Klosters Medingen, die Bedeutung des Propsthandbuches und die Rolle von Propst Tilemann von Bavenstedt dargelegt.
2.1 Das Propsthandbuch: Dieses Unterkapitel beschreibt die Beschaffenheit, die Entstehungsgeschichte und die liturgische Funktion des Propsthandbuches als zentrales Untersuchungsobjekt.
2.2 Propst Tilemann von Bavenstedt: Es wird die Biografie und die maßgebliche Rolle von Tilemann von Bavenstedt bei der Durchführung der Klosterreform in Medingen beleuchtet.
3 Bildung und Erziehung: Das Kapitel erläutert den zeitgenössischen Kontext der Begriffe Bildung und Erziehung sowie den Wandel der Bildungslandschaft im Spätmittelalter.
3.1 Frauenbildung im späten Mittelalter: Es werden die schwierigen Bedingungen und differenzierten Möglichkeiten der Frauenbildung in städtischen und adligen Milieus des Spätmittelalters analysiert.
3.2 Nonnenbildung im späten Mittelalter: Die Auswirkungen der Universitätsgründungen und klösterlicher Beschränkungen auf die Bildung und Ausbildung von Nonnen stehen hier im Zentrum.
4 Erneuerung und monastische Reform: Dieses Kapitel behandelt die Hintergründe der Klosterreformen des 15. Jahrhunderts, insbesondere die Reaktion auf Missstände und den Drang zur Wiederherstellung strenger Klosterregeln.
4.1 Die Laienbewegung Devotio moderna und ihre Schriftlichkeit: Es wird der Einfluss der Devotio moderna auf eine neue, persönliche Frömmigkeit und die damit verbundene Aufwertung der Schriftkultur erklärt.
4.2 Die Klosterreform im späten Mittelalter in Kloster Medingen: Die konkrete Umsetzung der Klosterreform in Medingen unter dem Propst Tilemann von Bavenstedt und die Einführung der strengen Klausur werden detailliert beschrieben.
5 Musikhandschriften aus Kloster Medingen. Notation im Propsthandbuch und in den Medinger Andachtsbüchern.: Das Kapitel analysiert die linienlose Notation in den Handschriften als Ausdruck einer nach innen gerichteten Frömmigkeit.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Klosterreform zu einer messbaren Steigerung der Schriftproduktion und einer vertieften intellektuellen Auseinandersetzung der Nonnen mit ihrem Glauben führte.
7 Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Literatur für die Arbeit aufgelistet.
Schlüsselwörter
Kloster Medingen, Spätmittelalter, Klosterreform, Schriftkultur, Handschriftenproduktion, Propsthandbuch, Frauenbildung, Devotio moderna, Liturgie, Meditation, Musikhandschriften, Nonnen, Klausur, Zisterzienserorden, Tilemann von Bavenstedt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die monastischen Reformen des 15. Jahrhunderts die Schreibkultur in Nonnenklöstern veränderten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Handschriftenproduktion, der Bildungssituation von Frauen und Nonnen sowie der Bedeutung religiöser Reformbewegungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Einführung einer neuen, innerlichen Frömmigkeit durch Klosterreformen und einem verstärkten Aufkommen an geistlichen Handschriften zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse des Propsthandbuchs aus Kloster Medingen sowie auf den Vergleich mit bestehender wissenschaftlicher Literatur und Quellen zur klösterlichen Lebenswelt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Bildungsumstände, die historische Entwicklung der Reformbewegungen wie der Devotio moderna und eine spezifische Untersuchung der Handschriften und ihrer musikalischen Notation.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Kloster Medingen, Schriftkultur, Klosterreform, Devotio moderna und mittelalterliche Frauenbildung.
Warum wurde das Propsthandbuch als primäres Fallbeispiel gewählt?
Da das Propsthandbuch tiefgreifende Überarbeitungen und Ergänzungen durch die Nonnen erfahren hat, eignet es sich hervorragend, um die Reaktion auf die veränderte Liturgie der Klosterreform zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die "Klausur" für die Schriftproduktion?
Die strenge Klausur führte zu einer Abgeschlossenheit von der Außenwelt und einem Schweigegebot, was die Nonnen dazu zwang, ihre Kommunikation und religiöse Praxis schriftlich zu fixieren.
Was besagt die Arbeit zur Notationsweise der Musikhandschriften?
Die Arbeit argumentiert, dass die linienlose Notation in den Andachtsbüchern kein Zeichen von Rückständigkeit war, sondern bewusst für das "Singen im Herzen" bei der privaten Andacht verwendet wurde.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin hinsichtlich des Skriptoriums?
Obwohl kein explizites Skriptorium in den Quellen belegt ist, weist die hohe Qualität und Anzahl der Handschriften auf eine professionalisierte und intensive Schreibtätigkeit der Nonnen in Medingen hin.
- Citation du texte
- Martina Hölge-Cordier (Auteur), 2019, Schreibende Frauen im Spätmittelalter. Klosterreform und Schriftlichkeit in Kloster Medingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1163922