Steckt Deutsch in Japan in der Krise?


Studienarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kurzer Abriss der Bedeutung deutscher Sprache in Japan

3. Deutsch als Fremdsprache in der Gegenwart
3.1. Die Einstellung der Japaner zur Fremdsprache
3.2. Deutsche Sprache in der gegenwärtigen Situation
3.3. Probleme des Deutschunterrichts in japanischen Hochschulen
3.4. Deutsch als Fremdsprache und Germanistik in Japan: Ist die Ausbildung der Hochschullehrkräfte Nebensache?
3.5. Berufschancen

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Japanische Sprachenpolitik ist sehr einseitig, weil die Ausrichtung Japans im Moment zu sehr auf Amerika und zu wenig in Richtung Deutschland bzw. Europa ausgelegt ist. Die frühere Position, die Deutschland in Japan inne hatte, ist von Amerika eingenommen worden.

Die Internationalisierung betrifft in erster Linie die Wirtschaft. Nach dem zweiten Weltkrieg ist wegen der politischen Übermacht Amerikas die wissenschaftliche Position Deutschlands, zumindest im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg, in vielen Bereichen nicht mehr so bedeutend. Dennoch ist das erste Tor, Sprache, als ein wichtiges Mittel andere Länder kennenzulernen, verschlossen. Obwohl es noch vieles gäbe, was man von Deutschland lernen könnte, ist der Unterricht der deutschen Sprache in Japan quantitativ zwar enorm breit, qualitativ jedoch sehr seicht. Die Zahl der Studenten, die Deutsch als zweite Fremdsprache lernen, um die Sprache Deutsch und auch die deutsche Kultur - als zweites Tor - kennenzulernen, wird immer kleiner. Die Stellen für Deutschlehrer werden auch abgebaut.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Stellung des Deutschunterrichts und dessen Fehlstruktur an den japanischen Hochschulen. Ziel in dieser Arbeit ist es, Benachteiligungen der deutschen Sprache in Japan vorzustellen. Diese Arbeit beginnt mit der Entwicklung der deutschen Sprache in Japan über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren, um danach die Situation der Gegenwart und die Auswirkungen gegenüberzustellen. Anschließend wird ein allgemeiner Überblick über die deutsche Sprache und die gegenwärtige Situation des Deutschunterrichts nach der Hochschulreform 1991 vorgestellt.

2. Kurzer Abriss der Bedeutung deutscher Sprache in Japan

Um die Veränderung der Stellung der deutschen Sprache zu verstehen, ist es zunächst wichtig, sich daran zu erinnern, dass ein erheblicher Teil des Wissens aus Deutschland im 19. Jahrhundert nach Japan importiert wurde.

Bis vor 1854 hatte sich Japan über zweihundert Jahre nach außen hin abgeschottet. Bekanntlich durften nur Holländer als einziges europäisches Land diplomatische Beziehungen mit Japan haben. Der erste diplomatische Besucher aus Deutschland, der nach Japan kam, war Mitglied einer preußischen Delegation – Graf zu Eulenburg – im Jahre 1860. Diese Delegation kam nach Japan um einen Handelsvertrag abzuschließen. Nachdem das erste deutsch-japanische Wörterbuch 1872 erschien, wuchs die Zahl der Deutschlernenden in Japan stetig an. Einer Erhebung zufolge, waren im Jahr 1898 81 Studierende an der deutschen Abteilung der Universität Tokyo (an der französischen Abteilung 86 und der englischen Abteilung 340 Studierende) eingeschrieben. Im Jahr 1903 waren es 364 Studierende (158 an der französischen und 197 an der englischen) und im Jahr 1904 gab es 440 Studierende, die sich für die deutsche Sprache interessierten.[1] Das Deutsche war bis 1945 für Japaner als Wissenschaftssprache unumgänglich. Vor allem, da man es von Preußen für Rechtwissenschaft, Medizin, Philosophie und Literatur lernen musste.[2] Der Grund für das rasant anwachsende Interesse an der deutschen Sprache und an den deutschen Wissenschaften liege in der politökonomischen Entwicklung in Deutschland nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71).[3] Die Grundlagen für die damalige Stellung der deutschen Sprache ist in den Berichten und Briefen zu beobachten, die zwischen dem deutschen Auswärtigen Amt in Berlin und der Deutschen Gesandtschaft in Tokyo gewechselt worden sind.[4] Beißwenger fasst die Erkenntnisse des jeweiligen Gesandten aus den Berichten wie folgt zusammen, nämlich dass „Deutsch bis dahin keine Probleme aufwarf bzw. dass die anwachsende Bedeutung der Sprache als zweitwichtigste Sprache nach dem Englischen mit einer gewissen Genugtuung betrachtet wurde.“[5]

Mit der Umorientierung der japanischen Politik hin zu den USA veränderte sich diese Situation nach 1945. Die Stellung der deutschen Sprache blieb trotzdem in ihrer guten Position bis Anfang der 90er Jahre erhalten. An nicht wenigen Fakultäten beschäftigten sich nun doppelt so viele Professoren mit Germanistik oder etwa gleich viele wie mit Anglistik und Amerikanistik.[6] Deutschsprachige LektorInnen haben zum akademischen Austausch und damit der Verständigung zwischen Japan und Deutschland über Jahrzehnte hinweg einen wichtigen Beitrag geleistet.[7]

3. Deutsch als Fremdsprache in der Gegenwart

3.1. Die Einstellung der Japaner zur Fremdsprache

Um ein verständliches Bild von der Stellung der deutschen Sprache geben zu können, wird hier zunächst Englisch als erste Fremdsprache - lingua franca - in Japan skizziert.

Die Stellung zur Fremdsprache ist besonders durch die politisch-wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den betreffenden Ländern bedingt. Aus dieser Sicht ist es leicht zu verstehen, dass Koreanisch und Chinesisch bisher nicht unbedingt als wichtige Fremdsprachen galten, die Japaner lernen müssten (siehe Tabelle 1 im Anhang). Die starke Stellung von Englisch sowohl in Japan als auch in vielen Ländern als erste Fremdsprache an der Schule ist in diesem Sinne verständlich. Professor Yoshijima von der Universität Tokyo äußert sich dazu wie folgt: „Unter dem Begriff „Fremdsprache“ versteht man in Japan […] fast ausschließlich Englisch.“[8] Daran kann man erkennen, dass die Betonung von Englisch zur Zeit in Japan überproportional vorherrscht.

Englisch wird in Japan von der Sekundarstufe an bis zur Hochschule insgesamt 6 Jahre oder länger unterrichtet. Viele glauben deswegen, dass sie genügend Zeit hatten, sich Fertigkeiten im Englischen anzueignen. Allerdings ist das Englischlernen meist auf die Vorbreitung der schwierigen Aufnahmeprüfung der Universitäten, in erster Linie auf das Lernen der Techniken zum Bestehen der Prüfungen, ausgerichtet. An den Oberschulen finden kaum Übungen im Sprechen, im Vorlesen oder im Hören im Unterricht statt. Daher sind die Fertigkeiten der Studenten oft nur einseitig oder weit entfernt von notwendiger kommunikativer Kompetenz gehalten.[9] Tomoda macht in diesem Punkt auf die Fixierung der Übersetzung muttersprachlicher Texte und auf das Abrufen und die Anwendung einzelner grammatikalischer Regeln auf Flexionsebene des Fremdsprachenunterrichtes an den Oberschulen aufmerksam. Diese Lehrmethoden bzw. -verhalten beeinflussen weiterhin das Fremdsprachenlernen der Japaner. Während in den europäischen Ländern bereits in den 80er Jahren die kommunikative Didaktikmethode, welche vom Europarat gefördert wurde,[10] angewandt worden ist, ist der Schwerpunkt der bisherigen Lernmethodik sowohl an den japanischen Oberschulen als auch Universitäten immer noch überwiegend bei der Grammatik–Übersetzungs-Methode geblieben, welche als ausgeprägte kulturspezifische Lerntradition bezeichnet werden kann. Dies wird als die negative Folge der schulischen Sozialisation betrachtet, welche dem Fremdsprachenlernen und vor allem dem Erwerb des erwünschten Lernziels der kommunikativen Kompetenz im Weg stehen.[11]

[...]


[1] Beißwenger, Kirsten (1996), S.14

[2] Vgl. Mandelartz, Michael; Yamamoto, Akihiko (1999), S.241.

[3] Vgl. Beißwenger, Kirsten (1996), S.11.

[4] Nach Beißwenger, Karin (1996, S.12); Die Dokumente mit dem Titel „Das Unterrichtswesen in Japan“ sind im Bundesarchiv, Abteilungen Potsdam aufbewahrt.

[5] Beißwenger, Kirsten (1996), S.13.

[6] Vgl. Mandelartz, Michael; Yamamoto, Akihiko (1999) S.241.

[7] Zurzeit sind über 200 deutschsprachige Hochschullehrer in Japan tätig. (Silvensky, Susanna und Boeckmann, Kaul-Börge (2000), S. 25)

[8] Yoshijima, Shigeru(1996), S.44.

[9] Vgl. Yoshijima, Shigeru (1996), S.45.

[10] Vgl. Neuner, G. und Hunfeld, H. (1997), S.122.

[11] Vgl. Tomoda, Shuzo, (2000), S.131.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Steckt Deutsch in Japan in der Krise?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Veranstaltung
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V116425
ISBN (eBook)
9783640181537
ISBN (Buch)
9783640181612
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steckt, Deutsch, Japan, Krise, Veranstaltung
Arbeit zitieren
Yumi Oshima (Autor), 2007, Steckt Deutsch in Japan in der Krise?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116425

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