Lesesozialisationsinstanz Familie. Vorlesen als kulturelle Praxis


Seminararbeit, 2016

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Theoretischer Ausgangspunkt

3.) Frühe Lesesozialisation

4.) Lesesozialisation in der Grundschule

5.) Lesesozialisation im Jugendalter

6.) Historischer Wandel der Lesesozialisation

7.) Fazit

8.) Bibliographie

1.) Einleitung

Um sich dem Bereich der Lesesozialisationsinstanzen zu näher muss zu erst einmal deutlich gemacht werden was unter Lesesozialisation beziehungsweise Sozialisation im allgemeine verstanden wird.

Der Begriff der Sozialisation stammt ursprünglich aus der Soziologie und beschäftigt sich mit der aktiven Partizipation des Individuums an der Gesellschaft. Für den im Rahmen des Referats untersuchten Bereich der Lesesozialisation ist insbesondere die Sozialisation im Kindes- und Jugendalter wichtig. Dabei ist Sozialisation mehr als die Untersuchung der Erziehungsmethoden, denn Sozialisation umfasst auch nicht-intentionale Einflüsse, sowie die individuelle Entwicklung. Zudem werden die physisch-materielle und soziale Umwelt mit analysiert, da nicht nur das Individuum die Gesellschaft beeinflusst, sondern gerade in der Erziehung die Gesellschaft das Individuum beeinflusst.

Dabei muss jedoch insbesondere die Gesellschaft als nicht statisches Gebilde verstanden werden, welches sich stetig wandelt. Zu diesem Zweck wird im weiteren Verlauf ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung zwischen 1830 und 1980 im Bereich der Lesesozialisation in der Familie geworfen.1

Trotz des Einflusses der Gesellschaft auf das Individuum wird dieses als aktiv denkendes Subjekt, welches seinen Lebensumfeld konstruiert in den Fokus genommen. Somit hat die Sozialisationstheorie die Vorstellung des "gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekts" als Leitidee.2

Der Bereich der aktiven Konstruktion der eigenen Umwelt ist auch der zentrale Aspekt der Lesesozialisation bzw. literarischen Sozialisation. Hier spielen zwei Hauptfragen eine Rolle. Erstens: Wie wird aus einem Kind/Jugendlichen später ein gewohnheitsmäßiger Leser? Dabei werden insbesondere die Faktoren betrachtet, die dabei eine Rolle spielen - personelle Einflüsse, Medien (Bücher, Filme, Zeitung etc.) und die Instanzen der Leseerziehung. Und zweitens welche Rückwirkung hat die Lektüre auf die Sozialisation beziehungsweise die Persönlichkeitsbildung des Individuums (vgl. Garbe 2010).

Somit meint Lesesozialisation nichts anderes als die Fähigkeit zum Umgang mit Schriftlichkeit in unterschiedlichen Medien. Wichtig ist jedoch das es nicht nur um die Dekodierung von Texten als solches geht, sondern auch um den Erwerb von Kommunikationsinteresse und kulturellen Handlungen. (vgl. Hurrelmann 1999).

Eine Instanz, welche diese Fähigkeiten vermitteln soll und kann, ist die Instanz der Familie.

2.) Theoretischer Ausgangspunkt

Für Kinder ist die Familie und die Beziehung mit den Eltern die erste Sozialisationsinstanz überhaupt. Genau wie im Tierreich, gilt auch für den Menschen, dass durch die Prägung auf die ersten sozialen Kontakte die größte soziale Bindung entsteht. Somit ist die Familie im Bereich der Lesesozialisation auch die wirksamste Instanz. Dabei findet sie Sozialisation im Familienleben durchweg informell statt. Das soll heißen, dass im Gegensatz zu anderen Instanzen, etwa der Schule, die Familie sich durch alltäglichen und persönlichen Umgang auszeichnet. Die Einflüsse durch Mutter oder Vater (im weiteren Sinne mit Sicherheit auch die Großeltern) sind nicht wie im Kontext der Schule zeitlich begrenzt.

Allerdings sind dafür die Einflüsse auch eher diffus, da diese in der Regel nicht zielgerichtet und geplant sind, sondern vielmehr aus der Interaktion mit den Kindern heraus entstehen.

Der erste Ausgangspunkt ist das Sozialisationskonzept. Dieses geht von einer aktiven Teilnahme an der Gesellschaft aus, bei dem diese den nachfolgenden Generationen einen Mitgliedschaftsentwurf unterbreitet. In diesem Entwurf sind die grundlegenden Realitätsdeutungen, Werte und kulturellen Fertigkeiten enthalten, welche für eine erfolgreiche Partizipation an der Gesellschaft, von dieser als wichtig erachtet werden (vgl. Hurrelmann, S.170).

Der zweite Ausgangspunkt ist das Konzept der Familie. Dieses geht von einer angeleiteten Mitgliedschaft durch Wechselwirkung zwischen den einzelnen Mitgliedern aus. Hierbei geht es nicht um Reproduktion, sondern vielmehr um aktive Aneignung während eines gemeinsamen kommunikativen Handelns. Auf diese Weise soll das Kind Schritt für Schritt in die "Zone der nächsten Entwicklung" begleitet werden, in die es sonst alleine nicht kommen würde.3 Daraus entsteht dann eine mehr und mehr angeleitete Mitgliedschaft, welche sich durch langfristigen Einfluss der Familie auszeichnet.

Der dritte und letzte Aspekt ist das Gegenstandskonzept. Hier steht das Verstehen und ran ziehen von Wissen und Informationen im Vordergrund. Kinderliteratur wird nicht nur als an Kinder gerichtet verstanden. Vielmehr ist diese in der Hinsicht "doppelsinnig" das sie sich auch an den Vorleser richtet. Die Kinder hingegen werden zur Überschreitung ihrer bisherigen Erfahrungen herausgefordert und dadurch zum aktiven Konstrukteur von Bedeutungen (vgl. Hurrelmann, S.172).

[...]


1 Garbe, Christine: Texte lesen: Lesekompetenz - Textverstehen - Lesedidaktik - Lesesozialisation. Paderborn ²2010, S.168f.

2 Hurrelmann, Bettina: Das Schwerpunktprogramm "Lesesozialisation in der Mediengesellschaft". In: Groeben, Norbert (Hrsg.): Lesesozialisation in der Mediengesellschaft. Ein Schwerpunktprogramm. Tübingen 1999, S.1-26.

3 Wygotski, S.L: Denken und Sprechen. Mit einer Einleitung von Thomas Luckmann hrsg. von Johannes Helm.Frankfurt am Main 1977.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Lesesozialisationsinstanz Familie. Vorlesen als kulturelle Praxis
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V1164815
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lesesozialisationsinstanz, familie, vorlesen, praxis
Arbeit zitieren
Master of Arts und Master of Education Sascha Pfeiffer (Autor:in), 2016, Lesesozialisationsinstanz Familie. Vorlesen als kulturelle Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1164815

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