Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks "Khao Sok", Thailand

Problemerfassung und Lösungsansätze


Magisterarbeit, 2005
165 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Kartenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

Danksagung und Widmung

Abstract

Vorwort

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege

1. Zielsetzung und Methodik

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
2.1 Das Schutzgebietsystem Thailands
2.2 Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen
2.3 Natur im Dienste der Entwicklung
2.4 Die thailändische Ökotourismuspolitik
2.5 Probleme und Herausforderungen

3. Fallbeispiel: Der Nationalpark Khao Sok
3.1 Physisch-geographischer Kontext
3.2 Siedlungs- und Nutzungsgeschichte
3.3 Einschätzung des Managementsystems
3.4 Gegenwärtige Nutzungen – Konflikte und Lösungsansätze
3.4.1 Dammbau
3.4.2 Fischerei
3.4.3 Jagd und Sammeln von NTFP`s
3.4.4 Tourismus
3.4.5 Landwirtschaft

Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang I - VI

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: IUCN Definition „Schutzgebiete“

Abb. 2: Brundtland-Definition der nachhaltigen Entwicklung

Abb. 3: Dreieck der nachhaltigen Entwicklung

Abb. 4: Vier Definitionen der Pufferzone

Abb. 5: Zwei Grundtypen der Pufferzone

Abb. 6: Ökotourismusdefinition der Arbeitsgruppe Ökotourismus (1995)

Abb. 7: Rückgang der natürlichen Wälder im ersten Jahrzehnt nach dem logging ban

Abb. 8: Am Schutz der Biodiversität beteiligte staatliche Institutionen

Abb. 9: Organisationsstruktur des DNP

Abb. 10: Die Ecotourism Management Policy der TAT

Abb. 11:

Abb. 12: Originaltext der TAT zu Ökotourismusaktivitäten Landsat-Aufnahme der Nationalparkregion Khao Sok und angrenzender Gebiete

Abb. 13: Morphogenese des tropischen Turmkarsts

Abb. 14 Indo-Burma Biodiversity Hotspot

Abb. 15: Sundaland Biodiversity Hotspot

Abb. 16: Managementstruktur des Nationalparks Khao Sok

Abb. 17: Haupteingang des Nationalparks

Abb. 18 u. 19: Demarkierung der Nationalparkgrenze durch Grenzsteine und Hinweistafeln

Abb. 20: Hinweistafel für in- und ausländische Besucher an einem Nebeneingang

Abb. 21: Besucherzentrum des Nationalparks Khao Sok

Abb. 22: Landsat-Aufnahme des Chiew Larn-Stausees (09.01.1991)

Abb. 23: Eine der über 100 Inseln im Chiew-Larn Stausee

Abb. 24: Blick auf einen der westlichen Arme des Chiew-Larn Stausees

Abb. 25: Gefangener Mekong-Riesenwels (Pangasiadon gigas)

Abb. 26: Schwimmendes Fischerdorf (Grot) auf dem Stausee

Abb. 27: Der Fang wird sortiert

Abb. 28: Auf der Suche nach Schildkröten

Abb. 29: Chiew-Larn Stausee und Karstformationen im Nationalpark

Abb. 30: Knospe der Rafflesia Kerrii M

Abb. 31: Blüte der Rafflesia Kerrii M

Abb. 32:Besucherzahlen 2001 bis 2004, aufgeschlüsselt nach Herkunft (gerundet)

Abb. 33: Entwicklung der Besucherzahlen 2001 bis 2004, aufgeschlüsselt nach Eingang 97 (gerundet)

Abb. 34: Entwicklung der Einnahmen durch Eintrittsgelder 1998 bis

Abb. 35: Naturnahe Bungalowanlage

Abb. 36 Negativbeispiel der touristischen Entwicklung in Khao Sok

Abb. 37: Schwimmende Bungalows des Tone Teuy Rafthouse

Abb. 38: Eingezäunter Blütenstandort der Rafflesia Kerii Maijer

Abb. 39: Touristischer Missbrauch eines Blütenstandortes

Abb. 40 u. 41 Eindrücke am Naturlehrpfad nahe dem Nationalpark-Hauptquartier

Abb. 42: Kaum lesbare Hinweistafel

Abb. 43: Baumüllentsorgung neben dem Naturlehrpfad

Abb. 44: Kautschukplantage (Hevea brasilensis)

Abb. 45: Ölpalmen (Elaeis guineensis Jacq.)

Abb. 46: Longan (Dimocarpus longan Lour)

Abb. 47 Kokosnuss (Cocos nucifera L.)

Abb. 48: Brandrodung zur Neuanlage von Kautschukplantagen

Abb. 49: Rambutan/Bananen Mischkultur

Abb. 50: Zitrusplantage

Abb. 51 u. 52: Neu angelegte Plantagen am Rand des Nationalparks

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Anzahl und Fläche der Schutzgebiete weltweit (Stand 2003)

Tab. 2: IUCN Managementkategorien und Definitionen

Tab. 3: Schutzgebietskategorien in Thailand

Tab. 4: Thailands Schutzgebiete: IUCN-Kategorien, Anzahl, Fläche und Anteil an der Landoberfläche

Tab. 5: Managementziele der verschiedenen thailändischen Schutzgebietskategorien bezogen auf die Matrix der IUCN-Kategorien und Managementziele für Schutzgebiete

Tab. 6: Fläche und Einwohnerzahl der im und am Nationalpark gelegenen Administrativen Einheiten (Stand 1998)

Tab. 7: Verteilung der Parkangestellten auf die Außenposten der Nationalparkverwaltung

Tab. 8: Wirtschaftlich bedeutende Fischarten und Fangmengen im Chiew Larn-Stausee (Stand Dezember 2004)

Tab. 9: Herkunft der Fischer auf dem Chiew Larn-Stausee ( Stand Juli 1996)

Tab. 10: Herkunft der Fischer auf dem Chiew Larn- Stausee (Stand Januar 2005)

Tab. 11: Zahl der im Park geduldeten Fischer (Stand Juli 1996)

Tab. 12: Zahl der im Park geduldeten Fischer (Stand Januar 2005)

Tab. 13: Häufig gewilderte Tierarten

Tab. 14: Illegal im Nationalpark gesammelte NTFP`s

Tab. 15: Staatliche und private Unterkünfte auf dem Chiew Larn-Stausee

Tab. 16: Ergebnisse der Befragung der Betreiber staatlicher und privater Unterkünfte auf dem Chiew-Larn Stausee

Tab. 17: Agrarprodukte der Region Khao Sok

Kartenverzeichnis

Karte 1: Lage des Nationalparks Khao Sok in der Provinz Surat Thani

Karte 2: Abbaubare Bodenschätze in der Nationalparkregion

Karte 3: Armut und Schutzgebiete in Südthailand

Karte 4: Landnutzung und Schutzgebiete in Südthailand

Karte 5: Skizzierung der Nutzungskonflikte

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dem Thailändischen und Englischen stammende geographische Begriffe sowie Ortsnamen und Eigennamen werden in dieser Arbeit kursiv geschrieben. Die Wiedergabe der thailändischen Begriffe im Deutschen entspricht der in der ausgewerteten Literatur benutzten Schreibweise.

Danksagung und Widmung

Mein Dank geht an Prof. Ludwig Ellenberg vom geographischen Institut und Prof. Vincent Houben vom Seminar der Südostasienstudien der Humboldt Universität zu Berlin für die Betreuung dieser Arbeit und ihre konstruktive Kritik.

Besonderen Dank möchte ich allen Bewohnern von Khao Sok zukommen lassen , die mich an ihrem Alltag teilnehmen ließen und mir so Einblicke gewährten, die mir offizielle Informationen nicht hätten geben können. Auch den Mitarbeitern des Nationalparks, die über die strengen Vorschriften bezüglich der Herausgabe interner Informationen hinwegsahen ein herzliches Danke!

Mr. Thom Henley gebührt mein Dank dafür, dass er die persönlichen Erfahrungen, die er in über zehn Jahren in Kao Sok zusammengetragen hat mit mir teilte. Dr. Antony Lynam und Warren J. Brockelmann danke ich ebenfalls für ihre hilfreichen Hinweise.

Bei Beginn meines Aufenthalts in Khao Sok waren knapp zwei Wochen seit der Flutkatastrophe vom 26.12.2004 vergangen. Ich fuhr in der Hoffnung nach Khao Sok, der fernab der Küste gelegene Ort und seine Bewohner seien von Unheil verschont geblieben.

Ein guter Freund war in Khao Lak ums Leben gekommen, viele andere hatten Angehörige oder Geschäfte an diesem touristisch hoch entwickelten Küstenabschnitt verloren.

Der Aufenthalt stand unter direktem Einfluss dieses Ereignisses. Den betroffenen Einwohnern von Khao Sok rechne ich es deshalb hoch an, dass sie trotz der persönlichen Tragödien, die sie in dieser Zeit erleben mussten, mir ihre ganze Hilfsbereitschaft zukommen ließen.

Vor allem der Familie Tonjung, besonders Waipot Tongjun, Jaroenphon Tongjun und Verasak Pacharat fühle ich mich für ihre Hilfe und Gastfreundschaft verpflichtet.

Dank auch an Sevil, die mich wieder einmal ziehen ließ und deren Besuch in Khao Sok zu einem ganz unerwarteten aber schönen Ergebnis führte.

Ich widme diese Arbeit meinem Freund Wud, der in Kao Lak ums Leben kam und Frau und Sohn zurücklässt. Danke für deine Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber mir!

Abstract

The establishment of protected areas aims at conserving biodiversity and contributing to a sustainable use of the natural resources contained within these. Particular attention has to be payed to the impacts of conservation measures upon local communities. Without appropriate means of participation, exclusion of former resource users from conservation areas will lead to numerous conflicts between the interests of nature conservation and local communities.

In Thailand, the rapid expansion of the country`s protected area system in the last decade has resulted in a variety of land use conflicts. The extension of the areas did not go hand in hand with a comparable extension of management capacities. Also, most of the country`s national parks and wildlife sanctuaries lack management plans. The current legislation does not recognize the rights of local communities in and around the parks to participate in planning and management.

The old national ideology, seeing national park as a means of nation building, territorialization and economical validification of the country`s periphery dinminishes until now the efficency of the protected area system in serving conservation of biodiversity and guaranteeing a sustainable development of rural regions.

A considerable ideological change has taken part in the last decade. The People`s Constitution of 1997, Deputy Prime Minister Thaksin `s principles of good governance, the TAT`s Ecotourism Management Policy, as well as different developement plans, all of them mention the importance of local participation in protected area management. The role of ecotourism as a means to redistribute wealth and create acceptance for different conservation projects within local communities plays a major role in these new approaches.

But what clearly lacks is the enforcement of these new insights in everyday protected area management. With the exception of a few pilot projects, local communities are still excluded from plannig and management of the country`s national parks and other protected areas. Ecotourism management aims at profit - maximising, more than generating additional income and incentives for local resource users, and over-use of touristic areas often causes environmental damage.

On the basis of these findings and insights resulting from personal relations to members of the local community, an assesment of land use conflicts was undertaken in the case study area Khao Sok, a terrestrial national park in Surat Thani province.

This ecologically important mountainous area, situated in the transitional zone between the Indo- burmese and Sundaic Biodiversity Hotspots became the country`s 22nd National Park on December 22, 1980.

Different land use conflicts could be identified. A large reservoir, hunting and fishing threaten the national park`s ecosystem as well as uncontrolled tourism development in- and outside the protected area`s boundaries. To a lesser degree the uncontrolled agricultural development of the adjacent areas affects the conservation area. Following reasons were identified:

- Until today there are no participatory mechanisms.
- The lack of cooperation with the local community created a barrier between park authorities and local resource users, that prevents broad acceptance of the national park.
- There is no systematic assesment of land use conflicts, so conflict solving mechanisms remain unadequate.
- The main management objective seems to bee the development of the state-owned tourist facilities inside the park. There is no planning and/or control of the private tourism development around the park.
- There is practically no control of the considerable non-sustainable use of natural ressources within the park`s boundaries through park officials.
- Corruption of the conservational legislation through park authorities can be observed.
- The lacking zoning of the national park and the adjacent areas resulted in the developement of monospecies, export-orientated plantations in close proximity to the park`s boundaries.

On the basis of these results it was concluded that enforcment of the existing legislation and regulations seems to be the most promising way to minimize conflicts and remains the most important task for the future of Khao Sok. Following recommendatios would further help to reach the conservation objectives and create broader acceptance within the local community:

- Park authorities have to act as an example for the local community, therefore illegal activities of staff-members have to be stopped immediately.
- Payment of, and incentves for staff have to be improved.
- Cooperational mechanisms must be established.
- The fishermen living inside the park have to be controlled effectively.
- A land use zoning of the national park and adjacent areas should be realized as soon as possible to prevent further degradation.
- Creation of a GIS to simplify monitoring of natural resources and human impacts

It will take considerable effort to change the centralistic, profit-orientated and unadequate management system of Khao Sok towards a participatory management wich will provide the basis for long term ecosystem conservation and a sustainable development of the adjacent communities. Greater importance should be attributed to ecotourism as a tool for conservation. The involvement of national and international NGO`s in Khao Sok is recommended to bridge the barrier between state authorities and local resource users.

Vorwort

Warum diese Arbeit?

Der Wunsch nach einer eingehenden Beschäftigung mit dem Nationalpark Khao Sok entstand während zwei Reisen in den Jahren 1999/2000 und 2002.

Motiviert wurde er durch die bei diesen Aufenthalten entstandenen freundschaftlichen Beziehungen zu einigen Anwohnern. Diese, im Nationalpark als Touristenführer oder Naturschutzpersonal tätigen alteingesessenen Einwohner des Dorfes Khao Sok ließen mich an ihrem Alltag teilhaben und weckten in mir die Faszination für diese landschaftlich äußerst reizvolle Region, ihre Bewohner und das im Park geschützte Ökosystem. Sie ermöglichten einen Einblick in die Vorgänge in und um den Nationalpark und machten mich auf die Probleme des Schutzgebietes aufmerksam.

Ohne sie wäre die Idee zu dieser Arbeit weder entstanden, noch, wie sich im Nachhinein herausstellte, durchführbar gewesen.

Als im Jahr 2004 die Auswahl des Themas meiner Magisterarbeit anstand, fiel die Entscheidung nicht schwer. Mein Interesse am Untersuchungsgebiet, an tropischen Großschutzgebieten mit ihren Problemen und Potentialen im Allgemeinen und das Wissen, diese Thematik in einer vertrauten Region mit Hilfe der lokalen Bevölkerung bearbeiten zu können rechnen, ließen niemals Zweifel bezüglich der Auswahl von Khao Sok als Untersuchungsregion aufkommen. Zusätzlich wurde die Wahl dieses südthailändischen Schutzgebiets durch die im Vorfeld dieser Arbeit gewonnene Erkenntnis bestärkt, dass keine (englischsprachigen) Informationen über diesen Nationalpark vorlagen und es bisher keine Untersuchung der Nutzungskonflikte vor Ort gegeben hatte, diese aber eigenen Beobachtungen nach sehr wohl existierten.

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege

Abb. 1 : Die IUCN Definition von Schutzgebieten

“...an area of land and/or sea especially dedicated to the protection and maintenance of biological diversity, and of natural and associated cultural resources, and managed through legal or other effective means”.

Quelle: Green 1997:1

Es gibt heute über 100000 Schutzgebiete (IUCN Definition siehe Abb. 1), deren Fläche sich über mehr als 18 763407 km² erstreckt und fast neun Prozent der gesamten festen Erdoberfläche einnimmt (siehe Tab.1). Gut zwei Drittel der Gesamtzahl, oder anders ausgedrückt, fast 80% der Gesamtfläche sind nach den Kriterien der IUCN (siehe Tab. 2) kategorisiert worden. Die meisten dieser Schutzgebiete wurden in den letzten 30 Jahren gegründet. In der gleichen Zeit stieg auch die Zahl der Länder, welche Schutzgebiete ausgewiesen haben. In diesen Trends spiegeln sich die weit verbreitete und steigende Besorgnis um die Erhaltung der Umwelt und die wachsende politische Bedeutung von umweltpolitischen Belangen wieder (Davey 1998, IUCN 2004c).

Schutzgebiete gelten heute allgemein als die effektivsten Mittel zur Bewahrung der biologischen Vielfalt in situ (Davey 1998; MacKinnon et al., 1986).

Tabelle 1: Anzahl und Fläche der Schutzgebiete weltweit (Stand 2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IUCN 2004c:5, bearbeitet.

Generell gesprochen ging die Vermehrung der Schutzgebiete aber nicht mit einer vergleichbaren Expansion der Managementkapazitäten einher. Die Umwidmung von Land oder Wasserflächen in Schutzgebiete hat häufig die Konflikte um Zugangsrechte, Nutzung oder Kontrolle der Gebiete nicht lösen können und in einigen Fällen sogar verschärft.

Schutzgebiete werden nicht überleben, wenn ihnen keine Unterstützung der breiten Öffentlichkeit zukommt, diese wiederum wird es nicht geben, solange die fundamentalen Bedürfnisse der Bevölkerung nicht erfüllt sind. Landnutzungs- und Ressourcenkonflikte, Ungerechtigkeit und menschliche Einflüsse auf ein Gebiet nehmen nicht allein dadurch ab, dass man dieses als geschützt erklärt. Die Planung und Verwaltung von Schutzgebieten muss im Kontext der Nutzungen und des Managements anderer Flächen koordiniert werden, nicht in Isolation behandelt werden. Der langfristige Erfolg der Schutzgebiete muss im Licht der allgemeinen Suche nach nachhaltigen Entwicklungswegen gesehen werden (siehe Abb. 2 u. 3) (Philips 1998).

Abb. 2: Brundtland-Definition der nachhaltigen Entwicklung.

“Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Quelle: World Commission on Environment and Development 1987:46.

Eine nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn das Management der natürlichen Ressourcen und der Umwelt mit aktiver Partizipation der Bevölkerung stattfindet. Da die Menschen einen aktiven Teil des Ökosystems darstellen, müssen die verschiedenen ökologischen, ökonomischen, sozialen und technischen Faktoren als ein Ganzes behandelt werden. Um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu ermöglichen und die limitierten natürlichen Ressourcen nicht weiter zu schädigen, muss die Relevanz von partizipatorischen Managementsystemen erkannt und diese müssen angewandt werden, um eine Balance zwischen der menschlichen Nutzung und den natürlichen Ressourcen zu schaffen. Dieses, möglichst transparente System muss es der Öffentlichkeit erlauben, ihre Bedürfnisse und Sorgen auszudrücken und an relevanten Entscheidungen teilzunehmen. Informationen und Neuigkeiten sollten schnell weitergegeben werden um in Gemeinschaft Aktionspläne zu erstellen, die echte Lösungen für die Probleme bieten, mit welchen sich die Ressourcennutzer konfrontiert sehen (Sustainable Development Foundation 1996).

Schutzgebiete stellen durch die Vorteile, welche durch sie sowohl für Mensch als auch Umwelt entstehen, einen Weg zur nachhaltigen Nutzung naturnaher Räume dar. Entscheidend für die Effizienz des Schutzvorhabens ist jedoch dessen Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung. Nur ein gemeinschaftliches, oder Co-Management von Schutzgebieten, das die Interessen der Anwohner berücksichtigt und ökonomische Anreize für ihre Teilnahme am Naturschutz schafft, kann das langfristige Gelingen des Schutzvorhabens absichern.

Der Begriff ‚gemeinschaftliches Management’ oder ‚Co-Management’ von Schutzgebieten bezieht sich auf eine Partnerschaft der verschiedenen Interessengruppen und Akteure, die sich darauf geeinigt haben, die Funktionen des Managements, die Rechte und Pflichten bezüglich eines bestimmten geschützten Gebietes oder bestimmter geschützter Ressourcen untereinander aufzuteilen. Die Akteure sind für gewöhnlich die für die Schutzgebiete zuständigen staatlichen Autoritäten und verschiedene Vereinigungen der lokalen Bevölkerung und Ressourcennutzer, können aber auch NRO`s, die lokalen administrativen Strukturen, traditionelle Autoritäten, Forschungsinstitute, kommerzielle Unternehmen und andere umfassen (Borrini-Feyerabend 1995).

Abb. 3: Das Dreieck der Nachhaltigen Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Diefenbacher 2001.

Ebgret und De Greve (2000) nennen als vierte, in der Abbildung 3 nicht dargestellte Dimension die institutionelle Nachhaltigkeit, die sich auf die Fähigkeit der Institutionen bezieht, ihren Verpflichtungen hinsichtlich des Naturschutzes und einer nachhaltigen Entwicklung nachzukommen.

Ellenberg et al. (1997) identifizieren folgende Chancen für die Absicherung von Schutzgebieten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In vielen Schutzgebieten wird zur Vermeidung von Konflikten und damit zur Sicherung der Effizienz des Schutzvorhabens der Naturschutz mit einer Nutzung durch den Menschen kombiniert, wobei wichtige Areale (oft das eigentliche Schutzgebiet und/oder eine Kernzone) von einer so genannten Pufferzone umgeben sind. In den Anfängen der Diskussion über Pufferzonen wurden diese primär als Mittel dazu gesehen, die negativen Einflüsse menschlicher Siedlungen und Aktivitäten auf das zu schützende Gebiet zu minimieren. Die Einschätzung der positiven Konsequenzen der Pufferzonen war oft auf rein funktionelle Auswirkungen wie zum Beispiel die Reduzierung der durch Wildtiere angerichteten Schäden gerichtet. Die Diskussion über die Ziele und Funktionen von Pufferzonen hat sich in den letzten Jahren aber dahingehend verändert, dass man solche Zonen heute mehr als sozio- ökologisches Konzept betrachtet, und nicht nur als eine geographisch abgegrenzte Fläche in welcher die Nutzung der natürlichen Ressourcen eingeschränkt wird (McKinnon et al. 1986; Glastra 2000; Ebregt und Greve 2000; Covention on Biological Diversity)

Ebregt und Greve (2000) unterscheiden unter anderen zwischen folgenden wichtigsten Typen von Pufferzonen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Definition des Begriffes Pufferzone ist in der Literatur nicht immer eindeutig. Es lässt sich zwischen zwei Ansätzen unterscheiden. Der erste ist nur auf die Vorteile, die durch eine Pufferzone

für das Schutzgebiet selbst entstehen, gerichtet, der zweite schließt die in den und um die Schutzgebiete lebende Bevölkerung mit ein (siehe Abb.4).

Abb. 4: Vier Definitionen der Pufferzone

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: McKinnon et al 1986; Ebregt und De Greve 2000; Kitawachakul 2001, Martino 2001.

Generell lassen sich zwei Grundtypen von Pufferzonen unterscheiden. Beim ersten ist die Pufferzone Teil des Schutzgebietes selbst, also in dieses integriert. Beim zweiten Grundtyp wird eine Zone bestimmter Breite um das eigentliche Schutzgebiet herum geschaffen, die einen zusätzlichen Schutz vor negativen Randeffekten bietet (siehe Abb. 5)

Abb. 5: Die zwei Grundtypen von Pufferzonen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ebregt und Greve 2000: 13

Als ein weiteres viel versprechendes Mittel zur Absicherung von Schutzgebieten gewinnt der Tourismus in naturnahen Gebieten, manchmal als Natur- oder Ökotourismus bezeichnet, immer mehr an Bedeutung. Sowohl internationale als auch Binnentouristen strömen in diese Regionen. Unter Naturschützern löst diese Entwicklung sowohl enthusiastische als auch besorgte Reaktionen aus.

Ökotourismus kann dringend benötigtes Einkommen für die lokalen und regionalen Ökonomien schaffen, das lokale Bewusstsein für die Wichtigkeit des Naturschutzes steigern und neue Anreize für Regierung und die Menschen schaffen, die in der Umgebung dieser naturnahen Räume und in diesen selbst leben, aktiv am Schutz teilzunehmen.

Gleichzeitig können die Belastungen, die auf diese Ökosysteme und die darin enthaltenen natürlichen Ressourcen ausgeübt werden, die Attraktionen zerstören, durch die Touristen angezogen werden.

Eine verantwortungsvolle Entwicklung des Ökotourismus stellt daher eine Aufgabe von enormer Wichtigkeit dar (Boo 1990, Ceballos-Lascouráin 1996, Ellenberg et al. 1997).

Abb. 6: Ökotourismusdefinition der Arbeitsgruppe Ökotourismus (1995)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ellenberg et al. 1997:56

Tabelle 2: IUCN Managementkategorien und Definitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IUCN 2004c.

1. Zielsetzung und Methodik

Das Ziel dieser Arbeit ist primär die Erfassung der Nutzungskonflikte im Nationalpark Khao Sok. Im Verlauf der Untersuchungen wurde es zum Anliegen dieser Arbeit, aufzuzeigen, wie in einem Schutzgebiet das durch seine Lage und die sozioökonomische Situation der Anwohner Vorteile genießt, die in vielen anderen Landesteilen nicht existieren, aufgrund eines als unzulänglich einzustufenden Managements, von Desinteresse und Korruption der staatlichen Behörden und Privatpersonen sowie wegen kurz- und langfristiger wirtschaftlicher Interessen derselben Konflikte entstanden sind und immer wieder neu geschaffen werden.

Die Entstehung der Nutzungskonflikte als Folge der zentral gesteuerten, die lokale Bevölkerung übergehenden Entwicklung eines Schutzgebietsystems, das der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, nicht der jeweiligen Region dient, soll deutlich gemacht werden.

Neben der quantitativen und qualitativen Erfassung der Nutzungskonflikte und der Identifizierung der Akteure sollen mögliche Ansätze zur Konfliktminimierung festgestellt und, wenn noch nicht vorhanden, skizziert werden.

Aufgrund des begrenzten zeitlichen und finanziellen Rahmens in dem die Untersuchungen stattgefunden haben, sowie fehlender Einsichtsmöglichkeiten offizieller Informationen bezüglich des Nationalparks kann natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Informanten ihr gesamtes die Fragestellung betreffendes Wissen preisgegeben haben.

Die in dieser Arbeit gesammelten Fakten, Daten und Einsichten könnten in Zukunft internationalen Naturschutzorganisationen als Anstoß dienen, in der Region tätig zu werden und als Arbeitsgrundlage für eine längerfristige und tiefer gehende Beschäftigung mit der Thematik herangezogen werden.

Im Gebiet des Nationalparks Khao Sok agierenden deutschen Ökotourismusunternehmen wie z.B. Colibri-Reisen (http://www.colibri-reisen.de/) oder Chenthaytravel (http://www.ctt-reisen.de) könnte diese Arbeit dazu dienen, ihren Kunden ein realistischeres Bild ihres Urlaubszieles zu vermitteln.

Auch Individualtouristen, die an einer realitätsnahen Wahrnehmung ihres Urlaubszieles interessiert sind, sollen durch die gesammelten Informationen die Möglichkeit erhalten, sich ein Bild über den Nationalpark Khao Sok und die dort herrschenden Probleme zu machen, das von den überschwänglichen Lobeshymnen in den touristischen Veröffentlichungen von TAT (Tourism Autority of Thailand) oder DNP (Department of National Parks, Wildlife and Plants Conservation) abweicht.

Die angewandte Methodik umfasste eine Literaturauswertung zum Themenkreis Management tropischer Großschutzgebiete - Ökotourismus - ländliche Regionalentwicklung, gefolgt von einer Analyse des thailändischen Schutzgebietsystems, vorrangig mittels im Internet verfügbarer Schriften und anhand von Arbeitspapieren internationaler und thailändischer Naturschutzorganisationen sowie offizieller Statistiken. Die Untersuchungen beschränkten sich dabei auf deutsch- und englischsprachige Literatur. Dabei wurde diese vor allem auf die thailändische Nationalparkideologie sowie auf die aus den rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in der täglichen Praxis erwachsenden Probleme und Herausforderungen hin ausgewertet.

Auffällig ist das fast völlige Fehlen von (englischsprachigen) Informationen über die südthailändischen terrestrischen Schutzgebiete, einschließlich des Untersuchungsgebietes Khao Sok. Auch die Fortsetzung der Recherche in den Bibliotheken der Chulalongkorn -, Kasetsart-, Mahidol - und Thamassat -Universität sowie in der thailändischen Nationalbibliothek führte zu keinen verwertbaren Informationen über die zu untersuchende Problematik in den Nationalparks Südthailands. Das Buch “Ecotourism Resource Potentials in Southern Thailand: A Case Study of Khao Sok National Park” des früher an der Faculty of Forestry tätigen Forstwissenschaftlers Dachanee Emphandu war selbst dort nicht erhältlich. Im Hauptbüro der Tourism Authority of Thailand (TAT) bestand die Public Relations Abteilung, trotz eines vollständigen Buchtitels samt zugehöriger ISBN-Nummer darauf, dass ihre Behörde dieses Buch niemals veröffentlicht habe. Nach längerer Recherche gelang es dennoch, es im Buchhandel ausfindig zu machen.

Weiterhin wurden das Department of National Parks, Wildlife and Plants Conservation (DNP), das Ministry of Agriculture and Cooperatives (MOAC) sowie das Department of Mineral Resources (DMR) aufgesucht. Deren Mitarbeiter zeigten sich äußerst hilfsbereit, konnten aber keinerlei Auskünfte über den Nationalpark Khao Sok erteilen. Das DNP, die zentrale Verwaltungsbehörde aller thailändischen Nationalparks, darf interne Informationen nur gegen Vorlage einer durch den Direktor der Behörde ausgestellten Forschungserlaubnis veräußern.

Außerdem wurde versucht, über verschiedene Wissenschaftler, die im Dienste der thailändischen Zweigstellen der Wildlife Conservation Society (WCS), des Worldwide Fund for Nature (WWF) sowie verschiedener nationaler Naturschutz-NGO`s tätig sind oder waren, an Informationen zu gelangen.

Auch hierbei konnten keine Ergebnisse erzielt werden, entweder, weil keine Informationen über das Schutzgebiet vorlagen, oder diese irrelevant waren. Die Mithilfe der WCS, auf die von verschiedenen Kontaktpersonen als gute Informationsquelle hingewiesen wurde, beschränkte sich darauf, verschiedene E-Mail Adressen ortskundiger Mitarbeiter zu Verfügung zu stellen, von denen aber leider kein einziger antwortete.

Geplant war weiterhin eine Recherche im Hauptquartier des Nationalparks selbst, die aber wiederum durch das Fehlen der obligatorischen Forschungserlaubnis unmöglich gemacht wurde. Dass die Parkautoritäten genau diese Dienstvorschrift, im Gegensatz zu vielen anderen, sehr genau nahmen, ist eventuell auf den Inhalt dieser Arbeit zurückzuführen, welche „Probleme“ und „Konflikte“, zwei in Thailand nicht sehr gern gehörte Begriffe, erforschen will.

Weitere Probleme ergaben sich daraus, dass keine topographische Karte erhältlich ist, auf der die Grenzen des Nationalparks und die Oberfläche des Chiew-Larn Stausees verzeichnet sind. Die existierenden topographischen Karten des Royal Thai Survey Departments (RTSD) im Maßstab 1:50000 und 1:250000 stammen aus den Jahren 1973 bzw. 1985. Die das Gebiet des Nationalparks abdeckenden Kartenblätter unterlagen zudem im Fall der Karte im Maßstab 1:50000 militärischer Geheimhaltung, die der Karte im Maßstab 1:250000 war sowohl in Thailand selbst als auch im internationalen Fachhandel vergriffen. Bei den Karten, auf die in dieser Arbeit zurückgegriffen wurde, handelt es sich um bearbeitete thematische Karten aus den Beständen des Department of Mineral Resources (DMR) (leider mit fehlerhaftem Koordinatennetz) und eine in einer Informationsbroschüre der National Park Division abgebildete touristische Karte. Hierbei ist anzumerken, dass die Grenzen des Nationalparks Khao Sok auf den thematischen Karten des DMR anhand von Topographie, Waldbedeckung und Geologie von mir selbst nachvollzogen wurden; es wird kein Anspruch auf absolute Genauigkeit erhoben.

Aufgrund dieser sehr schwierigen Informationslage wird in dieser Arbeit ein bottom-up Ansatz verfolgt. Der größte Teil der Ergebnisse der Untersuchung des Fallbeispiels Khao Sok basiert auf Aussagen der lokalen Bevölkerung und eigenen Beobachtungen. Eine große Hilfe war auch der in Thailand lebende kanadische Umweltschützer Thom Henley, ein intimer Kenner des Schutzgebietes und Kritiker der Parkautoritäten. Für allgemeine touristische Informationen wurden die im Besucherzentrum und von der TAT bereitgestellten Broschüren und Bücher ausgewertet.

Eine Einschätzung der Managementstrukturen erfolgte auf Grundlage einer von Roy (2001) speziell für thailändische Nationalparks erarbeitete Checkliste.

Die einzige interne Quelle, die in dieser Arbeit Verwendung fand, ist der Geschäftsbericht der Nationalparkverwaltung von Khao Sok für das Jahr 2004, herausgegeben mit Unterstützung des Departments of National Parks, Wildlife and Plants (DNP). Ein wohlwollender Mitarbeiter des Nationalparks ermöglichte die Einsicht in diese Informationsquelle.

Im Zuge der Geländearbeit wurden halbstrukturierte Interviews, Befragungen, viele Gespräche mit der lokalen Bevölkerung und Geländebegehungen mit Ortskundigen durchgeführt. Bei mehreren mehrtägigen Aufenthalten innerhalb des Nationalparks wurde versucht, einen Überblick über das Ausmaß der Nutzungskonflikte zu bekommen. Sämtliche innerhalb des Parks gelegenen touristischen Einrichtungen wurden anhand einiger Stichpunkte auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Die im Nationalpark lebenden Fischer wurden zu ihrer wirtschaftlichen Situation und Wirtschaftsweise befragt, die Einwohnerzahl bestimmt sowie die Position der verschiedenen Dörfer mit Hilfe von GPS- Koordinaten ermittelt. Die landwirtschaftliche Nutzung der an den Nationalpark angrenzenden Flächen wurde untersucht. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wurde eine Kartenskizze erstellt, auf der die verschiedenen im Untersuchungszeitraum ermittelten Nutzungskonflikte verzeichnet sind.

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen

Die in der ersten Dekade der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beginnende schnelle wirtschaftliche Entwicklung Thailands fand zum Großteil auf Kosten der natürlichen Ressourcen und der Umwelt statt. Die früher ausgedehnten Waldflächen und die biologische Vielfalt des Landes sind stark zurückgegangen (Sudara 2002). So sank die Waldbedeckung von 53% der Landoberfläche im Jahr 1961 auf weniger als 27 % im Jahr 2000 (RFD 2000). Die Erfassung von Plantagenwäldern in den Statistiken des RFD lässt Schätzungen von 10 bis 20% Restwaldfläche realistischer erscheinen (Brenner et al. 1999). Viele Tier- und Pflanzenarten starben seitdem aus, sind gefährdet oder selten geworden (ONEP 2004). Nur die in Nationalparks und anderen Schutzgebieten enthaltenen Wälder sind im Vergleich mit außerhalb gelegenen Flächen relativ intakt geblieben. Dennoch waren die meisten Nationalparks niemals von Bedrohungen verschont und negativen Auswirkungen menschlicher Nutzungen und der wirtschaftlichen Entwicklung ausgesetzt (Chettamart und Emphandu 2003).

2. 1 Das Schutzgebietssystem Thailands

Auf die fortschreitende Zerstörung der Wälder in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts reagierte man im Jahr 1941 mit der Verabschiedung des Forestry Act.

Im Jahr 1948 kam die erste Gruppe westlicher Experten, angeführt vom niederländischen Förster G. N. Danhof, nach Thailand, um Hilfe beim Management der natürlichen Ressourcen zu leisten. Das Team der FAO identifizierte als Hauptprobleme in Thailand den Mangel an Wissen, Technologie, ausgebildeten Arbeitskräften und finanzieller Unterstützung im Bezug auf das Management der Waldreserven. Der Report besagte auch, dass die Wälder uneffizient und unprofessionell verwaltet wurden und die Landwechselwirtschaft betreibenden Bauern den Wald negativ beeinflussten sowie wilderten. Die Empfehlung der FAO war, 40% der Landoberfläche unter Waldbedeckung zu halten und Luftbilder zu benutzen, um das Waldmanagement zu erleichtern. Ein Weg, so große Gebiete zu bewahren, war die Etablierung eines Nationalparksystems (Laungaramsri 2003).

Im Jahr 1958 wurde der Landwirtschafts- und Innenminister mit der Etablierung eines Nationalparksystems und der Ausarbeitung der gesetzlichen Rahmenbedingungen beauftragt. Mit Hilfe der IUCN und des US National Park Service wurden 14 Gebiete ausgewählt, die für die Gründung von Nationalparks geeignet erachtet wurden. Im Jahr 1961 wurde dann der Wild Animals Reservation and Protection Act verabschiedet, noch im selben Jahr folgte der National Parks Act.

Thailands erster Nationalpark, Khao Yai, im Nordosten des Landes wurde offiziell am 18.09.1962 gegründet, das erste Wildschutzgebiet, Salak Phra, am 31.12.1965.

Die heutigen Schutzgebiete werden in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen verwaltet. Weiter kommen zur Anwendung: der National Forest Reserve Act von 1964, der Wildlife Conservation Act von 1992 und für Marine National Parks der Fisheries Act revised in 1994 (World Bank 2004).

Der National Park Act aus dem Jahr 1961 definiert den Nationalpark folgendermaßen:

Land to include the surface of land in general, mountains, creeks and waterways, marshes and swamps, lakes, basins, islands and seashores...When it is deemed appropriate to declare a land wich has natural features of high value but not owned or legally possesed by any party other than public body, the government shall have the power to proscribe a national prak by Royal Decree to preserve its natural state for the benefit of public enjoyment and education...” (National Park Act B.E. 2540 (A.D. 1961) Section 4 und 6; Details siehe auch Anhang I).

Tabelle 3: Schutzgebietskategorien in Thailand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bugna/Rambaldi 2001.

Seit der Gründung des ersten Nationalparks, Khao Yai, im Jahr 1962 wurde das thailändische Schutzgebietsystem schnell ausgeweitet. Als im Jahre 1989 der Logging Ban in Kraft trat, umfasste es bereits 44 National Parks (mit einer Fläche von 24848 km²), 15 Marine National Parks (4922,29 km²), 29 Wildlife Sanctuaries (23437, 65 km²) und 46 Non-Hunting Areas, die vor allem die Feuchtgebiete von nationalem Interesse schützten. In Anlehnung an die Managementkategorien der IUCN waren zudem weitere Schutzgebiete mit unterschiedlichen Managementzielen geschaffen worden (siehe Tab. 3).

1987, zwei Jahre vor Inkrafttreten des Logging Bans, führte die Kasetsart -Universität eine Revision des Schutzgebietsystems durch. Diese Studie mit der Bezeichnung “Assessment of National Parks, Wildlife Sanctuaries and other Preserves Development in Thailand” stellte fest, dass fast alle bedeutenden Ökosysteme Thailands in diesen Schutzgebieten repräsentiert seien. Die Ausnahme bildeten Tieflandregenwälder, Marschland und Mangrovenwälder.

Eine zweite Revision im Jahr 1993, welche im Rahmen der Etablierung des Thai Forestry Master Plan stattfand, kam zu dem Schluss, dass alle terrestrischen und aquatischen Ökosysteme in den Schutzgebieten repräsentiert seien, mit Ausnahmen der Tieflandregenwälder auf der südthailändischen Halbinsel, der immergrünen Monsunwälder des Südostens, der Torfmoorwälder und der Mangrovengebiete. Über eine Evaluierung des Status von Sumpfgebieten wurde hinweggesehen und manche terrestrischen Ökosysteme, wie z.B. Heideland, wurden ignoriert.

Die Qualität eines Systems von Schutzgebieten hängt weitgehend von dessen Fähigkeit ab, die Biodiversität eines Landes zu schützen. Hinsichtlich des Schutzes von Säugetieren stellte Lagakul und McNeely (1988) fest, dass die thailändischen Schutzgebiete ein „significant conservation achievement” darstellten (zit. in ICEM 2003:63).

Hinsichtlich des Schutzes der Vogelwelt bemerkte Round im selben Jahr, dass “the wide geographical coverage of nature reserves, the proportion of remaining forest which is protected, and the large areas of many individual sites, forms a promising basis for future conservation effort” (zit. in ICEM 2003:63).

Im Jahr 1991 waren Santisuk et al. hinsichtlich der Maßnahmen zum Schutz der Flora “impressed by the areas currently legislated for conservation. Overall, they form an adequate basis for conserving the most important botanical resources in the Kingdom” (zit. ICEM 2003b: 63). Schon vor dem Inkrafttreten des Logging Ban wurde das thailändische System von Schutzgebieten als eines der effektivsten in ganz Südostasien angesehen.

Bemerkenswert ist, dass die Waldbedeckung trotz des totalen Einschlagverbotes in den staatlichen Forest Reserves im ersten Jahrzehnt nach dem Erlass des Logging Ban um über 25% abnahm . Die von Plantagen eingenommenen Flächen dehnten sich dagegen um über 5% aus (siehe Abb. 7).

Abb. 7: Rückgang der natürlichen Wälder im ersten Jahrzehnt nach Erlass des logging ban.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://earthtrends.wri.org/text/forests-grasslands-drylands/country-profile-179.html, letzter Zugriff 05.05.2005

Im März 1992 verabschiedete das Kabinett eine Resolution, um eine Nutzungszonierung der restlichen Waldflächen durchzuführen, welche unter dem National Reserve Forest Act von 1964 als National Reserve Forests designiert worden waren. Einige dieser Waldgebiete waren bereits in das Schutzgebietssystem eingegliedert worden.

Es wurde beschlossen, mindestens 40 Prozent der Landoberfläche unter permanenter Waldbedeckung zu halten, wovon mindestens 25 Prozent innerhalb von Schutzgebieten liegen sollten, wie auch schon in der National Forest Policy von 1989 festgehalten. Diese Grundsätze wurden im siebten National Economic and Social Development Plan (1992-1996) bestätigt. Die restlichen 15 Prozent wurden zu so genannten Production Forests erklärt, welche die Versorgung mit Holz und anderen Waldprodukten sicherstellen sollten. Im Agricultural Development Plan, einer Komponente des neunten National Economic and Social Development Plan (2002-2006) steckte man sich das Ziel, 30 Prozent der gesamten Landoberfläche zu schützen und, wenn nötig, zu rehabilitieren. Diese Flächen schließen Gebiete zum Schutz der biologischen Vielfalt wie Nationalparks, Wildschutzgebiete und Wasserscheiden-Schutzgebiete ein. Der Plan will auch die Gründung von Plantagenwäldern, privaten Plantagen und die Community Forestry fördern, bis diese eine Fläche von 32 Millionen Rai bedecken. Weiterhin sollen 1,25 Millionen Rai Mangrovenwälder geschützt oder rehabilitiert werden.

Im Jahr 2003 gab es in Thailand 145 Nationalparks, die sich über 13,46 Prozent der Landoberfläche erstreckten. Die insgesamt 319 größeren Schutzgebiete machten 21,11 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus (siehe Tab. 4). Die Watershed Areas Class I werden in dieser Darstellung vernachlässigt, da sie in andere Schutzgebiete integriert sind und es somit nicht zur Gesamtfläche addiert werden können. Auch diejenigen Schutzgebiete, deren Fläche die von der IUCN geforderte Mindestgröße von 10 km² unterschreiten, sind nicht aufgeführt.

Tabelle 4: Thailands Schutzgebiete: IUCN-Kategorien, Anzahl, Fläche und Anteil an der Landoberfläche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkung: Nicht in die Darstellung eingeschlossen sind Watershed Areas Class I (IUCN Kategorie Ib), Mangrove Forest Reserves (IUCN Kategorie VI) und andere kleine Schutzgebiete. Enthalten sind sowohl bestehende als auch geplante Schutzgebiete.

Quelle: Emphandu und Chettamart (2003), verändert.

Beim Vergleich der Managementziele der verschiedenen thailändischen Kategorien von Schutzgebieten mit der im Jahr 1994 von der IUCN veröffentlichten Matrix der Managementziele und Schutzgebietkategorien lässt sich feststellen, dass sie weitestgehend mit den Definitionen der IUCN übereinstimmen. Die Ausnahme stellt der Bildungsaspekt dar, dem in Thailand eine größere Bedeutung zugemessen wird als von der IUCN gefordert. Die Bildung gilt nicht nur als ein potentiell verfolgbares, sondern als ein sekundäres Ziel des Nationalparkmanagements (siehe Tab. 5).

Tabelle 5: Managementziele der verschiedenen thailändischen Schutzgebietskategorien bezogen auf die Matrix der IUCN-Kategorien und Managementziele für Schutzgebiete.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erklärung: 1 = Primärziel; 2 = Sekundärziel; 3 = Potentiell verfolgbares Ziel, - = nicht anwendbar

Quelle: Emphandu und Chettamart 2003, bearbeitet.

2. 2 Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen

Die größte Bedeutung beim Erhalt der Biodiversität und dem Schutz der natürlichen Ressourcen kommt dem Ministry of Natural Ressources and Environment (MoNRE) zu, das im Oktober 2002 neu gegründet wurde. Alle Kategorien von Schutzgebieten unterstehen nun dieser Behörde. Die früher dem RFD unterstehende National Parks Division, Wildlife Conservation Division, Watershed Management Division und Forest Fire Division wurde aus diesem ausgegliedert und im neu gegründeten Department of National Park, Wildlife and Plant Conservation (DNP) zusammengefasst. Innerhalb des MoNRE ist das Royal Forest Department (RFD) zuständig für die kommerziell genutzten Wälder, währen die Konservierung der geschützten Wälder in den Zuständigkeitsbereich des DNP fallen (Emphandu, Chettamart 2003).

Abb. 8: Am Schutz der Biodiversität beteiligte staatliche Institutionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: World Bank 2003

Trotz der Neugliederung der für den Schutz der natürlichen Ressourcen und damit auch der verschiedenen Schutzgebiete verantwortlichen Behörden, gibt es einem beständigen Wechsel der Zuständigkeitsbereiche der einzelnen staatlichen Institutionen. Gegenwärtig gibt es mindestens fünf Ministerien, die in die Erforschung und den Schutz der Biodiversität involviert sind (siehe Abb. 8) (Weltbank 2003). Obwohl seit der institutionellen Neuordnung im Jahr 2002 allein das DNP für das Management der Nationalparks, Wildschutzgebiete und Wasserscheidengebiete zuständig ist (siehe Abb. 9), so sind in den einzelnen Schutzgebieten, wie es sich auch bei der Untersuchung des Fallbeispiels Khao Sok zeigen wird, doch auch noch andere staatliche Behörden tätig. Die Überschneidung der Zuständigkeitsbereiche einzelner staatlicher Institutionen in Bezug auf das Management von Schutzgebieten ist mit der Neugliederung vollständig revidiert worden.

Abb. 9 : Organisationsstruktur des DNP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Darstellung nach DNP 2003

2.3 Natur im Dienste der Entwicklung

Das Ziel dieses Abschnitts ist es, deutlich werden zu lassen, wie Thailand im Zuge der Modernisierung des Landes beginnend in den fünfziger Jahren, das westliche Modell des Nationalparks übernahm und es zum Zwecke des nation building sowie der Erschließung peripherer Regionen umfunktionierte. Diese Nationalparkideologie ließ den Schutz der natürlichen Ressourcen zum Nebeneffekt der sozioökonomischen Entwicklung des thailändischen Staates werden. Im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder neu an die sich verändernden wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Land angepasst. Trotz eines ideologischen Wandels im letzten Jahrzehnt lassen sich die Auswirkungen dieser Ideologie auch heute noch in den Managementpraktiken der staatlichen Behörden wieder finden.

Territorialisierung, nation building und wirtschaftliche Entwicklung

Die ausgedehnten Wälder im Norden, Nordosten und Süden Thailands stellten in der Wahrnehmung der Thais eine unzivilisierte, gefährliche Wildnis dar, bewohnt von Minderheiten, die nicht dem Kultur stiftenden Staatsvolk und der zivilisierten Sphäre (Muang) zugerechnet wurde, sowie von einer vom politischen Diskurs ausgeschlossenen Guerilla. Die thailändische Bezeichnung für diese Wälder (Pa thuan) ist nicht gleichbedeutend mit dem Wald als Standort von Bäumen, sondern schreibt diesen gleichzeitig die Attribute wild, gesetzlos und barbarisch zu (Straub 2001).

Die Gründung des Royal Forest Departments im Jahr 1896 , das anfänglich dem Innenministerium unterstand und vom britischen Forstwissenschaftler H. D. Slade geleitet wurde, erlaubte es Bangkok, Gewinne durch die Erteilung von Konzessionen zum Teak-Einschlag zu machen und gleichzeitig seine territoriale Herrschaft im Norden gegen die Briten zu verteidigen (Vandergeest 1996). Im Jahr 1897 verabschiedete Slade den Forest Preservation Act and Teak Trees Preservation Act, der die Regeln für den Holzeinschlag festlegte, 1899 erklärte der König, alles unbesetzte Land gehöre von nun an der Krone und werde vom RFD verwaltet, ein weiterer Schritt zur Manifestierung der Herrschaft über die bewaldeten nördlichen Regionen Thailands.

1913 folgte das Forest Conservation Law, das den Schutz ökonomisch wertvoller und seltener oder allgemein als wichtig eingeschätzter Baumarten festschrieb. In dem großen Territorium, das dem RFD inzwischen unterstand, war das Management einzelner Spezies die Basis der Kontrolle der Wälder.

Lokale Ressourcennutzer, die nicht mit den Zielen des RFD zu vereinbaren waren, wurden übergangen.

Mit dem Ziel, ein modernes auf der Wissenschaft basierendes Management der staatlichen Wälder zu erreichen, verabschiedete die seit 1932 herrschende post-monarchische Regierung den Forest Protection and Reservation Act von 1938, welcher es dem RFD ermöglichte, bestimmte Territorien als geschützte oder reservierte Wälder auszuweisen; die Nutzung der staatlichen Wälder durch die lokalen Gemeinschaften wurde gestattet (Vandergeest 2003).

Das Ziel des nation building durch Erschließung und Befriedung der Peripherie sowie der Modernisierung des Staates unter Feldmarschall Sarit Thanarat (1959-1963) traf zufällig mit dem Konzept des Nationalparks zusammen. Unter Sarit festigte sich die Wahrnehmung der Wälder als nationale Ressource. Grundlegende Änderungen in der Verwaltung der Waldgebiete wurden eingeleitet. Er übernahm die modernen US-amerikanischen Methoden und benutzte eine ökologische Rhetorik, welche die Zerstörung von Waldgebieten mit der Zerstörung der Nation gleichsetzte. Das RFD machte unter Sarit einen Funktionswandel vom Management einzelner wirtschaftlich interessanter Spezies hin zum territorialen Management von Waldgebieten durch und sicherte so die Kontrolle der Regierung über die Peripherie des Landes.

Dieser Übergang brachte es mit sich, dass das RFD an jeglicher Aktivität in den Wäldern interessiert war. Nicht überraschend kam dabei die Nutzung durch die lokalen Gemeinschaften weit hinter der Nutzbarmachung der Wälder zum Wohle der Nation. Sarit setzte die Zerstörung der Wälder gleich mit der Zerstörung der Nation. In den Worten von Sarit:

“Forests are significant natural resources for the lives of Thai people and the existence of Thailand. Those who destroy the forests are the enemy who destroys the nation’s security” ( zit. in Laungaramsri 2003:7).

Hier ist anzumerken, dass es die thailändische Regierung selbst war, die später, vor allem in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, Konzessionen zur Abholzung riesiger Waldflächen vergab. Neben der Erschließung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen hatte dies vor allem das Ziel, die gefühlte Bedrohung, die von diesen Wäldern, zu dieser Zeit Unterschlupf für verschiedene, pauschal als Kommunisten bezeichnete Widerstandsgruppen, ausging, auszulöschen (Brenner 1999; Pye 2002).

Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt der Nutzbarmachung der natürlichen Ressourcen und des Kampfes gegen die Aufständischen, wurden jährlich fast eine Million Hektar Wald abgeholzt (Staub 2001). In den Worten von Pasuk und Barker:

The insurgency was rolled back under a cloud of wood smoke “ (zit. in Straub 2001: 245) Unter der Herrschaft der Militärregierung Sarit trat dann erstmals das Schutzgebiet als Instrument zur Territorialisierung des Landes in Erscheinung. Der Nationalpark war damals ein Zeichen der modernen Zivilisation, ein Schlüsselelement des modernen Thai-Nationalstaates, wie aus dem oben angeführten Zitat von Sarit ersichtlich, die Zerstörung der Wälder gleichsetzte mit der Zerstörung der Nation. Die Arbeit an einer gesetzlichen Grundlage für die Nationalparks begann im Jahr 1958. Das ideale Modell und die Hilfe, um es zu verwirklichen kamen aus den USA. Als Teil des Versuches, den Einfluss des kommunistischen Indochinas auf Thailand zu schmälern, schloss die amerikanische Entwicklungshilfe auch eine Beratung bei der Einrichtung eines Nationalparksystems mit ein. 1955 finanzierte das US-Thai Cooperation Programm den Besuch zweier Gruppen von thailändischen Bürokraten, Forstwissenschaftlern, Ingenieuren und Politikern in die USA. Von diesem Zeitpunkt an übernahm der thailändische Staat das US-amerikanische Entwicklungsmodell von Dämmen und Nationalparks. 1959 sandte die IUCN George Ruhle vom US National Park Service aus , um dem RFD bei der Auswahl geeigneter schützenswerter Gebiete zu helfen und bei der Ausarbeitung von Gesetzen, um diese zu gründen und zu verwalten, beizustehen (Roth 2003).

Aber die Transformation des thailändischen Naturverständnisses war nicht einfach. Ruhle bemerkte, dass eine unberührte Wildnis, deren menschliche Nutzung strikt verboten war, keinen Platz im Kontext der thailändischen Kultur hatte:

Terms such as ‘invasion of wilderness’ and ‘impairment of natural values’ are without meaning to the Thai at present. The idea that any area can best serve education, science, and posterity if left undisturbed seems naive indeed” ( zit. in Laungaramsri 2003:9 ).

Trotz dieser Feststellung begann man mit der Etablierung legaler Mechanismen, um den Schutz durchzusetzen. Finanzielle und technische Unterstützung lieferten internationale Organisationen einschließlich IUCN, FAO, United Nations Development Program (UNDP), USAID und World Wide Fund for Nature (WWF). (Laungaramsri 2003).

Dr. Boonsong Lekhakul, der Vater der modernen Umweltschutzbewegung in Thailand, vertrat die Auffassung, der Nationalpark sei ein Mittel, sich der westlichen Zivilisation anzunähern:

“The establishment of the Wildlife Conservation Law and national parks in Thailand has pointed to the world that Thai people have moved beyond the barbarism of people who are aware only of food for stomach, to the era of civilization. It is time now to know of the food for eyes, for ears, and for the brain” (zit. in Laungaramsri 2003:10).

Der ökologische Wert der zu Nationalparks erklärten Gebiete spielte in den Anfangsjahren des thailändischen Schutzgebietsystems im Diskurs nur eine Nebenrolle. Motiviert vom Verlangen, den Fortschritt und die Modernisierung zu beschleunigen, haben die Beamten des RFD und die Technokraten den Schutz der Wälder mit diesem Ziel im Kopf vorangetrieben.

Aber für wen wurden die natürlichen Ressourcen verwaltet? Ein Mitglied des Nationalparkkomitees beantwortet diese Frage klar:

“We need to focus on the Thai who comprise the core group of people that is, the educated. I believe that almost 100% (of the educated) see the importance of national parks. On the contrary, villagers who are close to the national parks do not accept the idea of parks. That is because it seems the government has cut their access into the area where they used to utilize for themselves or for the capitalists who hired them…Urban people whose livelihood does not rely directly on the national parks tend to appreciate the beauty and aestheticism of national parks more than village people” (zit. in Laungaramsri 2003:12) Dieser Diskurs über Bildung wurde dazu benutzt, unerwünschte Gruppen zu disqualifizieren und vom Management der Nationalparks auszuschließen, die vorher existierende Beziehung von lokaler Bevölkerung und dem Wald zu unterminieren und die Dominanz der städtischen Mittelschicht über die lokale Bevölkerung bezüglich ihre Beziehung zum Wald zu legitimieren. Formale Bildung wurde zur Voraussetzung erklärt, um am Nationalparksystem teilzunehmen.

Interessant ist, dass auch die Wertschätzung der Natur durch die jeweiligen Regierungen und der auf Fortschritt bedachten städtischen Oberschicht keinesfalls dauerhaft und neutral war, da industrielle Interessen immer Vorrang vor denen der lokalen Bevölkerung hatten.

So haben der Wunsch des Staates, seine Autorität auch in den peripheren Regionen des Landes geltend zu machen, die wirtschaftlichen Entwicklungsziele sowie die Anforderungen der Industrie und des Tourismus die Entwicklung der Schutzgebiete in Thailand maßgeblich geprägt.

Im System der Schutzgebiete wurden deswegen naturnahe Ökosysteme nicht nach ihrer ökologischen Bedeutung ausgewählt, sondern nach einer konstruierten Ästhetik und ihrem ökonomischen Wert. So konnten beispielsweise die Mangrovenwälder des Südens, leider ästhetisch betrachtet unattraktiv, nur durch ihre Verwandlung in Holzkohle oder Shrimpfarmen in Wert gesetzt werden. Ihr ökologischer und funktioneller Wert für die lokalen Fischer wurde dabei vernachlässigt (Laungaramsri 2003) Seit 1960 hat die Regierung Bergbauoperationen, den Bau von Dämmen und militärischen Strassen, pharmazeutische Forschung durch private Unternehmen in den Parks, Wildschutzgebieten und Wasserscheidenschutzgebieten im ganzen Land genehmigt. Zum Beispiel überschwemmte der Bau von 6 großen Staudämmen, unter anderem im Gebiet des Fallbeispiels Khao Sok, insgesamt mehr als 200000 Hektar Wald, alle innerhalb von Regionen, die als geschützt ausgewiesen waren. Die Errichtung von Dämmen wird als eine Art “Wasserscheidenschutz” bezeichnet, die für das Ressourcenmanagement des Landes notwendig sei - nicht zerstörerisch, sondern unerlässlich.

Diese Praktiken widersprechen dem von den Behörden selbst erhobenen Anspruch, wonach ein Schutzgebiet eine unberührte Wildnis darstellt, ohne menschlichen Einfluss unter Ausschluss jeglicher destruktiver Aktivitäten. Die thailändische Version von „Wildnis“ rührt von dem Ideal her, menschliche Eingriffe zu erlauben, so lange diese institutionalisiert, vom Staat kontrolliert und reguliert sind und dem Wohl des Landes dienen (Roth 2003; Brenner 1999; Laungaramsri 2003).

Interessanterweise wird die ökologische Zerstörung, die von diesem Entwicklungsschema verursacht wird, von den meisten staatlichen Autoritäten sehr wohl eingestanden. Ein früherer RFD Generaldirektor bemerkte:

“Development requires some losses”(zit. in Laungaramsri 2003).

Derartige Verluste gelten aber als temporär und wieder behebbar. Die Überflutung ausgedehnter Waldgebiete, die Zerstörung einer Vielzahl von Habitaten ermöglichte die Entstehung eines großen Stausees, gut ausgestattet mit einer hervorragenden Infrastruktur und Einrichtungen wie Resorts, einem Golfplatz und Restaurants. Mit relativ geringen Investitionen funktioniert ein Stausee als Ort von touristischem Interesse, was, genau wie einst das nun überschwemmte Gebiet, gewisse Ziele eines Nationalparks erfüllt.

Tourismus - die neue Einkommensquelle

Das Einschlagsverbot von 1989 hat das RFD mit seinem Ideal des produktiven Waldes für einen Moment lang als unnütz erscheinen lassen. Mit dem Wachstum des Ökotourismus in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aber wurde die produktive Funktion des Waldes wieder belebt, und die Nationalparks werden wieder als viel versprechende Einkommensquelle gesehen.

Auch nach der institutionellen Neuordnung Thailands im Jahr 2002 und dem damit beschlossenen Ende der Herrschaft des RFD über die Nationalparks zeichnet sich eine Privatisierung des Parkmanagements durch die allgegenwärtige Vergabe von Konzessionen zur touristischen Nutzung ab. Immer noch ist die Profitmaximierung das oberste Ziel, durch das die Nutzung der Nationalparks bestimmt wird. Die Nutzbarmachung der Natur durch die Vermarktung von “Naturwundern” wurde zur Schlüsselstrategie der Tourismusindustrie. Chettamart (2003:4) fasst die heutige Bedeutung der thailändischen Nationalparks folgendermaßen zusammen:

In short, National Parks are promulgated and managed for nature based tourism with opportunities for learning by the public”.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass das moderne zentralisierte Management der Wälder und damit auch der Schutzgebiete einen Wald schuf, der zum Wohle der Nation verwaltet wird und dabei die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung übergeht und traditionelle Nutzungsformen ausschließt. Diese waren zwar zeitweise toleriert, sie wurden aber niemals legalisiert. Den lokalen Gemeinschaften wurde die Kontrolle über die Waldgebiete entrissen und in die Hände des RFD, später dann des DNP, gelegt das sie zur Erlangung nationaler Wirtschafts- und Schutzziele verwaltete (Roth 2003). Infolge eines ideologischen Wandels, der sich im letzten Jahrzehnt abzuzeichnen begann wird dem Schutz der biologischen Vielfalt und der dazu unerlässlichen Miteinbeziehung der lokalen Bevölkerung in die Schutzvorhaben im gesellschaftlichen Diskurs ein immer größerer Wert beigemessen. Dennoch ist der Alltag in den Nationalparks immer noch von der alten Ideologie geprägt, doch neue Konzepte sind formuliert und sollen bald zur Anwendung kommen. Dabei spielt der Ökotourismus in der von der TAT propagierten Version eine herausragende Rolle, wie im folgenden Abschnitt dargestellt wird.

2. 4 Die thailändische Ökotourismuspolitik

Im Jahr 1997 veröffentlichte die TAT ihre Ecotourism Management Policy. Seitdem hat sich der so genannte Ökotourismus in den Nationalparks des Landes schnell ausgebreitet, auch wenn seine Praktiken inklusive anderer Formen des alternativen Tourismus schon seit langem existieren. Die Ökotourismuspolitik und -praxis wurde von einer Vielzahl anderer Pläne verschiedener Organisationen außerhalb des Tourismussektors unterstützt. Basierend auf dem Wandel des Entwicklungsparadigmas nach dem Erlass der neuen Verfassung (1997) und dem achten National Economic and Social Development Plan (NESD, 1997-2001), gefolgt vom neunten NESD (2002-2006) wurde die Entwicklung des Ökotourismus vorangetrieben. Partizipation der Bevölkerung wurde zu einem Hauptprinzip des thailändischen Ökotourismuskonzepts erklärt.

Die TAT definiert Ökotourismus folgendermaßen:

“Ecotourism is tourism in a natural environment where tourism resources are well taken care of and tourists can learn about and enjoy nature; while local people take part in tourism management, for example, participation in decision making about the tourism business or providing other services which generate income in proportion to the degree of their involvement” (zit. in Tharavasukha 2001:227-228).

Die gegenwärtige Regierung unter Premierminister Thaksin misst der dem Tourismus einen hohen Stellenwert bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei. Er betont dessen Rolle als eine der Haupteinkommensquellen des Landes und will alle Formen des Fremdenverkehrs fördern. Eine der von ihm herausgegebenen politischen Richtlinien beinhaltet die Forderung nach einer Diversifizierung des touristischen Angebots. Dabei zielt er besonders auf die Weiterentwicklung des Öko-, Gesundheits- und Naturtourismus als Mittel zur Umverteilung von Kapital in die wirtschaftlich benachteiligten peripheren ländlichen Regionen Thailands. Neue touristische Ziele sollen entwickelt und gefördert werden, dabei sollen die lokalen Gemeinschaften eine größere Rolle spielen als bisher (Policy of the Government of H.E. Prime Minister Thaksin Shinawatra Delivered to the National Assembly on Monday, 26 February 2001, Part 3.3.2).

Die im National Park Act, dem 8th

National Economic and Social Development Plan (1997-2001) und in den politischen Leitlinien des derzeitigen Premierministers Thaksin enthaltenen Grundsätze der good governance spiegeln sich auch in der Strategie der TAT wieder (siehe Abb. 10 u. Anhang II).

Abb. 10: Die Ecotourism Management Policy der TAT

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sriphnomya 2000:2

Die TAT formuliert in ihrer Ecotourism Management Policy von 1997 sechs verschiedene Richtlinien die Durchführung des Ökotourismus betreffend: (1) Management der touristischen Ressourcen und der Umwelt, (2) Bereitstellung von Bildungsmöglichkeiten und Schaffung eines Umweltbewusstseins, (3) Partizipation der lokalen Gemeinschaften, (4) Förderung des Marketings und der Fremdenführer, (5) Entwicklung der Infrastruktur und der touristischen Dienstleistungen sowie (6) Förderung von Investitionen (Details siehe Anhang II).

Umsetzung

Chettamart (2003) stellt fest, dass die Mehrzahl der Nationalparks bezüglich Entwicklung und Management des Tourismus die in der Ecotourism Management Policy formulierten Leitlinien der TAT übernommen hat. Seiner Meinung nach scheint die Tourismusentwicklung in den meisten Parks derzeit mit den von der TAT herausgegebenen Leitlinien und der gegenwärtigen Regierungspolitik überein zu stimmen.

- Für die meisten „wichtigen“ Nationalparks (40 von 145) wurden Managementpläne erstellt. In diesen wird normalerweise eine Zonierung festgeschrieben, die den Ressourcen- und Umweltschutz, die touristischen Aktivitäten und die Entwicklung touristischer Einrichtungen erleichtern soll. Das DNP arbeitet derzeit an der Entwicklung von Managementplänen für die übrigen Nationalparks.
- In jedem Managementplan ist ein ausführliches Kapitel, Erholung und Tourismus betreffend, enthalten. Manche Managementpläne legen sogar die Tragfähigkeit des jeweiligen Schutzgebiets fest, um eine Schädigung des Ökosystems oder einzelner Komponenten auszuschließen. In Einzelfällen wurde sogar ein Visitor Impact Monitoring eingeführt.
- Alle touristischen Einrichtungen in den Nationalparks werden vom DNP entworfen und von dessen Vertragspartnern errichtet. Das Nationalparkpersonal ist zuständig für Unterkunft, Verpflegung und Durchführung touristischer Aktivitäten, den Souvenirverkauf, die Umweltbildung und die Sicherheit der Besucher. Reisegruppen bringen jedoch meist ihre eigenen Guides mit, welche die Aufgaben des Parkpersonals übernehmen.
- Von den Besuchern wird ein Eintrittsgeld erhoben, welches, die Genehmigung durch das Hauptquartier des DNP in Bangkok vorausgesetzt, in das jeweilige Schutzgebiet zurückfließen kann, um für das Management des Nationalparks eingesetzt zu werden.
- Lokale Gemeinschaften am Rande der Schutzgebiete dürfen dieselben touristischen Dienstleistungen anbieten wie das Parkpersonal. Im Jahr 2003 nutzten 50 Gemeinden 47 verschiedenen Nationalparks als Ziel für die von ihnen angebotenen Touren. Manchen dieser Gemeinden wurde erlaubt, am Entscheidungsprozess bezüglich der touristischen Entwicklung des jeweiligen Nationalparks teilzunehmen.

Die meisten wichtigen Nationalparks stellen mit Unterstützung des DNP ihre eigenen Informationsbroschüren und -bücher her, um ein besseres Marketing zu erreichen. Verschiedene, von der TAT initiierte Aktionen unterstützen diese dabei, so zum Beispiel das monatlich herausgegebene Tourismusmagazin (Unseen Thailand) und diverse Websites. Auch durch die Massenmedien wird für den Besuch in Nationalparks geworben (Ross 2003).

Die Philosophie oder die Ziele der TAT sind von hehren Zielen geprägt, aber nicht immer klar definiert und daher manchmal zweideutig. Ihre Sichtweise einer nachhaltigen Tourismusentwicklung zielt auf:

- Nachhaltige Nutzung der natürlichen und touristischen Ressourcen, die Ausverkauf und Umweltverschmutzung reduziert.
- Erhalt der kulturellen, sozialen und natürlichen Vielfalt.
- Integration des Tourismus in die nationale und regionale Entwicklungspolitik.
- Partizipation der lokalen Gemeinschaften.
- Förderung eines hohen Ausbildungsstandards der am Tourismus Beteiligen.
- Ehrlichkeit bei der Vermarktung der Tourismusziele.

[...]

Ende der Leseprobe aus 165 Seiten

Details

Titel
Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks "Khao Sok", Thailand
Untertitel
Problemerfassung und Lösungsansätze
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
165
Katalognummer
V116519
ISBN (eBook)
9783640183548
ISBN (Buch)
9783640190232
Dateigröße
6454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nutzungskonflikte, Gebiet, Nationalparks, Khao, Thailand
Arbeit zitieren
M.A. Andreas Riedl (Autor), 2005, Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks "Khao Sok", Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116519

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