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Der Pietismus in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"

Unter besonderer Berücksichtigung des sechsten Buches "Bekenntnisse einer schönen Seele"

Title: Der Pietismus in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"

Term Paper , 2020 , 12 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Hasan-Yasin Baran (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der Hausarbeit soll es um die Frage gehen, welche Aspekte des Pietismus sich im sechsten Buch wiederfinden. Dabei soll veranschaulicht werden, dass die Protagonistin einen pietistischen Bildungsweg einschlägt und ihre Erlebnisse den Lehren des Pietismus widerspiegeln (Weltabkehr, Frömmigkeit, Vollkommenheit). Der Fokus liegt also darin, die pietistischen Muster im sechsten Buch zu beleuchten und zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass die "Bekenntnisse einer schönen Seele" ein pietistischer Bildungsweg ist.

Die Bekenntnisse der schönen Seele ist eine Autobiographie über die Tante von Natalie, die ihren Bildungsweg zur spirituellen Vollkommenheit aus der Ich-Erzählperspektive erzählt. In ihrer Erzählung verdeutlicht sie ihre frühzeitige Erkrankung an einem Blutsturz, die damit verbundene Einsamkeit und das Interesse an religiösen Thematiken, aber auch ihre Liebe zu Narziss und dem Dilemma zwischen der irdischen (Liebe zu Narziss und dessen gesellschaftliche Umgebung) und geistlichen (ihre Bindung zum unsichtbaren Freund) Welt. Dennoch löst sie sich von der weltlichen Sphäre los und widmet sich der hallischen Bekehrungslehre, die sie jedoch kritisiert. Durch den Kontakt zu Philo kommt sie mit der Herrnhuter Brüdergemeine in Verbindung und beschäftigt sich mit deren Lehren und Liedern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Pietismus

2.1. Die Begründer des Pietismus

2.2. Der Hallische Pietismus

2.3. Die Herrnhuter Brüdergemeine

3. Die Bekenntnisse einer schönen Seele als pietistischer Bildungsweg

3.1. Die Liebe zu Narziss und Weltabkehr

3.2. Kritik gegenüber der hallischen Bekehrungslehre

3.3. Bekanntschaft mit Philo und der Herrnhuter Brüdergemeine

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das sechste Buch von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, die sogenannten „Bekenntnisse einer schönen Seele“, im Hinblick auf deren pietistischen Gehalt. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die Protagonistin einen pietistischen Bildungsweg einschlägt und wie ihre persönlichen Erlebnisse und spirituellen Entscheidungen die Lehren des Pietismus, insbesondere die der Herrnhuter Brüdergemeine, widerspiegeln.

  • Historische Einordnung des Pietismus (Hallischer Pietismus vs. Herrnhuter Brüdergemeine)
  • Analyse der Weltabkehr und der spirituellen Entwicklung der Protagonistin
  • Auseinandersetzung mit der hallischen Bekehrungslehre und deren Kritik
  • Bedeutung der Herrnhuter Frömmigkeit und der Herzensreligion

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Liebe zu Narziss und Weltabkehr

Die Bekanntschaft mit Narziss ist ein wichtiger Lebensabschnitt der Protagonistin und markiert einen Wendepunkt in ihrem Leben. Sie erlebt nämlich mit Narziss die weltliche Sphäre und die damit verbundene Gesellschaft, in der sie aufgrund ihres Liebhabers reingeraten ist. Alles scheint zunächst positiv zu sein und die schöne Seele ist glücklich darüber, dass Narziss sie zu seiner Frau nehmen möchte. Aufgrund dessen ist sie Gott, ihrem unsichtbaren Freund, dankbar. Jedoch verändert sich die Entwicklung ins Negative, als die Ich-Erzählerin von ersten Meinungsverschiedenheiten spricht. So erwähnt sie die unterschiedlichen Sichtweisen mit Narziss, was die Grenzen der Tugend und der Sittsamkeit angeht und kriegt von ihm Schriften, welche die Existenz Gottes bestreiten. Sie fühlt sich innerhalb der Gesellschaft, in der sie sich befindet, einsam und fühlt sich in dieser eingesperrt.

„Ich spürte der Sache eifrig nach und bemerkte deutliche, daß alles von der Beschaffenheit meiner Seele abhing; wenn die nicht ganz in der geradesten Richtung zu Gott gekehrt war, so blieb ich kalt; ich fühlte seine Rückwirkung nicht und konnte seine Antwort nicht vernehmen. Nun war die zweite Frage: »Was verhindert diese Richtung?« Hier war ich in einem weiten Feld und verwickelte mich in eine Untersuchung, die beinahe das ganze zweite Jahr meiner Lebensgeschichte fortdauerte.“

In Zusammenhang ihrer weltlichen Abkehr spielt dieser Gedanke ihrerseits eine wichtige Rolle, da die Protagonistin anfängt an sich selbst zu zweifeln und zu hinterfragen, ob ihre weltlich orientierte Lebensweise das Richtige sei. Mit diesem Zweifel beschäftigt sie sich ein ganzes Jahr lang und kommt zu folgendem Entschluss:

„Ich fand sehr bald, daß die gerade Richtung meiner Seele durch törichte Zerstreuung und Beschäftigung mit unwürdigen Sachen gestört werde; das Wie und Wo war mir bald klar genug. Nun aber wie herauskommen in einer Welt, wo alles gleichgültig oder toll ist? [...] Wollte ich mich der Gesellschaft entziehen und meine Verhältnisse verändern, so konnte ich nicht. Ich war nun einmal in einen Kreis hineingesperrt; gewisse Verbindungen konnte ich nicht los werden, und in der mir so angelegenen Sache drängten und häuften sich Fatalitäten.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, pietistische Muster in den „Bekenntnissen einer schönen Seele“ zu identifizieren und den Bildungsweg der Protagonistin als pietistisch zu klassifizieren.

2. Der Pietismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der pietistischen Erneuerungsbewegung, ihre religiösen Kernanliegen sowie die Bedeutung der Frömmigkeit und der Bekehrungserfahrung.

2.1. Die Begründer des Pietismus: Hier werden die historischen Ursprünge bei Johann Arndt sowie das Wirken von Philipp Jakob Spener und dessen einflussreiche Reformschrift „Pia Desideria“ beleuchtet.

2.2. Der Hallische Pietismus: Dieses Kapitel behandelt August Hermann Francke, seine pädagogischen Ansätze und die spezifische Bußkampflehre des hallischen Pietismus.

2.3. Die Herrnhuter Brüdergemeine: Es wird die durch Zinzendorf geprägte Richtung des Pietismus vorgestellt, die sich durch die „Heilandsreligion“ und eine Herzensfrömmigkeit von der orthodoxen Lehre abhebt.

3. Die Bekenntnisse einer schönen Seele als pietistischer Bildungsweg: Das Kapitel führt in die literarische Analyse ein, in der die Entwicklung der Protagonistin in den Kontext des pietistischen Bildungsideals gestellt wird.

3.1. Die Liebe zu Narziss und Weltabkehr: Diese Analyse zeigt den inneren Konflikt zwischen weltlichen Bindungen und dem Streben nach geistlicher Vollkommenheit auf, der in einer bewussten Weltabkehr mündet.

3.2. Kritik gegenüber der hallischen Bekehrungslehre: Hier wird die Distanz der Protagonistin zum strengen Bekehrungsmodell Franckes thematisiert, die ihre individuelle spirituelle Unabhängigkeit unterstreicht.

3.3. Bekanntschaft mit Philo und der Herrnhuter Brüdergemeine: Das Kapitel schildert, wie die Protagonistin durch Philo zur Herrnhuter Spiritualität findet und durch Zinzendorfs Lehren ihre religiöse Heimat entdeckt.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die „Bekenntnisse einer schönen Seele“ als ein pietistischer Bildungsroman zu lesen sind.

5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Absicherung der Arbeit.

Schlüsselwörter

Pietismus, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Schöne Seele, Philipp Jakob Spener, August Hermann Francke, Zinzendorf, Herrnhuter Brüdergemeine, Bekehrung, Bildungsweg, Herzensreligion, Weltabkehr, Frömmigkeit, Spiritualität, Literaturanalyse, Bildungsroman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das sechste Buch von Johann Wolfgang von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ unter dem Fokus der pietistischen Lehren und der religiösen Entwicklung der Hauptfigur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören der Vergleich zwischen hallischem Pietismus und Herrnhuter Brüdergemeine sowie die Analyse der persönlichen Bekehrung und Weltabkehr der Protagonistin.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass es sich bei den „Bekenntnissen einer schönen Seele“ um die Schilderung eines pietistischen Bildungsweges handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch die Heranziehung von historisch-theologischer Sekundärliteratur (z.B. von Johannes Wallmann und Hans-Georg Kemper) gestützt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in den Pietismus und die detaillierte Textanalyse der „schönen Seele“, inklusive ihrer Kritik am hallischen Modell und ihrer Annäherung an die Herrnhuter Glaubenspraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Pietismus, Herrnhuter Brüdergemeine, Herzensreligion, Bekehrung, Bildungsweg und die „Bekenntnisse einer schönen Seele“.

Warum kritisiert die Protagonistin die hallische Bekehrungslehre?

Sie lehnt den dort geforderten intensiven Bußkampf ab, da sie ein solches dramatisches Bekehrungserlebnis in ihrem eigenen spirituellen Leben nicht vollzogen hat und den starren Dogmatismus hinterfragt.

Welche Rolle spielt Zinzendorf für die schöne Seele?

Zinzendorf fungiert als prägende spirituelle Instanz, deren „Herzensreligion“ und die Betonung von Jesus als „unsichtbarem Freund“ exakt mit der Denkweise der Protagonistin korrespondieren.

Wie beeinflusst das Ebersdorfer Gesangbuch die Entwicklung der Protagonistin?

Das Gesangbuch dient als entscheidender Katalysator; durch dessen Lieder fühlt sie sich erstmals verstanden und bestätigt, was sie letztlich dazu bewegt, sich als herrnhutische Schwester zu bekennen.

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Details

Title
Der Pietismus in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"
Subtitle
Unter besonderer Berücksichtigung des sechsten Buches "Bekenntnisse einer schönen Seele"
College
University of Duisburg-Essen
Grade
2,0
Author
Hasan-Yasin Baran (Author)
Publication Year
2020
Pages
12
Catalog Number
V1165366
ISBN (PDF)
9783346571182
ISBN (Book)
9783346571199
Language
German
Tags
Goethe Pietismus schöne Seele Wilhelm Meisters Lehrjahre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hasan-Yasin Baran (Author), 2020, Der Pietismus in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1165366
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