Politik im Schatten des Kreuzes - Der Kreuzzug in den Beziehungen zwischen Friedrich II. und Honorius III.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kreuznahme durch Friedrich II. in Aachen

3 Die Rolle der Kreuzzugsidee im Denken Friedrich II

4 Kreuzzug als Instrument der Herrschaftsgestaltung
4.1 Die Wahl Heinrichs (VII.) zum Rex Romanorum und die Kaiserkrönung Friedrich II
4.2 Kaiserliche Kreuzzugspolitik von der Kaiserkrönung bis zum Tod Honorius III
4.2.1 Kreuzzug ohne Kaiser Friedrich II
4.2.1.1 Das Scheitern des fünften Kreuzzuges
4.2.1.2 Schuldfrage und Schuldzuweisungen
4.2.2 Der Kreuzzugthematik in den Jahren 1222 bis zum Tod Honorius III

5 Fazit

Quellen und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Kern mit der Thematisierung der Kreuzzugsproblematik zwischen dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, in wie weit die Kreuzzugsproblematik das politische Handeln Friedrich II. bestimmte. Zwölf Jahre vergingen zwischen seiner Kreuznahme in Aachen 1215 und Kaiser Friedrichs II. Zug ins Heilige Land. Die Zwischenzeit war geprägt von Aufschubbitten an Honorius III., dem Scheitern des fünften Kreuzzuges in Damietta, einer neuerlichen Kreuzzugnahme Friedrich II. und vertraglichen Kreuzzugsvereinbarungen zwischen Kaiser und Papst[1]. Aufgrund dieser wechselhaften Geschichte soll daher die machtpolitische Instrumentalisierung des Kreuzzuges durch Friedrich II. gegenüber dem Papst untersucht werden. Hierfür ist grundlegend zu klären, welche Wertigkeit der Kreuzzug im Denken Friedrichs II. besaß. Zur Analyse des Untersuchungsgegenstandes steht eine umfangreiche Quellenlage zur Verfügung. Hervorzuheben ist hierbei die gut dokumentierte Korrespondenz zwischen Papst Honorius III. und Friedrich II. Schon hier kann als zentrales Thema in den Briefwechseln zwischen beiden Akteuren die Kreuzzugsproblematik lokalisiert werden. So verwundert es nicht, dass diese in den Biographien zu Friedrich II. eine herausragende Stellung einnimmt[2]. Die Bewertungen des Kreuzzuges Friedrichs II. 1228-1229 fallen jedoch sehr unterschiedlich aus. Kantorowicz sieht hierin den „Triumph im Osten, [der Friedrich II.] den Strahlennimbus der Caesaren“ verlieh[3], während Steven Runciman im Kreuzzug Friedrichs II. die größte Enttäuschung unter allen Kreuzzügen zu entdecken glaubt[4]. Besonders im Anschluss an den 800. Geburtstag Friedrich II. 1994 erschien eine Vielzahl neuer Publikationen, wobei jedoch eine thematische Fixierung auf die Kreuzzugsproblematik nur verhältnismäßig selten zu finden ist[5]. Meine Arbeit verortet sich vor den Ereignissen des eigentlichen Kreuzzuges von 1228-1229. Sie befasst sich mit der Frage nach der Rolle des Kreuzzuges in den Beziehungen Friedrich II. und Honorius III. Der eigentliche Kreuzzug, nach Hans Eberhard Meyer der insgesamt Sechste[6], soll an dieser Stelle demnach keine detaillierte Erwähnung finden, da er zeitlich den Lebensabschnitt Papst Honorius III. übersteigt. Im Mittelpunkt steht daher die Zeitperiode seines Pontifikats von 1216-1227. Die Kreuznahme durch Friedrich II. 1215 in Aachen, zeitlich im Pontifikat Innozenz III. zu verorten, muss jedoch, da für den Untersuchungsgegenstand bedeutsam, vor allem weiteren Einzug in die Betrachtung des Themas finden. Um die Analyse gewinnbringend voranzutreiben, lege ich besonderen Wert auf die königlich/kaiserlich-päpstliche Kreuzzugskorrespondenz. Dem Inhalt der Briefe soll die tatsächliche Ereignisgeschichte gegenübergestellt werden. Die Diskrepanzen zwischen den Aussagen in den Briefen und den folgenden Ereignissen werfen zwangsläufig die Frage nach den Handlungsmotivationen beider Akteure auf. Hierbei soll die These, dass Friedrich II. den Kreuzzug als Druckmittel zur Durchsetzung seiner politischen Ziele gegenüber dem Papst benutzte, auf ihre Standhaftigkeit hin überprüft werden. Dafür werde ich unter anderem für die Machtposition Friedrich II. so bedeutende Ereignisse wie die Kaiserkrönung 1220 und die Wahl seines Sohnes Heinrich (VII.) zum römisch-deutschen König heranziehen. Eine vollständige Einbeziehung aller Quellen kann aufgrund des immensen Umfangs nicht geleistet werden, daher erlaube ich mir die Fixierung auf die direkte Korrespondenz zwischen Friedrich II. und Honorius III. Eine weitergehende Quellennutzung, in Form von Urkunden oder Zeitzeugenberichte etwa, soll jedoch ebenfalls im benötigten Maße zur Anwendung kommen. Zusätzlich werden Meinungen und Interpretationen aus der Fachliteratur Einzug in die Untersuchung finden und kritisch hinterfragt werden. Auch hier möchte ich auf den enormen Umfang an sich bietender Literatur hinweisen. Allein die Vielzahl von Biographien zu Friedrich II. sowohl der älteren als auch der neueren historischen Forschung soll an dieser Stelle erwähnt werden[7]. Darüber hinaus existiert eine breite Masse an Monographien und Aufsätzen welche sich mit einem spezifischen Punkt des Lebens und Wirkens Friedrich II. befassen. Der Entstehung nach sind die Arbeiten zu Friedrich II. nicht nur im deutschsprachigen, sondern auch im italienisch-, englisch- oder französischsprachigen Raum zu verorten.

2 Kreuznahme durch Friedrich II. in Aachen

Am 25. Juli 1215 erfolgte in der Marienkirche zu Aachen durch den Mainzer Erzbischof, Siegfried II. von Eppstein die Krönung Friedrich II. zum römisch-deutschen König. Unmittelbar darauf, und das stellte in dieser Form ein Novum dar, gelobte der neue König die Aufnahme eines Kreuzzugs. Die sich aus diesem Ereignis ergebende, für die Arbeit relevante Fragestellung, ist die nach der Handlungsmotivation Friedrichs II. für diesen Akt. Stürner spricht in diesem Zusammenhang von Friedrichs „impulsiv unter dem Eindruck der großen Ereignisse gefassten und schon am Krönungstage verwirklichten Entschluss, das Kreuz zu nehmen“[8]. Diese Interpretation orientiert sich maßgeblich an den Schilderungen des Priors des Lütticher Benediktinerklosters St. Jakob, Reiner, selbst Augenzeuge der Kreuznahme Friedrichs II. Danach nahm Friedrich II. für alle unerwartet das Kreuz und forderte die anwesenden Fürsten und Würdenträger auf, dasselbe zu tun.

Nec mora, post missam idem rex es insperato signum vivifice crucis accepit, et omnes optimates et principes regni tam per se quam per predicatores qui verbum crucis predicabant ammonuit, ut idem facerent; sicque plurimos ad consensum suum convertit.[9]

Die Ausführungen Reiners von Lüttich, es handelte sich um eine spontane Reaktion auf die ergreifenden Ereignisse, werden durch die Aussage Friedrichs II. in einem Rechtfertigungsschreiben vom 6. Dezember 1227 anlässlich seiner Exkommunikation entkräftet. Hier schrieb er selbst, er hätte demütigen Herzens überlegt, wie er dem Herrn für so viele Wohltaten danken könnte und heftete sich aus diesem Grund das Kreuz an die Schulter[10]. Friedrich folgte damit seinen Ahnen, deren Leben ebenso von Kreuzzugsbemühungen gezeichnet war, so z. B. das seines Vaters Heinrich VI. aber auch seines Großvaters Friedrich I. Dies würde gleichzeitig implizieren, dass Friedrich II. sich seiner Aufgabe, das Grab Christi für die Christenheit zurück zu gewinnen, durchaus bewusst gewesen sein müsste. Obwohl davon auszugehen ist, dass es sich bei Friedrich II. um einen durchaus sehr frommen Mann handelte[11], sollte die machtpolitische Komponente der Kreuznahme nicht vernachlässigt werden. Sie stellt ein enormes Zugeständnis an Papst Innozenz III. dar, welcher sich selbst, als eine der wichtigsten Aufgaben seines Pontifikats, die Rückeroberung des Heiligen Landes setzte[12]. Es kann daher nicht verwundern, dass im Zuge des Konzils von Lyon 1245 Stimmen laut wurden, welche die Kreuznahme Friedrichs II. 1215 lediglich in Verbindung mit dem so erworbenen Schutz des Papstes gegen Otto IV. deuteten.

[...] idem Fredericus, ut ad suum presidium ecclesiam obligaret, sibipro terre sancte subsidio imposuit crucis signum defunctoque Ottone de assensu omnium principum Alamannia pro ecclesia Romana privilegium edidit suo et principum consignatum sigillis [...][13]

Sicherlich müssen derartige Aussagen im Zusammenhang mit der Feindschaft zwischen Friedrich II. und Papst Innozenz IV. kritisch hinterfragt werden. Trotz dessen geht eine Stärkung der Position Friedrichs II. gegenüber Otto IV. mit der Kreuznahme in Aachen einher und festigt zudem seinen Anspruch auf die Kaiserkrone. Ein abschließendes Urteil kann jedoch an dieser Stelle nicht geleistet werden. Die später noch zu untersuchende Kreuzzugspolitik mit den mehrfachen Bitten um Aufschub seines Kreuzzuges unterstützen jedoch die Theorie, dass es sich bei der Kreuznahme durch Friedrich II. in Aachen um ein geschicktes politisches Manöver handelte[14]. Durch sein Handeln sicherte er sich zum einen den Schutz des Papstes und zum anderen erhöhte er seine eigene Position, indem er sich selbst an die Spitze des Kreuzfahrerheeres stellte. Ob dies einer Provokation gegenüber dem Papst gleichkam, kann aufgrund fehlender dokumentierter Reaktionen Innozenz III. nicht nachvollzogen werden. Damit ist die Theorie von der Kreuznahme als politischer Schachzug zwar möglich, über Quellen jedoch nicht belegbar. Daher überwiegt in der aktuellen Forschung die Meinung, dass es sich bei der Kreuznahme nicht um einen gegen Innozenz III. gerichteten politischen Akt gehandelt habe[15]. Diese Meinung kann ich durchaus teilen, trotz dessen ist ein politischer Nutzen des Kreuzzugsgelübdes für Friedrich II. nicht von der Hand zu weisen.

[...]


[1] Vgl. Hiestand, Rudolf, Friedrich II. und der Kreuzzug, in: Esch, Arnold/ Kamp, Norbert (Hrsg.), Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994, Tübingen 1996, S. 128-150,

hier S. 130.

[2] Vgl. u. a. Kantorowicz, Ernst, Kaiser Friedrich der Zweite, Berlin 1927; Schaller, Hans Martin, Friedrich II. Verwandler der Welt, Göttingen-Berlin-Frankfurt 1964; Stürner, Wolfgang, Friedrich II.: Teil 2. Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2003.

[3] Kantorowicz, zitiert bei Hechelhammer, Bodo, Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II. Handlungsspielräume von Kreuzzugspolitik (1215-1230), Diss. Phil. TU Darmstadt 2000, Ostfildern 2004,

S. 11.

[4] Vgl. Runciman, Steven, Geschichte der Kreuzzüge, München 2001, S. 969.

[5] Hier u. a. Hiestand (1996) und Hechselshammer (2004).

[6] Vgl. Meyer, Hans Eberhard, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 10 2005.

[7] exemplarisch soll an dieser Stelle auf die lange Zeit als maßgebende Biographie geltende Arbeit von Ernst Kantorowicz (1927) verwiesen werden, ebenso auf Hans Martin Schaller (1964). und Wolfgang Stürner, Friedrich II.: Teil 1. Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220 und Teil 2, Darmstadt 2003.

[8] Stürner, Wolfgang, Teil 1, S. 174.

[9] Reineri Annales, editiert von Georg H. Pertz, MGH SS 16, Hannover 1859, Neudruck Leipzig 1925, S. 673

[10] Vgl. Übersetzung des Schreibens bei Heinisch, Klaus J. (Hg.), Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1968, S. 147.

[11] Vgl. Schaller, Hans Martin, Die Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II., in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters (DA) 51 Jahrgang, Heft 2, Köln/Weimar/Wien 1995, S. 493-513.

[12] Vgl. Stürner (2003), Teil 1, S. 175.

[13] Acta imperii inedita seculi XIII. et XIV. Urkunden und Briefe zur Geschichte des Kaiserreichs und des Königreichs Sicilien, editiert von Eduard Winkelmann, Bd. 2: In den Jahren 1200 bis 1400, Innsbruck 1885, Neudruck Aalen 1964, S. 718 Nr. 1073 II.,

[14] Vgl. Kantorowicz (1927), S. 71., bzw. in der 7. Auflage Stuttgart 1994, S. 62.

[15] Vgl. Stürner, Wolfgang, Kreuzzugsgelübde und Herrschaftssicherung. Friedrich II. und das Papstum im letzten Pontifikatsjahr Innozenz III., in: Mordek, Hubert, Papsttum, Kirche und Recht im Mittelalter. Festschrift für Horst Fuhrmann zum 65. Geburtstag, Tübingen 1991, S. 303-315, hier S. 303f.; Engels, Odilo, Die Staufer, Stuttgart 8 2005, S. 156. aber auch Hiestand (1996), S. 132.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Politik im Schatten des Kreuzes - Der Kreuzzug in den Beziehungen zwischen Friedrich II. und Honorius III.
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Staufer und die Päpste
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V116663
ISBN (eBook)
9783640186983
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde vom Professor für sehr gut befunden und mit dem Hinweis versehen, dass derartige Noten in seinen Hauptseminaren nur selten vergeben werden.Die Hausarbeit wurde vom Professor für sehr gut befunden und mit dem Hinweis versehen, dass derartige Noten in seinen Hauptseminaren nur selten vergeben werden.
Schlagworte
Politik, Schatten, Kreuzes, Kreuzzug, Beziehungen, Friedrich, Honorius, Staufer, Päpste
Arbeit zitieren
Eric Lindner (Autor), 2008, Politik im Schatten des Kreuzes - Der Kreuzzug in den Beziehungen zwischen Friedrich II. und Honorius III., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116663

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politik im Schatten des Kreuzes - Der Kreuzzug in den Beziehungen zwischen Friedrich II. und Honorius III.


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden