Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Kern mit der Thematisierung der Kreuzzugsproblematik zwischen dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, in wie weit die Kreuzzugsproblematik das politische Handeln Friedrich II. bestimmte. Zwölf Jahre vergingen zwischen seiner Kreuznahme in Aachen 1215 und Kaiser Friedrichs II. Zug ins Heilige Land. Die Zwischenzeit war geprägt von Aufschubbitten an Honorius III., dem Scheitern des fünften Kreuzzuges in Damietta, einer neuerlichen Kreuzzugnahme Friedrich II. und vertraglichen Kreuzzugsvereinbarungen zwischen Kaiser und Papst . Aufgrund dieser wechselhaften Geschichte soll daher die machtpolitische Instrumentalisierung des Kreuzzuges durch Friedrich II. gegenüber dem Papst untersucht werden. Hierfür ist grundlegend zu klären, welche Wertigkeit der Kreuzzug im Denken Friedrichs II. besaß. Zur Analyse des Untersuchungsgegenstandes steht eine umfangreiche Quellenlage zur Verfügung. Hervorzuheben ist hierbei die gut dokumentierte Korrespondenz zwischen Papst Honorius III. und Friedrich II. Schon hier kann als zentrales Thema in den Briefwechseln zwischen beiden Akteuren die Kreuzzugsproblematik lokalisiert werden. So verwundert es nicht, dass diese in den Biographien zu Friedrich II. eine herausragende Stellung einnimmt . Die Bewertungen des Kreuzzuges Friedrichs II. 1228-1229 fallen jedoch sehr unterschiedlich aus. Kantorowicz sieht hierin den „Triumph im Osten, [der Friedrich II.] den Strahlennimbus der Caesaren“ verlieh , während Steven Runciman im Kreuzzug Friedrichs II. die größte Enttäuschung unter allen Kreuzzügen zu entdecken glaubt . Besonders im Anschluss an den 800. Geburtstag Friedrich II. 1994 erschien eine Vielzahl neuer Publikationen, wobei jedoch eine thematische Fixierung auf die Kreuzzugsproblematik nur verhältnismäßig selten zu finden ist . Meine Arbeit verortet sich vor den Ereignissen des eigentlichen Kreuzzuges von 1228-1229.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kreuznahme durch Friedrich II. in Aachen
3 Die Rolle der Kreuzzugsidee im Denken Friedrich II.
4 Kreuzzug als Instrument der Herrschaftsgestaltung
4.1 Die Wahl Heinrichs (VII.) zum Rex Romanorum und die Kaiserkrönung Friedrich II.
4.2 Kaiserliche Kreuzzugspolitik von der Kaiserkrönung bis zum Tod Honorius III.
4.2.1 Kreuzzug ohne Kaiser Friedrich II.
4.2.1.1 Das Scheitern des fünften Kreuzzuges
4.2.1.2 Schuldfrage und Schuldzuweisungen
4.2.2 Der Kreuzzugthematik in den Jahren 1222 bis zum Tod Honorius III.
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die machtpolitische Instrumentalisierung der Kreuzzugsproblematik durch Friedrich II. in seinen Beziehungen zu Papst Honorius III. Dabei wird analysiert, inwieweit Friedrich II. den Kreuzzug als Druckmittel einsetzte, um seine politischen Ziele, wie die Kaiserkrönung und die Etablierung seiner Dynastie, durchzusetzen, anstatt das Heilige Land tatsächlich zu befreien.
- Die Kreuznahme als politisches Manöver und Instrument zur Herrschaftssicherung.
- Die Analyse der Korrespondenz zwischen Friedrich II. und Papst Honorius III.
- Die Verknüpfung von Kreuzzugsgelübden mit der Kaiserkrönung und der Wahl Heinrichs (VII.).
- Die Untersuchung der Schuldfrage bezüglich des Scheiterns des fünften Kreuzzuges in Damietta.
Auszug aus dem Buch
4.2.1.2 Schuldfrage und Schuldzuweisungen
Mit Schuldzuweisungen, jedoch auch mit Schuldeingeständnissen, wurde nach dem Desaster von Damietta von päpstlicher Seite nicht gespart. So war es für den Papst nicht zuletzt das Fehlen des Kaisers als Führungsperson, welches für die Niederlage mitverantwortlich war. In einem Schreiben vom 19. November 1221 berichtet er Friedrich II. voll des Schmerzes von der Niederlage in Damietta, zählt aber gleichzeitig eine Reihe von Verfehlungen des Kaisers auf, welche zu diesem Unglück führten.
Illud autem nolumus te latere, quod si nec Christiane fidei zelo nec nostris exhortationibus excitatus, in negotio, quod absit, fueris tepidus memorato, nos tibi non parcemus ulterius, nec saluti nostre nec utilitati totius populi Christiani te amplius preferemus; quin immo te tanquam voti proprii contemptorem excommunicatum solemniter publicabimus, idque per totum Christianum orbem faciemus in confusionem tuam publice nuntiari.
Tatsächlich erschwerte das Warten auf den Kaiser die Planungen der Kreuzfahrer immens und förderte darüber hinaus die Ungeduld, in deren Konsequenz der päpstliche Legat Pelagius von Albano letztendlich seine Offensive begann, ohne die Unterstützung neuer Kontingente abzuwarten. „The absence of one wise and respected leader“ kann daher als Mitgrund für die Niederlage in Damietta ausgemacht werden. Die Hauptschuld ist jedoch nicht bei Friedrich II. zu suchen, sondern beim päpstlichen Legaten Pelagius, welcher wiederum für sein Handeln vom Papst freie Hand bekam.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, die sich mit der machtpolitischen Instrumentalisierung der Kreuzzugsproblematik durch Friedrich II. in seinen Beziehungen zu Honorius III. befasst.
2 Kreuznahme durch Friedrich II. in Aachen: Analyse des impulsiven Gelübdes Friedrichs II. zur Kreuznahme im Jahr 1215 und dessen Bedeutung als machtpolitisches Zugeständnis an Innozenz III.
3 Die Rolle der Kreuzzugsidee im Denken Friedrich II.: Untersuchung der Motivation und Frömmigkeit Friedrichs II. sowie der Verknüpfung des Kreuzzugsgedankens mit seiner Kaiserwürde.
4 Kreuzzug als Instrument der Herrschaftsgestaltung: Analyse der gezielten Verwendung der Kreuzzugspolitik zur Durchsetzung dynastischer Ziele und zur Kaiserkrönung sowie die Rolle des Papstes hierbei.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Friedrich II. die Fixierung des Papstes auf den Kreuzzug bewusst als politisches Druckmittel zur Festigung seiner Macht instrumentalisierte.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Honorius III., Kreuzzug, Machtpolitik, Kaiserkrönung, Damietta, Instrumentalisierung, Staufer, Papsttum, Kreuzzugsgelübde, Heiliges Land, Heinrich (VII.), Religionspolitik, Mittelalter, Herrschaftsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die wechselvolle Beziehung zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. vor dem Hintergrund der Kreuzzugsproblematik zwischen 1216 und 1227.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die machtpolitische Instrumentalisierung von Kreuzzugsgelübden, die Kaiserkrönung Friedrichs II. sowie das Scheitern des fünften Kreuzzuges.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Es soll geklärt werden, inwieweit Friedrich II. den Kreuzzug als bewusstes Druckmittel einsetzte, um seine politischen Ziele gegenüber dem Papst durchzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Analyse der zeitgenössischen Korrespondenz zwischen Friedrich II. und Honorius III. sowie auf eine kritische Auswertung der aktuellen geschichtswissenschaftlichen Fachliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Kreuznahme in Aachen, die Rolle der Kreuzzugsidee, die Wahl Heinrichs (VII.) sowie die päpstliche Kreuzzugspolitik und die Schuldfrage nach der Niederlage in Damietta.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Machtpolitik, Kreuzzugsinstrumentalisierung, staufische Kaiserpolitik und päpstliches Kreuzzugsideal beschreiben.
Warum war das Scheitern bei Damietta für die Beziehung zwischen Papst und Kaiser so entscheidend?
Die Niederlage verdeutlichte die Notwendigkeit einer starken kaiserlichen Führung, was den Druck auf Friedrich II. erhöhte und gleichzeitig die Strategie des Papstes, den Kaiser durch den Kreuzzug zu binden, weiter forcierte.
Spiegeln die Verzögerungen bei der Abreise des Kaisers zwingend eine mangelnde Frömmigkeit wider?
Nein, der Autor argumentiert, dass eine scharfe Trennung zwischen persönlicher Frömmigkeit des Kaisers und seiner machtorientierten Kirchenpolitik vorgenommen werden muss.
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- Eric Lindner (Author), 2008, Politik im Schatten des Kreuzes - Der Kreuzzug in den Beziehungen zwischen Friedrich II. und Honorius III., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116663