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Diskriminierung durch Verfahren. Schulische Bildungsentscheidungen im Spiegel verwaltungsrechtlicher Vorgaben am Beispiel einer hessischen Intensivklasse

Title: Diskriminierung durch Verfahren. Schulische Bildungsentscheidungen im Spiegel verwaltungsrechtlicher Vorgaben am Beispiel einer hessischen Intensivklasse

Doctoral Thesis / Dissertation , 2020 , 263 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Marcus Karl (Author)

Pedagogy - School Pedagogics
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Summary Excerpt Details

Die Forschungsarbeit analysiert zwei Zeugniskonferenzen der Sekundarstufe I von hessischen Intensivklassen und Expertinneninterviews ihrer Teilnehmerinnen. Dabei werden verwaltungsrechtliche Sinnlogiken in ihren Diskursen und Entscheidungsmustern sichtbar gemacht, die am Ende zu dem Ergebnis führen, dass Lehrkräfte im Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Verwaltung zwar arbeiten aber nur nach verwaltungsrechtlichen Maßstäben entscheiden dürfen.

Die Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Forschungsfragen: Nach welchen Kriterien werden ausländische Schülerinnen und Schüler als sogenannte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger den Regelschulen vom Staatlichen Schulamt zugeteilt? Mit welchem organisatorischen und pädagogischen Konzept werden die Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in die Intensivklassen der Regelschulen integriert und dort unterrichtet? Welchen verwaltungsrechtlichen und pädagogischen Handlungsspielraum haben Lehrkräfte, um das heterogene Leistungs- und Sprachgefüge in den Intensivklassen zu kompensieren? Welche Entscheidungsmuster und Schülertypen lassen sich in den Aushandlungsprozessen bei den Lehrkräften identifizieren, wenn sie die Bildungsentscheidungen der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in einen Schulzweig begründen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Forschungsstand und theoretische Grundlagen

1.0 Schule und Gesellschaft

2.0 Schule in der Erziehungswissenschaft

2.1 Unterrichtsforschung

2.2 Migrationsforschung

2.3 Schulkonferenzforschung

3.0 Schule als Organisation

3.1 Systemtheorie nach Luhmann

3.2 Strukturfunktionalismus nach Parsons

3.3 Bürokratiemodell nach Max Weber

4.0 Schule zwischen Interaktion und Verwaltung

4.1 Zeugniskonferenz als Verwaltungsverfahren

4.2 Zeugniskonferenz als soziales System

4.3 Antinomie zwischen Profession und Organisation

5.0 Intensivklassen in der politischen Diskussion

II. Empirischer Teil

1.0 Eine qualitative Untersuchung in Intensivklassen

1.1 Forschungsdesign und methodisches Vorgehen

1.2 Forschungsfragen

1.3 Position des Forschers

1.4 Eindringen in das Forschungsfeld

2.0 Zwei Säulen der Datenerhebung

2.1 Leitfadengestützte Expertinnen-Interviews

2.2.1 Forschungsssample

2.2.2 Durchführung und Nachbereitung der Datenerhebungen

2.2 Zeugniskonferenz als natürliche Gruppendiskussion

2.2.1 Begründung der zwei Analysen und Auswertungsmethoden

3.0 Qualitative Inhaltsanalyse

3.1 Staatliches Schulamt

3.1.1 Zusammenfassung mit der qualitativen Inhaltsanalyse

3.1.2 Schulverwaltungsrechtliche Explikation

3.2 Heterogenität und Differenzierung

3.3 Dysfunktionaler Verwaltungsapparat

3.4 Faktoren für eine Schulzweigzuweisung nach der Intensivklasse

3.5 Intensivklasse / Regelklasse

3.6 Individuelle Faktoren

3.7 Labels für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger

3.8 Personal für die Intensivklassen

3.9 Spannungsfelder und Kompensationsverhalten

3.9.1 Widersprüche

4.0 Reflexive Betrachtung der bisherigen Ergebnisse

4.1 Gütekriterien

5.0 Die datenbasierende Beschreibung der Zeugniskonferenz

5.1 Datenbasierende Fallbeschreibung Ege und Ranja

6.0 Grounded Theory

6.1 Kodierzirkel

6.2 Datenbasierende Kategorien der Zeugniskonferenz

6.2.1 Anamnese

6.2.2 Pädagogisch Sinnvolles (Interaktion)

6.2.3 Verwaltungszwang (Konditionalität)

6.2.4 Aushandlungsprozess

6.2.5 Bildungsentscheidung

6.2.6 Verwalterinnen / Retterinnen / Vollstreckerinnen

6.2.7 Kodierparadigma zur Genese einer Konfliktmasse

7.0 Typen der Zeugniskonferenzkonferenz

7.1 Die „Verwalteten“

7.2 Die „Zeit läuft ab“

7.3 Der „fleißige Notfall“

7.4 Die „alten Analphabetinnen“

7.5 Die „Musterschüler und Schülerinnen“

7.6 Die „Sind-selbst-Schuld“

7.7 Die „Gehört nicht hierher“

7.8 Der „Geisterschüler“

8.0 Vorformulierte abstrakte Verbalbeurteilung

III. Erziehungswissenschaftliche Ergebnisse

1.0 Schlussfolgerungen im Spiegel der Forschungsfragen

2.0 Erziehungswissenschaftliche Desiderata

2.1 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das hessische Intensivklassenkonzept und dessen Auswirkungen auf die Bildungschancen von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern. Dabei steht im Zentrum, wie schulische Bildungsentscheidungen durch das Spannungsfeld zwischen pädagogischen Erfordernissen und verwaltungsrechtlichen Vorgaben innerhalb von Zeugniskonferenzen beeinflusst werden und inwiefern dies zu Selektionsprozessen führt.

  • Strukturelle Organisation des hessischen Schulsystems und der Intensivklassen
  • Die Rolle der Zeugniskonferenz als Ort schulischer Selektion
  • Einfluss von verwaltungsrechtlichen Rahmenbedingungen auf das pädagogische Handeln
  • Institutionelle Diskriminierung und Bildungsungleichheit
  • Die "blinden Flecken" schulischer Entscheidungsprozesse

Auszug aus dem Buch

3.0 Schule als Organisation

Das hessische Schulsystem wird allgemein im Hessischen Schulgesetz (HSchulG) geregelt, in welchem die demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes gemäß Art. 1 Abs. 3 GG iVm. Art. 7 GG iVm. Art 20 Abs. 3 GG gelten. Es ist hierarchisch in mehrere Ebenen gegliedert. Aus dem § 95, HSchulG geht hervor, dass die Schulen als Mikro-Ebene unter der Dienst und Fachaufsicht der staatlichen Schulämter (Meso- Ebene) stehen, welchen sie originär zugeordnet werden. Die staatlichen Schulämter als unterste Schulaufsichtsbehörde selbst sind gemäß § 96 HSchulG der obersten Schulaufsichtsbehörde unterstellt, welche die Makro-Ebene darstellt.

Das Kultusministerium, als Teil der Exekutive, erlässt Grundsatzentscheidungen bei der Gesetzesauslegung durch allgemeine Verwaltungsvorschriften und Verfügungen. Es kann durch die mittels eines förmlichen Gesetzes ergehende Ermächtigung eigenständig Verordnungen erlassen, ohne dass dies gemäß Artikel 80 Abs. 1 Grundgesetz einer parlamentarischen Abstimmung bedarf. Änderungen von Gesetzen erfordern hingegen einen parlamentarischen Beschlussprozess, welcher sich aus den Artikeln 76-82 des Grundgesetzes ergibt. Somit werden sämtliche Normen unterhalb der Gesetze vom Kultusministerium zur Selbstverwaltung und Regulierung des Schulsystems unmittelbar erlassen. Dabei können alltägliche Schulrealitäten mehrere Rechtsbereiche mit eigenen Rechtsnormen betreffen, welche die Lehrkräfte und Schulleitungen alle kennen und beachten müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Forschungsstand und theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel verortet die Schule soziologisch und erziehungswissenschaftlich, diskutiert Theorien von Bourdieu, Dürkheim, Luhmann, Parsons und Weber und bildet damit den theoretischen Unterbau für die Analyse von Selektionsprozessen.

II. Empirischer Teil: Hier erfolgt die qualitative Untersuchung der Intensivklassen und Zeugniskonferenzen, inklusive der methodischen Vorgehensweise, Datenerhebung und der Analyse von Entscheidungsmustern mittels Grounded Theory.

III. Erziehungswissenschaftliche Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse im Hinblick auf die Forschungsfragen zusammen und diskutiert das Potenzial sowie die Desiderata für eine gerechtere Bildungspraxis im hessischen Schulsystem.

Schlüsselwörter

Intensivklassen, Seiteneinsteiger, Zeugniskonferenz, Bildungsentscheidung, Schulische Selektion, Verwaltungsrecht, Pädagogische Freiheit, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Institutionelle Diskriminierung, Schulorganisation, Grounded Theory, Schulsystem Hessen, Schulentwicklung, Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Praxis der schulischen Bildungsentscheidungen für neu zugewanderte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in hessischen Intensivklassen, wobei der Fokus auf dem Konflikt zwischen pädagogischen Zielen und verwaltungsrechtlichen Vorgaben liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Organisation des Schulsystems, der Selektionscharakter von Konferenzen, institutionelle Diskriminierung, die Macht von Verwaltungsrahmen sowie die Bedeutung von Lehrerhandeln und Habitus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuklären, wie die Entscheidungspraxis in Zeugniskonferenzen funktioniert und welche Rolle der institutionelle Verwaltungsrahmen bei der Bildungschancengenese von Seiteneinsteigern spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit nutzt eine qualitative empirische Fallstudie, bestehend aus leitfadengestützten Expertinnen-Interviews und der Analyse natürlich vorkommender Gruppendiskussionen (Zeugniskonferenzen) mittels der Grounded Theory und qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Grundlagenteil und einen empirischen Teil, in dem konkrete Konferenzabläufe analysiert, Schülertypen identifiziert und Entscheidungsmuster rekonstruiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Intensivklassen, Seiteneinsteiger, Zeugniskonferenz, institutionelle Diskriminierung, Verwaltungsrahmen und pädagogische Professionalität.

Warum spielt die Zeugniskonferenz eine so zentrale Rolle?

Sie wird als der soziale Ort identifiziert, an dem pädagogische Urteile in formale Verwaltungsakte überführt werden, wobei hier das Spannungsfeld zwischen organisatorischem Zwang und dem pädagogischen Auftrag sichtbar wird.

Was bedeutet der Begriff "Geisterschüler" in diesem Kontext?

Dieser Begriff beschreibt einen Fall, in dem ein bereits abgewanderter Schüler weiterhin in der Lehrer- und Schülerdatei geführt wird, um administrative Vorgaben wie Mindestklassengrößen oder Lehrerzuweisungen manipulativ aufrechtzuerhalten.

Warum wird der Begriff "Schülermaterial" in der Arbeit kritisiert?

Die Arbeit verwendet ihn als Ausdruck für eine Entindividualisierung und bürokratische Reduzierung der Schüler auf statistische Einheiten, was die systemische Tendenz des Verwaltungsapparates widerspiegelt.

Welche Rolle spielt die "Conflictmasse" in der Analyse?

Sie bezeichnet das Konfliktpotenzial, das aus der Diskrepanz zwischen den individuellen Voraussetzungen der Seiteneinsteiger und den starren Anforderungen des Schulsystems bei der Zuweisung in einen Schulzweig entsteht.

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Details

Title
Diskriminierung durch Verfahren. Schulische Bildungsentscheidungen im Spiegel verwaltungsrechtlicher Vorgaben am Beispiel einer hessischen Intensivklasse
College
University of Frankfurt (Main)  (Erziehungswissenschaft)
Grade
2,0
Author
Marcus Karl (Author)
Publication Year
2020
Pages
263
Catalog Number
V1166646
ISBN (PDF)
9783346612717
ISBN (Book)
9783346612724
Language
German
Tags
Institutionelle Diskriminierung Schule Chancengleichheit Migration PISA Schulselektion Bildung Ungleichheit Rassismus Organisation Benachteiligung Institution Ausländerfeindlichkeit Pädagogik Noten Lehrerprofession Profession
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Karl (Author), 2020, Diskriminierung durch Verfahren. Schulische Bildungsentscheidungen im Spiegel verwaltungsrechtlicher Vorgaben am Beispiel einer hessischen Intensivklasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1166646
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