Der Einfluss der Migranteneltern auf die Bildung


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Identitätsbildung jugendlicher Migranten

3. Die Bildungsinstitutionen Schule und Familie

4. Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem

5. Bildungserfolgsvariablen
5.1 Kulturelles Kapital/ Bildungsniveau der Migranteneltern
5.2 Einkommen der Migranteneltern
5.3 Anzahl der Kinder im Haushalt
5.4 Eingliederungsprozess der Migrantenfamilie
5.4.1 Alter der Mutter
5.4.2 Einreisealter des Kindes
5.4.3 Kulturelles Klima im Elternhaus
5.4.4 Deutschkenntnisse der Eltern
5.4.5 Staatsangehörigkeit/ Nationalität

6. Fallbeispiel

7. Zusammenfassung

8. Anhang

9. Quellenverzeichnis
9.1 Monographien

1. Einleitung

Migrantenjugendliche haben laut einem Befund der Bildungsstatistik gegenüber deutschen Jugendlichen einen Nachteil im deutschen Bildungssystem. Durch die Untersuchung der relevanten Variablen soll geklärt werden, welche Faktoren den Bildungserfolg bzw. -misserfolg beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird der Einfluss der Herkunftsfamilie besonders berücksichtigt.

Zunächst wird die spezifische Situation in der sich die Migrantenjugendlichen befinden untersucht, wobei der Identitätsprozess Jugendlicher im Vordergrund steht. Im darauf folgenden Abschnitt wird der Zusammenhang von Schule und Familie hinsichtlich der Bildungsaneignung Migrantenjugendlicher erläutert. Den Nachteil den Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem haben versuchen drei Erklärungsansätze aufzuschlüsseln. Welche familialen Faktoren die Bildungsaneignung von Migrantenjugendlichen beeinflussen wird auf der Grundlange des Forschungsprojekts ‚Bildungsverhalten in Migrantenfamilien – Eine Sekundäranalyse des Sozio-ökonomischen Panels‛ untersucht.[1] Das Fallbeispiel der Bildungsmigrantin Laura aus Guinea dient der Veranschaulichung, wie familiale Ressourcen in der Migrationssituation mobilisiert werden können.

2. Die Identitätsbildung jugendlicher Migranten

In der Adoleszenz spielt die Auseinandersetzung der Migrantenjugendlichen mit der Herkunftsfamilie eine besondere Rolle. Die innerfamiliären Konflikte bieten ihnen die Möglichkeit sich von familialen Muster abzugrenzen und einen neuen Lebensentwurf herauszubilden. Damit die Ausbildung eines eigenen Identitätsentwurfs gelingt, muss eine äußere und eine innere Trennung von der Familie vollzogen werden (vgl. Günther 2006: 104).

Mit dem Auszug des Jugendlichen von Zuhause, findet die äußere Trennung von den Eltern statt. Der Prozess der adoleszenten Ablösung wird erst vollständig erreicht, wenn auch eine innere Distanznahme und Auseinandersetzung mit den Lebensentwürfen der Eltern stattgefunden hat. Aus diesem Grund kommt der inneren Trennung von den Eltern eine große Bedeutung zu (vgl. Günther 2006: 104).

Der Prozess der Identitätsbildung ist in die realen Bezüge des jugendlichen Migranten eingebettet. Daher bestimmen die gesellschaftlichen und familialen Bedingungen und die damit verbundenen Handlungsspielräume, die Möglichkeiten und Ressourcen die dem Jugendlichen während des Identitätsprozesses zur Verfügung stehen. Die mit der Migration verbundenen, teils erweiterten Handlungsspielräume beeinflussen den Prozess der Identitätsbildung maßgeblich (vgl. Günther 2006: 107).

Die sich im Rahmen der Identitätsbildung entwickelnden lebensbiographischen Fragen wie 'Wo komme ich her?', 'Wer bin ich?', 'Wer will ich sein?' und 'Wo will ich leben?' werden ebenfalls durch gesellschaftliche und familiale Faktoren beeinflusst. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmen mit welchen kulturellen Mustern der jugendliche Migrant in Berührung kommt und welche Entwicklungsspielräume ihm zur Verfügung stehen. Bei den familialen Einflüssen spielen vor allem die Eltern eine Rolle. Welche Lebensentwürfe leben die Eltern vor? Wie offen oder eingeschränkt reagieren die Eltern auf neue Lebensentwürfe ihrer Kinder? Werden abweichende Lebensentwürfe möglicherweise sanktioniert?

„Der jeweilige Lebensentwurf, den ein Mensch in Auseinandersetzung mit

seiner individuellen Biographie ausbildet, ist somit immer auch ein Resultat

seiner lebensgeschichtlich erworbenen familialen und soziostrukturellen

Ressourcen“ (Günther 2006: 105).

Durch die Migration wird ein Mensch mit äußeren und inneren Veränderungsprozessen konfrontiert, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Der jugendliche Migrant muss sich in der für ihn fremden Welt orientieren und neu verankern. Somit befinden sich Migrantenjugendliche in einem Prozess der doppelten Transformation (vgl. Günther 2006: 105). Die in der Adoleszenz auf psychischer wie physischer Ebene stattfindenden Veränderungen erfahren in der Migration eine Verstärkung durch die Fremdheitserlebnisse in der neuen Umgebung. Die Auseinandersetzung mit der Migrationssituation hat immer auch etwas damit zu tun, welche adoleszenten Krisen in welcher Art und Weise durch die Migration beeinflusst werden (vgl. Günther 2006: 106). Der Verlauf des Migrationsprozesses von Adoleszenten wird wesentlich durch die äußeren Bedingungen in der Aufnahmegesellschaft, also die kulturell-gesellschaftlichen Konstellationen in denen die Migration stattfindet und durch die inneren biographischen Wahrnehmungs- und Handlungsmuster beeinflusst (vgl. Günther 2006: 105). Der Umwandlungsprozess kann eine neue Handlungsautonomie bewirken, indem sich die Migranten mit ihren biographischen Strukturen auseinandersetzen, sie in Frage stellen, instrumentalisieren oder weiterentwickeln.

Wenn das Aufnahmeland einen potentiell erweiterten adoleszenten Entwicklungsspielraum zulässt, so kann dieser Spielraum aber gleichzeitig wieder durch die strukturell vorhandene Diskriminierung beschränkt werden (vgl. Günther 2006: 118).

3. Die Bildungsinstitutionen Schule und Familie

Schule und Familie bilden die zwei wichtigsten Handlungsfelder von Jugendlichen. Aufgrund der konstitutiven Generationendifferenz zwischen Lehrer und Schüler bzw. Eltern und Kind unterstellen Wissenschaftler ein spannungsreiches Verhältnis (vgl. Hummrich/ Wiezorek 2005: 105). Die Konturierung dieser Beziehungen und das wechselseitige Verhältnis in dem sie stehen ist der Gegenstand neuerer empirischer Forschungsprojekte. Bei Migrantenjugendlichen gelten diese Beziehungen als besonders konfliktreich, da zwischen Familie und Schule eine kulturelle Differenz herrscht, bei der die Familie nicht in der Lage ist, sich für die schulischen Belange ihrer Kinder zu engagieren (vgl. ebd.).[2]

Schule und Familie bilden wichtige Institutionen für die Bildungsaneignung von Migrantenjugendlichen. Beeinflusst wird der Bildungserfolg zum einen durch die elterliche Bildungsaspiration und die elterlichen Unterstützungsleistungen und zum anderen durch die schulischen Anerkennungsbeziehungen. Aber auch außerschulische sowie außerfamiliale Unterstützungssysteme und die individuellen, biographischen Vorstellungen sind Einflussfaktoren der Bildungsaneignung und des Bildungserfolgs (vgl. Hummrich/ Wiezorek 2005: 118).

[...]


[1] vgl. Nauck/Diefenbach/Petri 1998: 701 ff.

[2] Siehe Abb. 1 Punkt 8

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Migranteneltern auf die Bildung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung)
Veranstaltung
Migrantenjugendliche im Bildungssystem
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V116690
ISBN (eBook)
9783640189298
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Migranteneltern, Bildung, Migrantenjugendliche, Bildungssystem
Arbeit zitieren
Katharina Glaser (Autor), 2008, Der Einfluss der Migranteneltern auf die Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116690

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